Interview mit Viona Harrer


Torfrauen  im Männereishockey Teil 2


In unserem letzten Bericht über die starken Frauen im Deutschen Männer Eishockey hatten wir über
Yvonne Schröder, der Torfrau aus Niesky berichtet und den Lesern bereits einen kleinen
Einblick in das Fraueneishockey ermöglicht.

Die erste Torfrau, die überhaupt in der dritten bzw. vierten Männerliga im Tor stand ist die 24jährige und 109fache Nationalspielerin Viona Harrer die aktuell mit den Erding Gladiators in der Bayernliga um den Aufstieg in die Oberliga Süd spielt. Bereits der Großvater Hans hatte 1956 an dem Bau der Eisbahn in Reichersbeuern mitgewirkt und somit den Grundstein für den Eishockeysport in der Familie Harrer gelegt.
Vater Siefgried, der selbst jahrelang in der 1. Eishockey Bundesliga für den SB Rosenheim im Tor stand und aktuell als DEL Torwarttrainer für Wolfsburg tätig ist, war es der das Talent und die Begabung seiner zwei Kinder für den Eishockeysport entdeckte und förderte.
(Foto icedragons-erding.de)


So wurde schnell in jungen Jahren ein Eishockeytor im Garten aufgestellt und die "Katze von Erding" fing ihre ersten Pucks und trainierte fortan mit viel Ehrgeiz und Ausdauer. Seit ihrem fünften Lebensjahr steht Viona Harrer auf dem Eis und spielte beim SB Rosenheim, TEV Miesbach und wurde später Stammtorhüterin des ESC Planegg in der Frauen-Bundesliga.
In der Saison 2003/2004 zog die Sportsoldatin nach Reichersbeuern zu ihren Großeltern um im Nachwuchsteam der Tölzer Löwen in der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) zu spielen.

Das Debüt in der Eishockey Oberliga bei der Tölzer Profimannschaft gab Viona in der Spielzeit 2007/2008. Nach dem Aufstieg der Tölzer Löwen in die 2. Eishockey Bundesliga wechselte die hübsche Torhüterin zu den Erding Gladiators in die Bayernliga wo sie schnell zum Publikumsliebling und zum festen Rückhalt Ihres Teams wurde.

Der Fanschal "Rock it Baby" der eigens für die Torfrau angerfertigt wurde war innerhalb von ein paar Stunden restlos ausverkauft. In Erding spielt sie auch mit Ihrem älterern Bruder Daniel zusammen, der bereits schon mehrere Jahre für die Erdinger aufläuft.

Viona Harrer gehört seit Ihrem 16 Lebensjahr zum festen Bestandteil der deutschen Frauen Eishockey Nationalmannschaft von Peter Kathan und hat bereits 109 Länderspiele und einige Weltmeisterschaften mit dem Bundesadler auf dem Trikot gespielt, zu einer Teilnahme an den Olympischen Spielen hat es bislang entweder durch Verletzungspech oder durch das Scheitern an der Qualifikation nicht gereicht.

Die zahlreichen Verletzungen (2x Kreuzbandriß uvm.) bringen die 24jährige Tofrau aber nicht von Ihrem Weg ab und so quält sie sich immer wieder im Kraftraum um fit zu werden um das große Ziel vom Wiederaufstieg der Frauen Nationalmannschaft in die A-Gruppe und eine Teilnahme an den Olympischen Spielen zu erreichen.

Viona Harrer hat sich gerade von einem Handwurzelbruch erholt und kämpft trotz Spezialschiene für Ihr Team aus Erding um den Aufstieg. Die Frauen Weltmeisterschaft in Deutschland (Ravensburg) vom 11.-17.04.2011 hat Sie fest im Blick und möchte mit den Frauen wieder in die A-Gruppe aufsteigen. 


 



Eishockey-online.com hat die junge hübsche Torfrau zum Interview eingeladen

Frage: Du bist eine von wenigen Profisportlerinnen im Deutschen Frauen Eishockey. Erzähl uns doch etwas über die Tätigkeit als Sportsoldatin.

Viona: Die Tätigkeit als Sportsoldatin muss man sich so vorstellen, dass wir profesionelle Trainingsbedingungen zur Verfügung gestellt bekommen. Wir reichen während der Saison für jeden Tag einen Trainingsplan ein (Vormittags - Nachmittags - Abends) und müssen aber im Sommer an einigen Militärischen Lehrgängen teilnehmen. Es ist kein richtiges Soldatenleben, da wir auch entweder an unserem Trainingsort oder Heimatort leben und nicht in den Einrichtungen der Bundeswehr. Die Bezahlung erfolgt im Rahmen der Besoldung (Dienstgrad Hauptgefreite), so dass wir den Eishockeysport professionell ausüben können.

