Interview mit Michael Rumrich (Geschäftsführer Heilbronner EC)

 

(Interview) (Jörg Reich) Michael Rumrich ist ein ehemaliger Nationalspieler und aktuell Geschäftsführer des Heilbronner EC. Er stand uns für ein Interview über aktuelle Themen im Eishockey während der Corona-Zeit zur Verfügung.

 

michael rumrich im

(Foto: imago Sportfoto)

 


 

 

Die Eishockey-Saison 2020/2021 wird wie das gesamte Leben derzeit durch die Corona-Pandemie bestimmt? Wie geht es Ihnen und wie ist die aktuelle Situation beim Heilbronner EC?

 

Danke mir persönlich geht es gut. Seit dem 02.11.2020 dürfen wir leider kein Training und auch keine Spiele mehr durchführen, mit dem gesamten Nachwuchs und dem Amateurteam in der Regionalliga. Da wir auch Betreiber der Eishalle sind, ist auch kein Publikumslauf möglich. Das trifft uns finanziell sehr hart, da wir dadurch keine Einnahmen haben. Im Moment trainieren und spielen nur noch die Heilbronner Falken.

 

 

Im Profibereich mit der DEL, DEL 2 und Oberliga kann immerhin gespielt werden, wenn auch ohne Zuschauer. Für den Nachwuchs ist das aber ein komplett verlorenes Jahr. Welche Auswirkungen wird das für den Nachwuchs beim Heilbronner EC haben, sofern man das derzeit schon abschätzen kann?

 

Ja das ist richtig, für den Nachwuchs ist das eine einzige Kathastrophe. Wir haben jetzt schon 15 Kündigungen von Spielern aus dem Nachwuchs bekommen und hoffen natürlich, dass es nicht noch mehr werden. Wir sind derzeit in Gesprächen mit den Stadtwerken (sind die Eigentümer der Eishalle) um eventuell, wenn es Corona erlaubt, über den ganzen Sommer Eis in Heilbronn zu haben. Um die verlorene Zeit der letzten Monate, die der Nachwuchs nicht aufs Eis durfte wieder auszugleichen. Wir sind da guter Hoffnung, dass wir da eine Lösung finden werden.

 

 

Wie groß wird der Schaden für die Nachwuchsarbeit deutschlandweit sein? Befürchten  Sie, dass der positive Trend der letzten Jahre gestoppt wird?

 

Das kann ich im Moment noch nicht beurteilen. Ich hoffe aber, dass der Schaden nicht zu groß sein wird.

 

 

Leon Draisaitl, Philipp Grubauer, Dominik Kahun, Moritz Seider, Tim Stützle, usw. das Deutsche Eishockey hat derzeit so viele hoch begabte Eishockeyspieler wie vielleicht noch nie. Stimmen Sie dem zu? Wie sehen Sie die Zukunft dieser „goldenen“ Generation, könnte Deutschland in den nächsten Jahren bei einer WM um Medaillen kämpfen?

 

Das ist richtig, wir haben sehr gute junge Spieler derzeit in Deutschland. Das ist sicher der guten Nachwuchsarbeit der letzten 7-10 Jahre zu zuschreiben. Mit dem Projekt „ Power Play 26“ und dem 5 Sterne Programm vom DEB werden die Vereine „gezwungen“, gute Trainer im Nachwuchs einzusetzen. Auch die Trainerausbildung hat sich sehr verbessert in den letzten Jahren. Ich habe das selbst erlebt, als ich vor drei Jahren meinen C-Schein Leistungssport gemacht habe. Das war sehr anspruchsvoll. Und so denke ich, werden wir auch in Zukunft immer wieder gut ausgebildete Nachwuchsspieler haben.

