Interview mit Jason Dunham, dem Sportlichen Leiter der Straubing Tigers: „Viele Bausteine müssen zusammenpassen“

 

(Interview) (Markus Altmann) Langweilig wurde es Jason Dunham als Sportlichem Leiter in dieser turbulenten Zeit ganz sicher nicht. Einiges ist immer noch im Unklaren, beispielsweise was den Start der Saison angeht oder wie es beim ersten Auftritt in der Champions Hockey League läuft. Kommen die Neuzugänge gut zurecht, wie läuft die Kooperation mit Landshut an und das Hygienekonzept will auch umgesetzt werden. Nebenbei gibt es noch schnell ein Telefonat mit Mike Connolly, während sich zeitgleich Jeff Zatkoff per Whats App meldet. Über Bedenken und Zuversicht haben wir mit dem langjährigen Manager der Straubing Tigers, als es bei ihm ein kleines Zeitfenster gab, gesprochen.

 

jason dunham straubing

(Foto: Straubing Tigers)

 


Jason wir haben Ende Juli, eigentlich würden jetzt nach und nach die Übersee-Spieler eintreffen. Es dürfte aber generell sehr schwer sein, in die EU einzureisen. Mit welchen Problemen habt ihr hier zu Kämpfen?

 

Natürlich beschäftigt uns das Thema täglich. In erster Linie ist es wichtig, dass alle gesund bleiben. Wir versuchen so gut es geht zu planen, aber nächste Woche kann es schon wieder eine Änderung geben, die unseren Planungen wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Wenn man in die Schweiz schaut, die wollten wieder beginnen und haben sofort wieder positive Fälle entdeckt. Natürlich hätten wir gerne die komplette Mannschaft hier um dann auch länger zusammen trainieren zu können.

 

 

Eine gute Nachricht aus Übersee kam vor ein paar Tagen von Antoine Laganière. Er bleibt für ein weiteres Jahr bei den Tigers. Sie haben einmal angedeutet, dass bei Antoine die Entscheidung von anderen Faktoren abhängt. Wie kompliziert war es also für die Tigers ihn für eine weitere Saison zu binden?

 

Antoine Laganière hat einen renommierten Universitätsabschluss in der Tasche, im Bereich Master of Economics. Aber er ist auch ein ehrgeiziger Spieler und möchte gerne spielen. Das geht nur jetzt, im späteren Alter ist Eishockey irgendwann vorbei und wir sind glücklich, dass er sich wieder für die Tigers entschieden hat.

 

 

Wie ist eigentlich die Trainingssituation bei den Spielern, die nicht in der Straubinger Gruppe mittrainieren? Vermutlich findet ähnlich wie hier, nicht jeder die optimalen Bedingungen vor.

 

Da ist es von Land zu Land unterschiedlich. Sena Acolatse zum Beispiel ist derzeit in Ghana und kann jeden Tag mit einem Personal Trainer in einem Fitnessraum trainieren. In Nordamerika war es lange Zeit gut, dann war wieder alles zu, sodass man kaum Möglichkeiten fürs Training hatte. Dazu kommen die Regeln in den unterschiedlichen Bundesstaaten. In Kalifornien ist alles strenger organisiert, während man in Iowa mehr Freiraum hat. Von New York weiß wohl auch jeder, wie schwer diese Region betroffen war und zusätzlich gibt es immer wieder neue Hotspots die hinzukommen, wie aktuell in Massachusetts. Da machen wir uns natürlich auch Sorgen um die Spieler und ihre Familien. Die Vorbereitung mit allen Spielern hier in Straubing zu organisieren, wäre auch im Hinblick auf die Champions Hockey League (CHL) sehr wichtig.

 

 

Normalerweise besuchen sie Nordamerika auch einmal im Jahr, um dort Spieler zu scouten und mit Agenten ins Gespräch zu kommen. Wie lief es dieses Jahr ab?

 

Ich versuche immer ein Zeitfenster zu finden, wo ich viele Spiele sehen kann. Dieses Jahr bin ich zum ersten Mal im Januar / Februar rüber, weil es auch rechtlich noch möglich war und ich in
17 Tagen 15 Spiele sehen konnte.

 



 

War etwas Interessantes dabei?

