Interview mit Martin Baumann, CEO der Champions Hockey League

 

Interview (Zug/RB) eishockey-online.com hat mit dem CEO der Champions Hockey League Martin Baumann über den abgebrochenen und den bevorstehenden internationalen Club-Wettbewerb Europas gesprochen.

 

Martin Baumann CHL

(Foto: CHL)

 

 

Martin Baumann, vielen Dank, dass Sie sich für das Interview Zeit nehmen. Zu aller erst, wie geht es Ihnen und wie liefen die letzten Tage für Sie ab?

 

Baumann: „Mir geht es hervorragend. Ich hatte ein paar Tage Ferien in der hektischen Zeit. Es hört sich vielleicht etwas naiv an, aber wir sind guten Mutes, mit vollem Enthusiasmus und Zuversicht, dass wir am 26.08. die achte Saison starten können. Aber es ist hektisch, es liegt sehr viel auf dem Tisch.“

 

 

Die CHL wie wir sie heute kennen, geht schon bald in die achte Saison. Leider fiel letztes Jahr das Turnier aus bekannten Gründen ins Wasser. Was war der Hauptgrund für die Absage?

 

„Im Nachhinein bin ich extrem froh, dass wir uns letztes Jahr so früh entschieden haben, die Saison abzusagen. Ich glaube, es wäre ein Debakel geworden. Man muss sich das vorstellen, dass zwischen 14 Ländern von Norden nach Süden, von Westen nach Osten gereist worden wäre. Das wäre in der Corona-Situation ein Ding der Unmöglichkeit geworden mit den Quarantänevorschriften. Heute sieht es ganz anders aus. Im Zentrum stand immer die Gesundheit der Spieler, insofern gab es so die Möglichkeit, Kosten zu sparen und Kosten aus dem Projekt zu nehmen.“

 

 

Trotz der Absage hat die CHL AG mit dem Marketingpartner Infront die Zusammenarbeit bis 2028 langfristig verlängert. Ein starkes Zeichen für die Zukunft. Was denken Sie, wie wird sich das Turnier in den kommenden Jahren international entwickeln? Wird es einen noch höheren Stellenwert bei den Fans und Clubs erzeugen?

 

„Es war eine wichtige Basis, mit Infront den Vertrag schon frühzeitig zu verlängern. Das zeigt die Stabilität und Kontinuität des Produkts. Es zeigt auch, dass man Reserven auch in schwierigen Zeiten bilden konnte. Wenn das Produkt Champions Hockey League nicht auf so einem guten Fundament gestanden hätte, hätten wir sicherlich die Corona-Pandemie nicht überlebt. Wir haben doch einen beträchtlichen Verlust eingefahren. Wir haben aber versucht, mit Kurzarbeit Kosten zu sparen und haben offene Stellen nicht besetzt, um die Kosten so tief wie möglich zu halten.“

 

 

In einem Interview auf der CHL Webseite äusserten Sie sich zur damals aktuellen gesunden finanziellen Lage der CHL AG. Wie hat sich die abgesagte CHL-Saison 2020/21 nun auf die Finanzen ausgewirkt?

 

„Wir hatten ungefähr sieben verschiedene Budget- und Worst-case-Szenarien kalkuliert. Als erster Schritt wurde frühzeitig mitgeteilt, dass wir direkt mit den Playoffs beginnen wollten, was eine riesige Auswirkung auf die Budgetersparnis hatte. Schliesslich haben wir ca. 1,4 - 1,5 Millionen Franken Verlust bilanziert. Es war nicht der Worst-case, weil wir sehr vorsichtig mit den Kosten umgegangen sind. Nichtsdestotrotz hatten wir Fixkosten zu stemmen. Insofern kamen wir mit einem blauen Auge davon.“

 

 

Noch diesen Monat geht es wieder los. Worauf freuen Sie sich am meisten, ausser natürlich, dass es wieder los geht?

 

„Wir haben neue Teams dabei. Das ist für mich immer das grösste Highlight, die neuen Teams in der Vorbereitung begleiten zu können und mit denen den CHL-Spirit zu teilen. Wie in den vergangenen Jahren sind die neuen Teams immer extrem motiviert und sehr engagiert. Darauf freue ich mich immer sehr.“

 

 

Die ersten Spiele starten am 26. August. Ihr Terminkalender für die nächsten Tage ist bestimmt bis zum Anschlag voll. Was sind Ihre Arbeiten und was beschäftigt Sie am meisten in nächster Zeit?

