DEL2 Finale Spiel 2: Kassel baut die Serienführung mit einem klaren 1:4 Erfolg in Bietigheim aus und hat die Hand am Pokal

 

(DEL2, Bietigheim) (Hermann Graßl)   In der Ege Trans Arena in Bietigheim fand Spiel 2 der diesjährigen Finalserie in der DEL2 statt. Gegner Kassel hatte mit einem Sieg zuhause vorgelegt und somit waren die Steelers heute im Zugzwang, um weiter auf Augenhöhe zu bleiben. Schließlich fuhren die Schlittenhunde aus Kassel ihren zweiten Sieg nacheinander ein und freuten sich auf Dienstag, wo sie in ihrem heimischen Stadion den Titel offiziell machen wollten. Aufgrund einer über weite Strecken konstanten und souveränen Vorstellung hatten die Huskies den Sieg verdient.

 

 

(Foto: Bietigheim Steelers)

 


Bietigheim wollte in der heimischen Arena den Serienausgleich herstellen. Mit ihrem Topscorer McKnight sollte dieses Unterfangen zu bewerkstelligen sein, obwohl er heute gleich auf seine beiden Sturmpartner Sheen und Breitkreutz verzichten musste. Das Tor hütete heute Doubrawa statt Hertel, der stattdessen als Co-Kommentator auftrat. Im Auftaktmatch war u.a. die schlechte Chancenverwertung der Steelers ausschlaggebend und ihr Anschlusstreffer kam letztlich zu spät.

 

Kassel hatte seine Hausaufgaben im ersten Heimspiel gemacht und reiste mit Selbstvertrauen nach Bietigheim. Die Huskies dominierten die Hauptrunde, marschierten bislang auch souverän durch die Playoffs und schielten ganz klar auf die Meisterschaft. Ihre kanadischen Torjäger Olsen und Trivino waren weiter in Topform und wollten ihren Beitrag zum zweiten Sieg leisten.

 

Vor dem Start wurde standesgemäß die Nationalhymne von der jungen Lisa (Voltz) mit ihrer tollen Sopranstimme intoniert. Man durfte gespannt sein, wie die Hausherren mit den heutigen schwerwiegenden Ausfällen zurechtkommen würden. Zu Beginn waren die Huskies hellwach und legten gleich mal forsch los. Die Steelers mussten unbedingt versuchen von der Strafbank fernzubleiben, was ihnen in Spiel 1 nicht gelang. Bietigheim war noch auf der Suche nach der idealen Marschroute. Valentin probierte dann mal den Bauerntrick während einer längeren Druckphase der Gäste. Kurz danach verbuchten die Steelers ihre erste gute Einschussgelegenheit. In den ersten 10 Minuten war Kassel optisch weitgehend überlegen und drückte der Begegnung den Stempel auf.

 

Es war wie Balsam auf der Seele jedes Eishockeyfans, zu hören, wie im Stadion bisweilen Fangesänge eingespielt wurden, die dieses Match würdig umrahmten.

 

Der Goalie der Steelers war auch bekannt dafür, die Scheibe nicht immer gleich einzufrieren, sondern den Puck schnell nach vorne zu befördern. Dann musste Kuhn gleich mehrfach in höchster Not u.a. gegen McKnight eingreifen, als sich die Hausherren in deren Zone festsetzten. Dabei kam ihm aber auch die freie Sicht vor seinem Kasten zugute. Der Franzose Cornet verpasste kurz darauf auf der Gegenseite knapp.

 

Das Momentum verlagerte sich zum Ende des ersten Abschnitts in Richtung der Steelers, die sich nun wesentlich besser präsentierten. Kuhn konnte sich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen und bereinigte erneut in klassischer Hasek Manier. Trevino hatte danach die riesige Chance zur Führung, doch Doubrawa fuhr noch rechtzeitig seinen Schoner aus. Bietigheim schaffte es jetzt auch, für mehr Verkehr vor dem Gehäuse von Kuhn zu sorgen und sofort entstand Gefahr.

