Oberliga – Hamburg kassiert bittere Heimniederlage gegen die Hannover Indians

 

(Oberliga/Hamburg) (Karsten Freese) Volles Haus, tolle Atmosphäre, ein spannendes Derby – und am Ende gewinnen die Hannover Indians verdient und klar. So lässt sich mit wenigen Worten beschreiben, was am Freitagabend in Hamburg passierte.

 

KF 9 SP Crocodiles HH Hannover Indians EOL
(Foto: Karsten Freese)

 


 

Die Fans der Indians waren zahlreich (ca. 150) zum Derby ins benachbarte Hamburg gereist, um ihr Team zu sehen, welches gleich vom Start weg mit hohem Druck und atemberaubenden Tempo das Spiel gestaltete. Hamburg erwischte den schlechteren Start und zeigte sich streckenweise überfordert mit den schnellen Gästen. Egal wohin die Scheibe sprang und egal in welche Richtung der Pass ging – mindestens ein Indian war schon da, manchmal schienen sie überall zu sein und genauso schnell waren sie auch wieder verschwunden, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Auch wenn es eine hohle Phrase ist, man konnte tatsächlich den Bezug zu klassischen Westernfilmen herstellen.


Nach 6 Minuten war es auch schon passiert. Mark Ledlin belohnte sich und sein Team, Hannover ging mit 1:0 in Führung und Hamburg war, wie so oft, ratlos und überfordert mit der zielstrebigen Gangart seines Gegners. In der 11. Minute dann der Aufschrei im Publikum, Josh Mitchell erzielt nach schnellem Konter den Ausgleich aber das Tor wurde nicht gegeben – wie auch, Schiedsrichter Ali Soguksu hatte längst abgepfiffen aber bei der Stimmung im Eisland Farmsen litt zeitweise die Akustik auf dem Eis. Ohne solche vermeintlichen Aufreger wäre ein Derby auch nur ein einfaches Eishockeyspiel und das wollte an diesem Abend ohnehin keiner der Rund 1800 Zuschauer sehen, in Minute 18 wurde auch schon der Nächste angeboten und diese Szene sollte die Gemüter noch bis lange nach dem Spiel erhitzen:


Christoph Schubert und Florian Kraus geraten vor dem Hannoveraner Tor minimal aneinander, die typische Rangelei vor dem Tor und viele in der Halle hörten einen Pfiff – leider kam dieser aber nicht vom Schiedsrichter sondern aus dem Publikum. Alle Augen waren auf Schubert und Kraus gerichtet als Andreas Morczinietz sich die Scheibe schnappt und auf der anderen Seite das 2:0 für Hannover erzielt. Die Aktion zwischen Schubert und Kraus blieb zunächst folgenlos, das Spiel war nicht unterbrochen und der Treffer somit regulär, wirkte aber auf den ersten Blick mehr als dubios. In der Folge erhielt Florian Kraus nach kurzer Beratung des Schiedsrichterteams wegen eines Schlages 2 Minuten – vom Ablauf her sehr unglücklich, und von außen mehr als schwer zu verstehen. Selbst die beiden Trainer waren auf der Pressekonferenz noch verwirrt und ratlos in Bezug auf diese Szene.


Mit einer verdienten 2 Tore Führung startete Hannover dann in den zweiten Abschnitt aber Hamburg war nun gewarnt und nahm das extrem schnelle Spiel des Gegners an. Jetzt war es ein echtes Derby, vor einer grandiosen Kulisse lieferten sich beide Mannschaften ein Hochgeschwindigkeits-Duell was zwar technisch von beiden Seiten nicht hochklassig aber dafür umso packender war. Jeder der zahlreichen Fehler eröffnete eine neue Chance für die Gegenmannschaft und in der 28. Minute war das Spiel endgültig offen. Christoph Schubert mit dem Anschlusstreffer nach Vorarbeit von Zuravlev und Mitchell. 5 Minuten später war Josh Mitchell dann erneut involviert als der nächste Verteidiger, diesmal Norman Martens, seinen Namen in die Scorerliste eintrug.


Das Schlussdrittel mutierte zum Showdown, beide Teams hatten je ein Drittel mit 2:0 für sich entschieden. Eine direkte Duell-Situation wie man sich es wünscht und zunächst machten beide Teams genau dort weiter wo man im zweiten Drittel aufgehört hatte. Gute 7 Minuten lieferten sich beide Mannschaften erneut packendes Eishockey aber dann ging den Hamburgern langsam aber erkennbar die Luft aus und die Fehlerquote stieg, was Hannover konsequent bestrafte. Roman Pfennings binnen 5 Minuten zum 3:2 und 4:2 aus Hannoveraner Sicht, noch rund 2 Minuten auf der Hallenuhr und Igor Bacek kassierte die letzte 2 Minuten Strafe der Partie. Auszeit Hamburg und eine kurze, taktische Beratung. Es zeichnete sich ab was nun kommen würde, Herbert Hohenberger nahm Kai Kristian vom Eis und ging mit 6 Feldspielern All-In. Leider schafften es 6 Hamburger nicht mehr, die Scheibe sicher in ihren Reihen zu halten. Bereits der zweite Befreiungsschlag der Indians landete im leeren Hamburger Tor. Endstand 2:5 aus Hamburger Sicht und schade um die so dringend benötigten Punkte.


Die Enttäuschung auf Hamburger Seite ist natürlich verständlich aber Hannover hat sich den Sieg ehrlich und klar verdient. Auf Hamburger Seite lief aber auch vieles gut und besonders drei Spieler machen immer mehr auf sich aufmerksam: Balla, Stambolidis und Reichert. Schnell mit viel Spielwitz und einer jugendlich erfrischenden Respektlosigkeit vor dem Gegner, das war wieder einmal toll anzuschauen. Vor dem Tor fehlt noch das Durchsetzungsvermögen und auch eine Portion Kaltschnäuzigkeit aber das scheint nur eine Frage der Zeit. Bleiben diese drei Spieler in Zukunft zusammen dann könnte das schon bald eine wirklich gefährliche Reihe ergeben.



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