Interview mit Philip Grubauer

Mit fast zarten 16 Jahren hat sich Philipp Grubauer aufgemacht, um in den USA sein Hobby zum Beruf zu machen. Das ist ihm in den vier Jahren bisher eindrucksvoll gelungen.

 

2010 gewann er zusammen mit Taylor Hall und seinem Team, den Windsor Spitfires, den Memorial-Cup – der höchsten Auszeichnung in Kanada für Juniorenteams. Vor wenigen Wochen debütierte Grubauer in der American Hockey League (AHL) und hat Ambitionen, schon bald NHL-Luft zu schnappen.

 

 

 

 

 

 

 




Unser Partner von hockey-news.info hat mit Philipp Grubauer telefoniert und dieses Interview zur Verfügung gestellt.

 

 


Du „gehörst“ der Organisation der Washington Capitals an. Das AHL- (Hershey Bears) und auch ECHL-Team (Reading Royals) sind unweit von Washington angesiedelt. Wie wichtig ist es, dass alle möglichen Clubs für die man spielen muss, nah beieinander sind oder ist das eher nebensächlich?

Das ist ein sehr großer Vorteil. Im letzten Jahr spielte ich in South Carolina. Das waren 2,5 Stunden mit dem Flugzeug und zehn Stunden mit dem Auto - das ist ätzend. Wenn es jetzt heißt, fahr nach Hershey, fahr nach Washington...das ist alles in 40/50 Minuten zu schaffen. Das ist wesentlich entspannter in diesem Jahr.


Bei Deinem ersten Einsatz in der AHL (derzeit die beste US-Liga) waren mehr als 10.000 Zuschauer im Stadion. Wie nervös warst Du vor dem Spiel, das von knapp 10.000 Zuschauern besucht wurde?

Oh ja. Wenn ein Spieler vor einem Spiel nicht nervös ist, der sagt nicht die Wahrheit. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich endlich in der AHL spielen durfte. Letztes Jahr war ich einige Male Back-up, kam aber nicht zum Einsatz. Ich habe das ganze Jahr auf einen Einsatz gewartet und gehofft. Und ja, ich war absolut nervös. Aber als der erste Puck aufs Eis knallte, war das sofort vorbei. Ich war höchst konzentriert und habe meine Arbeit im Vordergrund gesehen.


Das Spiel wurde in der Overtime knapp verloren, sieben Sekunden vor dem Penaltyschießen. Da ärgert man sich doch fast kaputt drüber, oder?

Natürlich. Es waren sogar nur sechs Sekunden. Erst wurde das Tor nicht gegeben, dann per Videobeweis doch. Das war richtig ärgerlich, es war ein dummes Tor und leider haben wir dann 1:2 verloren.


Derzeit verhandeln die NHL und NHLPA wieder. Man spricht davon, dass der Lockout schnell vorbei sein könnte. Was bedeutet das für Dich sportlich in der laufenden Saison?

Ich hoffe, dass es endlich losgeht. Ich werde dann in Hershey sein. Jetzt ist ja Holtby von den Capitals runtergekommen, dann muss ich auch nach Reading ausweichen. Wenn wieder der normale Spielbetrieb läuft, bin ich wie gesagt in der AHL. Aber ich werde mit etwas Glück auch ab und an beim NHL-Team dabei sein und wer weiß, vielleicht auch ein paar Minuten Eiszeit bekommen.


Olaf Kölzig arbeitet für die Capitals als Torwarttrainer. Hast Du mit ihm schon mal zusammen arbeiten dürfen? Ist er von der Qualität ein guter Trainer?

Mit Olaf Kölzig durfte ich bereits im letzten Jahr zusammen arbeiten. Auch heuer pendelt er immer zwischen Hershey, Reading und Washington. Ja, er ist ein wahnsinnig gutr, ein besonderer Coach. Wer so lange und erfolgreich in der NHL gespielt hat, kann unheimlich viel vermitteln. Es ist von großem Vorteil, dass ein Coach mit auf dem Eis steht, die Aktionen werden sofort korrigiert. Man lernt schnell. Er hat zusammen mit Dave, seinem Coach-Partner, meinen Spielstil entscheidend verändert.


Stichwort Nationalkeeper – Hast Du diesen Posten in Deiner Zielsetzung?

Ja klar. Ich habe alle U-Nationaljahrgänge gespielt. Dann will man auch bei den Senioren dort spielen. Aber man ist hier auch nicht spontan verfügbar. Man muss erst aus den Play-Offs ausscheiden, um dabei sein zu können. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn bald ein Anruf kommt und ich für Deutschland spielen darf.


Du hast noch bis 2014 einen Vertrag in Washington. Siehst Du aufgrund Deiner Leistung reelle Chancen auf eine Nominierung bei den Caps oder müsste da das Verletzungspech der Konkurrenten kräftig nachhelfen?

