Interview mit Martin Jiranek

Martin JiranekMartin Jiranek begann seine Eishockey Karriere in der NCAA (National Collegiate Athletic Association) bei der Bowling Green State University. Beim NHL Draft 1990 wurde er von den Washington Capitals in der ersten Runde an 13. Stelle gezogen. Bis zum Jahr 1994 spielte er in der AHL, bevor er nach Europa nach Österreich und Italien wechselte.

Von 1996-2004 war er erstmals für die Thomas Sabo Ice Tigers (damals Nürnberg Ice Tigers) aktiv und wurde dort schnell zum Publikumsliebling. Zur Saison 2004/2005 verliess er Nürnberg in Richtung Ingolstadt, kehrte aber bereits die übernächste Saison wieder zurück und spielte noch eine Saison bei den Sinupret Ice Tigers (DEL) bevor er mit dem Stammverein dem EHC 80 Nürnberg in der Bayernliga seine Karriere beendete.

Martin Jiranek gehört zu den besten 10 Scorern der DEL-Geschichte und ist auch im 200. Tore Club vertreten, er absolvierte 551 DEL Spiele und schoss dabei 203 Tore (263 Assists).

Nach seiner aktiven Karriere wurde er in der Saison 2008/2009 Co Trainer der Nürnberg Ice Tigers und im Mai 2009 überraschend Cheftrainer bei den Krefeld Pinguinen, musste den Posten jedoch nach nur drei Monaten wieder freimachen. Im Jahr 2010 war er als Co-Trainer in Mannheim an der Band und kehrte die darauffolgende Saison nach Nürnberg zurück und trainierte beim EHC 80 Nürnberg den Nachwuchs.

Seit 2013 ist er als Sportdirektor bei den Thomas Sabo Ice Tigers unter Vertrag. Unsere Reporterin Birgit Eiblmaier hat sich mit Martin Jiranek in Nürnberg zu einem Interview getroffen.

 



 

Martin, Du sprichst ja sehr gut Deutsch – wie ist es Dir lieber, möchtest Du das Interview auf Deutsch oder auf Englisch führen?

 

Deutsch ist in Ordnung, ich bin es gewohnt in Deutsch Interviews zu geben, sonst kann ich  bei Bedarf ins Englische wechseln

 

Du bist Sportdirektor bei den Thomas Sabo Ice Tigers – die eine Saison ist gerade vorüber, die Andere steht kurz bevor – was sind momentan Deine Aufgaben?

 

Momentan muss ich natürlich sehr viel organisieren – unser Trainingscamp, die Vorbereitungsspiele, Teambuildingmaßnahmen. Aber natürlich Spielerverpflichtungen und Spielerscouting, welche Spieler passen zusammen – ich bin hier sehr viel am analysieren und telefonieren, diese Recherchen kosten sehr viel Zeit. Aber natürlich muss auch für die neuen Spieler alles vorbereitet werden, die Wohnungen und die Ausrüstung zum Beispiel.

 

Der Kader für die kommende Saison stand ja zum größten Teil vor der Ende der Saison schon fest, war der eine Vorteil?

 

Die Saison war ziemlich gut, wir haben immerhin Platz 3 erreicht, das heißt, man behält ganz gerne den größten Teil der Mannschaft. Wir haben viele junge deutsche Spieler, mit den meisten haben wir verlängert, von daher hatte ich mit Neuverpflichtungen nicht ganz so viel zu tun, aber das ist natürlich von Saison zu Saison unterschiedlich.

 

Wie läuft so eine Spielerverpflichtung überhaupt ab, ist das wie eine Art „Börse“?

 

Ja, ist es auch wirklich, das ist ein Spielermarkt. Aber das ist ganz unterschiedlich. Manchmal sehe ich einen Spieler der interessant und auch frei ist, dann muss ich zunächst herausfinden wer sein Spieleragent ist. Ich bekomme aber auch von der DEL Listen mit Spieleragenten. Manchmal kommen auch die Agenten selber auf mich zu und fragen mich welchen Spielertyp ich gerade noch suche. Der Markt ändert sich auch immer, je nachdem welche Mannschaften (neu) in der Liga sind, wie z.B. jetzt Red Bull München. Oder ob z.B. die KHL gerade massiv nach Spielern sucht. Das richtige Timing macht hier sehr viel aus – die deutschen Spieler verhandeln meist schon im November für die kommende Saison, die Ausländer sind da immer etwas später dran.

