Interview mit PENNY DEL-Hauptschiedsrichter Marian Rohatsch: „Ich hoffe bald wieder in vollen Stadien pfeifen zu können“

 

(Interview) PM/Kürzel (Autor) Jeder weiß, dass der Job als Schiedsrichter in keiner Sportart leicht ist. So muss auch in der schnellsten Mannschaftssportart der Welt bei Schiedsrichtern keine Vergnügungssteuer abgeführt werden. Dennoch geht es nicht ohne die Unparteiischen, über die man eigentlich nur spricht, wenn es einem nicht so gefällt. 

 

Marian Rohatsch 2 city press

(Foto: Citypress/Krüger)

 


Andere würden sich das erst gar nicht zutrauen. Wie es also vor allem in einer Saison wie dieser funktionieren soll, was man als Schiri auch neben dem Eis zu leisten hat und wie man in Bruchteilen von einer Sekunde entscheidet, darüber haben wir mit dem erfahrenen PENNY DEL-Hauptschiedsrichter Marian Rohatsch gesprochen.

 

Herr Rohatsch wie und wann kam es dazu, sich für das Schiedsrichterwesen zu interessieren?

 

Ich hatte nach acht Jahren bei den Hannover Indians eine schwerere Verletzung zu überstehen und stand vor der Entscheidung mit dem Eishockey weiterzumachen oder zurück nach Bayern zu gehen. Da kam ein Angebot aus der Wirtschaft, bei einem namhaften Hausgerätehersteller als Einkäufer für Kunststoffteile einzusteigen. Das habe ich dann auch wahrgenommen. Zeitgleich gab es schon das Trainee-Programm für ehemalige Profispieler und aussichtsreiche Talente, als Schiedsrichter im Eishockey weiterzumachen.

 

Ich fing 2010 im Landesverband an und kam ein Jahr später zum DEB und bin seit der Saison 2012/13 Hauptschiedsrichter in der DEL. Dabei hat mich Lars Brüggemann auf ganzer Ebene unterstützt und ich habe schnell Spaß daran gefunden. Mittlerweile wurde ich immer wieder in den Playoffs bis hin zu den Finalspielen eingesetzt. International durfte ich im Halbfinale in der Champions League mitwirken, ebenso das U18 Finale in der Schweiz und auch die U20 WM u Toronto und Montreal waren echte Highlights und dieses Jahr hätte ich eigentlich meine ersten Einsätze bei der A-WM gehabt. So komme ich auf 80 bis 100 Spiele pro Saison.

 

 

Nun gab es eine sehr lange Vorbereitungszeit mit einem Auf und Ab. Wie war die Situation aufseiten der Schiedsrichter?

 

Zuerst einmal hat der Abbruch der Saison uns alle hart getroffen. Ich war schon für die Pre-Playoffs eingeteilt und musste dann, wie alle Spieler und Fans, auf die schönste Zeit des Jahres verzichten. Wir wollen genauso ein Teil des Spiels sein. Es wird eine schwierige Saison für alle Beteiligten, aber wir fühlen uns gut vorbereitet. Ich hoffe, dass der Profisport, unter den aktuellen Umständen,weitergehen kann.

 

 

Wie halten sich eigentlich die Unparteiischen fit?

 

Wir haben zwar eine etwas andere Belastung wie die Mannschaften, aber dennoch ist einiges gleich. Die Grundlagen für eine Saison holen wir uns im Sommer. Man trainiert entweder alleine oder mit einem Fitness-Trainer. Dabei liegt der Schwerpunkt bei der Ausdauer sowie Stabilisationsübungen.


Bevor uns überhaupt die Konditionstests und andere Leistungstests in der Turnhalle abgenommen werden, müssen wir unsere Laktatwerte übermitteln. Ein grundlegender Gesundheitscheck gehört ebenfalls dazu. Man muss dazu bedenken, bei teilweise 3-4 Spielen in der Woche, gibt es für uns keine Heimspiele. Wir müssen immer selbstständig zum Spielort anreisen, egal wo in Deutschland.


Das ist eine zusätzliche Belastung, weil wir natürlich nicht wie die Teams im Bus gefahren werden. Dann kommt der Lehrgang und die Regeltests noch obendrauf. Also das Programm für einen Schiedsrichter ist nicht ohne und verlangt jedem schon einiges ab.

 

 

Sie haben es bereits angesprochen. Wir leben in schwierigen Zeiten, wie müssen sich da die Schiedsrichter auf das Hygienekonzept einstellen?

 

Das ist wahr, ich selber hatte vor Wochen Symptome und einen leichten Verlauf. Nach dem positiven PCR Test und der folgenden Quarantäne, in der ich mich auskuriert habe, musste ich den Vorgaben entsprechend zwei negative PCR Tests vorweisen, und einen weiteren Gesundheitscheck absolvieren, dabei wurden bei mir auch Antikörper nachgewiesen. Wo ich mich angesteckt habe, kann ich mir aber nicht erklären. Wir sind natürlich ins Hygienekonzept der Liga mit eingebunden.


Jeder Schiedsrichter muss einzeln zum Spiel anreisen, auch wenn man einen Teil der Strecke zusammen fahren könnte. Dann werden wir getestet, bevor wir die „aktive Zone“ betreten. Für die Tests ist der jeweilige Heimclub verantwortlich. Somit wird jeder eingeteilte Schiedsrichter an jedem Spieltag getestet. Zusätzlich werden wir diese Saison nicht so sehr durchmischt, sodass es engmaschig bleibt. Auch in Gruppen Nord und Süd sind wir eingeteilt und somit werde ich zumindest anfangs nur in der südlichen Gruppe unterwegs sein. Natürlich hat jeder von uns auch ein großes Eigeninteresse, sich selbst so gut wie möglich zu schützen.