 

Es ist immer etwas Interessantes dabei. Sehr wichtig ist natürlich für mich den Kontakt zu den Organistionen und den Spielern aufrecht zu halten. Die Entwicklung der Spieler zu sehen, über einen längeren Zeitraum von drei bis fünf Jahren ist oft entscheidend. Vielleicht endet dann mal bei einem Spieler ein Kontrakt und er kann sich ein Engagement in Europa durchaus vorstellen. Dann ist es gut, wenn man sich schon länger kennt.

 

 

Als ehemaliger Profispieler, kennen sie nur zu gut die Seite der Spieler, wenn es um Gehälter geht. Im vorgeschlagenen Konzept der DEL, werden die Spieler diese Saison wohl nicht das verdienen, was sie erwartet haben. Wie schwierig waren die Gespräche und wie ist der Stand bei den Tigers?

 

Wir haben mit der Mannschaft alles intensiv besprochen. Wir haben ihnen alle Fragen beantwortet und genau erklärt, wie man auf die 25 % kommt. Was muss alles passieren, dass man wieder auf die 100 % kommt und wie das alles funktionieren kann. Ich selber bin auch davon betroffen und habe ebenfalls unterschrieben. Durch viele Gespräche mit der Liga weiß ich auch, wie schwierig die Lage allgemein ist. Von den Spielern kamen dann auch mal Fragen, wie das alles auf einmal sein kann. Je mehr wir mit der Mannschaft gesprochen haben, je länger die Situation gedauert hat, umso besser haben sie es verstanden. Es geht dabei nicht in erster Linie um die 25 %, sondern um die Frage, kann ich weiterspielen, kann ich weiterhin mit Eishockey mein Geld verdienen.

 

 

Kann es eine ähnliche Überraschung geben, wie zuletzt bei Berlin und Ingolstadt? Dort hat jeweils ein Spieler die Vorgaben nicht akzeptiert.

 

Nun die Lage der Spieler ist ja nicht immer die Gleiche. Nicht jeder ist davon auf die gleiche Weise betroffen. Es gibt Spieler, die bauen vielleicht gerade ein Haus, bei anderen besuchen die Kinder eine Universität. Die Entscheidung von Ortega war vielleicht, dass er in einem anderen Land eher mit Eishockey beginnen kann, als hier in der DEL und somit auch eher sein Geld verdienen kann. Es ist dann auch legitim, wenn ein Spieler diesen Weg wählt und vielleicht in ein paar Jahren wieder in die DEL zurückkehrt. Bei Pielmeier kenne ich die Situation nicht. Er hat für sich eine Entscheidung getroffen.

 

 

Wenn Mitte November mit einer Doppelrunde gestartet wird, bedeutet das automatisch mehr Belastung. Es muss mit mindestens 15 englischen Wochen gerechnet werden. Das bedeutet, dass ein verletzter Spieler gleich mehrere Spiele verpassen wird. Kann man das mit der aktuellen Größe des Kaders bewältigen? (Anm. d. Redaktion: Offizielle Kaderstärke: 2 Torhüter, 8 Verteidiger, 13 Stürmer)

 

Bei dem Rhythmus ist alle drei bis vier Tage ein Spiel angesetzt. Bedeutet, dass zu Freitag und Sonntag ein Wochentag dazu kommt. Natürlich ist das ein dünner Kader, aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind nun mal vorgegeben. Die Gesellschafter werden nicht für irgend eine beliebige Aktion das Geld rausrücken. Es ist ja nicht nur mit der schnellen Verpflichtung eines Spielers getan. Man braucht dazu eine Wohnung, ein Auto, dann kommt die Ausrüstung dazu. Wenn man da zwei oder drei neue Spieler haben möchte, geht das gewaltig ins Geld. Optimal wären 15 Stürmer, 9 Verteidiger und 3 Torhüter. Wenn ich mich dann so umschaue, gibt’s nur ein oder zwei Teams, die sich das auch wirklich leisten können. Ein Manager würde immer gerne mehr Spieler haben, aber das ist hier kein Wunschkonzert.

 

Die Belastung wird hoch sein, denn wenn sich ein Spieler für 2 Wochen verletzt, versäumt er nicht mehr vier, sondern gleich sechs oder sieben Spiele. Das wiederum bedeutet für den Rest des Teams mehr Eiszeit zu nehmen und somit mehr Belastung, was wiederum zu weiteren Verletzungen führen könnte. Da bleibt eine optimale Lösung wohl aus oder?

