(Fraueneishockey/Köln) (Tim Sinzenich) Schon die Voraussetzungen im letzten deutschen Ligaspiel der Saison 2017/18 überhaupt hatten Playoff-Charakter: Mit einem Sieg konnten die KEC-Frauen als Tabellendritter noch den Tabellenersten Cold Play Sharks Mechelen von der Spitze verdrängen. Bereits ein Unentschieden (hier erfolgt noch die alte Wertung) hätte nicht ausgereicht. Und so war es ein Do-or-die-Spiel.

 

 

(Foto: KEC Die Haie e.V. Frauen / Facebook) 

 


Direkt  in der ersten Minute hatte Paulina Geschwandtner eine gute Chance, doch Mechelens Torfrau Nina van Orshagen machte - wie im ganzen Spiel - einen guten Job. In der Folge kamen die Gastgeberinnen zu einigen guten Gelegenheiten (4. und 5. Minute), doch Zwingendes kam dabei nicht heraus. Ebenso bei den Kölnerinnen, die aber bei einer Zwei-Minuten-Strafe wegen Beinstellens gegen Jule Klement (9.) solide verteidigten.  

 


Doch nach einem feinen langen Pass aus dem Verteidigungsdrittel von Naemi Bär auf Kapitänin Britta Dillenberger konnte diese Joelle Sandmeier vorlegen, die per One-Timer zum 0:1 einnetzte (12.). Mechelen war zwar läuferisch über weite Strecken überlegen. Doch der KEC hielt mit stocktechnischer Überlegenheit und strukturierter Defensivarbeit dagegen, entschärfte so viele Konter und kam seinerseits zu einigen Gelegenheiten. Einzig die Chancenverwertung ließ zu wünschen übrig. Großes Glück fünf Sekunden vor der ersten Drittelpause, als ein von der blauen Linie abgegebener Schuss von Roosje Willemot durch Torfrau Mara Pieterek nur knapp neben das Tor abgelenkt werden konnte.

 

 

Im zweiten Abschnitt erneut ein Duell Laufstärke gegen Stocktechnik und deutlich größere Passgenauigkeit. Der KEC begann druckvoll, und in der 21. Minute ging der Puck erneut ins Netz. Doch das Tor wurde nicht gegeben, obwohl der Puck in vollem Umfang die Linie überquert hatte, das Tor nicht verschoben war und auch kein Torraumabseits bestand. Vermutlich ging ein hoher Stock voraus. Nicht einmal zehn Sekunden später erneut eine Riesenchance, als Mechelens Torfrau zwar den Puck unter sich hatte, aber nicht wusste, wo er sich befand. Beinahe wäre er noch ins Tor gegangen.

 

 

Aber auch Im KEC-Slot brannte es lichterloh (23.), Mara Pieterek konnte aber noch die Scheibe sichern. In der 24. Minute dann die erste Strafe gegen Mechelen wegen Hakens von Katarina Huyghe. Auch wenn einige Scheiben zum Tor gingen, war nichts Zwingendes dabei. Besser Alleena Dopheides Alleingang in der 29. Minute, deren sehenswerter Move aber ebenfalls noch abgewehrt werden konnte.

 

 



 

 

Doch auch Mechelen durfte keinesfalls abgeschrieben werden, es folgten immer wieder gefährliche Druckphasen, vor allem in der 30. und 31. Minute wurde Köln regelrecht eingeschnürt. Doch die Defensive hielt stand. Zwei Minuten später große Unsicherheit bei Mechelen: Sowohl die  Torfrau als auch drei Feldspielerinnen wussten nicht, wo sich der Puck befand, doch auch dieses Mal fand die Scheibe den Weg nicht über die Linie.

 

 

Beide Mannschaften hätten zu diesem Zeitpunkt mehr Tore verdient, doch der KEC ließ mehr Chancen liegen. Und Mechelen konnte aus seiner verbesserten Leistung ebenfalls kein Kapital schlagen. Auch Powerplays in der 38. (Christina Schwamborn, unkorrekter Körperangriff) und Schlussminute (Chinouk van Calster, Stockcheck) des zweiten Drittels wurden von beiden Teams nicht genutzt.

 

 

Ebenso die verbleibende über eine Minute im Schlussabschnitt. Beide Mannschaften wirkten überhaupt jetzt fahrig und unkonzentriert. In der 44. Minute fing sich zunächst Köln mit Christina Schwamborns Hammer von der blauen Linie, auch die nächsten Minuten dominierten die Kölnerinnen. Aber auch Julia Ohligschlägers guter Rückhandschuss fand seinen Meister in Mechelens Goalie. Doch auch Mechelen gab sich noch lange nicht geschlagen und legte nach.

