DEB - Marco Sturm im Gespräch über Olympia, DEL, Leon Draisaitl und seinen Umzug

 

(Interview) (Stefan Herget) NHL.com/de hat sich mit dem Bundestrainer der deutschen Eishockey Nationalmannschaft Marco Sturm über die bevorstehenden olympischen Spiele 2017, die Deutsche Eishockey Liga (DEL) und seinen Umzug nach Deutschland. 

Marco Sturm2016

(Foto: eishockey-online.com/Archiv)

 



Marco Sturm hat sich nicht nur als Spieler in der NHL und DEL einen guten Namen gemacht, seit zwei Jahren ist er Manager und Trainer der deutschen Nationalmannschaft und konnte in dieser Tätigkeit erste Erfolge feiern. So ist dem 38-jährigen Niederbayer gelungen, die schwierige Olympia-Qualifikation für 2018 zu schaffen und bei den Weltmeisterschaften 2016 und 2017 führte er die deutsche Mannschaft jeweils ins Viertelfinale, was zuvor keine Selbstverständlichkeit war.

 

 

Trotzdem will sich der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) damit zukünftig noch nicht zufrieden geben und strebt höhere Ziele an. Im Projekt POWERPLAY26 wurde das Ziel formuliert bis ins Jahr 2026 bei internationalen Turnieren wieder um Medaillen mitspielen zu wollen. Doch bis dahin liegt noch viel Arbeit vor dem deutschen Eishockey, wie Sturm im exklusiven Interview mit NHL.com/de durchaus einräumt. Dieses und weitere interessante Themen, wie sein auslaufender Vertrag, wurden im Rahmen eines ausführlichen Gespräches von Sturm mit unserem Chefautor Stefan Herget in seiner neuen Heimatstadt Landshut angeschnitten.

 

 

Was macht der Eishockey-Bundestrainer so im Sommer außer umzuziehen?

 

Marco Sturm: (lacht) „Ja gestern kam endlich der Container an, also bin ich noch fleißig dabei. Ansonsten bin ich sehr viel unterwegs, denn die Saison beginnt generell im Juli. Es laufen schon sehr viele Nachwuchsmaßnahmen. Dann hatten wir unser Olympia-Camp der Nationalspieler in Heidelberg mit einem Fitnesstest. Ich besuche sehr viele Mannschaften, bin bei einem Turnier der U18 in Mannheim dabei. Von daher gibt es auch im Sommer für den Bundestrainer genügend Arbeit.“

 

 

Wir haben Deinen Umzug von Florida nach Deutschland schon angesprochen. Gab es dafür berufliche Gründe?

 

Marco Sturm: „Ein wichtiger Grund war Olympia im Februar nächstes Jahr. Das bedeutet, dass ich sehr viel in Deutschland unterwegs sein muss, weil ich ansonsten nur den Deutschland-Cup als Test für die Nationalmannschaft haben werde. Von daher kam die Familie auf mich zu und hat gefragt, ob nicht ein Umzug nach Deutschland möglich wäre. Die Gelegenheit für diesen Schritt war gerade günstig und wir freuen uns auf diese Erfahrung, die gerade für meine zwei Kinder (Anm.: Sohn Mason Joseph (13 Jahre) und Tochter Kaydie (11)) sehr spannend wird. Sie freuen sich darüber und das ist das Wichtigste.“

 

 

Warum nach Landshut?

 

Marco Sturm: „Es war für uns immer klar, wenn der Weg zurück nach Deutschland geht, dann nach Landshut. Meine Frau ist von hier und ich bin hier schon fast 25 Jahre heimisch. Nahezu jeden Sommer haben wir hier verbracht und hier fühlen wir uns wohl. In eine Großstadt wie München zu ziehen, hätte uns nicht gefallen.“

 

 

Wie sicher kann dadurch davon ausgegangen werden, dass Du Deinen bis 2018 laufenden Vertrag verlängern wirst?

 

Marco Sturm: „Die Frage habe ich schon öfter gehört. (lacht) Dabei hatte ich erst ein kurzes Gespräch mit Franz Reindl darüber, aber es ist überhaupt nicht wichtig, weil der Vertrag noch ein Jahr läuft. Ich will die kommende Saison erst einmal richtig genießen. Es stehen einige wichtige Termine und Herausforderungen an, dazu gehört auch die Präsidentenwahl von Franz im Februar. Dann wird sich zeigen, wie es überhaupt im DEB weitergehen wird.“

 

 

Wird der Kontakt zu den NHL-Spielern dadurch nun schlechter, weil der war in Florida definitiv besser?

 

Marco Sturm: „Der war natürlich besser. Es gibt immer Vor- und Nachteile. Aber mein Kontakt zu ihnen ist sowieso gut. Das wird sich nicht ändern. Ich will ohnehin ein- bis zweimal nach Nordamerika reisen und ein paar Spiele anschauen.“

 

 

 

Wie fällt Dein persönliches Fazit von der abgelaufenen Saison aus?

