Interview mit dem Manager des EC Bad Nauheim Andreas Ortwein

 

(Interview) (Jörg Reich) Seit über zwölf Jahren ist Andreas Ortwein beim DEL2-Club EC Bad Nauheim tätig. Der 42-jährige begann seine Engagement im Jahr 2008 und konnte 2013 den Aufstieg von der Oberliga in die zweithöchste Spielklasse (DEL2) feiern. Lesen Sie unser aktuelles Interview mit dem Manager. 

 

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(Foto: Bad Nauheim)

 


Wie ist aktuell die Situation beim EC Bad Nauheim in der DEL 2, es macht so den Anschein der Spielerkader wäre sehr ausgewogen zusammengestellt? Haben Sie auch ein gutes Gefühl, wenn Sie den Kader ihres Clubs so anschauen? Was trauen Sie dem Team in dieser Saison so zu?


AO: Ja wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenstellung unseres Kaders. In diesen Zeiten ist das alles nicht einfach gewesen. Wir haben einen guten Mix aus Jungen und erfahrenen Spielern. Der Charakter des Teams stimmt. Wir sind positiv gestimmt unser Ziel, unter die besten 8 in die Play Offs zu kommen zu erreichen.

 


Die DEL 2 hat begonnen, sind Sie zuversichtlich, dass die DEL 2 eine Saison eventuell komplett ohne Zuschauer bis zum Ende durchspielen kann und vor allem, dass alle 14 Clubs diese Saison auch gut überstehen?


AO: Stand heute ist das wirtschaftlich nicht denkbar eine komplette Saison, ohne zu spielen. Wir haben dazu zwingend die Notwendigkeit weiterer staatlicher Mittel. Dass dann aber auch nicht nur für fehlendes Ticketing – sondern auch für Merchandising und insbesondere Catering Einnahmen. Es ist und bleibt eine Gradwanderung für die Clubs, aber ich bin positiv gestimmt das die 14 Clubs es mit Unterstützung ihrer emotionalen Umfelder schaffen.

 


Wie machen sich die jungen Spieler im Team? Was passiert wenn die DEL zu spielen beginnt und die Kölner Haie benötigen die Förderlizenzspieler selbst, gibt es Alternativen aus dem starken U20-Team des Kölner EC, wie z.B. Marco Münzenberger oder Jussi Petersen? Gibt es da bereits Überlegungen und Gespräche?


AO: Wir haben insgesamt einen breiten Kader und das die DEL spielt war und ist ja auch geplant. Und es ist gut, dass der eine oder andere jungen Spieler mehr nun in der DEL eine Chance bekommt. Wir können auf Spieler des DNL Teams und auch auf eigenen Nachwuchs zurückgreifen. Die beiden genannten Spieler sind dann auch sicher eine Option. Und auch der freie Spielermarkt ist noch breit genug, um im Bedarfsfall reagieren zu können.

 


Die DEL ist aktuell nicht in der Lage zu spielen. Da könnte man sich jetzt auch eine grundsätzliche Frage stellen, was muss das Deutsche Eishockey und vor allem die DEL für die Zukunft ändern? Weniger auf ausländische Spieler setzen, noch viel mehr auf den eigenen Nachwuchs? Wäre es für das Gesamte Deutsche Eishockey nicht besser, einen gewissen Niveauverlust in den Ligen hinzunehmen, aber dafür eben mehr auf in Deutschland ausgebildete Spieler zu setzen. Sechs Kontingentspieler in der DEL würden doch ausreichen? Spieler wie Stefan Reiter und Christoph Körner würden dann wieder in der höchsten Deutschen Liga spielen. Wäre das nicht viel viel besser für das Deutsche Eishockey, auch wenn diese Spieler dann in der DEL 2 fehlen würden?


AO: Ich präferiere schon lange, dass die DEL in den nächsten 5-6 Jahren mindestens ihre Kontingentspieler um drei Stellen auf 6 reduziert. Ich denke das das ohne großen Qualitätsverlust möglich ist. Die deutschen Spieler dazu sind da. Ich bin sicher die DEL Kaderkosten wären denn auch günstiger und es wäre jetzt auch einfacher so eine Krise zu händeln. Die DEL2 würde keinen Qualitätsverlust erleiden. Seit Jahren wird trotz oder vielleicht sogar wegen U24 und U21-Regeln unsere Liga besser. Ebenso haben wir von 6 auf 4 Ausländern reduziert.

 

Ich bin sicher gute deutsche Spieler, am besten aus dem eigenen Nachwuchs, würden jedem DEL Club eine neue und gute Identifikation am Standort geben. Der DEB, die DEL, die DEL2 sowie die Oberliga und Nachwuchsligen müssen endlich an einem Strang ziehen. Es geht um das deutsche Eishockey. Ich zitiere die DEL Führung als wir den Markenname DEL2 übernommen haben: „Wo DEL draufsteht – muss diese auch drinstecken“. Ja den sollten wir mal endlich anfangen auch mit mehr Deutschen zu spielen.

 



 

Die U-Regelungen in der DEL 2 sind gute Ansätze, die Einsatzzeiten für junge Spieler im Profibereich zu erhöhen. Sind die Spieler dann aber älter und fallen sie aus diesem Bereich heraus, bekommen sie vermehrt Probleme einen Club zu finden. In der DEL 2 wurden ja die Plätze für Spieler Ü24 gekürzt, in der DEL ebenso und das zur Saison 2021/2022 um nochmals eine Stelle. Die Kontingentstellen sollen dabei aber nicht angetastet werden. Man bildet aus, kürzt dann aber die Stellen für Deutsche Spieler anstatt Stellen für Kontingentspieler. Das widerspricht sich doch oder sehen Sie das anders?


