Interview mit Florence Schelling, eine der besten Torhüterinnen der Welt

 

(Interview) (Christian Diepold) Als erste Torfrau überhaupt in neun Eishockeyspielen bei den Olympischen Spielen gewonnen, das klingt sehr nach einer Kanadierin oder Amerikanerin zwischen den roten Pfosten. Aber die Rede ist von einer Schweizerin: Florence Schelling (28), der wohl derzeit weltbesten Keeperin. Ihre Eishockey-Vita liest sich wie eine Abfolge von beeindruckenden Leistungen und Schlag auf Schlag erfolgenden Rekorden.

 

 

Florence Schelling Oylmpia2018

(Foto: Florence Schelling)

 


Bereits im Alter von gerade einmal 13 Jahren bestritt sie ihr erstes Länderspiel für die Eidgenossinnen, ihrer Meinung nach heutzutage undenkbar, angesichts der Entwicklung im Fraueneishockey seither.

 

 

Zunächst spielte sie gemeinsam mit den Jungen der ZSC Lions, und dies bis hin zur U20. Bald kamen parallele Einsätze in den Frauenmannschaften des EHC Illnau-Effretikon und im Anschluss der ZSC Lions Frauen hinzu. In diese Zeit fallen auch ihre ersten olympischen Spiele 2006 in Turin mit 16 Jahren. Ein Jahr später schrieb sie ein weiteres Kapitel Schweizer Eishockeygeschichte: Als erste Frau erhielt sie in einem Spiel der Nationalliga B (NLB) Eiszeit beim Männerteam der GCK Lions. „Ich habe nur gehofft, dass das Spiel so schnell wie möglich zu Ende ist“, wurde sie zitiert. Aber sie sagte auch: „Bei den Frauen ist es viel schwerer abzuschätzen, wo und wie stark ein Schuss kommt. (...) Wenn ich ehrlich bin, mag ich die scharfen Schüsse der Männer lieber.“ Trotzdem blieb sie überwiegend dem Fraueneishockey treu.

 

 

2008 erfolgte dann der Wechsel über den Teich in die NCAA (National Collegiate Athletic Association), die bedeutendste Eishockeymeisterschaft, die ausschließlich aus US-Teams besteht. Bis 2013 stand sie für die Northeastern University zwischen den Pfosten. Selbstredend setzte sie weiterhin ihren Einsatz für die schweizerische Nati fort, und dies alles andere als erfolglos:

 

 

Sie wurde Mitglied im All-Star-Team bei der WM 2012, dies hat bis heute bei den Männern noch kein Schweizer geschafft. Dank ihrer Leistungen errang die Schweiz Bronze. Ein weiterer herausragender Höhepunkt bei Olympia 2014 in Sotchi: Florence wurde diesmal nicht nur ins All-Star-Team aufgenommen, sondern gleich zum MVP gekürt. Und wieder wurde dies mit einer Bronzemedaille veredelt. Und Im darauffolgenden Jahr erreichte sie bei der WM die beste Fangquote. Nach Ihrer Zeit in den USA kehrte sie in die Schweiz zurück und hütete von 2013-2015 bei den Männern des Drittligisten EHC Bülach das Tor.

 

 

Doch erneut zog es sie ins Ausland: Sie wechselte zum schwedischen HC Linköping, bei dem ihr Vertrag diese Saison ausläuft. Bislang läuft es auch bei ihren vierten Olympischen Spielen – abgesehen vom letzten Spiel - sehr gut. Nach drei Spielen erreichte sie eine Fangquote von sehr beeindruckenden 97,5%, und auch die aktuell 93% nach der 2:6-Packung im Viertelfinale gegen Russland sind noch ein sehr guter Wert.

 

 

Auch wenn damit die Schweizer Medaillenträume begraben wurden und es gegen Korea um die Plätze 5-8 geht, werden die Schweizer Eishockeyfans nach bislang elf Weltmeisterschaften und vier olympischen Spielen sicher noch lange Freude an ihrer außergewöhnlichen 28-jährigen Torfrau haben.

 



 


eishockey-online.com hat sich nach den Olympischen Spielen mit Florence Schelling unterhalten.

 


Florence, wieder zurück aus Sükorea, wie waren diese Olympischen Spiele für Dich?

 

Florence Schelling: Es waren bereits die vierten Olympischen Spiele, an denen ich teilnehmen durfte. Das Leben im Athletendorf rund um die anderen Sportler aus verschiedenen Ländern und Disziplinen ist einzigartig. Aus sportlicher Sicht dürfen wir, denke ich, zufrieden sein, auch wenn wohl noch mehr drin gelegen wäre.

 

 

Das waren ja bereits Deine 4. Olympischen Spiele und das im zarten Alter von 28 Jahren, da geht ja noch mehr, oder?

 

Florence Schelling: Ich liebe den Eishockeysport und mehr geht immer. Jedoch ist es ein extrem Zeitaufwändiges Hobby. Deshalb muss ich immer von Jahr zu Jahr schauen wie es weitergeht und wie ich mein Hobby mit meinem Beruf verbinden kann.

 

 

Man zählt Dich seit Jahren zu den Besten Torhüterinnen der Welt, wie bewertest Du das aus Deiner Sicht? Bedeutet dies mehr Druck für Dich?

 

Florence Schelling: Es macht mich stolz, zum Kreis der weltbesten Torhüterinnen zu gehören. Ich verspüre diesbezüglich zwar einen gewissen Druck. Dieser ist jedoch positiver Art und spornt mich an, mich stetig zu verbessern und Höchstleistungen zu erbringen.