 

 

Was passiert dann, wenn an einem Spieltag ein Unparteiischer doch positiv getestet wird?

 

Sollte es so kommen, werden wir das Spiel im 3-Mann-System leiten. Wenn dabei ein Hauptschiedsrichter nicht eingesetzt werden kann, ist der Ablauf auch klar. Dann übernimmt der andere die Spielleitung alleine. Sollte es einen Linienrichter treffen, bleibt es trotzdem bei den zwei Hauptschiedsrichtern. Wir werden dann unseren Kollegen bei den Abseits- und Icingentscheidungen unterstützen. Darauf sind wir aber immer eingestellt, denn es kann auch während eines Spiels zu einer Verletzung kommen.

 



 

Welche Schwerpunkte wurden in der Regelkunde gesetzt?

 

Vor ein paar Jahren wurde der Schwerpunkt auf Checks gegen den Kopf gelegt und hier kann man sagen, dass diese Fouls abgenommen haben. Dafür hat das Arbeiten mit dem Stock wieder etwas zugenommen. Es gibt mehr Fingerverletzungen. Hier werden wir bestens geschult. Oft resultieren aus diesen speziellen Punkten wieder andere Tendenzen, die sich entwickeln.

 

Speziell für diese Saison gibt es eine Änderung beim Faustkampf. Wenn hierbei die Spieler ihre Handschuhe ausziehen, gibt es automatisch eine Spieldauerdisziplinarstrafe zu den anderen Strafen dazu. Dies ergibt sich aus der besonderen Situation und alle Spieler wissen Bescheid, dass sie in dieser Hinsicht auch eine öffentliche Darstellung übernehmen müssen. Emotionen gehören dazu. Aber dieses Jahr ist halt alles etwas anderes.

 

 

Wie sieht die Weiterbildung während der laufenden Saison aus?

 

Hier gibt es wöchentliche Telefonkonferenzen. Da das Gamecenter in Neuss alle Spiele verfolgt, bekommen wir dazu Videos mit speziellen Szenen gezeigt. Diese werden bei den Konferenzen oder individuell im Nachgang analysiert und besprochen. In einer normalen Saison trifft man sich zusätzlich zu einem Zwischenlehrgang und für alle Aktiven, die in den Playoffs eingeteilt werden, gibt es einen weiteren Lehrgang. Da werden unter anderem nochmal Details besprochen, welche sich während der Saison ergeben haben.

 

 

Jetzt werden die Spiele wohl die ganze Saison ohne Fans stattfinden. Die Spieler vermissen natürlich ihren sechsten Mann, aber wie ist das bei den Schiedsrichtern?

 

Uns geht es doch genauso. Das ist schon eine äußerst komische Situation, wie ich sie zuletzt bei meinen Einsätzen erlebt habe. Fans und ihre Emotionen gehören zum Spiel einfach dazu. Wenn die Hütte brennt bei den Derbys landauf landab, dieses Feeling kann man nicht ersetzen. Und Kritik muss man als Schiedsrichter auch einstecken können.

 

Leider gibt es auch unschöne Vorfälle, aber grundsätzlich fehlt diese Stimmung in den Stadien uns allen. Das Wichtigste ist jetzt erst einmal, dass alle weiter ihren Job ausüben können und die Fans werden vorerst am TV mitfiebern und so ihre Teams unterstützen.

 

 

Wenn sie eine Regel im Eishockey ändern könnten, welche wäre das?

 

Eine wichtige Änderung hat es schon gegeben. Die Strafe bei hohem Stock mit Verletzung. Uns waren immer die Hände gebunden, denn wenn sich dabei ein Spieler verletzte, mussten wir die große Strafe und eine Spieldauerdisziplinarstrafe aussprechen. Die meisten Verletzungen bei hohem Stock passieren jedoch unabsichtlich. Hier haben wir Schiedsrichter aktiv mitgewirkt, dass man diese Strafe abmildert, denn oft ist z. B. ein Stockschlag schlimmer. Heute werden die Spieler ja innerhalb weniger Minuten verarztet und es geht wieder weiter.

 

Ich denke, dass der Videobeweis in Zukunft weiter ausgebaut werden könnte. Natürlich ist das immer mit mehr Kosten verbunden und man kann auch nicht alles auf einmal einführen. In der NHL kann sich das Schiedsrichtergespann per Videobeweis bei einer großen Strafe beraten, bevor man sie dann final ausspricht.


Entscheidungen könnten auch vom Referee über die Lautsprecher übertragen werden. Das kann man auch noch weiterführen. Eine Abseitschallenge bei einem Gegentor war auch schon im Gespräch. So etwas wird immer wieder passieren. Du kannst als Schiri ein noch so gutes Stellungsspiel haben, aber wenn genau in einer wichtigen Situation, dir ein anderer Spieler in der Sicht steht, kann man eben nicht auf Verdacht pfeifen. Im Eishockey geht eben alles sehr schnell und da würde uns eine Unterstützung, sei es auch durch Video, schon helfen. Einfach um am Ende die richtige Entscheidung zu haben.

 

 


 

Weitere interessante Links:

www.deutschlandcup.de - Alle Informationen über den Eishockey Deutschland Cup seit 1987.

www.eishockey-deutschland.info - Alle Eishockey Weltmeisterschaften, Olympische Spiele seit 1910 bis heute.

 


 


 

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