Interview mit Gregor Baumgartner vom EHC Black Wings Linz

(Interview) Gregor Baumgartner, geboren am 13. Juli 1979 in Kapfenberg und aus der Jugend der Kapfenberger Sportvereinigung hervorgekommen, verließ sein Elternhaus schon mit 14 Jahren, um in Nordamerika sein Glück zu versuchen. Nach einigen Jahren im kanadischen Junioreneishockey war er 1999 in der International Hockey League erstmals als Profi im Einsatz, wo er für die Michigan K-Wings stürmte. Er war jüngster Collegespieler Division 1 USA mit 16 (damals jüngster aller Zeiten). Sein weiterer Karriereweg führte ihn über Oklahoma und Idaho nach Utah. Von 2001 bis 2003 konnte Baumgartner in der American Hockey League, sowie in der East Coast Hockey League Fuß fassen. 2002 wurde er als erster Österreicher in der Geschichte ins AHL All-Star Classic einberufen.

 

Dennoch zog es ihn von den Pensa Cola Ice Pilots im Jahr 2003 wieder zurück in die Heimat, wo er bei den Vienna Capitals erstmals in seiner Karriere in der österreichischen Bundesliga stürmte. Nach einem kurzen Gastspiel in Salzburg in der Saison 2004/05 kehrte er nach wenigen Monaten wieder nach Wien zurück, wo er rasch zu einem wichtigen Bestandteil jener Mannschaft wurde, die 2005 den Meistertitel in die Hauptstadt holte. Für die Saison 2006/07 wechselte Baumgartner zu den Liwest Black Wings Linz. Mit den Oberösterreichern gewann er 2012 den Meistertitel und trug als bester Torschütze der Playoffs maßgeblich zum Titelgewinn bei. Für die Saison 2006/07 wechselte Baumgartner zu den Liwest Black Wings Linz, wo er aktuell unter Vertrag steht.

 

Im Juniorenbereich nahm Baumgartner 1996 an der U18-C-Europameisterschaft und der U20-B-Weltmeisterschaft teil. Sein Debüt in der Herren-Nationalmannschaft gab er am 25. April 2000 bei der 1:4-Niederlage gegen Weißrussland in Minsk. Im selben Jahr nahm er auch erstmals für sein Heimatland an der A-Weltmeisterschaft teil. Auch 2007, 2009 und 2013 spielte er mit der österreichischen Auswahl in der höchsten Spielklasse der Weltmeisterschaften. 2012 musste er mit den Alpenländlern hingegen in der Division I antreten, erreichte mit der Mannschaft aber den Wiederaufstieg in die Top-Division. Zudem vertrat er seine Farben beim Qualifikationsturnier für die Olympischen Winterspiele 2014, bei dem sich die Österreicher erstmals seit 2002 wieder für die Winterspiele qualifizieren konnten.

 



 

eishockey-online.com Reporter Andreas Lobenschuss hat sich mit Gregor Baumgartner in Linz zum Interview getroffen.

 


Hallo Gregor, vielen Dank, daß du dir trotz der Weihnachtszeit für unser Interview Zeit genommen hast. Wie verbringst du die besinnliche Zeit und wo?

Gregor Baumgartner: Bitte gerne. Die Weihnachtszeit verbringe ich in Linz und Kärnten mit meiner Freundin und Familie. Leider dieses Jahr ohne Eishockey, aber dafür mit etwas mehr Zeit.

 

 

Derzeit befindest du dich in einer schwierigen Phase deiner Karriere. Wie gehst du damit um?

Gregor Baumgartner: Ich habe in meiner Karriere schon viele Höhen und Tiefen erlebt und weiß daher, dass einem im Leben immer das richtige zum richtigen Zeitpunkt begegnet um vielleicht auch wieder auf neue Wege zu geraten.


 

Seit der Saison 2006/2007 warst du bei den Liwest Black Wings Linz und Über all die Jahre immer einer der besten Scorer im Team. Nun legt man keinen Wert mehr auf deine Dienste.  Wie erklärst du dir die Situation? Dankbarkeit sieht anders aus.

