Hannover Indians geraten bei den Crocodiles Hamburg in ein Desaster

 

(Oberliga/Hamburg) (Karsten Freese) Damit hat niemand gerechnet und damit konnte man auch nicht rechnen. Nach zwei schweren und erfolglosen Spielen gegen Essen fegte die kleine Truppe von der Elbe ihre Gäste aus Hannover mit einer überragenden Leistung 5:1 aus der Halle und riss ihre Fans von den Sitzen.

 

KF 92 18 Crocodiles Indians EOL
(Foto: Karsten Freese)

 


 

Konsequent, überragend, souverän. Das waren nur einige Attribute, die man nach dem Spiel in der begeisterten Menge hören konnte. „Sogar der Schiri war klasse heute“ war nach der herben Kritik an den Schiedsrichterleistungen der letzten Wochen wahrscheinlich der hanseatische Ritterschlag und es war durchaus berechtigt: Hauptschiedsrichter Ali Soguksu pfiff nach dem Prinzip „So wenig wie möglich aber so viel wie nötig“ und hatte damit die richtige Dosis für die überwiegend faire Partie gewählt.Die Ausgangssituation war wirklich nicht gut. Die Indians grüßten vor dem Spiel von Tabellenplatz 3, die Crocodiles hatten zwei schwere und knappe Spiele gegen die Moskitos aus Essen verloren und bringen aktuell noch 13 plus 2 Spieler auf das Eis. Darin sind die existenziell wichtigen Förderlizenzspieler schon eingerechnet. Streng betrachtet musste die Sache eigentlich schiefgehen aber Hamburg kam aus der Kabine, riss das Steuer an sich und ließ es über 60 Minuten kaum wieder los.
   
Das erste Drittel verlief torlos aber dennoch hochklassig. Hannover ließ keine Zweifel aufkommen, dass man hier in Hamburg gewinnen wollte aber die Crocodiles traten dieser Intention mit einer Entschlossenheit und Konsequenz gegenüber, wie man sie selten erlebt hat. Die Crocodiles und ihre Fans gingen zufrieden in die erste Pause, bei Hannover und seinen rund 150 mitgereisten Fans hielt sich die Begeisterung eher in Grenzen. Zwar hatten die Gäste bis zu diesem Punkt ein gutes Spiel abgeliefert, ausgezahlt hatte es sich noch nicht obwohl es dafür gute Chancen gegeben hatte. Bei den Crocodiles kam dagegen eher die Frage auf, ob sie dieses Tempo wirklich über die volle Distanz durchhalten würden.
 
Wie sie es gemacht haben weiß wohl niemand so richtig aber die Hausherren hielten ihr Tempo im zweiten Drittel nicht nur – sie legten sogar noch einen Zahn zu und die bis dahin kühl und routiniert agierenden Indians kamen spätestens in der 31. Minute aus ihrem Rhythmus als Gianluca Balla das 1:0 für die Hamburger auflegte. Die Reaktion 4 Minuten später durch Brent Norris hätte Kai Kristian im Tor der Crocodiles durchaus verhindern können aber eine Torwartecke, so weit offen wie ein Scheunentor, das ließ sich Norris nicht nehmen. Was Kristian dann aber für den Rest der Begegnung zeigte, kann man irgendwo zwischen „unglaublich“ und „phänomenal“ einordnen. Tolle Spiele hat er schon häufig gemacht aber am Sonntagnachmittag zeigte er die beste Leistung der jüngeren Vergangenheit und seine Vorderleute schienen das zu spüren.

 


 


 

 

Der Ausgleich hielt ganze 53 Sekunden, wieder einmal begeisterte Aaron Reinig das Hamburger Publikum mit der erneuten Führung zum 2:1 und weil Hamburg gerade so schön in Fahrt war, legte Brad McGowan in Minute 37 noch das 3:1 in Überzahl drauf. Nun war die Frage vom Tisch, ob gegen die Indians überhaupt etwas zu holen wäre - es stellte sich vielmehr die Frage „kann man das halten und über die Zeit bringen oder würde Hannover noch einmal zurückkommen?“. Hannover stemmte sich zwar vehement gegen den Hamburger Druck aber die Crocodiles zogen ihr Spiel unbeirrt weiter durch, von Erschöpfung war weiterhin nichts zu sehen.
 
Mit diesem Ergebnis ging man in den Schlussabschnitt und die Crocodiles machten genauso weiter, wirkten dabei sogar ausgeruht und energiegeladen aber irgendwann kommt das Adrenalin natürlich auf einen Level, an dem nichts mehr schiefgehen kann, wo selbst kurioseste Aktionen noch funktionieren und mit jeder verstrichenen Minute wuchs bei den Fans die Gewissheit „das lassen wir uns nicht mehr nehmen. Nicht heute!“. Kai Kristian machte hinten selbst 110%ige Torchancen zunichte und der Rest der Mannschaft spielte sich in eine Art Rausch, Hannover inzwischen rat- und mutlos.
 
Auch wenn es eher ein fun fact war, Kai Kristian trug sich in der 59. Minute als Torschütze zum 4:1 ein als Norman Martens die Scheibe über das komplette Spielfeld in das inzwischen leeren Tor der Indians bugsierte. Streng genommen nicht ganz richtig und noch strenger genommen hat Josh Mitchell den Puck mit der Kufe abgefälscht – sei es drum, nach dem Pech der letzten Wochen darf so ein Detail dann auch mal zugunsten der Crocodiles übersehen werden. Nun war es hart für die Indians aber als Balla 28 Sekunden vor der Sirene noch das 5:1 einschob, da wurde es schmerzhaft und demütigend für die Gäste obwohl Hannover das eine oder andere zusätzliche Tor verdient hätte.
 
Nach der Pause durch den Deutschland-Cup empfangen die Crocodiles am 16.11. den Herner EV im Eisland Farmsen, die Indians sind auswärts bei den Preussen in Berlin gefordert.

 

 

 

 

 



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