Interview mit Rene Nosper dem sportlichen Leiter des Fraueneishockey der Kölner Haie

 

(Interview) (Tim Sinzenich) Die 1b-Mannschaft der Kölner Haie steht bereits als Meister der Landesliga NRW fest. Auch die aktuell drittplatzierte erste Frauenmannschaft kann noch am letzten Spieltag der 2. Liga Nord im Auswärtsspiel gegen den Spitzenreiter Cold Play Sharks Mechelen (Belgien) nachlegen und Meister in der zweithöchsten Spielklasse werden. Ein Gespräch mit dem sportlichen Leiter und Trainer beider Mannschaften, René Nosper, zum Fraueneishockey bei den Kölner Haien.

 

Dominik Klein  Rene Nosper Vlnr Ohne Logo

(Von links nach rechts: Dominik Klein (Co-Trainer) und René Nosper (Sportlicher Leiter und Trainer) - - Bildurheber: Leuffens Fotoecke)

 


René, wir stehen am Ostersonntag sieben Uhr morgens vor der Kölnarena 2. Hier steht ein komplettes Fraueneishockeyteam reisefertig, und es heißt: „Kein Aprilscherz, das Spiel in Mechelen fällt aus.“ Was ist passiert und wie geht es jetzt weiter?

 

René Nosper: Heute Nacht erhielten wir die Info, dass wegen eines Defektes an der Eismaschine wahrscheinlich nicht gespielt werden kann. Die letztendliche Bestätigung hierzu blieb leider aus bzw. wurde vom Verband lediglich als WhatsApp-Nachricht an einen Verantwortlichen unseres Vereins geschickt, der schon schlief. Somit steht nun die gesamte Mannschaft reisefertig hier an der Kölnarena 2. Schon sehr ärgerlich, da einige Mädels eine Anreise von über 50 km haben. Da es sich hier um „höhere Gewalt“ handelt, muss das Spiel neu angesetzt werden, da es hier um die Meisterschaft der 2. Liga Nord geht und der Verband möchte, dass dies sportlich entschieden wird.

 

Ich gehe davon aus, dass der Verband sich hier die notwendigen Unterlagen zukommen lässt, dass die Eismaschine repariert werden musste. Dann werden wir schauen, dass ein neuer Termin mit Mechelen gefunden wird, der für beide Seiten realisierbar ist. Und das wird schon schwer genug, da die meisten Mädels nach dem letzten Saisonspiel, was heute gewesen wäre, Ihren Urlaub geplant haben.

 

 

 

Du bist seit 2007 Trainer bei den KEC-Frauen, die bis zum letzten Jahr noch die Cologne Brownies waren. Was hat sich in dieser Zeit außer den Trikotfarben verändert? Warum habt Ihr Euch im vergangenen Jahr den Kölner Haien angeschlossen?

 

René Nosper: Bislang hat sich noch nicht so viel für uns geändert. Was die Organisation von Spiel- und Trainingsterminen angeht, wird dies weiterhin durch unsere Vorstandsvertreter übernommen, die in den Vorstand des Haie EV kooptiert wurden. Auch das Umfeld mit Trainingszeiten und -möglichkeiten ist bis jetzt unverändert. Hier hoffe ich jedoch für die Zukunft, dass sich neben den Möglichkeiten für die Frauenmannschaften auch mehr für junge Spielerinnen in den Nachwuchsmannschaften tut. Ich denke aber, dass das noch ein gutes Stück Arbeit bedeutet.

 

 

 

Nun hättet Ihr eigentlich das Recht, um den Aufstieg in die Frauenbundesliga zu spielen*, nehmt dieses aber nicht wahr. Da fragt man sich natürlich erst einmal erstaunt, ob Ihr keine Lust darauf habt. Ist das nicht der Traum, für den jeder von Euch brennt?

 

René Nosper: Da bin ich mir gar nicht so sicher, dass man als Drittplatzierter noch in die Bundesliga aufsteigen kann, aber aus meiner Sicht ergibt das auch nicht viel Sinn. Ich kenne die Bundesliga und weiß, auf welchem Level da gespielt wird. Und wenn ich mit den KEC-Frauen den Schritt wage, möchte ich da auch mitspielen. Das Potential hätte ich zwar in Köln, aber ich bräuchte sicher noch eine Hand voll Spielerinnen, die uns da sportlich verstärken würden.

 

Hinzu kommen finanzielle und organisatorische Hürden, die geklärt sein müssen. Momentan zahlen alle Spielerinnen einen nicht unerheblichen Monatsbeitrag und müssen die Auswärtsfahrten zusätzlich stemmen, was sie meist mit ihren Privat-PKWs übernehmen. In der Bundesliga stehen zudem Doppelspielwochenenden an, bei denen die Übernachtungen finanziert werden müssen. Hierfür fehlen uns entsprechende Sponsoren, die uns dabei unterstützen würden. Zumal ich sicher auch keine erfahrene Bundesliga-Spielerin nach Köln locken kann, wenn sie bei uns einen Mitgliedsbeitrag in der momentanen Höhe zahlen muss. Also reichlich Baustellen, die wir angehen müssen und möchten. Denn mittelfristig ist es schon unser Ziel, mit den Kölner Frauen in der Bundesliga anzutreten.