 

Wie sind dann Deine Aufgaben unter der Saison?

 

Ach eigentlich geht alles was irgendwie die Spieler betrifft über meinen Schreibtisch.

 

Profitierst Du in Deiner jetzigen Position als Sportdirektor von Deinen persönlichen Erfahrungen als Spieler, vor Allem auch von den Jahren in Nürnberg?


Das hat mir sehr viel geholfen denn ich war ja absoluter Neuling, aber da ich das Umfeld kannte habe ich ich schnell zu Recht gefunden, aber man lernt in dem Job nie aus. Informationen, Vertrauen und Erfahrung sind da ganz wichtig, und natürlich ist das am Anfang schwieriger als wenn man schon länger mit dabei ist.

 

Ein Wort noch zur abgelaufenen Saison ?

 

Außer wenn Du Deutscher Meister bist verlierst Du immer irgendwann in den Playoffs. Es kann nur einen Deutschen Meister geben und das heißt dass die anderen 13 Mannschaften alle mehr oder weniger enttäuscht sind. Das Ziel ist es sich von Jahr von Jahr zu verbessern. Aber erstmal die Playoffs erreichen, dann ist alles möglich. Die Playoffs haben einfach eigene Spielregeln.

Bei uns war der Knackpunkt das 4.Spiel in Wolfsburg als in der Verlängerung das Schlittschuhtor fiel. Zuvor hatten wir einen Alleingang und noch eine große Chance – wenn wir dieses Spiel gewonnen hätten dann wäre die Serie zu unseren Gunsten gekippt. Es gehört halt auch immer etwas „Glück“ mit dazu, auch wenn die Trainer natürlich immer eine Erklärung haben warum man ein Spiel verloren hat.

Der Job des Trainers und der der Mannschaft ist es eigentlich die Chance auf einen Sieg so hoch wie möglich zu halten. Und zu versuchen das Risiko zu minimieren gegen eine vermeintlich schlechtere Mannschaft zu verlieren – dieses „ die haben doch keine Chance gegen uns“, das gibt’s eigentlich nicht. Erfolg ist auch nie garantiert.

 

In einem früheren Interview hast Du einmal gesagt, Du wolltest schon immer Eishockeyprofi werden.  Hattest Du ein Vorbild bzw. ein Idol und wie bist Du überhaupt zum Eishockey gekommen?


Nein, überhaupt nicht. Mir hat Eishockey einfach Spaß gemacht und ich war ehrgeizig, mir hat schon immer der Kampf in dem Spiel Spaß gemacht. Meine Eltern waren auch nie Eishockeyfans gewesen, als ich 4 Jahre alt war, haben sie mich gefragt ob ich Eishockey spielen möchte, und ich habe gesagt ja ich probiere das.

 

 

Wenn es mit der Karriere als Eishockeyprofi nicht geklappt hätte, was hättest Du dann gemacht?

 

Ich habe 4 Jahre Lehramt für Sport und Biologie studiert, ich hatte ein Eishockeystipendium. Das habe ich aber nie beendet, ich musste mich irgendwann mal entscheiden Eishockeyprofi oder Studium zu Ende bringen. Da es mit Eishockey immer weiter ging war klar dass ich diesen Weg einschlagen würde. Und als ich meine Laufbahn als Profispieler beendet hatte wurde ich ja sofort auch Eishockeytrainer.

 



 

Du bist in Nürnberg schon immer von den Fans gefeiert worden, sowohl als Spieler als auch als Trainer, warst Teil DER Vizemeistermannschaft von 1999/2000, das Trikot mit Deiner Rückennummer hängt unter dem Hallendach, was ist das für ein Gefühl für Dich, macht Dich das nicht stolz ?

 

Natürlich sind das viele Emotionen für mich. (wechselt ins Englische)

Aber ganz ehrlich, es macht mich immer verlegen wenn mich Fans so loben. Ich schäme mich fast etwas dafür. Es hat mir einfach sehr viel Spaß gemacht hier vor den Fans zu spielen und ich bin sehr dankbar dass ich solange auf dem Niveau spielen konnte.