 

 

Konnte eine brenzlige Situation in der 53. Minute noch durch eine geschlossene Defensivleistung entschärft werden, klingelte es schließlich auch im Kölner Gehäuse. Über 40 Minuten sah es nach einer Pokal-Reise Richtung Köln aus, doch nun standen die Zeichen auf Belgien. Nach Zuspiel von Liesa Bosmans schoss Femke Bosmans scharf von der blauen Linie, und Roosje Wilemot fälschte zum Ausgleich ab. Die Aussichten auf einen Sieg verschlechterten sich nach einem Bandencheck von Julia Ohligschläger (2+10 Minuten) weiter. Und selbst nach Ablauf der Strafe konnte durch Mechelens Forechecking der KEC lange seine Torfrau nicht ziehen. Erst in der letzten Minute war dies möglich. Mechelen wollte den Sack endgültig zumachen, doch der Puck ging neben das leere Kölner Tor, somit unerlaubter Weitschuss gegen Mechelen.

 

 

Noch zehn Sekunden standen auf der Uhr. Nachdem der KEC bereits kurz vorher seine Auszeit genommen hatte, machte Mechelen von seiner Auszeit Gebrauch. Der KEC warf nochmal alles nach vorne, und nach gewonnenem Bully durch Naemi Bär zog Christina Schwamborn ab, und der Puck ging bei 59:55 über die Linie. Buchstäblich in letzter Sekunde ging der Meisterpokal doch noch nach Köln.

 

 

Christina Schwamborn, Siegtorschützin: „Ich habe einfach so geschossen, in der Hoffnung, dass er doch noch reingeht. Das Tor war surreal, weil es eigentlich nicht mehr möglich war.“

 

 

Britta Dillenberger, Kapitänin: „Wir wussten, dass es ein hart umkämpftes Spiel wird. Dass wir es am Ende aber doch so spannend machen mussten, war so nicht geplant. Umso schöner war es natürlich, dass uns der Siegtreffer so kurz vor Schluss doch noch gelungen ist. So beendet man gerne seine aktive Karriere.“

 

 

Trainer und sportlicher Leiter René Nosper: „Ich freue mich für die Mädels und das Kölner Frauen-Eishockey, dass wir die Meisterschaft in dieser Saison gewonnen haben. Wir arbeiten seit Jahren hart und haben das in den vergangenen zwei Jahren immer nur knapp verpasst. Auch heute war es kein leichtes Spiel, wir mussten gewinnen und bekamen sechs Minuten vor Schluss den Ausgleich zum 1:1, obwohl wir zahlreiche Chancen hatten, ein Tor nicht gegeben wurde und wir zum Ende hin noch eine Strafe bekamen. Umso schöner ist, dass die Mannschaft dann eng zusammenrückte und fünf Sekunden vor Spielende das Spiel für sich entscheiden konnte.“

 



 

 

Das Dameneishockey bei den Kölner Haien ist eine sehr junge Disziplin: seit dem 1. Januar 2017 spielen die Spielerinnen des Dameneishockeyteams Cologne Brownies e.V. in den Farben des KEC, der offizielle Spielbetrieb als Kölner Haie begann mit dem 1.Mai 2017. Mit ca. 80 aktive Spielerinnen zwischen 6 und 45 Jahren, davon ca. 70 Spielerinnen im Spielbetrieb, sind die Kölner Haie nicht nur der größte deutsche Damenverein, sondern auch der einzige, der mit drei Damenteams am Spielbetrieb in den deutschen Ligen teilnimmt.

 

 

In der Saison 2017/2018 stehen die Haie-Teams in der 2. Liga Nord, der Landesliga NRW und in der Bezirksliga NRW mit Teams aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Belgien im eissportlichen Wettkampf.

 

 

Unter sportlicher Leitung des Headcoaches und A-Lizenz-Inhabers René Nosper, der im siebten Jahr für Kontinuität und Förderung des Dameneishockeys steht, wuchs die Zahl der aktiven Spielerinnen in den letzten Jahren um ca. 25%. Mehrere Auswahlspielerinnen, darunter für NRW und in den deutschen Nationalteams, haben beim KEC ihre sportliche Heimat. C-Lizenz-Inhaber Markus Ballast verantwortet das Team 1c als Sprungbrett in die höher spielenden Mannschaften des KEC.

 

 

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