 

 

 

Und das, obwohl Ihr mit 3 Mannschaften und ca. 80 Spielerinnen der größte Fraueneishockeyverein in Deutschland seid. Dazu in einer Millionenstadt und Eishockey-Hochburg im bevölkerungsreichsten Bundesland mit knapp 18 Millionen Einwohnern. Klingt doch eigentlich nach sehr guten Voraussetzungen.

 

 

René Nosper: Ja, in den letzten Jahren haben wir gute Arbeit geleistet, was unsere Mitgliederzahlen angehen. Hier zeichnet es sich aber so ab, dass die 3te Mannschaft die größte in der Damenabteilung ist. Hier ist es durch den Übergang zu den Kölner Haien und auch durch den Olympia-Boom so, dass viele diesen Sport einmal probieren möchten bzw. neu anfangen. Es ist schwierig, Spielerinnen für die 1ste und 2te Mannschaft zu bekommen. Dies schaffen wir derzeit hauptsächlich über Nachwuchsspielerinnen der umliegenden Vereine wie Troisdorf, Wiehl oder Bergisch Gladbach.

 

Das Ziel hier ist aber auch, zeitnah Spielerinnen in den eigenen Nachwuchsmannschaften zu etablieren, die wir dann ausgebildet in die Frauenabteilung übernehmen können. Ich denke, das wäre ein wichtiger Schritt, den wir hier angehen müssen. Und letztlich möchten wir natürlich auch unseren Spielerinnen auf jedem Niveau eine Möglichkeit geben zu spielen. In den letzten Jahren haben wir mehrere Spielerinnen an Bundesligavereine abgegeben, die ich gerne auch in Köln behalten hätte. Das zeigt ebenfalls, dass wir da gute Arbeit leisten, und wir müssen schauen, dass wir diesen Spielerinnen auch bei uns eine Option bieten, sich in der höchsten deutschen Spielklasse weiterzuentwickeln.

 



 

Wohin in Köln und Umgebung, wenn nicht zu den Profis der Kölner Haie, gehen eishockeybegeisterte Eltern mit ihren Töchtern oder die Mädchen selbst als Zuschauer? Kann Euch der DEL-Profiverein dabei unterstützen, mehr Bekanntheit zu erlangen? Die Ingolstädter Panther zum Beispiel bewerben ihre Frauenmannschaft in den Drittelpausen mit Videos und Aktionen. Und was macht Ihr selbst, um auf Euch aufmerksam zu machen?

 

René Nosper: Bislang hatten wir keine Anlaufstelle, um so etwas zu organisieren. Wir präsentieren uns lediglich über Webseiten und soziale Medien. Aber auch hier sind wir in Planung, dies weiter auszubauen und über den breiten Kanal der Haie-Profis Möglichkeiten zu erörtern. Die Frage hierbei ist natürlich die Akzeptanz, ob das gewünscht ist oder nicht. Persönlich habe ich eine Zeit lang sogenannte Pressemitteilungen an diverse Redaktionen geschickt. Nachdem hier aber über ein Jahr keine Reaktion auf diese Mitteilungen kam, habe ich diese wieder eingestellt. Aber ich gehe davon aus, dass wir als KEC-Frauen jetzt doch einen anderen Stellenwert in der Kölner Öffentlichkeit haben und auch für Presse und Blogs interessant sein könnten.

 

 

 

Der EV Duisburg stellt seit Anfang des Jahres Deutschlands erste reine Mädchen-Nachwuchsmannschaft überhaupt und nimmt an der U10-Landesliga NRW teil. Gibt es bei Euch Überlegungen, ebenfalls eine Mannschaft in dieser Altersklasse aufzustellen?

 

René Nosper: Grundsätzlich hatte ich eine ähnliche Idee im Rahmen einer NRW-Mädchenmannschaft bereits vor 4 Jahren, konnte es aber aufgrund des Wechsels des zuständigen Landesverbandes nicht konkretisieren. In Duisburg ist es aber auch so, dass sich diese Mannschaft aus vielen Mädels aus NRW zusammenstellt. Hier habe ich immer die Mädels und deren Aufwand im Blick, da sie alle noch in der Entwicklung sind und Schule nicht außer Acht gelassen werden sollte. Ich finde das Engagement von Duisburg echt klasse und andere NRW-Vereine sollten dies als gutes Beispiel annehmen.

 

Über eine Trainerkollegin wurde nun ein Konzeptentwurf entwickelt, um ähnlich wie Duisburg Mädchen langfristig als eigenständige Mannschaft in den Spielbetrieb zu integrieren. Dies werde ich mit den angrenzenden Vereinen einmal besprechen, da es aus der Erfahrung heraus ein einziger Verein nicht umsetzen kann. Vielleicht bekommt man hier für den Bereich eine gute Zusammenarbeit hin, um das Mädchen- bzw. Fraueneishockey noch stärker zu fördern.