 

 

Ihr seid dieses Jahr im Viertelfinale ausgeschieden. In Sochi hast Du die Bronzemedaille gewonnen und warst der MVP und die Beste Torhüterin. Wie enttäuscht bist Du über das Ausscheiden?

 

Florence Schelling: Natürlich ist es in der Retrospektive schade, dass wir trotz fünf Siegen in sechs Spielen „nur“ Platz 5 erreichten und genau das entscheidende Spiel gegen die Russinnen verloren. Aber unser Teamspirit war grossartig und ich schaue positiv in die Zukunft.

 

 

Du hast ein Spiel in der 1. Liga und zwei Jahre lang in der 2. Liga der Herren in der Schweiz gespielt und dabei 23 Spiele gemacht. Wie war dies für Dich?

 

Florence Schelling: Korrektur. Ich habe 1 Spiel in der Nationalliga B (NLB) gespielt und zwei Jahre lang in der 1. Liga. Es klingt von aussen her vielleicht speziell, aber ich bin in dieser „Männerwelt“ unterwegs seit ich denken kann. Als ich erstmals von anderen Mädchen hörte, die ebenfalls Eishockey spielen, war ich fast überrascht. Ich fühlte mich bei den Herren jedoch jederzeit akzeptiert und gut aufgehoben.

 

 

Du bist nach dem Ausflug zu den Herren nach Schweden gewechselt, wie sind die Bedingungen in Schweden? Hast Du dort einen Profistatus?

 

Florence Schelling: Die Bedingungen hier in Schweden sind super. Obwohl ich auch hier keinen Profistatus habe, trainieren wir jeden Tag auf dem Eis sowie im Kraftraum. Zusätzlich zu den Trainings, haben wir 2-3 Spiele pro Woche.

 


Wie sieht Deine Zukunftsplanung aus? Du bist ja eine Frau, da stellt sich ja die Frage nach Familie/Kinder?

 

Florence Schelling: Allzu groß in die Zukunft kann und will ich zu diesem Zeitpunkt nicht schauen. Wir stehen mit Linköping kurz vor dem Playoff-beginn. Für die Playoffs braucht es vollen Fokus.

 

 

5 Fragen an Florence Schelling:

 

Hobbys? Eishockey
Lieblingsessen? Raclette
Männer oder Frauenhockey? Frauenhockey
Heimat? Berge
Highheels oder Turnschuhe? Beides.

 

 

Vielen Dank für das nette Interview, wir wünschen Dir alles erdenklich Gute, Gotte Segen und vor allem eine verletzungsfreie Zukunft.


 

Weitere interessante Links:

www.deutschlandcup.de - Alle Informationen über den Eishockey Deutschland Cup seit 1987.

www.eishockey-deutschland.info - Alle Eishockey Weltmeisterschaften, Olympische Spiele seit 1910 bis heute.

 


 


 

Weitere Eishockey Interviews

/modules/mod_raxo_allmode/tools/tb.php?src=%2Fimages%2Falle_clubs_spielfotos%2FMemmingen%2F2018_2019%2Fjan_benda_memm_2017.jpg&w=200&h=150&zc=1
11. Juni 2018

Interview - Eishockey Legende Jan Benda beendet Karriere mit 46 Jahren!

(Interview) (Christian Diepold) Nach über 1.630 Eishockeyspielen hört die Eishockey Legende Jan Benda im Alter von 46 Jahren mit dem aktiven… [weiterlesen]
/modules/mod_raxo_allmode/tools/tb.php?src=%2Fimages%2Falle_clubs_spielfotos%2Ffraueneishockey%2Fingolstadt%2Fanki_blaue_augen2018.jpg&w=200&h=150&zc=1
07. Juni 2018

Interview mit "Miss Blue Eyes" Ann-Kathrin Voog vom ERC Ingolstadt

(Interview) (Christian Diepold) Wenn man an blaue Augen denkt, dann kommt einen unwillkürlich der große Frank Sinatra in den Sinn, der unter anderem… [weiterlesen]
/modules/mod_raxo_allmode/tools/tb.php?src=%2Fimages%2Falle_clubs_spielfotos%2Ftoelz%2F2017_2018%2Fklaus_kathan_toelz_freib_1603201_2.JPG&w=200&h=150&zc=1
04. Juni 2018

Klaus Kathan sagt nach 1.130 Spielen Servus!

(Interview) (Christian Diepold) Klaus Kathan hat nach dem erfolgreichen Klassenerhalt in der DEL2 der Tölzer Löwen sein Karriereende bekannt gegeben.… [weiterlesen]
/modules/mod_raxo_allmode/tools/tb.php?src=%2Fimages%2Falle_clubs_spielfotos%2Fcrimmitschau%2F2017_2018%2Fmarc_hindelang2017_kl.jpg&w=200&h=150&zc=1
21. Mai 2018

Interview mit Marc Hindelang: "Der Begriff Wettbewerbsverzerrung stört mich extrem!"

(Interview) (Mathias Funk) Marc Hindelang zählt zu den bekanntesten Sportgesichtern in Deutschland. Der 51- Jährige gebürtige Lindauer ist nicht nur… [weiterlesen]

 

<img src="https://ssl-vg03.met.vgwort.de/na/f87d3f947aca4f58b68ccf508b506655" width="1" height="1" alt="

Tabellen

Eho Austria

Dcup

Eishockeybilder

Onlineshop

Transfers

 

 

Tipico Livewetten

 

Eol Shop 300 254

Gäste online

Aktuell sind 905 Gäste online

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen