Ignaz Berdaner spielte bereits im Alter von 15 Jahren bei einigen Freundschaftspielen in der ersten Mannschaft des SC Riessersee, bevor er ein Jahr später mit 16 Jahren den Sprung in die Profimannschaft schaffte. Nur ein Jahr später mit 17 Lenzen stand er auch im Kader der Deutschen Eishockey Nationalmannschaft wurde jedoch für viele unverständlicher Weise vom Bundestrainer Gerhard Kießling nicht mit zur WM 1972 genommen.

Bereits in diesen jungen Jahren gab es für Ignaz Berndaner eine Vielzahl von lukrativen Angeboten, doch er blieb seinem Heimatverein dem SC Riessersee bis zur Saison 1987 treu, ehe er nach 15 Jahren zum EC Hedos München wechselte. In dieser Zeit konnte er zwei Mal die Deutsche Meisterschaft (1978, 1981) gewinnen und stieg mit dem EC Hedos in die 1. Bundesliga auf. Nach drei Jahren in München beendete er in der Saison 1992 seine aktive Karriere.

International bestritt einer der besten deutschen Verteidiger aller Zeiten 177 Länderspiele (19 Tore) und nahm an insgesamt 9 Weltmeisterschaften und zwei Olympischen Spielen (1976, 1984) teil. In den beiden Jahren 1982 und 1983 verzichtete er auf die Teilnahme an den Weltmeisterschaften, da er die Zeit für den Bau seines wunderschönen Hauses in Garmisch-Partenkirchen nutzte.

Nach den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo beendete er seine Karriere in der Nationalmannschaft. Xaver Unsinn versuchte vergeblich Ignaz zum Weitermachen zu bewegen, doch der sympathische bayerische Musterverteidiger gab seinen Stammplatz für einen jungen deutschen Verteidiger Namens Uwe Krupp frei, der später zum erfolgreichsten deutschen Eishockeyspieler aller Zeiten werden sollte.

Unvergessen ist der Gewinn der Bronzemedaille in Innsbruck bei den Olympischen Winterspielen 1976.

 

DEB Team von 1976: Lorenz Funk, Ernst Köpf, Alois Schloder, Rudolf Thanner, Josef Völk, Anton Kehle, Erich Kühnhackl, Rainer Philipp, Klaus Auhuber, Ignaz Berndaner, Wolfgang Boos, Martin Hinterstocker, Udo Kießling, Walter Köberle, Stefan Metz, Franz Reindl, Ferenc Vozar, Erich Weishaupt

 

Ignaz Berndaner war nach seiner Spielkarriere als Co-Trainer in Riessersee tätig und übernahme die Mannschaft 1993 als Cheftrainer. Es folgten vier Jahre beim ERC Ingolstadt und im Jahr 2002 die Position des Bundestrainers der deutschen Eishockey Nationalmannschaft der Frauen. Nach einem Engagement in Regensburg trainerte er noch den TSV Peißenberg, Schongau und zum Schluss die Wanderers Germering.

In den letzten Jahren war als Trainer der Frauen-Bundesligamannschaft des SC Garmisch-Partenkirchen tätig. Nach einem Jahr Pause, verriet er uns heute, dass er nächste Saison wieder hinter der Bande bei den Frauen in Garmisch stehen wird.

 

Wir haben uns heute in Garmisch mit Ignaz Berndaner zum Interview getroffen.

 



 

Herr Berndaner, vorab möchte ich mich recht herzlich für das Interview bedanken und ihnen meinen Respekt erweisen, denn es kommt nicht alle Tage vor, dass man mit jemanden zusammen kommt, der Deutsche Eishockey Geschichte miterlebt und geschrieben hat (Bronzemedaille 1976 in Innsbruck). Wie geht es Ihnen und was machen Sie heute?

