Interview mit Bundestrainer Marco Sturm

marco sturm2016

 

(Interview) Alexander Dürrbeck (Arena Nürnberger Versicherung) Zur Vorbereitung auf die bevorstehende 2017 IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft in Köln/Paris (5.–21.05.2017) trifft das Team von Bundestrainer Marco Sturm am Samstag, 22.04.2017 um 16:00 Uhr in der Arena Nürnberger Versicherung auf Tschechien.

 


Im Vorfeld der Partie, für die bereits über 4.000 Tickets verkauft sind, haben wir uns mit Marco Sturm unter anderem über die laufenden Playoffs, den Standort Nürnberg sowie die Spieler der Thomas Sabo Ice Tigers im Nationaldress unterhalten.

 

 


Marco Sturm, wie intensiv verfolgt der Bundestrainer die Playoffs in der DEL?


Marco Sturm: Sehr intensiv. Durch die heutigen technischen Möglichkeiten kann ich mir alle Spiele anschauen. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten mehr Spiele geschaut, als jemals zuvor. Schließlich beobachte ich auch hier in Übersee unsere deutschen NHL-Spieler, wenn sie vor Ort sind. Da kommt eine Menge Eishockey zusammen.

 

 


Wie fällt ihr bisheriges Fazit aus?


Marco Sturm: Man merkt, dass die Teams alle eine Schippe drauf legen und die Partien schneller und emotionaler geführt werden. Auch die prächtige Stimmung in den Arenen kommt selbst vor dem Fernseher super rüber. Playoffs sind für Spieler und Fans das Salz in der Suppe. Darauf freut man sich das ganze Jahr. Genau dieses Feuer kommt auch rüber. Das gefällt mir sehr. Die Serien sind allesamt interessant.

 

 


Die Nationalspieler bzw. die WM-Kandidaten dürften Sie dabei besonders im Blick haben, oder?


Marco Sturm: Natürlich, aber nicht erst seit den Playoffs. Das ist ein langwieriger Prozess. Ich sehe, wie gesagt, sehr viele Spiele, sammle Informationen und tausche mich darüber hinaus auch mit den Trainern oder Sportlichen Leitern aus. So bin ich immer auf dem neuesten Stand.

 

 


Was ist mit den Spielern, die nicht mehr im Spielbetrieb sind?


Marco Sturm: Alle Akteure, die für die Vorbereitung in Frage kommen, sind bereits informiert, dass sie sich individuell fit halten sollen. Ich weiß, dass viele von ihnen trotz des Ausscheidens nach wie vor auf dem Eis trainieren. Anders geht es auch nicht. Man kann nicht rund sechs Wochen Pause machen und dann einfach so wieder einsteigen. Dann hängt man hinterher und ist nicht auf dem Stand derjenigen, die aus den Playoffs kommen. Fitness ist die Basis.

 

 


Einige Kandidaten für die Heim-WM 2017 dürften Sie schon im Blick haben. Können Sie schon Namen nennen?


Marco Sturm: Nein, das wäre zu früh. Richtig ist, dass ich genaue Vorstellungen habe, wie wir auftreten wollen bzw. was die Spielidee ist. Ich beurteile individuelle Leistungen auch nicht unbedingt nach Scorerpunkten oder Toren. Es geht darum, dass die einzelnen Akteure ins Schema der Nationalmannschaft passen müssen. Dazu ist es notwendig, dass ich sie in den verschiedenen Rollen, die sie bei ihrem Club ausfüllen, bewerten kann.

 



 

Bevor es mit der WM am 5. Mai und dem ersten Spiel gegen die USA losgeht, steht eine rund fünfwöchige Vorbereitung auf dem Programm. Auch Nürnberg ist ein Austragungsort. Wie wichtig sind die Spiele in der Euro Hockey Challenge für das Team?


