Interview mit Steffen Ziesche, Bundestrainer im Nachwuchs beim Deutschen-Eishockey-Bund

 

(Interview) (Jörg Reich) Steffen Ziesche ist ein ehemaliger DEL-Eishockeyspieler, der nach seiner Karriere als Eishockeytrainer und - funktionör arbeitet. Er ist aktuell als Bundestrainer beim Deutschen Eishockey Bund im Nachwuchsbereich tätig. Sein Vater Joachim Ziesche war ein bekannter Eishockeyspieler und -trainer der DDR. 

 

 

steffen ziesche deb cp

(Foto: Citypress)

 


 

Die Saison 2020/2021 stellt das Deutsche Eishockey vor große Herausforderungen. Positiv ist, dass immerhin der Spielbetrieb in DEL, DEL 2 und Oberliga stattfinden kann. Im Nachwuchs dagegen ist der Spielbetrieb bis auf weiteres eingestellt. Wie groß sind die Sorgen, dass dadurch langfristig Schaden dem Deutschen Eishockey zugefügt wird?


Schwierig zu beantworten. Aktuell ist es so, dass es in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Regelungen gibt und an manchen Standorten wie Mannheim, Berlin oder Köln trainiert werden kann, an anderen wiederum nicht. Die Auswirkungen werden dann zu sehen sein, wenn wieder ein geregelter Trainings- und Spielbetrieb durchgeführt werden kann. Man kann nur hoffen, dass die Kinder und Jugendliche dabeibleiben und dem Sport die Treue halten. Diese Probleme gibt es aber nicht nur im Eishockey, auch andere Sportarten haben damit zu kämpfen.

 


Die U20-Nationalmannschaft hat bei der letzten U20-WM eine starke Leistung gezeigt und ist trotz schwierigen Umständen ins Viertelfinale eingezogen. Eine geschlossene Mannschaftsleistung, eine gute Torhüterleistung und starke Einzelspieler haben das Team geprägt. Wie sehen Sie die U20 für die folgende Weltmeisterschaft aufgestellt? Eine Viertelfinalteilnahme sollte auch nächstes Jahr das Ziel sein?


Ich denke, dass eine Viertelfinalteilnahme auch im nächsten Jahr möglich ist. In den Jahrgängen 2002, 2003 und 2004 gibt es viele talentierte Spieler, die in den nächsten Jahren dafür sorgen sollten, dass wir uns in der A-Gruppe etablieren. Die Aussichten für weitere erfolgreiche U-20-Weltmeisterschaften sind gut und ich denke wir können positiv in die Zukunft schauen. Vielleicht gelingt es uns auch mal, für eine größere Überraschung zu sorgen.

 


Mit Tim Stützle, JJ Peterka und Florian Elias gab es eine herausragende Angriffsreihe, aber auch die restlichen Spieler zeigten, dass sie auf diesem Niveau mithalten können. Erstaunlicherweise ist es aber so, dass nur ganz wenige U20-Nationalspieler in der DEL die Chance auf regelmäßige Einsatzzeiten bekommen. Da stellt sich ja zwangsläufig die Frage, warum ist das so? Sollten sich die Clubs der DEL nicht hinterfragen, ob es nicht Zeit dafür wäre, die strukturellen Gegebenheiten für den regelmäßigen Einsatz junger Spieler anzupassen?


Es ist richtig, es gibt inzwischen viele gute junge Spieler, die in der DEL ihre Chance erhalten sollten. Im Vergleich zu früheren Jahren spielen schon mehr junge Deutsche in der Liga, aber es gibt mit Sicherheit noch Luft nach oben. Die jungen Spieler müssen das Vertrauen bekommen, in der Liga zu spielen, dann werden sie es den Clubs mit guten Leistungen zurückbezahlen. Dass dafür strukturelle Änderungen notwendig sind, ist richtig. DEB und DEL müssen dafür gemeinsam Lösungen finden, wie man mehr junge Spieler in die Liga bekommt. Die Nationalmannschaft und die Deutschen Spieler sind das Aushängeschild einer Sportart, das müssen alle gemeinsam erkennen und noch mehr verinnerlichen.

 

 

Die Clubs der DEL haben 9+2 Kontingentstellen zur Verfügung, die auch von den meisten Clubs ausgeschöpft werden. Das ist schon fast die Hälfte der Spieler auf dem Spielberichtsbogen. Hinzu kommen erfahrene Deutsche Spieler und aus dem Ausland eingebürgerte Spieler. Dass es dann für junge Spieler schwierig wird, einen Platz auf dem Spielbericht zu bekommen und dann auch noch genügend Eiszeit zu erhalten, ist wohl kaum zu leugnen. Ist denn jetzt nicht die Zeit reif dafür, die Kontingentstellen in der DEL so zu reduzieren, damit auch die jungen Spieler eine reelle Chance bekommen, in der Liga zu spielen? Ohne eine verpflichtende reduzierte Selbstbeschränkung wird sich nichts daran ändern oder sehen Sie das anders?


Es ist richtig und ich bin auch der Meinung, dass die Clubs der DEL gemeinsam mit dem DEB Vorschläge zu einer Reduzierung der Kontingentstellen erarbeiten müssen und diese dann auch umsetzen sollten. Eine Reduzierung der Kontingentstellen würde das Deutsche Eishockey weiter voranbringen und den Deutschen Spielern bessere Perspektiven bieten. Nochmals, die Nationalmannschaft ist das Aushängeschild einer Sportart und von einer starken Nationalmannschaft profitiert auch die DEL.