Ich habe sogar einen Vertrag bis 2015, der wurde um ein Jahr verlängert. Ich habe natürlich drei starke Keeper vor mir. Es muss schon gut für mich laufen, um noch in dieser Saison in der NHL spielen zu können. Aber in wenigen Jahren will ich in die NHL - durch Leistung. Es läuft ja ganz einfach. Man muss seinen Job gut machen, viele Spiele gewinnen, dann steht man im Fokus. Nicht jetzt, aber in wenigen Jahren ist die Chance gegeben.


Mit Timo Pielmeier hat ein deutscher Goalie den Schritt zurück vollzogen. Über Landshut möchte er den Sprung in die DEL schaffen. Wäre das auch eine Möglichkeit für Dich?

In erster Linie will ich natürlich hier Erfolg haben und auch hier bleiben. Aber wenn es hier nicht weiter gehen sollte, gibt es natürlich viele Optionen in Europa - in Schweden, Schweiz und natürlich in Deutschland. Wenn es zurück geht, wäre auch Deutschland die erste Wahl.


Du warst 18 als Du rüber gegangen bist in die USA?

Ich war noch 16, fast 17. Das war schon komisch anfangs. Ein neues, fremdes Land. Gewohnt habe ich bei einer Gastfamilie. Aber wir sind dann schnell in einen Spielrythmus gekommen, da war wenig Zeit nachzudenken. Zudem hatte ich unheimlich gute Teamkollegen, das hat alles einfacher gemacht. Die anfängliche Unsicherheit war da ganz schnell weg.


Wie eng ist der Kontakt zur Heimat, wenn man fast 8000 Kilometer weit weg ist - Zeit für Besuche sind da eher begrenzt!?

Im Sommer fliege ich dann für drei Wochen nach Deutschland. Und auch so habe ich dann ständigen Kontakt nach Hause.


Wie bist Du zur Position des Goalies gekommen?

Meine Mutter hat mich früher in Rosenheim mit zu DEL-Spielen genommen....als Rosenheim da noch gespielt hat. Das war alles sehr interessant. Die meisten haben früher Fußball gespielt, ich wollte was anderes machen. Dann bin ich zum Training in Rosenheim gegangen und mein Trainer hat mich nicht ins Tor gestellt. Als dann ein neuer Trainer kam, habe ich die Chance genutzt, es ausprobiert und ich war fasziniert. So bin ich dann zum Goalie geworden.


Wann hast Du für Dich realisiert, dass die Sportart nicht nur geil ist, sondern Dich später wird ernähren können?

Also man spielt in erster Linie des Spiels wegen. Ich hatte nie Geld im Kopf. Aber recht früh wird einem dann bewusst, wenn man etwas erreichen möchte, dann muss man sich zu 100% auf den Sport konzentrieren. Will man gut und besser sein als andere, bleibt für eine Ausbildung nebenher wenig Zeit. Und wenn man seinen Hobby zum Beruf machen will, muss man immer alles geben und den Kopf frei haben.

 

 


 


Das ist Philipp Grubauer :

Torhüter, Fanghand: links, Größe 179 cm, Gewicht 73 KG

geb.: 25.11.1991 in Rosenheim, Bayern/Deutschland, Nation: Deutschland



(NHL-Draft 2010:Washington Capitals, 4.Wahl, Nr.112, In NHL Entry Draft)

(CHL-Draft 2008: Belleville Bulls, 1.Wahl, Nr.25, In CHL Import Draft)

(OHL-Import Draft 2008 Plymouth Whalers, 1.Wahl, Nt.25 in OHL Import Draft)


 

Saison Verein Liga GP MIP A GA Avg SVS SVS% SO GP MIP GA Avg SVS SVS% SO
2004/05 StarBulls Rosenheim Schüler SchBL 26 1206 2 62 3.08 --- --- 1 --- --- --- --- -- --- ---
2005/06
StarBulls Rosenheim Schüler SchBL 21 1210 0 69 3.42 --- --- 0 --- --- --- --- --- --- ---
2006/07 StarBulls Rosenheim Junioren USBL 14
773
0
47
3.65
---
--- 0 3 180 4 1.33 --- --- 0
2007/08 StarBulls Rosenheim OL 5 306 0 14 2.74 --- --- 1 7 420 12 1.71 --- --- 1

StarBulls Rosenheim Junioren USBL 33 1289 0 71 3.30 --- --- 0 3 181 8 2.65 --- --- 0
2008/09 Belleville Bulls OHL 18 947 0 62 3.93 493 88.80 0 1 56 4 4.30 41 90.24 0
2009/10 Belleville Bulls OHL 31 1717 2 90 3.14 950 91.30 0 --- --- --- --- --- --- ---

Windsor Spitfires OHL 19 1011 1 40 2.37 386 90.60 2 15 915 41 2.69 421 90.26 0
2010/11 Kingston Frantenacs OHL 38 2239 1 135 3.62 1259 90.30 2 --- --- --- --- --- --- ---
2011/12 South Carolina Stingrays ECHL 43 2536 1 94 2.22 1057 91.80 1 0 0 0 0.00 0 00.00 0
2012/13 Hershey Bears AHL















Reading Royals ECHL

















Mit freundlicher Genehmigung von hockey-news.info

 


 

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