Interview mit Ex-Nationalspielerin Monika Bittner (225 Länderspiele)

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(Interview) (Tim Harrow) Mit dem Gewinn ihres 7. Deutschen Meistertitel hat Monika Bittner nach 14 Jahren (Frauen Bundesliga) Ihren Abschied vom aktiven Eishockeysport bekanntgegeben. eishockey-online.com Mitarbeiter Tim Harrow hat Monika Bittner zum Interview gebeten.

 

 

Erfolge von Monika Bittner:

7x Deutscher Meister
1x EWHL Sieger
2x EWHL Super Cup Sieger
2x DEB Pokalsieger

223 Bundesligaspiele (120 Tore/162 Assists)

8x Weltmeisterschaften

1x Olympische Spiele (2014 Sochi)

 

 

 

Wie bist Du zum Eishockey gekommen?

 

Monika Bittner: Ich habe zwei ältere Brüder, die damals schon gespielt haben. Denen wollte ich dann nacheifern, weshalb ich im Alter von 4 Jahren mit dem Eishockey begonnen habe.

 

 

 

Wie ist das deutsche Fraueneishockey auf internationaler Ebene aufgestellt? Wie sind die Trainings- und Wettkampfbedingungen im Vergleich zu anderen Nationen?

 

Monika Bittner: Durch die Unterstützung der Bundeswehr können aktuell 8 der 23 Nationalspielerinnen Eishockey professionell ausüben. Soweit ich weiß, gibt es in anderen Nationen nichts vergleichbares, weshalb wir hier ganz gut aufgestellt sind. Die Trainingsbedingungen hängen natürlich vom jeweiligen Verein ab, trotzdem würde ich sagen, dass wir sehr gute Trainingsmöglichkeiten in Deutschland haben. Die vergangene Saison hat gezeigt, dass die Top 3 Mannschaften in Deutschland mittlerweile sehr eng beieinander liegen, die Wettkampfbedingungen und das Niveau also besser/ausgeglichener werden. Wie es hier bei den anderen Nationen aussieht, kann ich leider nicht beurteilen.

 

 

 

Aktuell laufen bei den Jungs noch die Playoffs, und die Heim-WM in Köln steht vor der Tür. Interessierst Du Dich auch dafür was die so machen? Gibt es Lieblingsspieler und Vereine, denen Du besonders die Daumen drückst?

 

Monika Bittner: Ja, ich verfolge die Spiele der DEL bzw. aktuell die Playoffs. Auch die WM werde ich mit Interesse im Fernsehen anschauen, bzw. das Spiel gegen Schweden sogar live. Einen Lieblingsverein oder Spieler habe ich nicht. Wobei ich bei den bekannten Gesichtern aus dem Peißenberger Nachwuchs wie Dominik Bittner Thomas Oppenheimer und Marco Pfleger natürlich genauer hinschaue J.

 

 

 

Du warst bei sechs der sieben Planegger Meistertitel dabei. Welche bleiben Dir besonders in Erinnerung und warum?

 

Monika Bittner: Jeder Meistertitel hat seine ganz eigene Geschichte. Der erste Titelgewinn war für mich natürlich etwas ganz besonderes. Oder die Saison, in der wir vor Weihnachten schon mit dem Rücken zur Wand standen und kein Spiel mehr verlieren durften. Viele hatten uns damals bereits abgeschrieben, doch wir haben uns den Titel trotzdem geholt.

 

 



 

Wie war es mit dem aktuellen Meistertitel, als Du schon wusstest, dass es Dein letzter sein würde?

 

Monika Bittner: In Anbetracht der Schwierigkeiten die wir diese Saison hatten, mit verletzten Spielerinnen, Trainerwechsel etc. war diese Meisterschaft wirklich ein Highlight. Das ist auch das Besondere am ESC Planegg – das egal was passiert das Team und die Verantwortlichen um Präsident Klaus Wüst und Teammanager Lucas Häring eine Lösung finden, um am Ende erfolgreich zu sein.

