Interviews mit Legenden des Eishockeysports Udo Kießling und Tobias Abstreiter

 

DEL2 (Landshut/HG) Im Zusammenhang mit dem Legendenmatch der Hockey Oldtimer Germany gegen eine tschechische Auswahl der Veteráni am 15.4.2023 führte eishockey-online vor dem Spiel vier Interviews mit den Protagonisten: es handelt sich dabei um Udo Kießling, Tobias Abstreiter, Jaroslav Pouzar und Kamil Toupal.

 

 

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(Foto: Friedemann)

 


 

Udo Kießling

 

Her Kießling, Sie sind zweifellos eine Ikone des deutschen Eishockeysports: 6x Meister mit Köln, 3x Spieler des Jahres, 15x in Folge Bundesliga All-Star-Team, 4x Leonhard Waitl-Trophy, All-Star-Team der Weltmeisterschaft 1987, 1x Canada-Cup, 5x Olympia.

 

Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Wie würden Sie Ihre Spielweise erklären?

Meine Spielweise, super: Punkt ein, ich habe Eishockey geliebt, habe meinen Körper nicht geschont aber auch nicht den Gegner. Für mich war das Spiel körperlich und auch technisch eine gute Kombination auch was die körperliche Fitness und die Schnelligkeit anging. Ich konnte austeilen aber habe auch einstecken können, aber es war nicht so, dass ich böse wurde, wenn mir jemand auf die Finger gehaut hat.

 

Innsbruck 1976: war das Ihr größter Erfolg?

Das wurde ich schon öfters gefragt. Innsbruck war toll, aber es gab auch andere Momente, die genauso toll waren wie Weltmeisterschaften oder andere Spiele, die einen besonderen Stellenwert hatten. Die Bronze Medaille war ein Erlebnis, aber mit 21 Jahren konnte ich dies nicht so richtig einordnen in seiner Bedeutung. Ich hatte damals die Vorstellung, danach kommen noch weitere Medaillen.

 

Sie waren ja damals der Benjamin im Team. Von Ihnen stammt der Satz: Am Anfang waren wir ein Grüppchen, am Ende waren wir ein dicker Haufen.“ Ja, das stimmt, die Jungen waren dabei und sie mussten sich erstmals hochdienen in der damaligen Hierarchie. Erst dann wurde man akzeptiert bei den Senioren und Erwachsenen. Es gab aber auch andere Erfolge, z.B. bei der WM in Wien haben wir die Großen geschlagen und dann hat dieses Spiel gezählt. Olympia war toll, aber das Andere war dann noch toller, v.a. wenn man die Amerikaner schlägt, wovon man zuvor nur träumte.

 

Wieviel Spaß hat es Ihnen und Ihren damaligen Mitstreitern bereitet, den einzigartigen Dokumentarfilm „0,041 – das Eishockey Wunder von Innsbruck“ zu drehen?

Ja doch, Innsbruck war außergewöhnlich, weil es schön war die anderen „alten Säcke“ wieder mal zu sehen mit denen man zusammengespielt hatte. An den Nachmittagen konnte man all dies wieder gedanklich erleben und sich bildhaft vor Augen zurückerinnern an diese vielen Erlebnisse. Ich erinnere mich vor allem an die emotionalen Momente mit Lorenz Funk, dessen Krankheit schon weit fortgeschritten war. Seine körperliche Verfassung war nicht mehr so gut, aber der Lorenz bekam durch die Präsenz von uns wieder den Lebenshauch zurück.

 

Seine Gesichtsfarbe war schön zu beobachten und es war schön, ihm zuzuschauen, wie er wieder lachen konnte. Man spürte das Feuer wieder in ihm und alles Andere wurde dadurch relativiert, was wirklich wichtig ist im Leben. Insbesondere bei Beerdigung meines Vaters, wo der Lorenz dabei war, spürte ich bei ihm diese Freude. Allein diese Wahrnehmung empfand ich als sehr wertschätzend.

 

Wie fühlte sich die Ehrung zur Aufnahme in der Hall of Fame Deutschland und in der IIHF-Hall of Fame an?