 

 

 

Was könnt Ihr interessierten Mädchen und jungen Frauen, die bei Euch spielen oder das mal ausprobieren möchten, bieten?

 

René Nosper: Bei uns kann man jederzeit ein Probetraining absolvieren. Dabei ist es egal, ob die Mädels oder Frauen Eishockeyerfahrung mitbringen oder nicht. Natürlich sind wir auch sehr interessiert an Spielerinnen, die Interesse haben, in unserer 1sten oder 2ten Mannschaft zu spielen. Dabei versuchen wir ebenfalls alles möglich zu machen, was gewünscht ist. Wir haben derzeit schon eine 17-jährige Spielerin in einer Gastfamilie untergebracht, die aus Bremerhaven zu uns wechselte. Aber auch älteren Spielerinnen würden wir gerne Alternativen in Köln bieten. Für Anfragen sind wir immer offen.

 

Wir danken für das Gespräch und wünschen weiterhin alles Gute.

 

 

* Auch mit dem bereits sicheren dritten Tabellenplatz wären die Kölner Haie zunächst relegationsberechtigt gewesen. Die Cold Play Sharks Mechelen dürfen als ausländische Mannschaft nicht in die vom DEB geführte Frauenbundesliga aufsteigen. Der Tabellenzweite Bergkamen 1b ist ebenfalls nicht dazu berechtigt, da ein Verein nicht zwei Mannschaften in einer Liga einsetzen darf. In der Relegation hätte es für die KEC-Frauen zwei Runden gegeben. In der ersten hätten sie sich gegen den Sieger der Relegationsrunde der Erstplatzierten der Landesliga Bayern - Landesliga-Baden-Württemberg im Hin- und Rückspiel durchsetzen müssen. Die 2. Relegationsrunde wäre im gleichen Modus mit dem Bundesliga-Tabellenletzten erfolgt.

 


 

Weitere interessante Links:

www.deutschlandcup.de - Alle Informationen über den Eishockey Deutschland Cup seit 1987.

www.eishockey-deutschland.info - Alle Eishockey Weltmeisterschaften, Olympische Spiele seit 1910 bis heute.

 


 


 

Weitere Eishockey Interviews

/modules/mod_raxo_allmode/tools/tb.php?src=%2Fimages%2Falle_clubs_spielfotos%2Ffraueneishockey%2Fduesseldorf%2Fdeg_frauen_2018_3.jpg&w=200&h=150&zc=1
15. April 2018

Interview mit Frank Spooren & Caro Walz von der Frauenmannschaft der Düsseldorfer EG

(Interview) (Christian Diepold) Die Frauenmannschaft der Düsseldorfer EG hat in der Spielzeit 2017/2018 die Premierensaison in der Deutschen Frauen… [weiterlesen]
/modules/mod_raxo_allmode/tools/tb.php?src=%2Fimages%2Falle_clubs_spielfotos%2Fdeb%2Fu18%2Fwm2018%2Fdeb_norwegen%2Fyannick_valenti_u18wm.jpg&w=200&h=150&zc=1
13. April 2018

Interview mit dem deutschen Nachwuchstalent Yannik Valenti

(Interview) (Christian Diepold) Eine ereignisreiche Saison 2017/2018 ging für Yannik Valenti, einem der besten deutschen Nachwuchsstürmer zu Ende.… [weiterlesen]
/modules/mod_raxo_allmode/tools/tb.php?src=%2Fimages%2Falle_clubs_spielfotos%2Fhannover%2F2017-2018%2Finterview_lp_07042018.jpg&w=200&h=150&zc=1
07. April 2018

Interview mit Spielerberater Agentur L&P Sportsmanagement

(Interview) (Louis Biernacka) Zum zweiten Teil unserer Serie über den Beruf des Spielerberaters im Eishockey, hatte Eishockey-Online.com Redakteur… [weiterlesen]
/modules/mod_raxo_allmode/tools/tb.php?src=%2Fimages%2Falle_clubs_spielfotos%2Ffraueneishockey%2Fmemmingen%2F2017_2018%2Fdaria_gleissnerDSC03868_DxO_klein.jpg&w=200&h=150&zc=1
03. April 2018

Interview mit Nationalspielerin Daria Gleißner vom Double Sieger 2018 Memmingen Indians

(Interview) (Christian Diepold) Daria Gleißner ist eine 24-jährige Sportsoldatin und seit dem Jahr 2012 beim ECDC Memmingen Indians in der Frauen… [weiterlesen]

 

https://ssl-vg03.met.vgwort.de/na/7e113a994a7b4714b309edc59a0b9fec

Eat Theball Hockey 12

Tabellen

Eho Austria

Dcup

Eishockeybilder

Onlineshop

Transfers

 

 

Tipico Livewetten

 

Eol Shop 300 254

Gäste online

Aktuell sind 1057 Gäste online