Frage: Wie laufen so diese Trainingseinheiten ab ?

Viona: Ich trainiere eigentlich Vormittags meistens alleine, da es keinen Sinn macht zusammen mit den Männern auf Kraft, Kondition etc. zusammen zu trainieren. Die Trainingseinheit am Nachmittag bzw. Abends ist dann auf dem Eis mit dem Team von Erding. Mein Tagesablauf ist im Prinzip so wie bei den Profis der Männer.

Frage: Was sind Deine persönliche Ziele ?

Viona: Erstmal möchte ich gesund bleiben und wenn möglich immer erster werden (lacht). Mit Erding stehen wir praktisch an der Wand, da es sehr schwer wird aufzusteigen, aber wenn wir auch nur eine kleine Chance haben, dann möchte ich diese natürlich nutzen. Mit der Nationalmannschaft ist mein Ziel der Wiederaufstieg in die A-Gruppe bei der Frauen WM in Ravensburg im April 2011 und endlich zu Olympia zu fahren, nachdem dies in den letzten Jahren leider nicht geklappt hat.

Frage: Wie war das erste Spiel für Dich bei der Männerprofimannschaft ?

Viona: Ich muss schon zugeben dass ich da nervös war. Die Torhüterposition ist eine Schlüsselposition wo man auch besonders als Frau genau beobachtet wird wie "Frau" so spielt. Hat man gut gespielt sind alle begeistert und alles ist super, hat man einen schlechten Tag heisst es gleich "war ja klar, dass eine Frau da nicht mithalten kann...", aber genau das ist auch etwas was mich anspornt und fordert. Ich komme mit diesem Druck ganz gut zurecht.

Frage: Du spielst nicht mehr bei den Frauen, sondern nur noch in der Frauen Nationalmannschaft ?

Viona: Nein das geht zeitlich nicht mehr, da wir in der Bayernliga die Spiele am Freitag und Sonntag haben und somit für die Frauen Bundesliga keine Zeit mehr ist. Zwischen den Spielen bei den Männern ist dann noch die Nationalmannschaft dran und sonst brauche auch ich mal am Samstag frei mich zu regenerieren und abzuschalten.

Frage: Was hat es mit der Nummer 27 auf sich ?

Viona: Ich hatte früher beim Fussball die Nummer 7, weil die auch mein Bruder hatte und nachdem im Eishockey im Tor die Nummer 7 etwas komisch ausschaut habe ich mich dann für 27 entschieden. Hätte ich nicht Eishockey gespielt dann wäre ich wahrscheinlich beim Fussball gelandet.

Frage: Was hast Du für Hobbys ?

Viona: Für Hobbys bleibt nicht viel Zeit, aber ich lese und koche sehr gerne und bin auch immer auf Shoppingtour wie jede Frau (lacht). Im Sommer bin ich auch überwiegend in der freien Natur in den Bergen unterwegs. Neben dem Eishockey mache ich noch ein Fernstudium.

Frage: Was war Dein größtes sportliches Erlebnis ?

Viona: Das schönste Erlebnis war das Spiel bei der Weltmeisterschaft 2007 in Winnipeg das Spiel gegen Kanada, welches haushoch verloren ging, ich aber an diesem Tag über 67 Saves und einen super Tag hatte. Nach dem Spiel wurde ich zu der besten Spielerin gewählt und das Stadion hatte minutenlang für mich applaudiert und nachdem wir es nicht gewöhnt sind in Deutschland vor 11.000 Zuschauern zu spielen war dies ein besonderer bewegenden und eindrucksvoller Moment für mich.

Frage: Welche Torhüter findest Du stark ?

Viona: Bei den Frauen ist dies schwer, da ich in Deutschland ja zu den besten zähle und international hat man kaum Kontakt zu den anderen Torhüterinnen nur bei der Weltmeisterschaft. Bei den Männern bewundere ich die Entwicklung von Denis Endrass, da er genauso wie ich aus de Bayernliga kam und sich so nach oben gearbeitet hat obwohl er lange in den unteren Ligen und auch im Nachwuchs nicht ganz oben gespielt hat. Im Fussball wäre mein Vorbild Oliver Kahn.


Wir wünschen Viona alles Gute vorallem Gesundheit und viel Erfolg bei Ihren Zielen mit Erding und der Nationalmannschaft.

Strom Vergleich


  Viona Harrer und Ihr Team können Sie bei der
  2011 IIHF World Women’s Championship Division I
  vom
11.-17.04.2011 in Ravensburg besuchen

 Deutschland, Japan, China, Norwegen, Österreich, Lettland

  www.2011iihfwwcdiv1.com

  Kommen Sie und unterstützen Sie die deutsche Frauen Eishockey Nationalmannschaft
  bei ihrer Mission vom Wiederaufstieg.

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