 

 

Die U 20-Nationalmannschaft hat bei der U 20-WM eine beeindruckende Leistung gezeigt und trotz schwierigen Bedingungen den Einzug ins Viertelfinale geschafft. Dabei gelangen dem Deutschen Team Siege gegen die Slowakei und die Schweiz. Wie beurteilen Sie die Leistung dieser Mannschaft und wo steht der Deutsche Nachwuchs international aktuell?

 

Ich habe mir sehr viele Spiele der U 20 WM angesehen und ich war sehr beeindruckt von der guten Leistung der Mannschaft. Vom Spiel gegen Canada abgesehen, haben die Jungs sehr gut gespielt. Und sie haben gezeigt, dass sie mit den anderen Nationen mithalten können.

 



 

 

Können nachfolgende Jahrgänge diesen Erfolg wiederholen? Könnte Deutschland in regelmäßigen Abständen das Viertelfinale erreichen oder zumindest auf Dauer in der A-Gruppe verleiben? Wie sehen Sie das Potential auch in den Jahrgängen 2005 und jünger?

 

Natürlich wird es in Deutschland immer mal wieder einen nicht so guten Jahrgang geben, aber ich bin davon überzeugt, dass wir es schaffen werden, immer in der A-Gruppe zu bleiben.

 

 

Der DEB hat in Sachen Strukturen, Nachwuchsarbeit und Trainerausbildung viele neue Ideen entwickelt und diese Bereiche weiterentwickelt. Hat man das auch beim Heilbronner EC gespürt?

 

Natürlich haben wir das auch bei uns gespürt. Wie schon erwähnt, habe ich ja selbst den Trainerschein gemacht und weiß daher, auf was es heutzutage bei der Ausbildung der Kinder ankommt. Wir haben hier sehr gute Trainer bei uns und wir haben einen klaren Plan für jede Altersgruppe, wie wir die Kinder fördern und fordern. Für uns ist das Ergebnis auf der Tafel erst mal nicht so wichtig. Uns ist wichtig, dass wir alle Kinder in den jeweiligen Mannschaften mitnehmen und gut ausbilden. Und es interessiert uns nicht, ob wir in der U11, U 13 oder U 15 Spiele oder sogar Meisterschaften gewinnen. Viel wichtiger ist es uns, dass wir bei den Spielern eine gute Entwicklung sehen. Denn das was wir den Kindern da nicht beibringen, werden sie später sehr wahrscheinlich nicht mehr lernen.

 

 

Wie war die Entwicklung in Heilbronn in den letzten Jahren? Konnte man auch beim HEC Fortschritte im Nachwuchsbereich erzielen?

 

Gut ich kann jetzt nur seit dem Tag als ich nach Heilbronn kam (August 2019) sprechen. Als ich gekommen bin, habe ich mich mit meinen beiden Hauptamtlichen Trainern Jan Jay und Martin Siskovice zusammengesetzt und wir haben einen 5-Jahres-Plan entwickelt und den werden wir jetzt auch umsetzen. Und Ja wir sehen eine gute Entwicklung in Heilbronn.

 

 

Die Deutsche Eishockey-Liga stagniert seit einigen Jahren bei 9+2 Kontingentspielern. Durch diese hohe Anzahl an erlaubten Kontingentspielern, die nahezu von allen Clubs ausgeschöpft wird, haben es junge Deutsche Spieler immer noch schwer in der höchsten Deutschen Spielklasse Fuß zu fassen und genügend Einsatzzeiten zu erhalten. Ist es nun nicht dringend erforderlich, diese Anzahl an erlaubten Kontingentspielern zu reduzieren?

 

Oh Ja, ein leidiges Thema in Deutschland. Meiner Meinung nach ist es dringend erforderlich, die Ausländer zu reduzieren. Aber wenn ich einige Aussagen von Managern der DEL höre, „dann werden die Deutschen Spieler zu teuer“ da könnte ich kotzen, dann befürchte ich das es genau so weiter geht. Die Jungen Spieler habe es doch bewiesen, dass sie die Qualität haben, um zu spielen.