 

Ein Manager würde natürlich immer gerne mehr Spieler haben, das ist keine Frage. Klar man kann zwei Ausländer holen für weniger Geld, weil man davon ausgehen kann, dass immer einer der Spieler vom Ausländerkontingent verletzt ist, aber dann schaust du auf die Scorererpunkte und siehst, dass da nur fünf Tore stehen, dann passt es auch wieder nicht. Es gibt in der DEL einige Teams, die eine eigene DNL Mannschaft haben, oder Kooperationen eingegangen sind.

 

Das funktioniert in Mannheim mit Heilbronn, Köln sowie München und bei Berlin mit Weißwasser. Die anderen Teams haben das nicht. Wir kooperieren zwar mit Landshut, was auch mit Ralf Hantschke (Geschäftsführer des EV Landshut) hervorragend funktioniert, aber der kann mir wahrscheinlich nicht auf einmal sechs Spieler abstellen. Die braucht er selber für seine Mannschaft. Von daher kann es gut möglich sein, dass es Mannschaften gibt, die an Weihnachten auch mal mit 16 Spieler auflaufen, weil da einfach finanziell nicht mehr möglich ist. Was ich dazu speziell in dieser Saison wirklich brutal finde ist, dass der Auf- und Abstieg kommt. Da müsste es einen anderen Weg geben. Ich weiß die Verträge mit DEL2 und DEB sind schon unterschrieben, aber für mich ist es bedauernswert, dass hier keine andere Lösung gefunden werden konnte.

 

 

Zwei neue Spieler wurden vor der Pause schon verpflichtet. Mit Andreas Eder und Nick Latta kommen nicht nur zwei gestandene DEL-Profis an die Donau, sondern auch gebürtige Bayern. Sind sie schon im Straubinger Trainingsbetrieb und wie siehst du ihren Stellenwert bei den Tigers?

 

Bei der Verpflichtung hat man natürlich schon ein paar Gedanken durchgespielt, wie es mit den neuen Jungs laufen könnte. Ob es dann genau so kommt, hängt wiederum von vielen anderen Faktoren ab. Als Mike Connolly und Jeremy Williams kamen, klappte das alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mike war all die Jahre konstant auf einem sehr hohen Level, dazu Jeremy, der schon etwas älter war bei der Verpflichtung, aber ein super Talent hat. Aber nun zu den beiden Spielern, die wir verpflichtet haben. Ja, sie trainieren hier in Straubing mit.

 

Den Andi Eder kenne ich schon seit seiner Garmischer Zeit, da wollte ich ihn eigentlich schon für Straubing haben, dann hat er zusammen mit Stefan Loibl in der U-Nationalmannschaft gespielt und ich war schon immer von seiner Spielweise begeistert. Andi ist groß, schnell und spielt hart. Er passt genau zu unserem Team. Bei Nick hatte es in den letzten paar Jahren nicht so funktioniert in Köln und dann in Wolfsburg auch nur teilweise. Aber für meine Vorstellung bei ihm, welche Position er spielen kann und für die Kadertiefe passt er sehr gut zu uns. Er kann als Außen- sowie Mittelstürmer eingesetzt werden. Des Weiteren hat er eine harte Art und Weise zu spielen, da sehe ich nichts was gegen Nick sprechen würde, dass er hier in Straubing erfolgreich sein kann.

 

 

Das DEB-Hygienekonzept umfasst 81 Seiten. Da haben sich also einige Leute viele Gedanken gemacht. Wie bewerten sie das Gesamtpaket?

 

Ich hab mir letztes Wochenende alles durchgelesen. Also wir bei den Tigers mit unseren Angestellten und genauso unsere Partnerunternehmen haben das oberste Ziel, dass es den Spielern sowie ihren Familien hier gut geht, dass sie hier gut betreut werden, dass die Spieler ihre Verletzungen hier behandeln lassen können. Da ist es uns sehr wichtig, dass wir zusammen gut durch diese Phase kommen. Auch deswegen, weil es für die Spieler ein Leben nach dem Eishockey geben wird. Dafür wollen wir alles tun, dass es keine körperlichen Beeinträchtigungen geben wird. So wie ich diesen Virus verstehe, reagieren unsere Körper individuell darauf.