Ignaz Berndaner: Meiner Familie und mir geht es sehr gut. Ich arbeite immer noch in der Gemeindeverwaltung, jetzt schon seit dreißig Jahren und das macht mir auch weiterhin viel Spaß. In meiner Freizeit gehen wir viel in den Wald und verbringen auch einige Zeit in Norwegen, wo wir uns ausgezeichnet erholen können. Im Wald wird "Holz gemacht", für den Kachelofen zu Hause, da kann ich mich dann auch sportlich betätigen. Wir sind sehr zufrieden und glücklich.

 

 

Sie haben für die Deutsche Eishockey Nationalmannschaft 177 Länderspiele bestritten, an 9 Weltmeisterschaften und zwei Olympischen Spielen (1976, 1984) teilgenommen und sensationell 1976 in Innsbruck die Bronzemedaille gewonnen. Wie war das damals, es gab ja nach dem letzten Spiel ein großes Rechenspiel?

 

Ignaz Berndaner: Wir waren aller erstmal sehr glücklich, dass wir bei Olympia überhaupt dabei waren, da wir uns dafür in einigen Spielen qualifizieren mussten und dies auch erfolgreich geschafft hatten. Einige der anderen Deutschen Sportler bei Olympia hatten uns ohnehin nichts zugetraut und sogar wortwörtlich gemeint "die Eishockeyspieler könnten doch zu Hause bleiben..." und als es dann soweit war und wir mit der Medaille um den Hals auf dem Treppchen standen war dies schon der absolute Höhepunkt in meiner Karriere.


Wir Spieler sind im letzten Spiel immer davon ausgegangen, dass wir mit 4 Toren Unterschied gewinnen müssen und ich kann mich noch errinnern, das unser Captian Alois Schloder den Bundestrainer Xaver Unsinn immer wieder aufgefordert hatte den Torhüter vom Eis zu nehmen, doch aus irgendwelchen Gründen hat Xaver das nicht gemacht und dann hat es Dank dieses Quotienten für uns doch gereicht.

 

 

Haben Sie als Spieler damals durch die Bronzemedaille auch finanziell profitiert? Wie war das generell mit dem Verdienst zu dieser Zeit?

Ignaz Berndaner: Als junger Spieler gab es bis auf eine kleine Aufwandsentschädigung damal nichts und für die Medaille kann ich mich gar nicht mehr errinnern, was wir dafür bekommen haben, es war auf jeden Fall eine Anerkennung, aber wie viel das war muss ich leider passen.  Im Laufe der Zeit hat sich der Verdienst dann schon etwas entwickelt, aber die Medaille denke ich hat meinen Marktwert nicht beeinflusst, da ich in der Bundesliga gute Verträge hatte und auch immer gute Angebote von anderen Vereinen bekam.


Ich war auch die gesamte Zeit kein "Vollprofi" hatte immer meine Arbeit und nebenbei das Eishockey, bis auf die Jahre in München wo ich in der Arbeit ausgesetzt hatte.

 

 

Wer war während Ihrer aktiven Zeit Ihrer Meinung nach der beste deutsche Eishockeyspieler?

Ignaz Berndaner: Da gab es so viele, Alois Schloder, Erich Kühnhackl, Udo Kießling, eigentlich fast die ganze Mannschaft mit der ich 1976 bei Olympia war. Besonders möchte ich aber meinen ehemaligen Mitspieler beim SC Riessersee Anton Hofer, Spitzname "Dagobert" hervorheben, der war einfach ein absolut kompletter Spieler, körperlich total robust und stabil, einen dermaßen starken Antritt, so dass er meiner Meinung nach mit jedem Russen hätte mithalten können.


Sein Problem war nur, dass er manchmal keine richtige Lust aufs Eishockey gehabt hatte. Er hat nach Riessersee dann noch lange in Berlin gespielt. Er hätte mit einer anderen Einstellung wesentlich mehr erreichen können.


Dann finde ich noch dass Rainer Philipp einer der besten Spieler zu meiner Zeit war, im war es zu verdanken, dass wir 1976 nicht in die B-Gruppe abgestiegen sind, er hatte damals im letzten Spiel in Polen kurz vor Schluss das entscheidende Tor für uns geschossen.


Zu guter letzt würde ich mich auch noch selbst dazu zählen :-)

 

Wenn Sie sich das heutige Eishockey in Deutschland anschauen, was hat sich verändert? Ist es besser oder schlechter geworden?

Ignaz Berndaner: Es ist nicht schlechter geworden, wir waren zwar schon Mal vor den Finnen und kommen leider in den letzten Jahren international nicht mehr dahin, auch wenn wir 2010 eine herausragende Weltmeisterschaft gespielt haben. Die Ahtletik ist vorallem besser geworden, dass führe ich aber ein bisschen auf das Material zurück, da sich ja die Ausrüstung grundlegend zu unserer damaligen verändert hat. Früher waren auch nur ein kleiner Teil als "Vollprofi" tätig und heute ist das ja ganz anders, so dass ganz andere Rahmenbedingungen herrschen.


Unsere Handschuhe gingen damals teilweise über das Handgelenk, so dass man gar nicht so beweglich war wie heute und diese waren auch vorallem viel schwerer. 1976 gab es z.B. die ersten Schlittschuhe bei denen die Kufen in "Plastik" eingearbeitet wurden, so dass der Schlittschuh viel leichter wurde. Hans Zach war einer der ersten, der die neuen BAUER Schlittschuhe ausprobiert hatte und danach sind die anderen Skeptiker nach und nach umgestiegen.

 

Des Weitern sind ja mehrere gute Mannschaften international nach dem Zerfall von Russland und der Tschechoslowakei dazugekommen, Lettland, Weißrussland, Tschechien, Slowakei etc. und das hat es im gesamten natürlich auch nicht einfacher gemacht.

 

Nach Ihrer Karriere waren Sie u.a. in Riessersee, Ingolstadt als Trainer tätig. Des Weiteren haben Sie auch Frauennationalmannschaft trainiert. Ihre Tochter spielt auch Eishockey und ist bei der Bundesligamannschaft des SC Garmisch-Partenkirchen aktiv. Auch Sie spielt mit der Rückennummer 19. Wie steht ein gestandener Eishockeynationalspieler vom „alten Schlag“ zum Thema Fraueneishockey in Deutschland?

 

Ignaz Berndaner: Mir hat die Aufgabe damals als Trainer der Frauen Nationalmannschaft sehr viel Spaß gemacht und meine Kinder sind damals während meiner Zeit in München zum Eishockey gekommen. Wir haben auf unsere Kinder nie Druck ausgeübt, es war uns nur wichtig, dass sie irgendeinen Sport machen und so hat es sich dann einfach ergeben, dass beide mit dem Schlittschuhlaufen und später mit dem Eishockey angefangen haben.


Die letzten Jahre als Trainer der Frauenmannschaft in Garmisch waren auch sehr schön und nach einem Jahr Pause, hat man mich von allen Seiten wieder gefragt, ob ich nächste Saison nicht wieder das Traineramt übernehmen möchte. Dies freut mich natürlich ein wenig, da es ja zeigt, dass man mit mir und meiner Arbeit zufrieden ist.

 

Morgen beginnen für die Deutsche Eishockey Nationalmannschaft der Frauen die Olympischen Spiele in Sochi mit dem ersten Spiel gegen Russland. Was erwartet einen Sportler bei Olympia (Sie haben ja selbst an zwei Olympischen Spielen teilgenommen)?


Ignaz Berndaner: Erstmal zählt das Motto "Dabeisein ist alles..." und dann muss man einfach mal schauen was möglich ist. Eine Bronzemedaille, wie es von vielen Medien geschrieben wird, halte ich für etwas hochgegriffen, vorallem muss man aufpassen, dass man nicht in den Abstiegskampf gerät, der ja dieses Jahr neu ist.


Ich habe auch ein Vorbereitungsspiel gegen Rußland gesehen, wo eigentlich nur verteidigt wurde und keine Chance vorhanden war, daher bin ich hier nicht so euphorisch gestimmt wie manch andere. Ich drücke natürlich Peter Kathan und seinem Team morgen die Daumen.

 


 

(Ignaz Berdaner 1976 - Bronzemedaille in Insbruck)

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