Es macht mich wirklich verlegen, ich habe doch nur meinen Job gemacht, ich musste mich dafür nicht „quälen“ oder so,  für mich ist es einfach nichts Besonderes gewesen, es war einfach nur meine Aufgabe.  Ich habe nur das gemacht was ich geliebt habe.

 

(spricht wieder in Deutsch weiter)

Aber mit der Zeit verändert sich auch Deine Rolle als Spieler und als ich mit 37 Jahren meine Karriere beendet hatte wollte ich dann lieber als Trainer hinter der Bank stehen. Und heute macht es mir mehr Freude mit Kindern aufs Eis zu gehen und zu trainieren als selber zu spielen.

 

 

Nürnberg hat für Dich eine sehr entscheidende Rolle in dem Leben gespielt, sowohl privat als auch als Spieler – denn immerhin hast Du hier Deine Frau kennengelernt und Deine Kinder wachsen hier auf. Fühlst Du Dich als „Nürnberger“ bzw. „vereinigt“ Ihr irgendwie die europäische und die kanadische Kultur wie z.B. Halloween oder Weihnachten?

 

Natürlich fühle ich als Nürnberger, ich lebe hier mit meiner Familie und meine Kinder gehen hier zur Schule. Ich habe auch in keiner anderen Stadt bisher solange gelebt wie in Nürnberg, das sind jetzt immerhin schon fast 16Jahre, selbst in Calgary, wo ich als Kind gelebt habe, habe ich nicht solange Zeit verbracht. Da aber meine Familie aus Tschechien stammt, war ich auch schon in Kanada etwas ein „ Außenseiter“ was Weihnachten anbelangt ( lacht ). Wir haben Weihnachten schon immer am 24. Dezember gefeiert. Ich weiß noch, meine Eltern haben am 25. immer zu mir gesagt, ich darf zwar rausgehen, darf aber vor nachmittags nicht bei meinen Kumpels klingeln um mit ihnen zu spielen. Halloween feiern wir vielleicht etwas intensiver, meine Kinder lieben es sich zu verkleiden und nach Süßigkeiten zu fragen. Und Canada Day ( 01.Juli ) feiern wir.

 

 

War es dann nie eine Option nach Calgary zurückzugehen?

 

Solange ich Profi war hatten wir ein Haus in Calgary, als ich dann aber die Möglichkeit hatte Nachwuchstrainer zu werden haben wir das Haus verkauft und uns entschieden in Deutschland zu bleiben. Meine Söhne wachsen aber zweisprachig auf, meine Frau spricht Deutsch mit ihnen, ich Englisch.

 

 

Was machst Du wenn Du mal nicht ans Eishockey denkst?

 

Wenn Du mit Eishockey Dein Geld verdienen willst musst Du immer besser werden, musst immer bereit sein neue Wege zu gehen. Ich habe mich mit vielen Spielern und Trainern unterhalten, Du musst bereit sein auf Vieles zu verzichten – es gibt eigentlich nur Familie und Eishockey. Wir sind ja auch ständig unterwegs und es gibt immer sehr viel zu bereden. Mein Golfspiel hat deswegen auch sehr darunter gelitten ( lacht ).

 

Aber es ist ein sehr großer Vorteil dass ich in derselben Stadt wohne wie meine Familie, das ist in dem Job nicht selbstverständlich. Aber so kann ich zumindest abends noch ein paar Stunden mit meiner Familie verbringen. Und meine Frau ist da sehr verständnisvoll. Manchmal lässt sich Eishockey und Familie auch sehr gut verbinden. Wenn ich am scouten bin, schaue ich mir, wenn es geht, Spiele mit meinen Söhnen gemeinsam an. Ihnen macht es Spaß und ich kann meiner Arbeit nachgehen. Oder wir schauen überhaupt NHL oder die Weltmeisterschaft gemeinsam an.

 

Hast Du schon darüber nachgedacht was Du nach Deiner Zeit als Sportdirektor machen möchtest?

 

Soweit habe ich noch gar nicht gedacht (lacht wieder). Mein nächster Gedanke ist ...wie verbringen wir das Trainingscamp.

 

Vielen Dank für das Interview Martin und Alles Gute für die Zukunft !

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