 

Wir tun alles dafür, dass es an unserem Standort zu keinem positiven Corona Fall kommt. Aber die Wahrheit ist, und das zeigen auch die Statistiken immer wieder, dass 14 DEL Clubs ohne Corona Fälle über einen langen Zeitraum, nach meiner Einschätzung nicht durchkommen werden. Obwohl ich weiß, dass auch im Handball oder Basketball sowie in der DEL alles dafür getan wird, die Problematik so gut wie möglich unter Kontrolle zu haben, habe ich trotzdem Bedenken.

 

 

Nachdem ich mir alles durchgelesen habe, stellt sich natürlich die Frage: Was ist, wenn ein Spieler in der Kabine sitzt und dann positiv ist? Wir wissen schon was dann genau zu machen ist. Aber meine Gedanken sind dann: Wie geht es mit der Mannschaft weiter? Das kann sich über Familie bis hin zu den Kindern schnell ausbreiten. Und was passiert eigentlich mit dem gegnerischen Team, gegen die man noch gestern erst gespielt hat? Müssen Spiele verlegt werden, auf welchen Termin? Das ist etwas, was mir wirklich große Sorgen bereitet. Der Spielplan ist so eng, da hat man kaum noch Platz. Ich wünsche mir dass alles gut geht, aber Vorsicht ist tagtäglich angesagt.

 

 

Da wird dem einzelnen Spieler eine sehr hohe Disziplin abverlangt werden.

 

Disziplin ist nicht nur bei Spielern und Staff gefordert. Das geht hinein in die Familie zu Hause, beim Eismeister, beim Sicherheitsdienst, die Cateringfirma. Wo soll die Disziplin enden? Ich meine das nicht auf eine schlechte Art und Weise aber die Statistiken von der NHL, MLB, NBA, da sieht man, dass Fälle passieren. Die werden dort in ihren Communitys so oft getestet, die kommen dann auch nicht mehr raus und trotzdem gibt es positive Fälle. Leider werden wir alle hier durch das Virus ausgebremst. Da hängt so viel dran, wie z.B. die letzten beiden Saisons, in denen wir tollen Erfolg hatten, die Stadt Straubing, die mit dabei ist, alle die mitgeholfen haben. Aber am Ende ist das wichtigste die Gesundheit von allen.

 

 

Den Handballern und Basketballern ergeht es nicht besser als der DEL. Egal, wie es kommt, am Ende müssen die Fans in die Halle. Sind sie auch auf diesem Weg mit anderen Sportarten, Club-Manager in Kontakt und haben sie sich über diese Themen ausgetauscht?


Ja wir sind im Austausch, auch Sportart übergreifend und alle haben die gleichen Sorgen. Nicht jeder ist der FC Bayern oder Dortmund und selbst die können nicht ewig ohne Fans spielen. Beim Fußball hat man es jetzt deutlich gesehen, welch einen wichtigen Stellenwert die Fans haben. Wer will denn schon in einer leeren Halle spielen. Da hängt so viel dran auch an Merchandising, VIP-Lounge und vieles mehr. Als Spieler weißt du sowieso, was der Fan für eine Bedeutung hat, aber ich weiß nicht ob der Zuschauer das auch so empfindet.

 

Natürlich haben andere Ligen hohe Fernsehverträge, aber wer will denn in einer leeren Halle auf Dauer spielen. Wenn ich mir überlege, welche Atmosphäre und Begeisterung die Zuschauer in eine Halle hinein bringen. Wie letzte Saison, als sich Mannschaft und Fans in den Wochen vor den Playoffs hochgepusht haben. Die ganze Stadt hat dem Highlight Playoffs entgegengefiebert. Das Team war bereit, keine Verletzungen und auf einmal ist das Stadion leer. Ich habs im Fußball gesehen, Bayern gegen Dortmund, da merkst du es extrem, wie wichtig die Fans sind.

 

 

Gibt es auch weitere Überlegungen, wenn der Start im November nicht eingehalten werden kann? Immerhin sprechen Virologen sowie Politiker von einer möglichen zweiten Welle im Herbst.

 

Alle haben sich über weitere Szenarien Gedanken gemacht. Es gibt Varianten über eine Einfachrunde, mit oder ohne Playoffs, wo dann der Erstplatzierte deutscher Meister ist. Aber irgendwann müssen wir spielen. Keiner weiß doch heute wie es im Herbst läuft. Die Virologen nicht, die Politik nicht, dazu kommen die verschiedenen Bundesländer mit verschiedenen Regeln. Wenn wir ehrlich sind, brauchen wir einen Impfstoff.

