Oberliga - Hannover Scorpions der Spagat zwischen Freude und Enttäuschung

 

(Oberliga/Hannover) (Louis Biernacka) Das Eis in der Hus de Groot Eisarena in Mellendorf ist abgetaut und die Verantwortlichen, Spieler und Fans haben sich zur allseits beliebten Abschlussfeier zusammengefunden. Gerne hätten alle Beteiligten zu dieser Uhrzeit lieber das Spiel Vier gegen Landshut erlebt, doch die Scorpions mussten sich den schlußendlich besseren Landshutern mit 3:0 Spielen geschlagen geben und somit ist man, wie im Vorjahr im Halbfinale gescheitert.

 Saisonanalyse 1819

(HB IceSide Pictures)

 


 

Kaum ein Oberligist ist so offensiv mit dem Thema Aufstieg umgegangen, wie die Hannover Scorpions. Am Ende muss man sagen Saisonziel verfehlt, aber ist es deswegen eine schlechte Saison? Auf keinen Fall! Das Team um Trainer Dieter Reiss hatte eine Achillesverse und das war die Verteidigung. So waren die Sorgenfalten in den Gesichtern nicht unberechtigt, als Dennis Schütt kurz vor dem Ende der Hauptrunde sein Saisonaus bedingt durch eine Schulterverletzung bekanntgab. Der 27-jährige war der wertvollste und beste Spieler der Scorpions in der abgelaufenen Saison. In 46 Spielen erzielte Schütt 63 Punkte, doch Schütt ist nicht in Punkten zu messen. Viel mehr ist er Denker und Lenker der Mellendorfer. Von Unterzahl bis Überzahl, überall war die Nummer 58 maßgeblich beteiligt.

 

Im Großen und Ganzen hatte man bis auf wenige Abgänge den Kader zusammengehalten und punktuell verstärkt. In der Hauptrunde legte man nochmals nach, als Tim Marek den Verein in Richtung Halle verließ und man lediglich aus zwei Reihen punktete. Dennis Arnold, Marian Dejdar und Damian Martin striffen sich das Trikot der Scorpions über. Die Ausrichtung der Mannschaft war von Anfang an klar. Das ist ein Auto mit Frontantrieb. Die Offensive der Scorpions immer gefährlich und so kamen 237 Tore in der regulären Saison zusammen. Auch aufgrund der massiven Mithilfe von Björn Bombis (101 Punkte / MVP der Liga) und Patrick Schmid (93 Punkte) war die erste Reihe der Hannover Scorpions eine der am meist gefürchtetesten Reihen der Liga. Das Tor der Scorpions hütete Christoph Mathis und als Back-Up wurde der talentierte Enrico Salvarani verpflichtet. In der Hauptrunde bildetete das Duo einen wahren Rückhalt für das Team. In Mellendorf herrschte häufig ein Vergleichsdenken zwischen Björn Linda und Christoph Mathis, was dem 31-jährigen Freiburger nicht immer gerecht wurde, denn dieser war häufig sträflich alleingelassen. Dazu kommt ein komplett unterschiedlicher Spielstil, den Linda einfach aufgrund seiner Geschwindigkeit etwas spektakulärer aussehen ließ. Mathis hingegen aber mit einem sauberen Positionsspiel im Tor brauchte sich gar nicht so schnell  bewegen, da er einfach häufig richtig stand. Die Verteidigung bedarf einer Sanierung zur neuen Saison um den erneuten Angriff auf die DEL 2 wagen zu können. Zu häufig waren hier große individuelle Schnitzer und fehlende physische Attribute zu sehen. Hier stachen lediglich Robin Thomson, Dennis Schütt und Nico Schnell hervor. Schnell wuchs von Zeit zu Zeit besser in die Mannschaft und bestätigte sein Talent. Lediglich an seiner mentalen und physischen Geschwindigkeit muss der junge Kasselaner noch etwas pfeilen, dann steht auch ihm Tür und Tor offen.

 

Die Kontis der Saison Matt Wilkins und der bekannte Chad Niddery erfüllten  ihre Aufgaben gut. Wilkins wurde die ersten ca. 15 Saisonspiele falsch eingesetzt, was dem 28-jährigen aus Kimberley, British Columbia zusetzte. Man hat mit Wilkins einen Sturmtank, der weiß wo das Tor steht, aber kein Playmaker ist. Dazu liegen seine Stärken im Abschluss und dem körperlichen Spiel. Prädestiniert in der Zentrale und im Powerplay. Als man dann Wilkins richtig einsetzte, funktionierte er auch und kam so auf 72 Punkte in der Hauptrunde und 15 in den Playoffs. Niddery hingegen eher Kategorie Wühlmaus, die nie müde wird. Bei ihm wird abzuwarten sein, wie sich seine Einbürgerung entscheidet.



 

Wo es aber definitiv nichts zu kritisieren gibt sind die Ausgänge der prestigereichen Derbys gegen die Hannover Indians, welche ja nun großen Stellenwert in und um Hannover haben. Hier sicherten sich die Scorpions drei Siege und kassierten lediglich eine Niederlage. Doch nicht immer konnten die Mellendorfer ihre volle Leistung abrufen, so waren besonders im letzten Drittel der Saison einige Schlendrian-Spiele dabei, wo die Mannschaft nicht annähernd am Leistungsmaximum wirkte. Allgemein gegen läuferisch starke und junge Teams, die über das Mannschaftsgefüge kamen hatte man Probleme. Schreckgespenster waren hierhingehend Herne und die Crocodiles aus Hamburg. Den zwischenzeitlichen 12 Punkte-Vorsprung auf den dritten Platz verspielte man wieder in dieser Sequenz der Saison, sodass es am Ende nochmal richtig knapp um die Vizemeisterschaft wurde.