 

Die letzten 5 Minuten waren von Wild West Hockey geprägt, denn es ging rasant rauf und runter. Die Fans hätten ihre wahre Freude daran. Nach einem harten Check von Olsen an Goc entlud sich der Frust und es flogen die Fäuste. Dies hing wohl noch kausal mit den Geschehnissen vom Freitag zusammen. Für Olsen war die Partie beendet und die Steelers bekamen letztlich eine 3-minütige Überzahl nach Verifizierung aller Übeltäter im Faustkampf. Der wichtige Defender von Bietigheim ging angeschlagen in die Kabine. Bei 4 gegen 4 entschärfte Doubrawa mit der Fanghand eine Top Chance der Huskies in Person von Spitzner.

 

Kurz vor Ende des ersten Drittels war es dann aber doch passiert, als Bietigheim sein Powerplay zum ersten Mal nutzen konnte. Zientek netzte zur knappen Führung für die Hausherren ein. Unmittelbar danach gingen bei Goalie Kuhn wohl die Sicherungen durch, als er einen Faustschlag gegen Stretch ansetzte und seinen Ärger unrühmlich zum Ausdruck brachte. Mit dieser Aktion tat er seinem ohnehin schon dezimierten Team keinen Gefallen, zumal die Hausherren kurz vor der Sirene nochmals eine Mega Gelegenheit zum Ausbau der Führung hatten. Schließlich nahmen die Steelers einen hauchdünnen Vorsprung mit in die Kabine. Nach anfänglich eher ruhigerem Beginn nahm diese Partie dann jedoch eminent Fahrt auf und explodierte so richtig zum Ende hin. Somit entwickelte sich ein echtes Playoff Match mit den üblichen Nickligkeiten.

 

Im zweiten Drittel durften die Steelers auf frischem Eis noch gute 2 Minuten in Überzahl agieren und hätten die Möglichkeit, nachzulegen. Mal sehen, ob die Emotionen weiter so intensiv gezeigt wurden. Die Steelers kamen schnell in ihre Formation, doch Kassel stand gut in der Box und ließ keinen gefährlichen Querpass zu; nur eine Chance durch Just sprang dabei heraus.

Die gute Nachricht für die Hausherren war das Mitwirken von Goc. Hauner hatte im 2 auf 1 Konter eine gute Gelegenheit, scheiterte aber. Dann warf sich der Kassler Spieler Granz heroisch in einen Schlagschuss der Steelers und bewahrte sein Team vor Schlimmerem. 

 

Bietigheim schaffte es im Mittelabschnitt besser, die Angriffe kontrolliert und strukturiert vorzutragen. Mitte des zweiten Drittels konnten sie wieder in numerischer Überlegenheit auftreten. Die Formation stand erneut schnell und brenzlige Abschlüsse wurden produziert. Ein Lattenkracher nach einem Monster Save von Kuhn war die beste Gelegenheit in diesem hervorragenden Powerplay. 

 

Nicht nur dank der Überzahlsituationen übernahm Bietigheim immer mehr das Kommando auf dem Eis und war die spielbestimmende Mannschaft, bevor dann wieder die Gäste im Vorwärtsgang waren, sich etwas in der Zone der Hausherren einnisteten und danach selbst im Powerplay ran durften. Hier erarbeiteten sich die Gäste im wahrsten Sinne des Wortes mehrere Chancen und hatten den Torschrei schon auf ihren Lippen, doch die Scheibe befand sich nicht in vollem Umfang hinter der Linie, was im Videobeweis auch bestätigt wurde. Das Stockende des Torschützen Zientek verhinderte den Einschlag. Chapeau, sowohl vorne und hinten zeigte er seine herausragenden Qualitäten.

 

Nach einem Turnover platzierte Saponari die Scheibe humorlos hinter Doubrawa zum Ausgleich. Dieser Treffer in der 39. Spielminute fiel zu einem psychologisch perfekten Zeitpunkt. Somit ging man mit einem verdienten Remis in die zweite Pause und die Schiedsrichter verschärften ihre Gangart, nachdem in Drittel eins das Spiel etwas zu entgleiten schien.

 



 

Im Schlussabschnitt war für Spannung gesorgt. Jeder Fehler wurde bis dato eiskalt bestraft. Taktik und Willenskraft waren sicherlich die entscheidenden Faktoren für ein Herzschlagfinale im letzten Drittel. Nach überstandener Unterzahl hatte Laub bei einer Direktabnahme den Treffer auf seinem Schläger. Die Gäste starteten ähnlich gut wie im zweiten Drittel und schnürten die Hausherren regelrecht ein, was folgerichtig in der erstmaligen Führung für die Huskies resultierte. Torschütze für die Schlittenhunde war in der 44. Spielminute Moser.