Gregor Baumgartner: Das stimmt, ich habe über viele Jahre bei den Linzern gute Leistungen erbracht, so auch in der letzten Saison, obwohl meine Eiszeit schon stark gekürzt wurde. Da hatte ich schon Bedenken, wo das hinführen würde. Sowohl letztes Jahr so wie auch jetzt bin ich mir nicht sicher an was dies liegen kann, da ich der Meinung bin immer noch eine Stütze für diese so wie auch eine andere Mannschaft sein könnte. Rückblickend auf die vielen Spiele mit Grippe oder leicht verletzt unter Einfluss von Medikamenten (Fitspritzen,) und damit immer wieder seinen Körper misshandelt, hätte ich aus gesundheitlicher Sicht in diversen Situationen definitiv anders entschieden. Dank sollte man sich im Sport keinen erwarten, obwohl man nie vergessen sollte, dass wir Profis auch nur Menschen hinter einer Fassade sind.

 

 

Viele Teams in der EBEL spielen zum Teil mit 12 Legionären und tätigen etliche Try Outs. Geht damit nicht die Identifikation verloren?

Gregor Baumgartner: Leider hat es sich in den letzten Jahren herausgestellt, dass Zuseher und Fans sich lieber ein interessantes Spiel ansehen, als junge Talente des eigenen Nachwuchses. Der wirtschaftliche Aspekt dürfte für alle Vereine stimmen und der Verband hat sich zu sehr abgekapselt um in das Geschehen der EBEL großartig einzugreifen. Ich denke für eine langfristige Verbesserung des österreichischen Eishockeys wäre es wohl sinnvoll hier sich eine neue Lösung bezüglich Punktesystem etc. zu überlegen. Ohne aktive einheimische Spieler wird es wohl schwierig sein den Eishockeysport in Österreich weiterzuentwickeln.

 

 

Die Punkteregel in der EBEL hindert einige sehr gute Österreichische Spieler daran ihre Karriere in der EBEL fortzusetzen (Baumgartner, Andre Lakos, M. Oraze). Diese Regel macht doch keinen Sinn, oder?

Gregor Baumgartner: Die Punkteregel hat sich eher als Hindernis für österreichische Spieler im eigenen Land herausgestellt. Ich hätte noch nie von einer Punkteregel in einer Liga gehört die einheimische Spieler fast benachteiligt.

 

 

Wie hältst du dich momentan fit und hast du noch Hoffnung diese Saison bei einem EBEL Verein unterzukommen?

Gregor Baumgartner: Momentan halte ich mich konditionell fit, in dem ich mehrmals die Woche ins Fitnessstudio gehe, da ich noch einen kleinen Funken Hoffnung habe bei einem Verein unterzukommen.


 


Welche beruflichen Ziele strebst du nach deiner aktiven Karriere an?

Gregor Baumgartner: Eishockey steht bei mir im Moment im Vordergrund, da ich vor allem durch meine vertragliche Verpflichtung gegenüber den Black Wings eingeschränkt bin.


 

Was war für dich dein Karriere Highlight schlechthin? Eines davon sicher die EBEL Meisterschaft 2011/2012 mit den Black Wings?

Gregor Baumgartner: Die Meisterschaft 2011/12 war sicher ein schönes Erlebnis, jedoch gesehen war der Meistertitel mit den Capitals durch die Umstände eines sehr schwierigen sportlichen und auch privaten Jahres noch erfüllender.


 

Du hast mit vielen Spielern und Trainern zusammengearbeitet. Nenne uns doch mal den verrücktesten von allen.

Gregor Baumgartner: Über eine lange Karriere lernt man natürlich sehr viele verschiedene Charakteren kennen. Bill Stewart bei den Trainern, der sehr einzigartige Methoden anwendete, aber auch bis hin zu Spielertypen, die bei einem für uns kalten Winter mit kurzer Hose und Flipflops zum Training kamen.


