Oberliga – Josh Mitchell gelingt die kleine Sensation im Derby gegen Timmendorf

 

(Oberliga/Hamburg) (Karsten Freese) Hamburg um 19 Uhr an einem Freitagabend im Januar. Kein Parkplatz mehr zu bekommen am Eisland Farmsen. Alles rappelvoll wie man im Norden sagt. Das kann eigentlich nur bedeuten, das Timmendorf da ist, nächstes Derby, nächste Chance zur kompletten Blamage oder aber die Möglichkeit zur Revanche nach der desaströsen 2:7 Pleite der Crocodiles Anfang Januar.

 

KF 9 SP Quali Crocodiles EHCT 06 EOL
(Foto: Karsten Freese)

 


 

Letztlich wusste also jeder, warum er da war und das merkte man auch von der ersten Sekunde an. Hamburg sehr diszipliniert und mit voller Konzentration zum Auftakt, ungewohnt wachsam und durchdacht in dieser frühen Phase. Timmendorf tat dagegen einfach nur das was sie immer tun: Sich bedeckt halten, zurückfallen lassen und auf die Chance zum Kontern lauern. Nur nichts überstürzen, nicht hektisch werden, nichts Unbedachtes tun. Ist der Gegner deutlich stärker dann wird dieses System leicht abgewandelt indem man mit einer Art Taktik der Nadelstiche den Puck über die blaue Linie hinausschiebt, gegen Hamburg war das aber zunächst nicht notwendig. Einfach schauen bis sich eine Möglichkeit bietet und wehe, wenn der Konter der Beach Boys erst einmal läuft.


Das können sie, das beherrschen sie, das Team ist für solche Fälle offenbar blind aufeinander abgestimmt. Genau das musste Hamburg dann auch einsehen als Kenneth Schnabel die erste Scheibe im Hamburger Tor ablegte. 2 Minuten 16 gespielt bis hierhin, das konnte ja noch ein heiterer Abend werden. Bei der letzten Begegnung vor 3 Wochen hatte Petr Gulda immerhin gut 9 Minuten gewartet bis die Katastrophe ihren Lauf nahm. Kevin Kunz in Minute 14 mit dem 2:0 aus Sicht der Beach Boys. Hamburg zwar immer noch konzentriert und mit viel Druck nach vorne, aber leider auch mit der gewohnten Erfolgslosigkeit am gegnerischen Tor, das Burnout Risiko für Jan Dalgic war bis dato eher gering.


Im Grunde waren jetzt die Weichen gestellt und man konnte sich ausmalen, wie das Spiel verlaufen würde. Allerdings kann man in Hamburg seit Wochen eine Wandlung erkennen – das gerupfte Team der Crocodiles kommt offenbar immer besser mit der Situation zurecht, der verbleibende Kader spielt sich mehr und mehr ein und bei immer mehr Spielern findet eine Wandlung zum Alllrounder statt. Da trat man am Freitagabend ernsthaft mit 2 Verteidigern an aber warum auch nicht? Synowiec und Mattwich sind gar nicht so allein wie einen die Mannschaftsaufstellung glauben machen will. Plötzlich sind Leute wie Walz, Mitchell oder Calovi zur Stelle, die defensive Aufgaben übernehmen können und das gibt nach vorne dann auch eine zusätzliche Sicherheit für Leute wie Isreal und Gerartz, die dann innerhalb von 20 Sekunden dafür sorgten, dass Hamburg mit einem hart erkämpften aber verdienten 2:2 in die erste Pause gehen konnte. Irgendwann wird auch Timmendorf einsehen müssen, dass es mittelfristig nicht förderlich ist, wenn man den langen Pfosten ungedeckt lässt. Zimmer, Prüßner, Bruns, Gerartz, Israel – einer stand dort ständig frei und lauerte auf den Pass. Meist ging es glimpflich ab, aber eben nicht immer.


Leider konnten die Crocodiles diese Entwicklung im zweiten Drittel nicht fortsetzen, denn Timmendorf kam mit einem ziemlichen Druck daher. Steve Pepin war vom Ausgang des ersten Drittels offenbar not amused und hatte seinem Team scheinbar die passenden Worte mit auf den Weg gegeben. Die Beach Boys jetzt mit dem nötigen Biss und absoluter Entschlossenheit auf dem Weg zum gegnerischen Tor, Hamburg nervös und unsicher.