 

Dieser Treffer beflügelte die Gäste, die nun frischer auf den Kufen wirkten und weiter Druck ausübten mit einem effektiven Forechecking. Die logische Konsequenz war in der 48. Spielminute das dritte Tor: Keussen versenkte seinen Schlagschuss hinter Doubrawa und Kassel belohnte sich für ein bisher starkes Schlussdrittel, welches die Huskies bislang dominierten.

 

Was hatten die Steelers noch aufzubieten? Sie mussten irgendwie das Momentum wieder auf ihre Seite ziehen, zu viele Icings hatten sie in den letzten Minuten zu nehmen. Langsam ging es in die Crunchtime und Bietigheim wurde wieder agiler und übernahm die Initiative. Nur Kuhn hatte was dagegen und blieb seinerseits ruhig und gelassen. Es war noch genug Eiszeit auf der Uhr für ein Comeback.

 

Ein Powerplay zur rechten Zeit nun für Bietigheim: wenn nicht jetzt, wann dann? Gute 6 Minuten vor Schluss wäre dies der ideale Zeitpunkt. Ihr Coach war mutig und brachte sogar den 6. Feldspieler für noch mehr Power. Letztlich verpufften die Bemühungen und die Steelers hatten nach Ablauf der Strafe sogar Glück, dass ihr Goalie noch rechtzeitig im fliegenden Wechsel zurückkam.

 

Nun brachen die letzten 3 Minuten an und Doubrawa ging wieder vom Eis für einen weiteren Feldspieler. Kassels Goalie ließ kaum Rebounds zu, wobei ihn seine Vorderleute tatkräftig unterstützten.

Letztlich setzte der Rückkehrer Valentin in der Schlussminute mit einem technischen Tor den Deckel drauf und Kassel ging in der Serie mit 2 zu 0 in Front.

Der Favorit behauptete sich am Ende deutlich mit 1:4 gegen die Steelers aus Bietigheim und konnte am Dienstag zuhause die Meisterschaft fix machen.

 

Stimmen zum Spiel:

 

Bietigheim – Naud (HC): Es war ein sehr gutes Playoff Match. Beide Mannschaften wollten unbedingt gewinnen, es ging um sehr viel, die Meisterschaft. Wir machten zu wenig aus dem ersten Drittel. Unser Schussverhältnis war sehr gut. Am Ende haben wir gut verteidigt. Es war ein hartes Match. Wenn die Referees so entscheiden, dann akzeptieren wir das, es geht um sehr viel. Beim Powerplay war es bitter für uns, was dabei schief gegangen ist: Zwei Spieler waren dabei auf der Strafbank, die normalerweise unsere Spezialisten sind. Diese Qualität hätten wir nötig gehabt. Sheen und Breitkreutz werden wohl nicht mit dabei sein in Spiel 3.“

 

Kassel - Kehler (HC): „Wir haben zwei sehr gute Teams gesehen. Zwei Drittel lang war es harte Arbeit und Kampf mit echtem Playoff Charakter. Im 3. Drittel behielten wir unseren Kurs bei und haben nach konstant gutem Spiel gewonnen. Es war ein normales hartes Match mit guten Emotionen.“

 

Finalspiel 2 vom 16.05.2021

Bietigheim – Kassel 1:4 (1:0|0:1|0:3)

 

Tore:

1:0 |20| Zientek (McKnight, Hauner) PP1

1:1 |38| Saponari (Trivino, Dinger)

1:2 |44| Moser (Schmidpeter, Cornet)

1:3 |48| Keussen (Breitkreuz, Valentin)

1:4 |60| Valentin  ENG

 

Zuschauer: Keine  

 

Schiedsrichter:  Hinterdobler / Bauer

 

Aufstellung:

 

Bietigheim: Doubrawa, Goc, Hauner, Hufner, Jasper, Just, Kneisler, Kuqi, McKnight, Pokorny, Preibisch, Prommersberger, Renner, Ribnitzky, Schoofs, Schule, Stretch, Wenzel, Zientek.

 

Kassel: Kuhn, Breitkreuz, Christ, Cornet, Dinger, Granz, Keussen, Kranz, Laub, Moser, Olsen, Reich, Rutkowski, Saponari, Schmidpeter, Shevyrin, Spitzner, Tramm, Trivino, Valentin.



 



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