 

Pflegst du trotz deiner Freistellung den Kontakt zu deinen Teamkameraden und wie gehen sie mit deiner Situation um?  Gehörst du für sie aus deiner Sicht noch zum Team?

Gregor Baumgartner: Trotz meiner Freistellung bin ich fast täglich in der Eishalle anwesend und da ich von August weg Teil dieses Teams bin, habe ich eine gute Zugehörigkeit.

 


Was möchtest du den Fans der Liwest Black Wings Linz noch mitteilen?

Danke für die schönen Jahre der Unterstützung. Schade finde ich jedoch, dass man so schnell vergessen wird.

 



 

Kurzfragen an Gregor Baumgartner:

 

Die EBEL? Gutes Eishockeyniveau, Infrastruktur verbesserungswürdig

Dein Traum? Rückkehr zur 5-6 Transferkartenspieler

Hobbies ? Rad- und Harley fahren, Tennis, Filme

Heimat ? Kärnten

 

Wir möchten uns bei Dir für dieses Interview herzlich bedanken und wünschen Dir und Deiner Familie alles Gute, viel Gesundheit und Lebensfreude.

 

 

Karrierestatistik von Gregor Baumgartner




Reguläre Saison


Play-offs

Saison

Team

Liga

Sp

T

V

Pkt

SM

+/−

Sp

T

V

Pkt

SM

+/−

1994/95

Ste. Foy Governors

QAAA

43

28

29

57

2








1995/96

Clarkson University

NCAA

7

0

1

1

0

–1

3

0

0

0


0

1995/96

Olympiques de Gatineau

QAAA

15

8

11

19

6








1996/97

Laval Titan

QMJHL

68

19

45

64

15

–9







1997/98

Laval Titan

QMJHL

68

31

51

82

10

+22

16

5

12

17

6

+2

1998/99

Acadie-Bathurst Titan

QMJHL

68

33

58

91

14

+4

23

8

8

16

8


1999/00

Michigan K-Wings

IHL

59

6

9

15

11

-15







2000/01

Oklahoma City Blazers

CHL

6

2

3

5

8

–2







2000/01

Idaho Steelheads

WCHL

4

2

2

4

2

0







2000/01

Utah Grizzlies

IHL

31

3

2

5

4

–4







2001/02

Utah Grizzlies

AHL

34

10

10

20

4

-1

1

0

0

0

0


2001/02

Fort Worth Brahmas

CHL

3

2

1

3

2

+3







2002/03

Pensacola Ice Pilots

ECHL

58

28

24

52

29

–13







2003/04

Vienna Capitals

ÖEHL

23

5

4

9

12

-6







2004/05

Vienna Capitals

ÖEHL

26

6

10

16

4

-1

10

2

1

3

2

0

2005/06

Vienna Capitals

ÖEHL

45

10

20

30

36

+3

5

0

0

0

0

-3

2006/07

EHC Black Wings Linz

ÖEHL

55

28

20

48

44

+10

3

0

1

1

0

-3

2007/08

EHC Black Wings Linz

ÖEHL

46

18

19

37

14

+12

11

3

2

5

4

-3

2008/09

EHC Black Wings Linz

ÖEHL

58

22

21

43

26

+9

6
1
1
2
4
-4

2009/10

EHC Black Wings Linz

ÖEHL

59

16

22

38

28

+8

18
5
2
7
10
-8

2010/11

EHC Black Wings Linz

ÖEHL

49

8

8

16

10

-17

1

0

0

0

0

0

2011/12

EHC Black Wings Linz

ÖEHL

49

22

24

46

10

+18

17

9

3

12

6

+6

2012/13

EHC Black Wings Linz

ÖEHL

52

14

25

39

8

-9

13

1

4

5

2

–2

2013/14

EHC Black Wings Linz

ÖEHL

54

12

12

24

14

+6

8

1

0

1

0

0

Gesamt

980

333

431

764

313

+39

111

29

31

60

28

–25

 

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