Oberliga – Friday Night Lights, Heimspiel-Hattrick der Crocodiles Hamburg

 

(Oberliga/Hamburg) (Karsten Freese) Eine Eishockeygala war es sicherlich nicht, was den 1228 Zuschauern am Freitagabend im Eisland Farmsen geboten wurde. Die meisten befragten Fans empfanden das 5:1 gegen die TecArt Black Dragons aus Erfurt als eher langweilig, aber am Ende des Tages sprangen 3 Punkte heraus und einige der Tore waren für die Galerie.

 

FH Eishockey OL Nord Hamburg Erfurt eol
(Foto: Franziska Huke)

 


 

Dabei fing der Abend tendenziell vielversprechend an denn Ali Soguksu machte von vornherein klar, wer auf dem Eis die Entscheidungen trifft. Dennis Reimer auf Hamburger Seite bei 00:17 und Joonas Toivanen auf Seiten der Gäste bei 00:21 vom Eis. „Hoher Stock“ und „Haken“ lauteten die Anklagepunkte. Das konnte noch ein heiterer Abend werden, aber es blieb in der Folge weitgehend ruhig. Bei 03:58 war unklar was der frisch aus der Haft entlassene Dennis Reimer gesehen haben will als er die Scheibe aus der Ecke vor das Erfurter Tor spielte, denn dort war streng genommen niemand. Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich Patrick Saggau auf und musste nur noch einmal trocken abziehen, die 1:0 Führung für Hamburg. Benedict Roßberg genauso verblüfft wie der Rest der Halle, nur nicht so begeistert. Saggau hätte bei seinem plötzlichen Auftritt nur noch eine Rauchwolke gebraucht, dann wäre die Inszenierung perfekt gewesen.

 

Leider flachte das Spiel dann immer mehr ab und bis zur 16. Minute passierte im Grunde kaum etwas, aber dann rauschte es im Blätterwald. Jordan Draper sieht Léon Fern frei stehen und Fern hämmert die Scheibe mit unglaublicher Präzision links oben ins Erfurter Tor. Roßbergs Trinkflasche flog davon und mit ihr auch ein Teil der Erfurter Hoffnungen. Thomas Zuravlev in der 18. Minute mit dem 3:0 nach Assist von Dominic Steck und es wäre ratsam gewesen, wenn Hamburg mit Null Gegentreffern in die Pause gegangen wäre. Einmal nicht konsequent verteidigt und schon waren Sean Fischer und Maurice Keil durch, letzterer versetzte der Hamburger Anspannung eine unschöne Schramme mit dem Treffer zum 1:3 aus Erfurter Sicht.

 

Beide Teams im zweiten Drittel sichtbar unzufrieden. Die eine Seite mit dem Erreichten und die andere Seite mit dem nicht Erreichten. Das führte mehr und mehr dazu, dass sich das Hamburger Spiel verkrampfte und Erfurt zu viel Raum gelassen wurde, weil die Crocodiles zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren – die Black Dragons im Aufwind und letztlich nur dadurch gehandicapt, dass sie sich selbst ständig im Weg standen und Niklas Zoschke im Hamburger Tor, der extrem nervtötend auf gegnerische Offensivspieler wirken kann. Chad Staley in der 35. Minute mit dem 4:1 nach Vorarbeit von Reimer und Draper und in diesem Schuss lag kaum Kraft, aber eine gehörige Portion Frust.

 


 


 

Das Spiel plätscherte weiter vor sich hin und viel zu sehen gab es letztlich nicht, es zählte die deutliche Führung und die Tatsache, dass die Black Dragons durchaus Eishockey spielen können, aber sich zu diesem Zeitpunkt schon weitgehend aufgegeben hatten.

 

Nach der zweiten Pause durfte sich dann Jordan Draper in der 51. Minute mit dem 5:1 in die Liste eintragen und avancierte damit nach Dennis Reimer zum Zweitplatzierten in der Liste der fleißigsten Punktesammler. Auch wenn die Partie nicht an die Duelle gegen Leipzig und Herne herankam, es war im Großen und Ganzen OK. Ein Sieg mit 4 Toren Differenz kann mit Fug und Recht als „ungefährdet“ bezeichnet werden und 3 Punkte nimmt man immer gern mit. Dennoch schmerzt es ein wenig, dass die Chancenausbeute wieder einmal so gering ausgefallen ist. Streng genommen hätte Hamburg die Sache deutlich zweistellig abwickeln müssen und auch Erfurt hätte 3 bis 4 Treffer verdient gehabt.

 

Die Crocodiles werden noch wachsen und sich steigern, das ist auch zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schon deutlich sichtbar. Die individuelle Qualität ist enorm, wenn man sich anschaut, was Hamburg offensiv aufbietet: Saggau, Lascheit, Reimers, Staley, Draper, Lupzig, Zuravlav, Gerartz usw - das ist wie ein who is who der Oberliga-Stürmer und menschlich agiert die Mannschaft bereits wie ein geschlossenes Team, aber beim Spielsystem hat Jacek Płachta noch Arbeit vor sich. Beeindruckt hat wieder einmal die Abwehr der Crocodiles. Diven und Einzelakteure wären dort fehl am Platze, gebraucht werden robuste, unauffällige Fleißarbeiter und die hat Hamburg mit sehr viel Feingefühl eingekauft und ein wiedererstarkter Captain Norman Martens zieht dort hinten brillant die Fäden. Die Herausforderungen für Plachta sind klar, diesen überwiegend neuen Kader zu einer Formation zu schweißen – für Manager Sven Gösch hingegen besteht sein Kernaufgabe darin, diese Truppe für die kommende Saison weitgehend zu halten was hinsichtlich der immer höher steigenden Kosten in der 3. Liga eine Mammutaufgabe werden könnte. Sollte sich diese Mannschaft mittelfristig finanzieren lassen dann könnte man binnen der kommenden 5 Jahre einen Aufstieg in die nächste Klasse ins Auge fassen.

 

 

 



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