 

Marco Sturm: „Es war ein wichtiges Jahr für uns, angefangen mit der Olympia-Qualifikation bis zur Weltmeisterschaft im eigenen Land. Keiner wusste, wo die Reise hingeht und die Jungs haben es toll gemeistert. So haben wir bei der Quali das beste Eishockey gespielt, seitdem ich im Amt bin und das war auch nötig, um zu bestehen. Bei der Heim-WM haben wir erneut das Viertelfinale erreicht und uns gegen Kanada teuer verkauft. Also fällt der Rückblick sehr positiv aus.“

 

 

Wie kann sich Eishockey im klassischen Fußballland Deutschland besser positionieren?

 

Marco Sturm: „Das ist schwierig. Es sind kleine Schritte, die wir meistern müssen. In Deutschland ist es für alle Sportarten hinter Fußball nicht einfach. Aber eine gute Liga und eine gute Nationalmannschaft sind wichtig für die Präsenz in den Medien. Die Zusammenarbeit zwischen den Ligen und dem Verband muss besser werden. Das ist nicht immer der Fall und hemmt die Entwicklung etwas.“

 

 

Inwiefern kann das deutsche Eishockey vom Draisaitl-Effekt profitieren?

 

Marco Sturm: „Der Leon Draisaitl ist weit weg, aber er hat eben seine Entwicklung in der Nachwuchsarbeit in Deutschland gemacht. Das muss natürlich positiv herausgearbeitet werden. Wir sind alle stolz, dass er es so weit geschafft hat. Er sollte Ansporn sein an unsere Jugend, speziell auch hier in Landshut, wo Tobias Rieder und Tom Kühnhackl im Sommer trainieren. Ich finde es gut, dass sie der Jugend ein Vorbild sind und das kann nur positiv und hoffentlich auch motivierend sein.“

 

 

Wie schafft es der DEB Draisaitl als Aushängeschild zu nutzen, ihn aber auf der anderen Seite nicht in seinen jungen Jahren zu überfordern?

 

Marco Sturm: „Es ist ja nicht so, dass er regelmäßig für den DEB im Mittelpunkt steht. Wenn er bei uns ist, dann ist es meine Aufgabe, das zu steuern. Ich denke, wer in der NHL spielt, der kennt den Druck, der damit verbunden ist. Wer mit den Erwartungen nicht umgehen kann, der wird scheitern. Und Leon hat ja auch ein Jahr gebraucht, wo er noch einmal in die Juniorenliga musste. Aber ich denke, er hat es mittlerweile gesehen, gelernt und verstanden, wie mit solchen Situationen umzugehen ist.“

 

 

 

Die DEL ist ein wichtiger Punkt. Inwieweit muss die Liga das deutsche Eishockey mehr fördern?

 

Marco Sturm: „Es ist glaube ich kein Geheimnis, wenn ich sage, dass wir die Förderlizenzspieler mehr einsetzen müssen. Wir brauchen weniger Ausländer oder Spieler, die zu schnell eingedeutscht werden. Das sind Bereiche, wo wir weiterkommen und keine Rolle rückwärts machen müssen. Doch das geht auch nicht von heute auf morgen. Zunächst müssen wir als Verband unsere Hausaufgaben machen, insbesondere in der Nachwuchsförderung und dann muss die Liga mehr mitziehen, damit wir in Zukunft ein tolles deutsches Eishockey haben werden.“

 

 

Kommen wir noch zum Thema Olympia. Die NHL-Spieler werden wohl nicht zur Verfügung stehen. Erhöht das nicht die Chancen für Deutschland für mehr Furore zu sorgen?

 

Marco Sturm: „Schwierig, aber eher nein, weil die Schweden und Finnen immer noch besser sein werden als wir. Das muss neidlos anerkannt werden. Norwegen und natürlich die Schweiz werden ebenfalls gut aufgestellt sein. Nach Olympia werden wir schlauer sein. Wir sind dabei und wollen uns wieder genauso gut, wie in den letzten Turnieren präsentieren und weiter steigern. Wenn wir das schaffen, dann werden das Ergebnis und der Erfolg gut sein. Wir werden uns nicht verstecken, in jedem Spiel Vollgas und alles geben und wollen jedes Spiel gewinnen.“

 

 

 

Was ist Dein Ziel für Olympia?

 

Marco Sturm: „Wie schon erwähnt ist es wichtig, dass wir überzeugen und uns teuer verkaufen. Wir müssen darauf aufbauen, wie wir uns in den letzten Jahren präsentiert haben. Die fehlenden NHL-Spieler bedeuten eine Chance für andere Spieler entsprechend eingesetzt zu werden. Hoffentlich bleiben wir von Verletzungen verschont, so dass wir mit dem besten deutschen Kader, mit einem guten Gefühl auftreten und ein gutes Ergebnis erreichen können.“

 

Quelle: NHL.com/de

 


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Weitere interessante Links:

www.deutschlandcup.de - Alle Informationen über den Eishockey Deutschland Cup seit 1987.

www.eishockey-deutschland.info - Alle Eishockey Weltmeisterschaften, Olympische Spiele seit 1910 bis heute.

 


 


 

 

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