 

 

Es sollte eigentlich ein Highlight der neuen Saison werden. Gruppenphase in der CHL. Leider wird es vorerst nur ein Heimspiel geben. Dazu natürlich der Abbruch der Playoffs. Fühlt man sich da manchmal um den harten Lohn gebracht?

 

Naja das ist nicht so leicht. Für mich war letzte Saison das Schwerste, als ich zur Mannschaft gegangen bin und gesagt habe: „Das war's!“ Ich kam gerade von der Videokonferenz mit der Liga und hatte alle Infos zusammen. Und auch zu Gaby (Anm.d. Redaktion: Gaby Sennebogen, Geschäftsführerin der Straubing Tigers) hab ich gesagt: „Das war's“. Da waren wir alle fertig. Da zur Mannschaft zu gehen und denen das zu erklären, nachdem sie eine ganze Saison so hart gearbeitet haben, das war wirklich hart für mich. Letzte Saison war von Anfang an einfach ein Flow drin. Wenn ich an die Trainingseinheiten denke, Dienstag 10 Uhr vormittags. Da war ein Tempo drin, ein Ehrgeiz in der Mannschaft und dann siehst du die Zweikämpfe im Training, Connolly mit Acolatse und Daschner mit Loibl und all die anderen die da mitgezogen werden.

 

Da wusste ich, wenn diese Intensität so bleibt, dann wird’s was. Dann kommt der Start in die Saison und du gewinnst in der Verlängerung ein paar Spiele, dazu kam eine gute Serie hintereinander, das hat einfach gepasst. Ich selber habe gut 25 Jahre Eishockey gespielt und wenn ich zurückblicke, kann ich mich an vielleicht eine oder zwei Mannschaften erinnern, bei denen das ähnlich war wie bei uns letzte Saison. Das passiert nicht oft, dass alles in der Kabine passt, der Trainer passt, die ganze Organisation funktioniert. Vier oder fünf Heimniederlagen in der ganzen Saison, dritter Platz in der Liga, ganz ehrlich da bekommt man Gänsehaut.

 

 



 

Trotzdem hat man einen attraktiven Gegner zugelost bekommen. Hast du dich schon über Servette Genf erkundigt? Was kommt da auf die Tigers zu?

 

Ich kenne Chris McSorley den Sportdirektor von Genf sehr gut. Wir hatten damals schon Kontakt als Laurent Meunier hier war, den wir dann nach Genf ausgeliehen haben. Sie haben sehr gute junge Spieler die auch wirklich viel Spielzeit bekommen und auch Top-Ausländer. Mir war schon klar, dass wir einen guten Gegner bekommen, aber ich sehe nicht dass wir hier nicht mitspielen können. Natürlich wird es eine sehr schwere Aufgabe werden für unsere Mannschaft.

 

 

Bevor man überhaupt Eishockeyprofi wird, wird man im besten Fall bei einer guten Nachwuchsorganisation ausgebildet. Mit dem EV Landshut geht man bei den Tigers eine neue Kooperation ein. Was erhofft man sich in Straubing von dieser Zusammenarbeit.

 

Landshut war schon immer mein Wunschpartner. Es ist so, eine gute Kooperation kann funktionieren, wenn die erste Mannschaft sechs bis sieben Spieler unter 23 Jahren unter Vertrag hat. Dann kannst du nur hoffen dass die Jungs ihre Spielzeit bekommen damit sie sich entwickeln können, dass sie Entscheidungen auf dem Eis treffen können wie z. B. im Powerplay oder bei vier gegen vier und wenn wir dann jemand brauchen, holen wir ihn rauf zu uns und er kann mitspielen. Wenn ich in der DEL schaue, wo so ein Konzept gut funktioniert dann fällt mir Köln ein, weil die wie Mannheim eine sehr gute DNL Mannschaft haben, München hat so ein Projekt laufen und Berlin. Bei uns haben wir drei bis vier U-23 Spieler und davon müssen zwei spielen.