 

 

 

Um oben in der Bundesliga und auch international mitspielen zu können muss man entsprechend häufig und intensiv trainieren. Hinzu kommen viele verplante Tage mit Reisen quer durch die Republik oder sogar um den Globus. Wie hast Du es all die ganzen Jahre geschafft? Wie sah zum Beispiel im Olympiajahr 2014 eine typische Woche für Dich aus? Du warst damals Sportsoldatin bei der Bundeswehr und hast noch „ganz nebenbei“ den Bachelor im „International Management“ erfolgreich abgeschlossen.

 

Monika Bittner: Ich bin ein sehr ehrgeiziger und zielstrebiger Mensch und wollte meine Ziele und Träume immer verwirklichen. Das ist richtig. 2014 war ich noch bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr und konnte mich somit bestmöglich auf die Olympischen Spiele in Sochi vorbereiten. Ich habe damals nach meinem Trainingsplan trainiert. Eine typische Woche sah z.B. so aus.

 

Montagvormittag: Krafttraining / Abend: Eistraining

Dienstagvormittag: Eistraining / Abend: Ausdauereinheit extensiv

Mittwochvormittag: Stabilisationsübungen Rumpf / Abend: Eistraining

Donnerstagvormittag: Krafttraining / Abend Ausdauereinheit regenerativ

Freitagvormittag: Sprint- und Sprungtraining

Samstag : Spiel

Sonntag: Spiel

 

Mein Studium habe ich in diesem Jahr natürlich hinten angestellt. Den Abschluss habe ich dann nach Olympia gemacht. Trotzdem habe ich auch im olympischen Jahr ein paar Verpflichtungen erfüllen müssen. Die aber mit dem richtigen Zeitmanagement allesamt machbar waren.

 

 

 

Was war für Dich der schönste und was der bitterste Moment Deiner Karriere?

 

Monika Bittner: Ich könnte jetzt nicht von dem schönsten und dem bittersten Moment sprechen. Die erfolgreiche Qualifikation für Sochi in Weiden löst bei mir nach wie vor Gänsehaut aus. Aber auch die Olympischen Spiele selbst waren definitiv ein sehr schönes Erlebnis. Aber auch an die beiden Aufstiege zurück in die Top Division erinnere ich mich sehr gerne zurück. Wo hingegen die beiden Abstiege und die verpasste Quali für Vancouver natürlich sehr schmerzlich waren.

 

 

 

Du bist jetzt 29 Jahre alt, für einen Eishockeyspieler eigentlich im allerbesten Alter. Immer noch richtig fit und dazu viel Erfahrung. Wolltest Du aufhören oder musstest Du?

 

Monika Bittner: Ich wollte aufhören.

 

 

 

Dein Abschied erfolgte schrittweise. Erst bei der Nationalmannschaft und nun beim ESC Planegg. Hattest Du das von vornherein so geplant?

 

Monika Bittner: Nein, als ich letztes Jahr meinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gegeben habe, hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht, wie lange ich noch beim ESC Planegg spielen würde. Es hat sich diese Saison dann einfach so entwickelt. Ich habe gemerkt, dass mein Ehrgeiz und meine Motivation nachlassen und dann für mich die logische Schlussfolgerung gezogen.

 

 

 

Kannst Du Schläger und Ausrüstung jetzt komplett zur Seite legen oder wirst Du einfach so zum Spaß hin und wieder nochmal auf dem Eis stehen?

 

Monika Bittner: Momentan liegt die Ausrüstung noch im Keller und wartet darauf gewaschen zu werden. J Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Nur so viel steht fest – es wird kein Comeback geben und ich werde auch nicht bei einem anderen Verein spielen.

 

 

 

Wie geht es jetzt beruflich für Dich weiter?

 

Monika Bittner: Mein Karriereende hat an meiner beruflichen Situation nichts geändert. Ich arbeite jetzt einfach weiter als Projektverantwortliche einer Dialogmarketingagentur – nur mit dem Unterschied, dass ich mich ab jetzt nicht mehr ins Training hetzen muss!

 

 

 

Ein Blick in die Zukunft: Du bist vierzig Jahre alt. Was wünschst Du Dir für Dich persönlich und für das Fraueneishockey?

 

Monika Bittner: Ich wünsche mir Gesundheit und Zufriedenheit. Dem Fraueneishockey wünsche ich eine kontinuierliche Weiterentwicklung und eine größere Aufmerksamkeit bzw. Anerkennung.

 

 

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

 

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