Servus Viona Harrer - die Nr. 27 beendet mit 27 ihre Karriere

Seit vielen Jahren war sie das Aushängeschild und eine der Identifikationsfiguren des Deutschen Frauen Eishockey, nun hört die Nummer 27 mit 27 Jahren auf. Viona Harrer beendet ihre aktive Karriere und wird sich zukünftig privaten Dingen widmen.

 

Viona Harrer war die erste Torfrau, die überhaupt in der dritten bzw. vierten Männerliga im Tor stand. Bereits der Großvater Hans hatte 1956 an dem Bau der Eisbahn in Reichersbeuern mitgewirkt und somit den Grundstein für den Eishockeysport in der Familie Harrer gelegt. Vater Siefgried, der selbst jahrelang in der 1. Eishockey Bundesliga für den SB Rosenheim im Tor stand und als DEL Torwarttrainer u.a. für Wolfsburg tätig war, erkannte das Talent und die Begabung seiner zwei Kinder für den Eishockeysport und förderte beide.



So wurde schnell in jungen Jahren ein Eishockeytor im Garten aufgestellt und die "Katze von Erding" fing ihre ersten Pucks und trainierte fortan mit viel Ehrgeiz und Ausdauer. Seit ihrem fünften Lebensjahr stand Viona Harrer auf dem Eis und spielte beim SB Rosenheim, TEV Miesbach und wurde später Stammtorhüterin des ESC Planegg in der Frauen-Bundesliga.


In der Saison 2003/2004 zog die Sportsoldatin nach Reichersbeuern zu ihren Großeltern um im Nachwuchsteam der Tölzer Löwen in der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) zu spielen.



Das Debüt in der Eishockey Oberliga bei der Tölzer Profimannschaft gab Viona in der Spielzeit 2007/2008. Nach dem Aufstieg der Tölzer Löwen in die 2. Eishockey Bundesliga wechselte die hübsche Torhüterin zu den Erding Gladiators in die Bayernliga wo sie schnell zum Publikumsliebling und zum festen Rückhalt Ihres Teams wurde.  Der Fanschal "Rock it Baby" der eigens für die Torfrau angerfertigt wurde war innerhalb von ein paar Stunden restlos ausverkauft. In Erding spielte sie auch mit Ihrem älterern Bruder Daniel zusammen, der bereits schon mehrere Jahre für die Erdinger auflief. Mit den Erding Gladiators stieg Viona in die Oberliga auf und wechselte zur Saison 2012/2013 zu den Tölzer Löwen (Oberliga).

 

 



 

 

International bestritt Viona Harrer 163 Länderspiele und nahm an 8 Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen 2014 in Sochi teil und war über die letzten Jahre die Nummer 1 im DEB Tor.

 

Wir haben uns mit Viona Harrer in Tölz getroffen und über das Karriereende gesprochen.

 

 

Viona, warum beendest Du Deine Karriere im jungen Eishockeyalter?

Viona Harrer: Es mag sicherlich mit 27 früh klingen, wenn man seine Schlittschuhe an den Nagel hängt, aber ich bin seit meinem 5. Lebensjahr auf dem Eis gewesen und habe sportlich "fast" alles erreicht was ich mir vorstellen konnte. Es hat zwar zu keiner Meisterschaft und zu keiner Medaille gereicht, aber eine weitere Steigerung als die Oberliga bei den Herren und Olympia mit der Nationalmannschaft kann ich mir nicht realistisch vorstellen und daher ist das jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.

Ich möchte in den nächsten Jahren eine Familie gründen und muss mich jetzt bis Anfang 2015 um meine berufliche Zukunft kümmern, da ich nicht mehr bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr angestellt sein kann.

 

Wie geht es jetzt  beruflich weiter?

Viona Harrer: Es ist nicht so leicht, da ich ja außer Eishockey noch keine beruflichen Erfahrungen besitze. Sportpädagogik und eventuell Sportjournalismus wären Bereiche, die mich interessieren und auf Grund der bisherigen Ausbildung in Frage kämen, aber ich muss halt schauen was der Arbeitsmarkt so hergibt. Ich habe ein pädagogisches Studium bereits abgeschlossen und eine kaufmännische Ausbildung wird im Mai ebenfalls abgeschlossen.

 

Wie wäre es denn mit einem Job als Torwarttrainer?

Viona Harrer: Das ist auf jeden Fall auch möglich, allerdings nur nebenbei, da es ja kaum hauptberufliche Torwarttrainer gibt. Darüber mache ich mir aber momentan noch überhaupt keine Gedanken. Es hören ja neben mir noch andere Sportler aus der Sportfördergruppe auf und dass wir jetzt bis 2015 Zeit haben unsere weitere Laufbahn zu planen ist sehr gut organisiert.

 

Wir haben gehört, dass Du aber noch im Feld spielen möchtest. Wie ist das zu verstehen?

Viona Harrer: Ja das ist richtig, ich möchte nicht ganz weg vom Eishockey und möglichst fit bleiben, daher werde ich diese Woche zum ersten Mal die Schlittschuhe als Feldspieler schnüren und bei einem Freundschaftsspiel gegen Süd-Korea auf dem Eis stehen. In der Sommerpause werde ich mich dann mit der Frauen Mannschaft des ESC Planegg auf die neue Saison vorbereiten und dann in der Frauen Bundesliga im Feld spielen. Nachdem Planegg einmal Mal in der Woche in Tölz und das andere Mal in Grafing trainiert, passt das sehr gut bei mir.

 

 

Das ist doch eine rießen Umstellung, oder?

Viona Harrer:
Auf jeden Fall, da werde ich in der Sommerpause viel trainieren müssen, da ich ja vorallem nicht so sprintstark bin und die Schlittschuhe des Goalies sind ja auch um einiges anders, als die eines Spielers. Es wird auf jeden Fall sehr interessant werden und ich freue mich darauf.


 

Der Bundestrainer hat gesagt, dass Du mit Deinem Ehrgeiz sicherlich wieder mehr erreichen möchtest als Feldspieler?

Viona Harrer: (lacht) das denke ich jetzt erstmal nicht. Es stimmt zwar, dass ich sehr viel Ehrgeiz habe, aber ich möchte keine zweite Karriere als Spieler starten, dafür habe ich gerade eben aufgehört. Mir geht es nur darum, dass ich nicht ganz vom Eishockey weggehe und mir in den nächsten Jahren dann ganz in Ruhe Gedanken über Beruf und Familie machen kann, wenn ich dann auch noch regelmäßig spielen kann ist es um so besser.


 

Hat man als ehemaliger Torhüter Vorteile, wenn man als Feldspieler agieren muss?

Viona Harrer: Das glaube ich erstmal nicht, da die Umstellung sehr groß ist und ich sicherlich daran zu kämpfen habe, es ist zwar richtig, dass man die Sicht des Torhüters oder die Bewegungen besser kennt als andere, aber ich werde auch wohl eher als Abwehrspielerin anfangen und nicht im Sturm.


 

Olymia war dein Höhepunkt und auch gleichzeitig dein letzter Auftritt. Wie war für Dich der letzte Akt?

Viona Harrer: Olympia war für mich und für uns alle einfach traumhaft, bei den Spielen dabei zu sein ist für jeden Sportler das Größte und dies kann man eigentlich nur noch mit einer Medaille toppen. In Sochi war alles sehr gut organisiert und wir haben viel Spaß gehabt, auch wenn wir nicht so ganz zufrieden waren mit dem Verlauf unserer Spiele. Wir hatten uns schon etwas mehr als den 7. Platz ausgemalt, aber es hatte halt nicht sollen sein.



Persönlich bin ich auch nicht ganz zufrieden, da ich mich über den Torwartfehler (Bauerntrick) gegen Russland geärgert habe, aber es gab in meiner Karriere auch soviele schöne und erfolgreiche Spiele, dass ich diesem nicht mehr hinterher weinen werde.



Es gab ja immer wieder Comebacks (siehe z.B. Maritta Becker), bist Du ein Typ dafür?

Viona Harrer: Das kann ich jetzt gar nicht beantworten, denn ich habe ja gerade meine Karriere beendet um etwas neues zu machen, aber ausschließen möchte ich das nicht. Ich werde auf jeden Fall eine komplette Torhüterausrüstung im Keller behalten für alle Fälle :-)

 



Karrierestatistik / Erfolge von Viona Harrer


47 Bundesligaspiele (Frauenbundesliga)
163 Länderspiele (8 Weltmeisterschaften, Olympia 2014)
75 Oberligaspiele (3 Shutouts)
80 Bayernligaspiele (5 Shutouts)

2x Deutscher Meister (Frauenbundesliga)


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