 

„Das Monitoring mit der Landkarte. Wir schauen uns die BAG-Vorschriften und die Reisevorschriften der Länder täglich an, aber bspw. auch in welchem Land, welche Tests gelten. Letzte Woche wurde das Corona-Konzept bewilligt und den Clubs mit den neuen Sportregularien zugestellt. Es braucht auch Szenarien mit Point percentage (Prozentpunkte), falls einmal ein Spiel ausfallen sollte. Am vergangenen Montag fand die erste Pressekonferenz in Prag statt. Nächste Woche haben wir die erste Pressekonferenz in einem Fernsehstudio und dann bin ich sehr gespannt auf das erste Spiel. Am 26. werde ich irgendwo in Europa vor Ort sein und dann bis am 15. September jeden Tag in einem anderen Land.“

 

chl bande 2019

(Foto: eishockey-online.com / Archiv)

 

 

Welche Auflagen aufgrund Covid-19 gelten für die teilnehmenden Clubs, Spieler und Staff nebst den Einreisebeschränkungen? Geimpft, genesen, getestet? Oder wie können wir uns das vorstellen?

 

„Die 3G-Regel gilt eigentlich praktisch überall in Europa. Österreich und Deutschland haben bereits angedroht, das auf 2G anzupassen. Dies hätte dann wieder Konsequenzen für uns. Wir hoffen, dass viele Spieler geimpft sind, können aber aus logischen Gründen kein Impfobligatorium aussprechen. Eine Impfung erleichtert die Reise natürlich enorm. Wichtig ist, dass wir stets die länderspezifischen Regeln und die Liga-spezifischen Vorgaben berücksichtigen. Jeder Club hat die Auflage, uns ein Schutzkonzept zu senden und das gilt es mit dem jeweiligen Gegner abzustimmen und darauf aufmerksam zu machen.“

 

 

Findet das CHL-Abenteuer für die Clubs nach der Einreise in einer Art „Bubble“ statt, wie sie bspw. auch bei der letzten U20-WM oder der A-Weltmeisterschaft angewendet wurde?

 

„Nein, das ist nicht realistisch. Wir müssen die 48/72 Stunden Regel einhalten. Auch da ist es von Land zu Land unterschiedlich. Dann kommt noch der Aspekt hinzu, dass wir in gewissen Ländern von der Ausnahme „Geschäftsreisen“ Gebrauch machen dürfen. Ein komplettes Bubble-System für Europa ist auch deshalb nicht möglich, weil sonst alle Teams mit Charter Flügen reisen müssten. Das ist aus Kostengründen nicht umsetzbar.“

 

 

Die Champions Hockey League AG ist eine Schweizer Firma mit Sitz in Zug. Der ortsansässige und aktuelle Schweizer Meister EV Zug wird sein erstes Heimspiel in der CHL am 2. September gegen Rögle Ängelholm bestreiten. Werden Sie im Stadion sein und das Spiel verfolgen?

 

„Ich bin Zuger und in der Liga habe ich selbstverständlich für den EV Zug mitgefiebert. Dieses Jahr ist es tatsächlich mein erstes Spiel, das ich sehen werde. Aber nicht in Zug, sondern das Auswärtsspiel in Rögle. Das ist die Heimat von Dan Tangnes (Headcoach EV Zug) und da bin ich sehr gespannt, wie sich der Schweizer Vertreter im hohen Norden schlagen wird.“

 

 

Die Schweiz verfügt über fünf Teilnehmerplätze. Mit den ZSC Lions, dem Lausanne HC, EV Zug, HC Lugano und HC Fribourg-Gottéron sind grosse Namen dabei. Wie schätzen Sie die Schweizer Teams ein? Die Gruppengegner sind nicht gerade ein „einfaches Los“…

 

„Selbstverständlich würde ich es den Schweizer Teams gönnen, wenn sie etwas weiter in den Playoffs kämen als in der Vergangenheit. Es war ja immer eine enge Sache, dann hat es jeweils knapp nicht gereicht. Auch dieses Jahr sind die Gruppeneinteilungen hart. Aber wenn man, wie es die Schweiz so oft sagt und von sich behauptet, dass man die beste oder zweitbeste Liga in Europa ist, muss man das auch international beweisen und zeigen.“

 

 

Bei eishockey-online.com verfolgen wir nicht nur die Schweizer Teams, sondern auch die deutschen und österreichischen Vertreter. Wie sehen Sie die Chancen für die Fishtown Pinguins Bremerhaven, Adler Mannheim, Red Bull München und für den Meister Eisbären Berlin?

