Interview mit Wolfgang Brück, einem der geschäftsführenden Gesellschafter der Iserlohn Roosters

wolfgang brueck 19022017

 

(Interview) (Ivo Jaschick) Wolfgang Brück, einer der <geschäftsführenden Gesellschafter> der Iserlohn Roosters, ist seit Juni 2000 Chef der Kampfhähne. Er hat schon viele gute und schlechte Zeiten am Seilersee mitgemacht. Auf die letzte, hervorragende Spielzeit – 3. Rang in der Abschlusstabelle – folgte in diesem Jahr eine sehr durchwachsene.

 

 

Nachdem einige Korrekturen im Team vorgenommen wurden war, lief es mit einer dezimierten Mannschaft erheblich besser und die Iserlohner Fans strömten in die Eishalle, in der wieder Eishockey mit Herz geboten wurde. Nach dem letzten, wieder begeisternden Heimspiel der Roosters, 5:2 Sieg gegen den EHC Red Bull München, stand der Chef Ivo Jaschick von eishockey-online.com zu einem Resümee zur Verfügung, obwohl, wie er immer wieder betonte: „… noch eine theoretische Chance besteht!“, an die aber wohl nur noch der größte Optimist glaubt:

 

 


Herr Brück, könnten Sie als geschäftsführender Gesellschafter ein kurzes Fazit über die jetzt ablaufende Saison ziehen?


Wolfgang Brück: Wie Sie bereits sagten, die Saison ist ja noch nicht ganz vorbei! Aber egal wie sie ausgeht, ob wir die Pre-Playoffs schaffen oder nicht, war es eine Spielzeit mit Höhen und Tiefen! Betrachten wir ganz nüchtern unser Saisonziel, müssen wir sagen, dass wir es nicht erreicht haben!

 

Wir wollten auf jeden Fall unter die ersten Zehn kommen, deswegen sind wir auch sicherlich ganz schön enttäuscht! Hier gibt es als Erklärung Dinge, die wir beeinflussen können und welche die wir nicht steuern können. Wir hatten sehr viele Spieler, die schon zu Saisonbeginn operiert werden mussten, das sind Dinge, die wir nicht beeinflussen können, aber dann kamen auch so Sachen, dass wir drei Spieler mit laufenden Verträgen kurzfristig ausgelöst haben. Dies hat auch das Ergebnis nicht unbedingt positiv beeinflusst. Das hätten wir im Vorfeld besser machen können. Von daher gibt es schon Dinge, die wir nicht gut gemacht haben und deswegen stehen wir zum Schluss auch nicht korrekt unter den ersten zehn.

 

 


Was waren die größten Enttäuschungen, bzw. Lichtblicke der abgelaufenen Saison?


Wolfgang Brück:  Das waren sicherlich Momentaufnahmen im November/Dezember, als wir nach einem mittelprächtigen Saisonstart bis zur Länderspielpause im November unter den ersten 10 waren und dachten, jetzt kommen wir so langsam ins Rollen, und das haben wir dann nicht geschafft! Dadurch kam Unruhe in die Mannschaft, oder war schon dort – und da muss ich sagen, das ist nicht unser Anspruch. Das ist das Negative – und das Positive sind die letzten Spiele, die letzten Wochen!

 

Ich sage immer, hier in Iserlohn erwarten wir, die Fans, die Sponsoren, alle, bestimmte Tugenden der Spieler, wie Leidenschaft, Einsatzbereitschaft, Identifikation – und das hat in den letzten Wochen ganz hervorragend geklappt, obwohl wir nur noch einen kleinen Kader zur Verfügung hatten. Dies macht einen dann wieder stolz und hoffnungsfroh! Man muss dann nur versuchen die Fehler der letzten Saison zu vermeiden und auszubügeln.

 

 


Sie sagten es gerade, nachdem Blair Jones und Matt Halichuck – um die Fehler beim Namen zu nennen, gegangen wurden waren, kam wieder Leben in die Rooster! Das gibt doch Hoffnung, oder?


Wolfgang Brück: Ja, das ist so! Aber ich warne auch davor nur zwei, drei Spieler zu nennen, denn wir haben ja auch noch, vor der Trennung von diesen beiden Spielern, den Vertrag mit Ashton Rome (jetzt Manchester Monarcs, ECHL, A.d.A.) aufgelöst! Das ist für uns hier in Iserlohn schon sehr ungewöhnlich, dass wir während einer Saison drei Arbeitsverträge auflösen! Sicherlich haben die Spieler ihr Scherflein zu dieser Eskalation beigetragen.