 
27. Minute, Marco Meyer schießt Timmendorf wieder in Führung. 31. Minute, André Gerartz bringt sein Team wieder auf 3:3 heran und das klingt vom Ergebnis besser als die Crocodiles in dieser Phase waren. Viel besser sogar, wenn man ehrlich ist. 32. Minute, Timmendorf wieder vorne nach einem Treffer Cedric Montminy. Und dann ging es auch schon bald in die letzte Pause – nein, kein versöhnlicher Ausgleich wie im ersten Abschnitt. Gemischte Gefühle und Sorgenfalten beim Hamburger Publikum und die Gewissheit „wir haben ja noch ein Drittel“ was sich aber eher wie das Pfeifen im Wald anfühlte.


Dann passierte allerdings etwas das man in Hamburg schon sehr lange nicht mehr erlebt hat. Aus der Kabine kamen die Crocodiles der vergangenen Saison, wenn man es etwas überschwänglich formulieren möchte. Die Timmendorfer dagegen kamen erst einmal gar nicht bzw. sie kamen mit Verspätung aus der Kabine. Seedo Janssen ging lässig darüber hinweg und warf den Puck ein, sehr zum Ärger des Hamburger Publikums. Natürlich hätte man es sehr streng auslegen können, eine klare Spielverzögerung und somit eine Strafe gegen Timmendorf. Man konnte aber auch, genau wie Janssen es tat, über die lächerlichen paar Sekunden hinwegsehen und es unter „Derby“ verbuchen und mit einigen Stunden Abstand ging die Entscheidung des Schiedsrichters auch völlig in Ordnung zumal er die Partie über die komplette Dauer sehr gut im Griff hatte. Solche kleinen Manöver gehören zu einem echten Derby dazu. Der Stimmung in der Halle war es auf jeden Fall zuträglich.


Der kleine Hamburger Kader benahm sich wie eine Mischung aus Spielfreude und einem Rudel hungriger Wölfe, das dem Opfer keine Chance lassen will. Auf einmal waren alle Zweifel wie weggeblasen wer dieses Spiel gewinnen wollte. Aber ganz so einfach ließ sich Timmendorf dann doch nicht an die Wand spielen auch wenn sie streckenweise mit dem Rücken an selbiger standen. Thomas Zuravlev übernahm die „Bestrafung“ für die Spielverzögerung persönlich und nach 32 Sekunden Spielzeit lag der Puck hinter der Timmendorfer Torlinie. Das passte nun alles wie die Faust aufs Auge und Hamburg drückte weiter aufs Tempo und schraubte die Statistik der Torschüsse in die Höhe aber eben auch nur die Schüsse – die Tore blieben aus, jedoch war Hamburg zu diesem Zeitpunkt das klar dominantere Team. Die Zeit lief langsam ab und jedem war klar: „wer das nächste Tor schießt wird zum Helden“. Etwas über 30 Sekunden noch zu spielen und zumindest die Overtime schien so gut wie sicher, jetzt nur keinen Fehler mehr machen lautete die Vorgabe auf beiden Seiten.


Mitchell und Bruns mit dem wahrscheinlich letzten Angriff der regulären Spielzeit. Wenig Zeit zum Spielaufbau und eine 2-auf-3 Situation. Mitchell und Bruns gegen Kunz, Saggau und Gärtner. Wären es McDavid und Draisaitl gewesen dann hätte man sicher von einer Großchance sprechen können aber bei Bruns und Mitchell sah es zunächst nicht so gefährlich aus. Mitchell mit der Scheibe in Richtung Tor, Bruns zieht die Timmendorfer Abwehr auseinander, Gärtner schläft komplett und lässt Mitchell die Diagonale zum Tor offen – wie der knallende Korken einer Flasche Champagner schiebt Mitchell im Fallen die Scheibe durch eine winzige Lücke an Jan Dalgic vorbei ins Tor.


Der letzte kurze Angriff der Gäste wird kurz vor dem Hamburger Tor durch die Sirene abgebrochen. Ende, Derbysieg Hamburg, Revanche geglückt, rund 1600 Fans im Rausch und die Frage beantwortet, warum es draußen keine Parkplätze mehr gab.



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