Oberliga – „Crocos geben niemals auf…“ – Gianluca Balla sorgt für Sudden Death der BlackDragons

 

(Oberliga/Hamburg) (Karsten Freese) Tendenziell werden in Hamburg die Fans bestraft, die einige Minuten vor Abpfiff die Halle verlassen, um möglichst ungehindert vom Parkplatz zu kommen. Frühzeitig ein Spiel entscheiden und sein Ergebnis verwalten kann jeder – die Crocodiles machten es am Freitagabend, nach wechselhafter Partie, zum Ende hin extrem spannend und warben eindrucksvoll um ihr Fortbestehen beim 5:4 OT Sieg gegen die TecArt BlackDragons aus Erfurt.

 

KF Crocodiles Black Dragons EOL
(Foto: Karsten Freese)

 


 

 

Hamburg startete gewohnt schnell und zielstrebig, der Gegner wurde konsequent hinten reingedrückt und hatte nicht nur mit der hanseatischen Offensive zu kämpfen, sondern überwiegend mit der eigenen Abstimmung, die eigentlich gar nicht vorhanden war. Ryan Warttig belohnte die Konsequenz der Gastgeber nach knapp 7 Minuten mit dem 1:0 und Moritz Israel legte 20 Sekunden vor der Pause das 2:0 drauf – dazwischen machten die Crocodiles was sie wollten und die Gäste liefen aufgescheucht über das Eis und waren stets bemüht, den Faden nicht endgültig zu verlieren. Bereits in der Pause waren sich selbst Skeptiker sicher „dieses Spiel kann eigentlich nicht mehr verloren gehen!“. „Eigentlich“ – genau hier lag die Tücke.

 

 

Erfurt kam mit einer komplett veränderten Taktik aus der Kabine und brachte das Hamburger Konzept mit gezielten Einzelkontern und geschlossener Defensive komplett durcheinander. Die Crocodiles waren mehr als beeindruckt von dieser Spielweise, wussten über weite Strecken keine Antwort darauf zu geben und wiederholten quasi die Kräfteverteilung des ersten Drittels mit vertauschten Rollen. Die BlackDragons agierten mit einer fast überschäumenden Spielfreude und Hamburg versuchte dagegen zu halten, was mal mehr und mal weniger gelang. Anfangs eher weniger denn Michal Vazan setzte nach nur 19 Sekunden die Scheibe zum 2:1 Anschlusstreffer in das Netz von Kai Kristian und Christoph Ziolkowski neutralisierte die Hamburger Führung in der 24. Minute mit dem Ausgleich zum 2:2.

 

 

Hamburg reagierte noch einmal durch Brad McGowan in der 25. Minute mit der erneuten Führung aber auch dieses 3:2 konnte der Erfurter Paul Klein in der 33. Minute einkassieren. Mit dem leistungsgerechten 3:3 war dann auch schon beinahe die zweite Pause erreicht, aber Marcel Weise fuhr wenige Sekunden vor Abpfiff noch einen Kniecheck gegen Tom Kübler und Lennart Palausch kümmerte sich rustikal um den Verursacher. Kübler ging verletzt, Weise und Palausch sanktioniert vom Eis – letztere mit identischen 2+2+2+10, was angesichts des Fouls von Weise ein wenig seltsam wirkte, aber eventuell hatte Schiedsrichter Razvan Gavrilas berücksichtigt, dass Weise beim Kampf beide Handschuhe an den Händen hatte.

 


 


 

 

Nach der Pause standen sich dann beide Teams auf Augenhöhe gegenüber und das Spiel wurde deutlich anspruchsvoller und umso sehenswerter, obwohl Tore zunächst ausblieben. Je weiter die Uhr auf die „60“ zulief desto deutlicher wurde es, dass der nächste Treffer unter Umständen die Entscheidung bringen würde – falls es noch einen Treffer geben würde vor der drohenden Overtime. Diesen Treffer gab es auch, aber zum Entsetzen der Hamburger Fans in der gut gefüllten Halle fiel er auf der vermeintlich falschen Seite. Oliver Kämmerer platzierte die Scheibe bei Exakt 59:00 im Hamburger Tor und jetzt fehlte ein wenig der Glaube an einen Hamburger Punkt oder gar an einen Sieg, aber in Hamburg zählt dieser Tage kein Glaube – die Direktiven lauten seit der Planinsolvenz lediglich „Kampf“ und „Zusammenhalt“, sowohl auf als auch neben dem Eis und Moritz Israel verkörperte diese Intention mit dem Ausgleich 9,6 Sekunden vor dem Ende nach schöner Coproduktion mit Patrick Saggau.


 
Wer jetzt schon im Auto saß, dem war der Hohn der restlichen Halle sicher und als Gianluca Balla die Scheibe dann nach 48 Sekunden Overtime im Gehäuse von Philip Lehr versenkte, war den Frühfahrern dann auch noch der Spott sicher. Hamburg feierte außer Rand und Band den jungen Torschützen, dessen Leistungskurve unter der Leitung von Jacek Plachta immer steiler anzusteigen scheint – Erfurt verließ mit einem frustrierenden, aber verdienten Punkt das Eis. Die Crocodiles bewiesen erneut, dass der Weg der Hamburger noch lange nicht zu Ende sein muss.

 

 

Am heutigen Sonntag treten die Crocodiles bei den Hannover Indians an, die BlackDragons empfangen die Hannover Scorpions in Erfurt.

 

 

 

 



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