Ja, IIHF war schon eine große Nummer, es war sehr toll und eine große Würdigung. Das war etwas ganz Besonderes, vor allem in dieser ehemaligen alten Schwimmhalle, wo das ‚Who of Who des Eishockeys‘ anwesend war. Alles war riesig ganz im russischen Stil und ich als Deutscher mittendrin. Schon die Anreise war toll und dann hast du auf dem Podium einen Tikkanen vor dir, was absolut wow war für mich. Dies war für mich das Größte, weil man dort an Spielern und Trainern die weltweit absoluten Knaller der damaligen Zeit sah. Da wurde einem erst die Wertigkeit bewusst, da hat sich alles relativiert.

 

Was verbindet Sie noch mit dem EV Landshut, für den Sie von 1992-1996 ihre Schlittschuhe geschnürt hatten, nachdem Sie viele Jahre in Köln aktiv waren?

Das mit Landshut war das Beste, was mir in meiner Eishockey Karriere passiert ist. Ich hatte in Köln abgeschlossen und bin im gesetzten Alter dann nach Landshut gekommen. Am Anfang war es nicht einfach für mich als Kölner Jung, der von da oben nach Niederbayern kam. Ich musste mich hier erst bewähren und wurde sehr kritisch beäugt. Ich war für viele hier der Buhmann Kießling und alte Sack, der hierher kommt, schauen wir erst mal, wie er sich macht. Es war letztlich eine Herausforderung für mich, es war ganz toll hier zu spielen, sei es von der Clubführung her oder von Max Fedra her betrachtet bzw. seitens des Präsidiums.

 

Wir hatten auch wieder Typen in der Mannschaft, die man selten findet, so wie ein Mike Bullard, ein Petr Briza oder Wally Schreiber. Dazu gehörten auch Einheimische wie ein Günther Oswald oder Wagner oder ein Englbrecht. So gesehen verbindet mich ganz viel mit Landshut, es war für mich ein krönender Abschluss meiner Karriere. Ich wollte eigentlich dann noch ein Jahr spielen, aber irgendwann sagt der liebe Herrgott, es ist Schluss und ich sollte von der Eisfläche verschwinden.

 

Beschreiben Sie Ihre Zeit in Kanada, als Sie für Minnesota ein Match absolvierten.

Ich war ja damals der erste deutsche Spieler, dem diese Ehrung zugutekam. Es lief damals ja ganz anders wie heute, es kam alles sehr spontan. Ich wurde damals schon gedraftet, da kamen die Amerikaner, die alles auf den Tisch warfen, was für sie interessant war an Spielern. Schließlich kam Minnesota auf mich zu und entschied sich für mich. Ich musste aber zuvor einen Signing Bonus unterschreiben.

 

Das war bei der WM zuvor, als dies nun alles anstand. Wir sind dann mit Düsseldorf ausgeschieden und ich hatte dem Xaver Unsinn versprochen, ich würde gerne bei der WM spielen, weil ich ein bekloppter Deutschland Fanatiker bin. Das war mir viel wichtiger. Dann klingelte es nachts bei mir zuhause am Telefon und der Manager von Minnesota war in der Leitung. Er hat gehört, ich sei ausgeschieden und fragte mich, ob ich nun rüberkommen wolle. Ich fragte, wann es denn losgehen würde und er meinte nur „I already sent you a ticket“ und alles war bereits organisiert. Ich holte dann meine noch nasse Ausrüstung und bin nach Frankfurt, wo mein Flieger starten sollte. Drüben angekommen wurde ich in Empfang genommen und bin sofort in die Kabine. Für mich war das wie „Tausend und eine Nacht“. Jeder hat sich um mich gekümmert.

 

Nachmittags ging es zum ersten Training. Es gab dann drüben 14 Tage Pause vor dem ersten Einsatz. Ich flog zum Auswärtsmatch und alle tollen Spieler waren da wie der junge Bobby Hull. Das war der Wahnsinn! Ich hätte gerne mehr Spiele absolviert. Ich durfte alles erleben, Unterkunft etc. Dann tagte das Trainerteam, die mich unbedingt haben wollten. Ich wollte aber vorher zur WM und ich bekam von der dortigen Rechtsabteilung einen 12-seitigen Vertrag überreicht, den ich zuhause übersetzen und prüfen lassen wollte. Es war alles in Ordnung. Ich war erst 27 Jahre alt und hätte durchaus gutes Geld dort verdienen können, doch es gab eine Staffelung an zu absolvierenden Spielen.