 

Da würde ich natürlich lieber zehn Spieler haben, die in Landshut Erfahrung sammeln können und dann müsste es noch dazu gut funktionieren. Landshut kann es sich aber auf der anderen Seite auch nicht leisten, vier Spieler am Wochenende an uns abzugeben. Die müssen selber auf ihr Team schauen. Das Negative meiner Meinung nach bei einer Kooperation ist doch immer die Frage: Wer kriegt wen? Aber so sollte das nicht funktionieren. Beide müssen sich helfen und beide müssen davon profitieren. Ein Beispiel, wenn Landshut am 2. Oktober beginnt: Ich hab vier junge Spieler die können sich dort im Spielbetrieb weiterentwickeln, in Nordamerika wird das so praktiziert. Von unten nach oben und nicht von oben nach unten. Dort schaut man mehr darauf, dass die jungen Spieler durchspielen und irgendwann in der NHL landen. Hier in Deutschland ist das Konzept eher anders. Was meins ist, ist meins. Da ist die Denkweise falsch.

 

Ein anderes Beispiel dazu: Wenn ein junger Spieler in Garmisch viel Eiszeit bekommt, ist noch 17 oder 18 Jahre alt und gehört schon zu den besseren Spielern, dann sind die nicht begeistert, wenn ein Club kommt und den Spieler abnimmt. Aber der Weg für den Spieler selbst ist der richtige, dass er nach oben kommt. Von Landshut erwarte ich, dass wir uns fair behandeln. Wenn einer Hilfe braucht, sollte der andere seinen Beitrag leisten.

 

 

Wäre es dann eine optimale Entwicklung, wenn jedes Jahr ein Spieler den Sprung in die DEL schafft?


Das wäre die optimale Sache. Ich hab letztes Jahr ca. 50 DNL Spiele gesehen. Da musst du dich auch erst mal durchkämpfen als junger Spieler. Wenn ich dann vier oder fünf Siebzehnjährige unter Vertrag nehme, gibt es noch lange keine Garantie dafür, dass die den Sprung zum Profispieler schaffen. Man muss sich das mal auch selber vorrechnen. Wenn man alle Ausbildungsclubs nimmt, schafft es von vier oder fünf jungen Spielern, vielleicht einer in die DEL. Da stecken dann auch sehr viel Kosten drin, das Ganze im Nachwuchs jahrelang zu finanzieren.

 

Wenn ich mir als Beispiel Berlin nehme, bei denen sind gut 22 Spieler in der DNL Mannschaft, da schaffen es vielleicht drei davon. Wenn die dazu noch wirklich gut sind, dann melden sich auch mal andere Clubs.

 

 

Dieser Punkt führt uns zu Stefan Loibl, der damals nicht nur ein Angebot aus Straubing hatte und Tim Brunnhuber dürfte auch auf den Zettel anderer Klubs gestanden haben. Was spricht speziell bei jungen Talenten dafür, sich auch mal für Straubing zu entscheiden?

 

Manche verstehen es, dass es hier für sie besser ist als DEL Spieler zu beginnen. Stefan Loibl ist Straubinger und wollte immer für Straubing spielen. Zuerst hat er für uns in Kaufbeuren angefangen, dann gabs in Straubing ein paar Verletzungen und wir haben ihn hier eingesetzt. Für ihn war es dann natürlich nicht leicht, mit 18 Jahren und knapp 75 kg als Mittelstürmer gegen gestandene erwachsene Männer zu spielen. Aber ok, dann haben wir ihn auf die Außenseite gestellt, denn diese Position ist etwas leichter und das hat ganz gut geklappt.

 

Stefan ist ja brutal schnell, schwer zu halten und in der offensive sehr kreativ. Seine Fähigkeiten, die er unbestritten hat, mussten halt ausgebaut werden. Und dann haben wir gesagt, jetzt behalten wir ihn hier, dann schauen wir, dass er im Kraftraum zulegen kann auf 82 kg, damit er es leichter in den Zweikämpfen hat. Dann kommt dazu dass er das Spiel besser versteht, Unterzahl spielt und fünf gegen fünf. Das ist der Anfang und im 3. Jahr war klar, dass wir versuchen, ihn ins Powerplay einzubinden. Was wirklich viele vielleicht nicht wissen, aber da müssen die meisten jungen Spieler durch, ist die mentale Seite.