AO: Unsere U21 Regel baut doch perfekt auf den U23 Bereich der DEL auf. Kein Widerspruch. Und bei uns haben wir weiterhin mindestens vier U24 im Kader. Ist jemand 25 muss er sich sportlich qualifizieren für eine der festen Profi-Stellen der 28 DEL / DEL2 Clubs. Am Ende ist das Profi- und Leistungssport. In einem echten funktionierenden System spielen normal die Besten und gar keine Regel ist notwendig. In Finnland, Schweden und der Schweiz ist es normal das 18- Jährige in der ersten oder zweiten Liga spielen.

 

Es geht nur um eines: Wir müssen sukzessive die Ausländer reduzieren – und zwar in der DEL. Unter anderem auch damit die Nationalspieler auch bei den Special-Teams mehr spielen. Außerdem ist ein Verhältnis von 4 zu 6 Ausländer im Zuge der Auf- und Abstiegsregel ein sehr gutes Verhältnis. Ich bin sicher auch die Qualität der Ausländer würde besser werden und auch das hilft den jungen Deutschen.

 


Die Nachwuchsarbeit hat sich in den letzten Jahren in Deutschland stark verbessert, Strukturen wurden verändert, die Trainerausbildung verbessert. Der DEB hat viele Dinge weiterentwickelt und dort ist vor allem Stefan Schaidnagel derjenige, der ständig versucht die Sportart in Deutschland nach vorne zu bringen. An seine Grenzen stößt er bzw. der Verband dann immer in Gesprächen mit der DEL, wenn es um wichtige Themen geht, wie inzwischen vor allem das Thema Anzahl der Kontingentspieler. Blockieren die Gesellschafter der DEL eine Weiterentwicklung der Sportart Eishockey in Deutschland?


AO: Mit einem Satz ja – aber auch nur weil sie falsch beraten werden. Einige verantwortliche Manager sehen nicht das große Ganze, sondern nur ihren Club und den kurzfristigen Erfolg und damit den Erhalt ihres Arbeitsplatzes. Es muss ein Umdenken her. Alle müssen mitziehen. Die Konzepte sind da. Die Spieler auch und wenn wir Perspektiven für Deutsche Profi-Sportler bieten gehen noch mehr den Weg, anstatt denn doch lieber zu studieren, weil die deutsche Profiligen zu wenig Profi-Stellen anbieten.

 


Wäre nicht vieles einfacher im Deutschen Eishockey, wenn DEL, DEL 2 und Oberligen unter einem Dach(Dachverband) spielen würden. Man könnte auch sagen zu viele Köche verderben den Brei. Was denken Sie darüber?


AO: Wenn das so einfach wäre. Grundsätzlich ist es richtig, dass die oberen Profi-Ligen sich selbst verwalten. Das kann der Verband in der Qualität nicht umsetzen, wie wir das heute in Neuss gebündelt haben. Aber der DEB müsste mehr Einfluss haben und seine Position gestärkt sehen durch seine guten Ansätze bei allen Ausbildungen, egal ob bei Trainer oder Spielern. Und spätestens zur nächsten Kooperations-Vertragsverhandlung mit der DEL hin darf nicht Geld im Vordergrund stehen, sondern es muss um das deutsche Eishockey gehen. Die DEL gibt auch heute schon sehr viel Geld für Ausbildung und dafür gebührt ihnen auch großer Respekt. Aber nun müssen wir das Geld was alle einsetzen auch langfristig aufs Eis bringen.

 


Die Nachwuchsarbeit in Deutschland ist sowohl in der Spitze als auch in der Breite im Aufwind, hoffentlich nicht zu sehr gebremst durch Corona. Wie ist da denn der EC Bad Nauheim, sowohl in älteren als auch in den jüngerer Altersklassen, aufgestellt?


AO: Wir haben in den letzten 10 Jahren unseren Nachwuchs-Etat fast verdreifacht. Mittlerweile haben wir im Grunde 2,5 hauptamtliche Trainer und eine Vielzahl an Honorar-Trainern. Die jüngeren Jahrgänge U7 bis U13 haben viel Potential – da wächst einiges heran. In den älteren Jahrgängen U15 bis U20 arbeiten wir bewusst mit zwei Oberligisten und dem Kölner U17 und U20 Nachwuchs, um für unsere besten Talente einen Stufenplan zu haben. Hier fehlt es uns offen gesagt aktuell an Quantität und Qualität.

 

Unser Ziel bleibt es aber Nauheimer für die DEL, die DEL2 oder auch die Oberliga auszubilden. Aber in Bad Nauheim sind wir einfach reglementiert durch das alte Stadion und die vorhandenen Infrastrukturen. Wir brauchen das Projekt Stadion-Neubau, denn bin ich sicher kann noch viel mehr passieren. Aber der Weg der letzten Jahre ist der richtige.


Vielen Dank für die Beantwortung dieser Fragen!

 

 


 

Weitere interessante Links:

www.deutschlandcup.de - Alle Informationen über den Eishockey Deutschland Cup seit 1987.

www.eishockey-deutschland.info - Alle Eishockey Weltmeisterschaften, Olympische Spiele seit 1910 bis heute.

 


 


 

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