 

Das ging mit 10 Spielen los, was einem Grundgehalt entsprach zum Überleben. Letztlich hätte ich ca. 80 Spiele realisieren müssen. Es gab auch Aussagen vom Trainerstab wie „Er ist der sechste Verteidiger, brauchst du den wirklich? Den könntest du doch auch ins Farmteam stecken“. Das wollte ich aber nicht, dafür war ich zu alt. Ich wollte mich nicht so rumschubsen lassen und tausende von Meilen fahren und michc platt machen lassen.  

 


 

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(Foto: Friedemann)

 

Tobias Abstreiter

 

Als gebürtiger Landshuter begannen Sie Ihre Karriere beim EVL in der 1. Bundesliga. Was verbindet Sie noch mit dem EV Landshut, für den Sie von 1986-1993 ihre Schlittschuhe geschnürt hatten, bevor Sie für München, Köln, Erding, Kassel und Straubing aktiv waren?

Es gab immer eine Bindung zum Heimatverein, aber die Bindung war vor allem familiär bedingt, weil mein Bruder ja auch lange hier gespielt hat, der aktuell Trainer bei der U13 ist. Mein Sohn spielte auch in der Oberliga längere Zeit und war Teil der Aufstiegsmannschaft in die DEL2.

 

Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Wie würden Sie Ihre Spielweise erklären?

Ich war schon ein mannschaftsdienlicher Spieler und wollte meine Teamkollegen immer ordentlich einsetzen und in Szene bringen. Ich wollte immer mit gutem Beispiel vorangehen.

 

Sie waren auch noch Cheftrainer bei den Landshut Cannibals 2009/10: wie fällt Ihr Fazit aus?

Das waren meine ersten beiden Jahre als Trainer, eine sehr interessante Zeitspanne für mich als unerfahrener Coach. Es war für mich ein guter Start, aber grad beim Heimatverein ist es oft etwas schwieriger, insbesondere wenn es mal nicht so gut läuft. Da wird man schon sehr kritisch beäugt. Wir sind mit einer sehr jungen Mannschaft zwei Mal ins Viertelfinale gekommen. Es wurde zwar immer mehr erwartet, aber zum damaligen Zeitpunkt sind wir immer gegen den späteren Meister ausgeschieden.

 

Sie wurden mit Hedos München und den Kölner Haien deutscher Meister: wie fühlt sich das heute noch an? Was sagen Sie zum aktuellen PENNY DEL Finale zweier bayerischer Teams?

Ja, solche Titel fühlen sich sehr gut an, man fühlt sich stolz, wenn man im Nachhinein auf diese Zeit zurückblickt. Ich schaue gerne auf diese Zeit zurück und mit den Kölner Haien gab es auch immer ein Treffen. Ich finde das derzeitige Finale der DEL super mit zwei bayerischen Vertretern, die beide schnelles gradliniges Eishockey spielen, was für die Zuschauer sehr interessant ist. München war ja unangefochten nach der Hauptrunde in Führung, gegen Bremerhaven hatten sie paar Probleme, gegen Wolfsburg war es etwas enger. Ingolstadt hat sich sehr gut entwickelt, die haben junge Spieler reingebracht mit einem gutem Spielstil, sind eine sehr homogene Mannschaft. Jeder spielt eine Top Rolle. Es wird eine lange Serie werden.

 

Was bedeutet für Sie die Aufnahme in der Hall of Fame des deutschen Eishockeys im Jahr 2018?

Es ist immer eine schöne Auszeichnung für einen Sportler, v.a. wenn man zurückblickt.

 

Wie gefällt Ihnen die Arbeit als Headcoach der U20-Nationalmannschaft? Gibt es vielversprechende neue junge Talente?

Dies ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe und es macht viel Spaß mit dem Nachwuchs zu arbeiten. Die letzten Jahre waren sehr interessant für mich und seit 2019 hatte ich jedes Jahr eine Weltmeisterschaft. Es rücken gute junge Spieler nach, doch es wird von Altersklasse zu Altersklasse schwieriger. Du musst dich immer behaupten in der A-Gruppe, das ist schon eine große Herausforderung. In den letzten Jahren haben es die Jungs immer bravourös gemacht und wir sind drei Mal hintereinander ins Viertelfinale gekommen. Das war ein schöner Erfolg.

 

 

 

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