 

Es ist nicht so leicht, wenn du im Nachwuchs erste Reihe und 25 Minuten pro Spiel spielst, dann kommst du zu den Profis und musst auch mal mit fünf Minuten Spielzeit zufrieden sein. Das braucht viele Gespräche, auch mit den Eltern. Dazu kommen die verschiedenen Trainer, die in den letzten zwanzig Minuten auch mal nur mit drei Reihen spielen, um die drei Punkte zu behalten. Natürlich ist für mich das Erreichen der Playoffs immer das Ziel, aber ich war genauso stolz, wenn ich die Nummer 13 für 30 Sekunden auf dem Eis gesehen habe. Ich kann nur sagen, ich habe mit Stefan eine hervorragende Beziehung, alles was wir erwartet haben hat er erfüllt. Dafür hat er extrem hart gearbeitet und alles, was jetzt noch kommt, hat er sich auch verdient. Auch unsere älteren Spieler haben ihn unterstützt. Jeremy hat immer wieder nach dem Training mit ihm eine halbe Stunde Schusstraining gemacht. Auch Mike Connolly, der auf der Bank immer wieder mit den jungen Spielern spricht. Aber auch andere erfahrene Spieler haben das Potenzial erkannt und viel mit den Jungs gemacht. Sandro Schönberger ist immer noch derjenige, der am härtesten von allen trainiert. Der nimmt die Spieler mit und zeigt es ihnen was sie machen müssen, um besser zu werden.

 

 

Dass ein junger Spieler überhaupt in den Fokus der DEL gerät, muss er dazu zwingend in der DNL oder gar in einer U-Nationalmannschaft spielen? Anders gefragt, ist die Qualität darunter zu dünn für die Top-Liga?

 

Die besten Talente, die wir hier in Deutschland haben, spielen in der DNL 1. Manuel Wiederer ist aus der DNL 2 herausgekommen. Kaufbeuren hat in der DNL 2 sehr gute Nachwuchsarbeit gemacht. Aber die jungen Spieler müssen sich auch mit den Besten messen. DNL ist einfach für die Entwicklung der jungen Spieler ungemein wichtig.

 

 

Beim Stammverein EHC Straubing wurde eine neue Vorstandschaft gewählt, mit einem ihnen sehr guten bekannten Trio. Peter Zankl an der Spitze und die ehemaligen Tigers-Akteure Oliver Vöst und Helmut Kößl sitzen mit im Boot. Wird es von ihrer Seite ab und an Gespräche über den Stand der Dinge geben?

 

Ja natürlich sprechen wir immer wieder. Ich bin jetzt wirklich froh, dass mit der Truppe von Peter Zankl jemand beim EHC Straubing ist, der nicht nur einen wirtschaftlichen Background aufweisen kann, sondern was auch sehr wichtig ist, einen sehr guten sportlichen Wissensstand hat. Ohne diese Eigenschaften wird es schwierig, einen Verein gut zu führen. Kompliziert wird es, wenn du dich nur auf einen guten Jahrgang konzentrierst und dann den Blick für das Gesamte verlierst.

 

Wir müssen in den Schulen präsent sein, einen Blick für die Talente haben, auch von anderen Sportarten und auch auf die schulischen Leistungen der Kinder aufschauen. Das ist sehr schwer, alles so zu bewerkstelligen, Eishockey ist auch ein teurer Sport aber ich wünsche dem neuen Team alles Gute und werde ihnen auch helfen.

 

 

Bei all diesen Problematiken im sportlichen wie im wirtschaftlichen Bereich, wie gut kann ein Jason Dunham derzeit schlafen?

 

Ganz ehrlich, die schwerste Zeit waren die Tage im März. Ich war so aufgeregt vor den Playoffs wie noch nie, ich war von den Fans und dem Team so begeistert. Das hat man auch immer wieder in der Halle gemerkt, wie die Stimmung sich entwickelt hat, immer lauter, immer intensiver. Schon im Februar, wenn ich die Trainingseinheiten gesehen habe, wusste ich: Die Jungs sind bereit für die Playoffs. Das war dann ein schwerer Zeitpunkt mit der Situation.

 

Bis jetzt ist aber auch schon wieder so viel passiert und da blickt man nicht nur aufs Eishockey. Es sind so viele Menschen gestorben und leiden darunter, du darfst deine Familie im Krankenhaus nicht besuchen und wie die Menschen davon allgemein betroffen sind, da wird Eishockey, obwohl ich mir nichts anderes vorstellen kann als Eishockey, auch mal zur Nebensache.

 




 

Weitere interessante Links:

www.deutschlandcup.de - Alle Informationen über den Eishockey Deutschland Cup seit 1987.

www.eishockey-deutschland.info - Alle Eishockey Weltmeisterschaften, Olympische Spiele seit 1910 bis heute.

 


 


 

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