 

„Es sind Top Brands. München stand schon im Final und hat schon eine riesige Geschichte geschrieben. Bei Bremerhaven bin ich wirklich gespannt, wie sie sich zeigen, da viele ausländische Spieler an der Olympiaqualifikation teilnehmen müssen. Immer ein Erlebnis ist es, Berlin zu sehen. Eines der bekanntesten und eingesessenen Brands im Eishockey.“

 

 

Aus der ICE Hockey League nimmt der KAC, die Bozen Foxes und Red Bull Salzburg gegen eher östlich gelegene Gegner teil. Gehen diese Teams als Favoriten in ihre Gruppen G und H?

 

„Salzburg ist sicherlich aus den bekannten Gründen wie München immer für eine Überraschung gut. Klagenfurt ist extrem engagiert und freut sich riesig auf diese Reise. Bolzano muss man etwas kennen und hat immer eine spezielle Geschichte. Wenn man den Roster anschaut, ist die Mannschaft noch nicht komplett. In der Schweiz könnte man sich das nicht vorstellen. In Bolzano ist es glaube ich jedes Jahr der Fall und am Schluss rocken sie die österreichische Liga. Heute würde ich sagen, dass es eine äusserst grosse Herausforderung für Bolzano werden wird.“

 

CHL Pucks2019

(Foto: CHL)

 

 

Der Frölunda HC hat bisher die meisten Champions Hockey League Titel geholt. Was denken Sie braucht es, um dieses Team im kommenden Turnierjahr bezwingen zu können?

 

„Viel Glück, viel Können auf dem Eis. Taktisch muss vieles aufgehen. Das ist wirklich das Barcelona, das Chelsea oder das Bayern München Europas. Nicht umsonst haben sie so viele Titel gewonnen. Der Kader ist top und hat viele bekannte Namen. Da braucht es viel Glück. Aber auch Frölunda hat in der schwedischen Liga letztes Jahr etwas geschwächelt. Das zeigt vielleicht auch, dass eine solche Mannschaft auch zu schlagen ist.“

 

 

Von den Clubs zurück mit dem Blick auf das Turnier. Was passiert bei einem positiven Covid-19-Fall und im schlimmsten Szenario, wenn ein ganzes Team kurzfristig in Quarantäne müsste?

 

„Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Die lokalen Gesetze bspw. in der Schweiz ist es der Kantonsarzt, der bestimmt, ob ein Team in Quarantäne muss oder nicht. Mit der Impfquote hoffen wir natürlich, dass nicht mehr ein ganzes Team in Quarantäne muss.“

 

 

In der Schweiz werden zum aktuellen Zeitpunkt volle Stadien erlaubt sein (vorausgesetzt die 3G treffen zu). Wie stehen Sie zu diesem Thema und werden an gewissen Standorten auch leere Hallen erwartet?

 

„Ich wünsche mir natürlich, dass wir einen Schritt in die Normalität machen. Der Fussball hat es schon letztes Jahr gezeigt, die Europameisterschaft ging vonstatten, die Olympischen Spiele fanden statt. Ich glaube die Durchführung ist möglich, wenn man Schutzkonzepte und Vorsichtsmassnahmen einhält und es würde dem Eishockey und dem Sport gut tun, wenn wir wieder Zuschauer in den Stadien hätten. Also ich befürworte diese Strategie stark. Man muss das Ganze aber sehr vernünftig angehen, so dass es dem Sport nicht schadet.“

 

 

Worauf müssen sich Fans vorbereiten, die allenfalls an ein Spiel ihrer Lieblingsmannschaft im Ausland gehen möchten?

 

„Es ist wichtig, dass sie sich auf unserer Homepage aber auch bei ihrem Club informieren, wie das mit den lokalen Einreisemöglichkeiten ins jeweilige Land geregelt wird. Wenn man es bis dort mal geschafft hat, geht es dann auch relativ unproblematisch ins Stadion. Die Schweizer Fans sind leider nicht dafür bekannt, dass sie zu Hunderten oder Tausenden zum Gegner reisen. Ich weiss aber, dass von anderen Clubs riesige Extrazüge gemietet wurden. Bremerhaven würde glaube ich gerne mit 1000 Leuten zu Sparta Prag gehen. Das gilt es dann mit uns zu koordinieren. Ich befürworte das und hätte Tränen in den Augen, wenn ich 1000 Leute in Prag sehen würde. Aber auch da muss man es mit Augenmass angehen und es gilt die lokalen Gesetze zu respektieren.“

 

 

Vielen Dank, Martin Baumann, für das Gespräch.

 




 

Weitere interessante Links:

www.deutschlandcup.de - Alle Informationen über den Eishockey Deutschland Cup seit 1987.

www.eishockey-deutschland.info - Alle Eishockey Weltmeisterschaften, Olympische Spiele seit 1910 bis heute.

 


 


 

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