Marco Sturm: Diese Spiele brauchen wir dringend, um uns an das System zu gewöhnen. Jede einzelne Einheit auf dem Eis inklusive der Spiele sind von enormer Bedeutung. Wir haben nicht viel Zeit und brauchen so viel Praxis wie möglich. Dabei darf man die Jungs aber auch nicht überfordern. Natürlich wollen wir alle Spiele gewinnen, aber es geht uns in erster Linie darum, die bestmöglichste Leistung aufs Eis zu bringen – unabhängig von den Ergebnissen. Die diesjährige Vorbereitung bietet den perfekten Mix. Wir freuen uns natürlich sehr auf das Duell gegen Tschechien in Nürnberg und Mannheim.

 

 


Wie kann man den Gegner charakterisieren?


Marco Sturm: Es ist kein Geheimnis, dass tschechische Mannschaften seit vielen Jahren über hochklassige Techniker und Schlittschuhläufer verfügen. Das tschechische Eishockey hat in letzter Zeit einige Talente hervorgebracht. Die Tschechen sind in den letzten fünf Jahren viermal im Halbfinale einer WM gewesen, haben 2010 bei uns in Köln den WM-Titel gefeiert. Das sagt einiges über ihr Leistungsvermögen aus. Sie gehören auch sicher in diesem Jahr wieder zum Favoritenkreis.

 

 


Wie bewerten Sie den Standort Nürnberg?


Marco Sturm: Ich war ja selber schon in der Arena Nürnberger Versicherung und die Stimmung ist fantastisch. Der Funke schwappt von den Rängen aufs Eis über. Man merkt es ja auch bei den DEL-Spielen. Da ist richtig was los. Das Nürnberger Publikum ist sehr begeisterungsfähig. Eishockey wird bei den Franken gelebt. Genau das kann der Mannschaft den nötigen Push verleihen. Das ist auch ein Grund, warum wir uns für Nürnberg als Standort der Vorbereitung entschieden haben. Im Verbund mit Mannheim ist das optimal.

 

 

 

Sie hatten eingangs gesagt, dass es zu früh ist, schon jetzt Namen zu nennen, aber auf welche Nürnberger Spieler dürfen sich die Fans freuen?


Marco Sturm: Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass Jungs wie Patrick Reimer oder Yasin Ehliz natürlich gute Karten besitzen. Sie haben eine starke Hauptrunde gespielt. Aber auch weitere Spieler des aktuellen Kaders sind durchaus interessant. Leo Pföderl wäre sicher ein Kandidat für die Vorbereitung gewesen. Leider hat er sich verletzt und steht nun nicht mehr zur Verfügung. Das sind leider Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Von daher ist es schwer, schon jetzt Namen zu nennen. Man muss einfach sehen, wie fit sie noch sind oder ob sie eine Verletzung mit sich herumschleppen. Das gilt ganz allgemein.

 

 


Wann werden Sie den Kader für die Vorbereitung nominieren?


Marco Sturm: Recht schnell nach dem Ende der Viertelfinal-Spiele. Am 3. April startet Phase I der Vorbereitung und es geht für eine Woche nach Norwegen, wo zwei Spiele auf dem Programm stehen. Danach muss man sehen, wie schnell die Halbfinals vorüber sind bzw. welche Spieler noch eine Pause brauchen, bevor sie zur Nationalmannschaft kommen.

 

 


Was wünschen Sie sich für die Heim-WM in Köln? Gibt es eine Zielsetzung?


Marco Sturm: Die Zielsetzung ist, dass wir von Spiel zu Spiel denken und jedes Match wie ein Endspiel angehen. So sind wir auch die letzten Turniere angegangen und damit gut gefahren. Es bringt nichts, jetzt schon vollmundig eine Zielsetzung zu formulieren. Fakt ist, dass wir nach wie vor eine Nation sind, die in der Entwicklung steckt. Wir haben eine schwere Gruppe vor der Brust. Da muss alles stimmen, um erfolgreich zu sein. Viel wird von der Tagesform abhängig sein. Ich wünsche mir vor allen Dingen, dass die Jungs von Verletzungen verschont bleiben und ihre bestmöglichste Leistung in den Playoffs und dann in der Nationalmannschaft abrufen können. Wir wollen den Fans ehrliches und leidenschaftliches Eishockey bieten. Was dabei herauskommt, muss man dann sehen. Das ist mein Wunsch.



(Foto & Interview von Oliver Dürrbeck/ARENA Nürnberg Betriebs GmbH)

 


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