 

Aber, und da muss man sich auch als Trainerstab, als Manager, aber auch als Geschäftsführer fragen: was hätten wir dagegen schon sehr viel früher machen können? Das interessiert mich! Es wäre viel zu einfach, diesen drei Spielern jetzt die ganze Schuld in die Schuhe zu schieben! In der Analyse ist es im Ergebnis auch nicht so!

 



 

Eine Ausschau auf die Roosters 17/18 – bleibt das Gerüst, wie sieht es mit Ergänzungen aus?


Wolfgang Brück: Ja sicherlich, wird es da einige – gewollt oder nicht gewollt – Änderungen geben. Aber zu diesem Zeitpunkt wäre es wohl etwas zu früh darüber zu sprechen. Aber, und das finde ich wirklich ganz toll, die Spieler, die aktuell noch im Kader sind, sich für ihren, unseren Verein bis zum letzten einsetzen. Natürlich wird es aber Veränderungen geben, das war in all den Jahren auch schon so – dies ist nichts, was uns erschreckt!

 

Wichtig ist halt, und da haben wir im letzten Jahr nicht so genau drauf geachtet, dass wir mehr darauf achten, wenn es gesundheitliche Probleme gibt. Wir können nicht beeinflussen, was während der Spielzeit an Verletzungen auf uns zukommt, aber wir sollten wenigstens mit einem kompletten Kader in die Vorbereitung starten. Das hatten wir nicht geschafft, aber ich bin sehr zuversichtlich, weil wir erkannt haben, wo wir uns besser aufstellen müssen. Und wenn wir das schaffen, werden wir wieder angreifen – dieses Jahr war es ja auch so, als wir nach einer lange Zeit verkorksten Saison und dem letzten Tabellenplatz, noch ganz schön lange an den Pre-Playoffs dran waren.

 

 


Ich habe gelesen, dass Geld doch Tore schießt! Also die finanzkräftigsten Teams an der Spitze stehen! Stimmt das?


Wolfgang Brück: Dem ist so! Und das habe ich schon vor 20 Jahren gesagt! Das kann, muss man manchmal so nüch-tern sagen, aber es ist nichts, worüber ich jetzt jammern müsste! Es ist nun mal Fakt, dass Geld Tore schießt oder auch verhindert! Aber, das ist ja das Schöne am Sport, gibt es immer mal die Möglichkeit, dass ein kleinerer Verein in die Phalanx der Großen einbricht und für einige Überraschungen sorgt! In diesem Jahr sind es Bremerhaven und Augsburg – dies ist dann auch im nächsten Jahr wieder unser Ziel! Aber, und das ist in keiner Sportart oder auch im normalen Wirtschaftsleben anders, regiert in der Welt das Geld!

 

 


Die Zuschauer – obwohl verwöhnt durch das sehr erfolgreiche Auftreten der Roosters in 16/17 – strömen in Scharen!


Wolfgang Brück: Die Zuschauer hatten eine außergewöhnliche Saison erlebt – wir waren Dritter und hatten sogar die Chance auf den ersten Platz! Man muss aber unseren Fans neben einer großen Emotionalität auch sehr viel Sachverstand bescheinigen, denn sie haben direkt gemerkt, dass wir jetzt zum Ende der Saison, trotz eines kleinen Kaders, der eigentlich gar nicht mehr zu dem, was er zeigt, fähig ist und trotzdem diese Leistungen abruft. Das ist das Schöne! Sie sind verwöhnt, sie wollen leidenschaftliches Eishockey sehen, diesen Anspruch können und sollen sie auch haben.

 

Da sind sie jetzt in den letzten Spielen natürlich zufrieden, auch wenn man dann mal verliert – und das ist das Tolle an unseren Fans! In dieser Spielzeit haben wir einige „Grauten-Spiele“ gesehen. Trotzdem war gerade zum Schluss – und das ist das Schöne und eine  positive Perspektive die wir mitnehmen, der Schulterschluss der Fans mit der Mannschaft war da. Das haben wir gerade in den letzten Wochen gesehen, sonst wären ja nicht fast alle Spiele ausverkauft gewesen! Das soll auch Ansporn für uns sein, dass wir hier auch im nächsten Eishockeyjahr eine leidenschaftlich kämpfende Mannschaft haben. Natürlich sollte sie erfolgreich sein, aber der Fan verzeiht auch Niederlagen in Situationen, in denen der Kader sehr geschwächt ist, oder zumindest der Einsatz, die Leidenschaft stimmt!

 


Vielen Dank für die offenen, ehrlichen Worte!

(Foto Ivo Jaschick)


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