Interview - Durch die Playoffs der Straubing Tigers mit Stephan Daschner (Teil 2)

 

(DEL/Straubing) (MA) Zum ersten Mal duellierten sich die Tigers in den Playoffs mit den Adler Mannheim. Auf dem Papier war es eine klare Sache. Der amtierende Meister hatte in der Hauptrunde 34 Punkte mehr gesammelt als die Straubinger, die mit Ach und Krach die Playoffs erreichten. Dass dies in Entscheidungsspielen keinen Wert mehr hat, zeigten die Niederbayern eindrucksvoll. Bis zum bitteren Ende nimmt uns Stephan Daschner mit, der nebenbei noch seinen DEL-Rekord verlor. Einen Ausblick auf den Kader gibt es obendrein. (29.04.21)

 

(Foto: City Press) Stephan Daschner in den Playoffs gegen die Adler Mannheim 

 


 

Wie der Wahnsinn dieser Saison für Freddy Eriksson einen ganz speziellen Verlauf nahm

Man kann es durchaus als eine Odyssee bezeichnen. Wenigstens einer, der eine gute Vorbereitung bekommt, dachte man. Angekommen in Klagenfurt, ging es erst einmal in Einreise Quarantäne. Kaum wurden ein paar Spiele absolviert, wurde für die ganze Mannschaft eine längere Quarantäne verhängt. Zurück in Deutschland von der Vorbereitung, kam die nächste Einreise Quarantäne. Mitte Januar flog Eriksson aus familiären Gründen nach Schweden.

Wieder Einreise Quarantäne. Nach über einer Woche kam er zurück zur Mannschaft und ging in seine vorerst letzte Quarantäne. Insgesamt kam Freddy Eriksson auf gute sechs Wochen, in denen er seine eigenen vier Wände näher begutachten durfte als ihm lieb war. Als er endlich wieder seiner Arbeit nachgehen konnte, gewann auch das Spiel der Tigers an Stabilität. Das Freddy nach diesen Widrigkeiten wieder ganz der Alte wurde, davor kann man nur den Hut ziehen.

 

So ging es dem ganzen Team, das eine lange Anlaufphase benötigte, um in Playoff Form zu kommen. Die gingen aber für die Niederbayern schon gut einen Monat vorher los als klar war, dass man jeden greifbaren Punkt benötigen würde. Eine fulminante Auswärtsserie brachte dabei die Tigers in letzter Sekunde in die Playoffs. 



Wie die Playoffs liefen, darüber haben wir uns mit Stephan Daschner unterhalten.

Kommen wir zu den Playoffs, die ihr im letzten Spiel im letzten Drittel gerade noch erreicht habt. Es war natürlich schon länger klar, dass Mannheim der Gegner sein wird. Zwei Tage nach der Vorrunde, stand Spiel eins an. Wie habt ihr euch darauf vorbereitet?

 

Stephan Daschner: “Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Das war schon auf der Fahrt von Wolfsburg nach Mannheim da. Wir konnten die Adler in der Hauptrunde zweimal schlagen. Wäre eine andere Mannschaft unser Gegner im Viertelfinale gewesen, hätte ich mir mehr den Kopf darüber zerbrochen. Natürlich wussten wir, dass Mannheim eine hohe Qualität hat, aber während der Serie hat man gesehen, dass wir ihnen ohne großen Respekt gegenüber standen. Wir hatten auch weniger zu verlieren als die Adler und konnten ihnen unser Spiel aufzwingen, was auch eigentlich zumindest zweimal sehr gut geklappt hat. Ich denke, dass der Respekt uns gegenüber nach der Serie erheblich gestiegen ist."

 

Umso größer dürfte die Enttäuschung sein, wie die Niederlage zustande kam?

 

Stephan Daschner: “Wir haben bei einer 0:3 Führung das Spiel aus der Hand gegeben. Wenn man sich so einen Vorsprung heraus gespielt hat, möchte man natürlich als Sieger vom Eis gehen. Mannheim hat nochmal alles reingeworfen und durch einen Kniff des Trainers in Überzahl zwei Tore aufgeholt. Damit bringt man jedes Team zum wackeln und von uns wollte keiner mehr den entscheidenden Fehler machen. Das ging bei uns so ein wenig durch die Bank, aber der Ausgleich kam dann sehr schnell.”

 

Den Ausgleich habt ihr dennoch einigermaßen gut weggesteckt und den Adlern in der Overtime wieder Paroli geboten. Wie haben sie diese Overtime erlebt?

 

Stephan Daschner: “Ja wir haben uns danach wieder gefangen. In der Overtime war der Druck von Mannheim nicht mehr so groß und wir haben wieder besser gespielt. Das Tor war ein typisches Playoff Tor. Schuss, abgefälscht und geht dann über drei Ecken rein. Es hätte in beide Richtungen ausgehen können. Die mentale Anspannung war in der Verlängerung immens hoch und im Bruchteil einer Sekunde war alles vorbei.”