 

Die Playoffs -  Die schönste Zeit des Jahres. Das Interesse in der Wedemark wuchs unwahrscheinlich, als es dann endlich um den Aufstieg ging. Als erstes traf man auf die überraschenden Blue Devils Weiden, die als Außenseiter in das Duell gingen. Doch der Außenseiter bewies Stärke und gewann direkt mal das erste Spiel in der Wedemark. Mit simplen, aber effektiven Hockey überraschte man verschnörkelte Scorpions. Anschließend fingen sich die Favoriten aber und drehten die Serie zu ihren Gunsten. Viele defensive Abspielfehler machten Weiden stark, aber schlußendlich besiegte man sie in Spiel Vier in der Overtime und machte so das Viertelfinale fix. Und wer wartete da? Ein alter Bekannter. Die erstarkten Starbulls Rosenheim von Trainer Manuel Kofler. Wow! Das war eine grandiose Serie, wie der Eishockeysport sie braucht. Volle Distanz, Scorpions bereits mit dem Rücken an der Wand und zwei Teams, die sich voll die Sporen gaben. Absolutes Highlight der Saison kann man das Auswärtsspiel in Rosenheim bezeichnen, wo es zum ersten Mal Siegen oder Fliegen hieß. Die Scorpions gewannen diese unfassbare Partie mit 5:7 in Rosenheim. Dabei stand erstmals Enrico Salvarani von Beginn an in einem Playoffspiel im Tor. Das Torhüterdrama nahm langsam fahrt auf, denn Mathis wirkte teilweise verunsichert und wurde auch immer schnell mit der Bank bedacht. In der heimischen Hus de Groot Eisarena zeigte Mathis dann Klasse und konnte in einer denkbar knappen Partie mit seinen Vorderleuten einen 3:2 Heimsieg einfahren. Somit war auch das Halbfinale erreicht. Mit dem Fuß in der Tür zur DEL 2 ging es gegen den EV Landshut. Der traditionsreiche EVL, ebenfalls mit höchsten Aufstiegswünschen zog den Scorpions dann glatt in drei Spielen den Stachel und erreichte verdient das Finale. Bei den Scorpions merkte man so langsam aber sicher auch die fehlende Kraft in Verbindung mit einer schwächelnden Form. Besonders die sonst so treffsichere erste Reihe konnte die Ausbeute aus den vorherigen Spielen nicht mehr halten. Dazu kam sicher auch die Unruhe auf der Torwartposition, da auch Mathis teilweise nicht zu Höchstform auflief. Diese Punkte in Kombination mit gesundheitlich angeschlagenen Stammkräften führten zum Aus im Halbfinale.

 

Most Valuable Player: Dennis Schütt. Wie oben schon erwähnt, die Leit- und Aufbaufigur der Scorpions. Dazu ein Punktegarant. Schütt hat eine famose Saison gespielt.

 

Most Consistent Player: Robin Thomson. Thomson war die ganze Saison immer präsent. Erledigte seine Arbeiten immer zuverlässig und wurde immer mehr zur Leitperson. Dazu merkte man ihm an, dass er unbedingt
wollte. Jedes Spiel war er heiß. Mr. Most Consistent!

 

Überraschung: Dennis Arnold. Arnold kann man durchaus als die Überraschung der Saison werten, nachdem er vom Herner EV in Richtung Mellendorf kam. Seit seinem Teameinstieg im Oktober hob er die dritte Reihe auf ein anderes Level. Er war der fehlende Mosaikstein und hauchte seiner Reihe noch mehr Scoringtouch ein. Schlußendlich stehen für den jungen Frankfurter 29 Scorerpunkte für die ganze Saison zu buche, kombiniert mit diversen Sololäufen die den Zuschauern in Erinnerung blieben.

 

Was gibt es schon fixes? Sportchef Eric Haselbacher kommunizierte klar, dass es mehr Abgänge als vergangene Saison geben wird und er in der kommenden Saison wieder ein schlagfertiges Team ins Rennen schicken wird. Für die kommende Saison besitzen bereits Nico Schnell, Björn Bombis, Marius Garten und Dennis Schütt einen Vertrag. Weitere Namen werden im Verlauf der Sommerpause verkündet, doch auch hier muss eine Chance liegen. Das Team benötigt dringend eine Verjüngungskur, um das erhöhte Tempo in der Oberliga weiterhin mitgehen zu können. Schlußendlich haben die Scorpionsfans eine erfolgreiche Saison gesehen, die aber nicht immer durchgehend hochklassig war. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie Eric Haselbacher das Team 2019/20 formen wird.

 

Damit verabschiede ich mich auch vom Standort Hannover Scorpions in die Sommerpause und bedanke mich bei allen Lesern und insbesondere den Fans, sowie den Verantwortlichen der Hannover Scorpions und Holger Bormann.

 

 


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