 


Der DEB hat in den letzten Jahren viel angeschoben, die Strukturen wurden verändert, die Nachwuchsarbeit und die Trainerausbildung verbessert. Auch die DEL-Clubs haben viel Geld in die Nachwuchsarbeit investiert. Weitere Schritte müssten nun aber folgen. Wäre eine Reduzierung der Kontingentstellen auf sechs je Club zur Saison 2021/2022 nicht möglich? Wie sehen Sie das?


Ganz klar, eine Reduzierung der Kontingentstellen sollte unbedingt erfolgen und das möglichst zügig. Es würde dem Deutschen Eishockey auf jeden Fall weiterhelfen. Sechs Kontingentspieler, das wäre auf jeden Fall eine Anzahl, die jungen Spielern mehr Einsatzzeiten in Aussicht stellen würden.

 



 

Die U23- bzw. U24-Regelungen in der DEL und DEL 2 sind Regelungen die jungen Deutschen Spielern helfen sollen, mehr Eiszeiten zu bekommen. Es ist geplant die Stellen für U23/U24-Spieler weiter zu erhöhen, die Kontingentstellen aber nicht zu reduzieren. D.h. für deutsche Spieler über 23/24 Jahre wird es immer schwieriger Verträge zu bekommen. Man bildet also Spieler aus, verbaut Ihnen dann aber den Weg. Zur Saison 2021/2022 kommen also mehr junge Spieler in die Liga, die auch eine Perspektive benötigen, wenn Sie aus dem U23/24-Bereich rausfallen. Ein weiterer Gesichtspunkt, der die Liga nun zu Überlegungen zwingen müsste?


Auf jeden Fall, die Spieler benötigen eine Perspektive, um auch nach dem sie den U-Bereich verlassen haben, in der DEL spielen zu können. Diese U-Regelungen sind sicherlich zu Beginn hilfreich den Sprung in den Profibereich zu schaffen, aber dann müssen sie auch weiterhin Möglichkeiten bekommen in der DEL zu spielen. Sie sollen keinen Freifahrtschein bekommen, aber sie müssen weiter eine reelle Chance haben in der Liga zu spielen.

 


Mit der U18-WM ist für den Nachwuchs zumindest noch ein Höhepunkt diese Saison geplant. Sie sind Cheftrainer der Deutschen U 18-Nationalmannschaft. Wie ist der aktuelle Stand bezüglich der WM? Und wie planen Sie die Vorbereitung und die Auswahl der Spieler für dieses Turnier?


Es ist geplant, dass das Turnier auf jeden Fall stattfindet. Der Kader unseres Teams für Vorbereitung steht zum größten Teil schon. Es muss noch geklärt werden, wie die Vorbereitung aussehen wird und wie umfangreich sie gestaltet werden kann. Von den Spielern her ist es so, dass einige Spieler im Spielbetrieb sind, einige andere aber leider seit längerer Zeit kein Spiel mehr bestritten haben. Dies ist eine Herausforderung, der wir uns aber stellen werden und die wir so annehmen werden. Wir versuchen das Beste aus der derzeitigen Situation zu machen und freuen uns auf die WM.

 


Das Team wird wohl hauptsächlich aus Spielern des Jahrgangs 2003 bestehen? Wie stark schätzen Sie diesen Jahrgang im internationalen Vergleich, aber auch im Vergleich zu vorherigen Jahrgängen in Deutschland ein? Man kann wohl davon ausgehen, dass auch einige Talente aus dem Jahrgang 2004 im Aufgebot stehen werden?


Auch der Jahrgang 2003 verfügt über einige talentierte Spieler. Leider gab es diese Saison nur zwei Vergleiche mit der Schweiz im Sommer, die schon einige Zeit her sind. Von daher ist es sehr schwierig zu sagen, wo wir mit diesem Jahrgang international stehen. Einige Spieler des Jahrgangs 2004 werden in der Vorbereitung dabei sein und ihre Chance erhalten. Man wird dann sehen, wer und wie viele Spieler aus diesem Jahrgang letztendlich bei der WM dabei sein werden.

 


Sehen Sie das Deutsche Eishockey im Nachwuchs auch für die Zukunft gut aufgestellt, auch in den Jahrgängen 2005 und jünger, soweit man das aktuell beurteilen kann?


Da die geplanten Maßnahmen in diesem Jahr leider ausfallen mussten, fehlt aktuell deutschlandweit der Überblick über die Spieler des Jahrgangs 2005 und 2006. Sobald es die aktuelle Lage wieder zu lässt, wird man sich sicherlich auch einen Überblick über die Spieler dieser Jahrgänge verschaffen. Eine Prognose für diese Jahrgänge abzugeben, ist derzeit leider nicht möglich.

 

Herr Ziesche, vielen Dank dass Sie sich Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet haben!

 


 

Weitere interessante Links:

www.deutschlandcup.de - Alle Informationen über den Eishockey Deutschland Cup seit 1987.

www.eishockey-deutschland.info - Alle Eishockey Weltmeisterschaften, Olympische Spiele seit 1910 bis heute.

 


 


 

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