 

Der Schock saß wohl sehr tief, wie man an den Bildern sehen konnte oder?

 

Stephan Daschner: “Keiner von uns dachte auch nur eine Sekunde an eine Niederlage. Als es dann vorbei war, konnte man es erst gar nicht realisieren. Für viele von uns ist da eine Welt zusammengebrochen. Vielleicht ist es auch für den ein oder anderen das Karriereende. Vor allem diesen Jungs muss man natürlich den nötigen Respekt auch entgegenbringen und so ganz ohne Tränen lief nach dem Spiel nicht ab. Es war dann zuerst totenstill in der Kabine. Da dauerte es einige Minuten bis jemand das Wort ergriff und das Positive in den Vordergrund stellte. Man verarbeitet es aber eben nicht so leicht. Einen Tag später bin ich dann nochmal ein paar Situationen im Kopf durchgegangen, aber am Ende muss man sagen, so ist es nun mal im Sport.”

 

Sie haben es angesprochen, dass sich die Mannschaft verändern wird. Was muss ihrer Meinung nach ein Spieler mitbringen, um in die Kabine der Straubing Tigers zu passen?

 

Stephan Daschner: “Also technisch und spielerisch gute Spieler braucht jedes Team. Die Mannschaft hat zwar ein gutes Talent, aber vor allem die Arbeitsmoral und Teamfähigkeit sind enorm hoch. Das liegt daran, dass man sich untereinander respektiert und jeder einen gut behandelt. Bei uns steht auch der Spaß im Vordergrund. Es ist eine kleine Stadt, man kennt sich, alles ist sehr familiär geprägt. Das ist sicherlich in Mannheim oder München anders. Ich denke, dass wir in den letzten drei Jahren erfolgreich waren. Die Jungs, die hier sind oder waren, haben immer alles gegeben. Spieler die wichtig für die Tore sind, haben ihren Job sehr gut erledigt. Wir sind zu einem Team geworden, wo jede Reihe torgefährlich sein kann und außerdem ist Straubing innerhalb der Liga eine sehr gute Adresse geworden.” 

 

Wir können sie natürlich nicht entlassen, um über ihren gebrochenen Rekord zu sprechen. Haben sie schon einen Plan, wie sie sich in die Geschichtsbücher der DEL erneut eintragen können?

 

Stephan Daschner: “Ich möchte mich damit natürlich nicht rühmen, aber der Rekord wäre ohne die Corona-Regeln nie gebrochen worden. Außerdem möchte ich betonen, dass ich bei meiner Aktion niemanden weh getan habe. Aber ich habe ja noch etwas Zeit und vielleicht komme ich nochmal mit einem Eintrag in die Geschichtsbücher zurück. Das entscheidende Tor zu machen, wäre dabei wohl die beste Lösung.”

 


 


 

Welches Gesicht werden die Straubing Tigers in der nächsten haben? Hier ein kleiner Ausblick auf die Mannschaft:

 

Torhüter:
Sebastian “Birdy” Vogl zeigte vor allem in den letzten beiden Spielzeiten sein Potenzial, sodass man mit ihm als Nummer eins auch ins Rennen gehen kann. Aktuell wurde noch keine Vertragsverlängerung bekannt gegeben, aber man sollte vieles dafür tun und an ihm festhalten. Für Mat Robson stehen die Zeichen auf Abschied. Ansatzweise blitzten seine Fähigkeiten auf, aber er konnte den Tigers zu keinem Zeitpunkt ein Spiel alleine gewinnen.

Seine Zeit wird noch kommen, wenn er mehr Erfahrung sammeln kann. Marco Eisenhut muss für sich selber entscheiden, ob ihm die Rolle der Nummer drei auf Dauer gefällt, denn Manager Jason Dunham hat während der Saison schon verkündet, dass er sich kein rein deutsches Torhüter-Duo vorstellen kann. Es sei denn, der Club muss wegen der allgemeinen finanziellen Lage der Wirtschaft, noch etwas umsatteln. 

 

Verteidiger:
Marcel Brandt und Stephan Daschner haben beide noch Verträge. Daschner ist ein verlässlicher Part, der in dieser Saison wegen einer Verletzung etwas zurückgeworfen wurde. Brandt hingegen legte Punktemäßig seine beste Spielzeit hin. Sein Ziel Nationalmannschaft dürfte für ihn in greifbarer Nähe sein. Benedikt Schopper könnte der Verjüngung des Teams zum Opfer fallen. Fredrik Eriksson darf sich jetzt bester Schwede in der DEL nennen.