 

Ein Beispiel, vor zwei Jahren bei der U 20 WM spielte mein Neffe Niklas Heinzinger auch mit und spielte eine sehr gute WM. Als er wieder zurück kam nach Bad Tölz, war er 7. oder 8. Verteidiger und hat wenig Eiszeit bis gar keine Eiszeit bekommen. Das zeigt doch, was diese Spieler für einen Stellenwert in Deutschland haben.

 

 

Ist das Deutsche Eishockey nicht zu sehr nordamerikanisch geprägt, sollte nicht auch in den führenden Positionen in den Clubs ein Umdenken stattfinden? Ihr Bruder Jürgen war ein klarer Befürworter für mehr junge Deutsche Spieler und für weniger Kontingentspieler. Trotz verbessertem Nachwuchs, sind die Clubs wohl aber immer noch nicht bereit, umzudenken?

 

Das ist das nächste Problem in Deutschland. Die Deutschen Spieler, die Ihre Karriere beenden, werden zu wenig wertgeschätzt von den Gesellschaftern der Vereine. Das ist auch der Grund, warum so wenige Deutsche in Manager und Trainer Positionen tätig sind. Richtig, mein Bruder war ein Befürworter für mehr junge deutsche Spieler, aber was hat es ihm und dem deutschen Eishockey gebracht? Nichts. Was der mir so alles von den DEL-Versammlungen erzählt hat, bestätigt doch meine Aussage.

 

 

Die DEL und die DEL 2 haben die Wiedereinführung von Auf- und Abstieg beschlossen, auch wenn der Abstieg zunächst ausgesetzt ist. Wird das nicht eher dazu führen, dass junge Spieler noch weniger Eiszeit in der DEL bekommen werden und dass dann noch mehr auf erfahrene Spieler gesetzt wird?

 

Erstmal vom sportlichen her, finde ich den Auf- und Abstieg sinnvoll. Ob es wirtschaftlich sinnvoll sein wird, wird sich zeigen. Natürlich werden speziell die Vereine, die in der Tabelle im Dezember oder Januar unten stehen, sicher wieder mehr auf ausländische Spieler setzen. Denn Junge Spieler brauchen Zeit und welcher Verein hat die Zeit? Viele wollen nur den kurzfristigen Erfolg.

 

 

Mit der Einführung von Auf- und Abstieg wäre es da nicht auch unbedingt notwendig gewesen,  die Kontingentstellen so anzupassen, dass man auf junge Deutsche Spieler zurückgreifen muss? DEL sechs, DEL 2 vier und Oberliga zwei Kontingentstellen und man hätte ein funktionierendes System. Sehen Sie das nicht so?

 

Das sehe ich genauso.

 

 

Wie kann man die Gesellschafter der Clubs dazu bringen, verpflichtend mehr auf den Nachwuchs zu setzen und die Kontingentspieler zu reduzieren?

 

Oh das ist eine schwierige Frage. Seit dem Bosmann-Urteil hat es diese Diskussion immer gegeben, aber bis jetzt ist nicht viel passiert. Vielleicht müssten die Vereine, die die Spieler im Nachwuchs ausbilden, mehr Druck auf den DEB, die DEL und DEL2 machen. Die sind es ja letztendlich, die sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen, um die Vorgaben des 5-Sterne-Programms umzusetzen und die Spieler gut auszubilden, aber wenn sie dann in der Spitze zu wenig eingesetzt werden, kann man sich das Ganze auch Sparen. Denn finanziell sind viele Vereine auf sich alleine gestellt, um den Nachwuchs auszubilden.

 

 

Vielen Dank Herr Rumrich, für die Beantwortung unserer Fragen!

 

 


 

Weitere interessante Links:

www.deutschlandcup.de - Alle Informationen über den Eishockey Deutschland Cup seit 1987.

www.eishockey-deutschland.info - Alle Eishockey Weltmeisterschaften, Olympische Spiele seit 1910 bis heute.

 


 


 

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