Es wäre ein schmerzlicher Verlust für die Tigers, wenn er wirklich seine Schlittschuhe an den Nagel hängt. Für Benedikt Kohl stünde eine weitere Saison bei den Tigers rein sportlich gesehen nichts im Wege. Brandon Gormley fand schnell die Bindung zum Team und wurde von Woche zu Woche stärker. Ein Typ mit seiner Spielintelligenz steht jedem Club gut zu Gesicht. Sollte unbedingt verlängert werden.

Bei Sena Acolatse scheiden sich die Geister. Er ist definitiv der Publikumsliebling mit den meisten unnötigen Strafzeiten. Die Chancen für einen Verbleib liegen wohl bei 50 Prozent. Eine weitere Saison für Adrian Klein ist da wesentlich wahrscheinlicher und wohl nur noch Formsache. Für junge Spieler ist Straubing überhaupt ein gutes Pflaster, um in der DEL Fuß zu fassen. 

 

Stürmer: 

Mike Connolly und Tim Brunnhuber haben noch Verträge. Für beide war es ein schwieriger Saisonverlauf. Bei Chase Balisy und Antoine Laganiere ist die Zukunft in Straubing offen. Balisy wird wohl spätestens nach dieser Saison, das Interesse anderer Clubs geweckt haben und Laganiere hat immer noch verschiedene Optionen für seine Lebensplanung. Wünschenswert wäre, wenn beide bleiben würden.

Die Chancen, dass wenigstens einer von ihnen verbleibt, stehen aber gut. Ähnlich sieht es bei Nick Latta und Sven Ziegler aus. Beide sind bei voller Mannschaftsstärke nicht immer berücksichtigt worden. Latta konnte seinen Punkteschnitt von seiner ersten Saison in Köln wiederholen, was für ihn spricht. Ziegler war diese Saison etwas schwächer im Gesamtbild. Es wird wohl auf einen der beiden hinauslaufen.

Marco Baßler hat sich in seiner ersten kompletten Saison gut ins Team eingefügt. Er ist ein junger Spieler, dem eine weitere Entwicklung in Straubing nichts im Wege steht. Von Andy Eder hat man unter der Saison schon gehört, dass er sich in Niederbayern durchaus wohlfühlt. Es wäre wohl die wichtigste Weiterverpflichtung der Tigers. Die Chancen stehen gut, wenn auch Tom Pokel bleibt. 

Denn unter ihm hat er seine Rolle bekommen, die er selber gesucht hat. Sandro Schönberger gehört quasi zum Inventar der Tigers. Pokel hält große Stücke auf ihn und bezeichnete den Kapitän als absolutes Vorbild in puncto Einstellung. Schönberger wird bleiben. Jeremy Williams hat sich in der zweiten Saisonhälfte wieder unentbehrlich gemacht. Für einen weiteren Vertrag, stellt sich die Frage, ob er 52 Spiele oder mehr noch packen kann.

Für ihn selbst stellt sich wohl die Frage, was die Pandemie macht. Noch eine komplette Saison ohne Familie wird sich Williams nicht mehr antun. Verpflichtung offen. Corey Tropp war trotz konditioneller Defizite Anfangs eine Verstärkung für die Mannschaft. Mit ihm sollte es in Straubing weitergehen. Kael Mouillierat steht dem Team besonders gut zu Gesicht.

Ein harter Arbeiter, den man entweder in der Ecke, oder am langen Pfosten vor dem Tor findet, passt in fast jede Reihe. Mouillierat sollte auf jeden fall gehalten werden. Last but not least ist die Zukunft von T.J. Mulock offen. Obwohl Mulock mit seinen 35 Jahren immer noch zu den fittesten Spielern im Team gehört, könnte er der Verjüngung zum Opfer fallen. Chancen 50/50.

Fazit:
Die Tigers werden sich weiter verjüngen müssen. Wenn nicht diese Saison, dann spätestens in der nächsten. Der Weg für junge hungrige Spieler, die sich dagegen entscheiden, bei einem Top Club Nr. 23 oder 24 zu sein und stattdessen, das Sprungbrett Straubing Tigers nutzen wollen, wird bei den Niederbayern akribisch weiter verfolgt. Die wichtigste Position ist hinter der Bande.

Wenn diese schnell geregelt wird, kann das Grundgerüst wohl besser gehalten werden. Dazu gehören die Leistungsträger auf und Abseits des Eises. Davon hat Straubing mehr als eine Handvoll. Vogl, Brandt, Eder, Laganiere, Balisy und Gormley sind alles Spielertypen, die eine Mannschaft besser machen können. Dazu braucht es die harten Arbeiter wie Daschner, Mouillierat, Mulock, Schopper, Kohl, Tropp und Schönberger.

 

 


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Weitere interessante Links:

www.deutschlandcup.de - Alle Informationen über den Eishockey Deutschland Cup seit 1987.

www.eishockey-deutschland.info - Alle Eishockey Weltmeisterschaften, Olympische Spiele seit 1910.

 


 


 

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