Interview mit Markus Eisenschmid (NHL/Montreal Canadians)

Eisenschmidimago19110389h

 

(Interview) (Stefan Wiedemeier) Markus Eisenschmid wurde am 22. Januar 1995 in Marktoberdorf geboren und unterzeichnete vor wenigen Tagen einen 2-Wege-Vertag beim NHL-Rekordmeister den Montreal Canadians. Eisenschmid ist der erste Deutsche der bei der ruhmreichen Franchise einen NHL-Vertrag unterschrieben hat.

 

 

Vor der Saison 2013/2014 wurde Eisenschmid von den Medicine Hat Tigers aus der Western Hockey League im CHL-Draft in der ersten Runde an 28. Stelle gedraftet. Nach zwei erfolgreichen Spielzeiten wurde der Stürmer aufgrund guter Leistungen von den Montreal Canadians zum Sommertraining eingeladen. Anschließend erhielt er ein Vertragsangebot mit den St. John’s IceCaps. Anfang des Jahres statteten ihn die Canadians mit einem Zweijahresvertrag aus.

 

 

Markus Eisenschmid stammt aus einer Eishockeyfamilie. Seine beiden Schwestern Tanja und Nicola spielen beide in der Nationalmannschaft der Frauen. Tanja Eisenschmid spielt ebenfalls in den USA bei der University of Noth Dakota und Nicola beim deutschen Meister und Pokalsieger ECDC Memmingen Indians.

 

 

eishockey-online.com Reporter Stefan Wiedemeier hatte die Möglichkeit sich mit Markus Eisenschmid zu unterhalten.

 


Herr Eisenschmid, vielen Dank für Ihre Zeit. In Deutschland waren Sie bis vor einigen Tagen der großen Eishockeymasse noch nicht so bekannt, da Sie bereits mit 18 Jahren den Sprung nach Übersee gewagt haben. Bitte erzählen Sie unseren Lesern, wie Sie zum Eishockey gekommen sind?


Angefangen hat es damit, dass mein Bruder und meine Schwester mit ca. 3-4 Jahren Schlittschuh laufen lernen wollten in Kaufbeuren. Das hat uns so gut gefallen, dass wir irgendwann zum Eishockey übergegangen sind. Mit fünf Jahren habe ich dann das erste Mal einen Schläger in der Hand gehalten und bei den Kleinschülern in Kaufbeuren angefangen. So begann mein Weg.

 

 


Wie kam der Kontakt in die Staaten zustande? Wie muss man sich das vorstellen?


Ich habe mit 15 Jahren bei meinem Agenten unterschrieben. Mein Traum war schon immer in Nordamerika zu spielen. Durch einen Freund, der mir das Spiel NHL 2002 zeigte, festigte sich mein Entschluss. Später habe ich von der Juniorenliga in Kanada erfahren, woraufhin ich mit meinem Agenten den Plan entwickelt habe, den Sprung zu wagen. Als ich mit 18 mein Abitur abgeschlossen habe, habe ich mich zum CHL-Draft angemeldet und wurde von den Medicine Hat Tigers gedraftet.

 

 


Wie schwer ist Ihnen die Umstellung auf ein neues Land, eine neue Kultur und ein neues Umfeld gefallen?


Die Umstellung war eigentlich gar nicht so schwer. Natürlich war am Anfang die Sprache etwas Neues, aber durch die Schule war ich auch hier vorbereitet. Ich wurde von einer Gastfamilie sehr gut aufgenommen, die mich in sämtlichen Bereichen unterstützt hat. Wir haben auch heute regelmäßig Kontakt. Zusätzlich waren meine Teamkollegen und die ganze Organisation sehr behilflich.

 

 


Haben Sie Kontakt zu anderen deutschen Eishockeyspielern wie Leon Draisaitl, Philipp Grubauer, Thomas Greiss oder Tom Kühnhackl?


Zu den älteren Spielern gibt es eigentlich gar keinen Kontakt. Damals in meinem Draft wurden auch Maximilian Kammerer und Andreas Eder gezogen. Gegen die Beiden und Leon Draisaitl habe ich dann gespielt. Das waren eigentlich die einzigen Spieler, zu denen ich Kontakt hatte.

 

 


Sie wurden im CHL-Draft an 28. Stelle in der ersten Runde gezogen. Wo waren Sie zu der Zeit und was war Ihre Reaktion?


Ich war zu Hause vor meinem Computer. Der Draft verläuft online. Ich hatte zuvor Kontakt zu einigen Teams, wusste jedoch nicht, ob ich gedraftet werde. Der Draft selber verlief sehr schnell, es wurde ein Spieler nach dem anderen gezogen. Als ich gezogen wurde, habe ich direkt meinen Computer ausgemacht. Ich habe meinen Computer an Stelle 27 ausgemacht. Ich habe meinen Namen gelesen und Medicine Hat und habe den Computer runtergefahren (ich war spät dran). Anschließend habe ich meinem Papa vom Ergebnis erzählt und mich über die Stadt informiert. Danach erfolgte direkt der Kontakt zu meinem Agenten und den Medicine Hat Tigers.






Den kanadischen Juniorenligen eilt der Ruf einer Knochenmühle voraus. Täuscht der Eindruck oder können Sie den bestätigen?


Der Eindruck täuscht schon ein wenig. Es ist schon so, dass wir lange Reisen haben. Wir waren in Medicine teilweise eine Woche unterwegs. Wir haben einmal in Vancouver gelegt, das war eine 15 Stunden Reise. Die Liga versucht dennoch die Spiele auf den Roadtrips so angenehm wie möglich zu legen. Die Trainingscamps unterscheiden sich nicht großartig zu denen in Deutschland. Wir sind semiprofessionelle Spieler in der CHL, die Organisation achtet sehr darauf, dass wir körperlich zu jedem Zeitpunkt fit sind. Dadurch, dass jeder Spieler bei einer Gastfamilie untergekommen ist, und nicht zu Hause wohnt, sind wir eine große Familie.

 

 


Die harte Arbeit hat sich ausgezahlt. Vor einigen Tagen erhielten Sie einen 2-Wege-Vertrag bei den Montreal Canadians. Erklären Sie unseren Zuschauern bitte was dieser Vertrag genau bedeutet und wie Sie von der Entscheidung erfahren haben.


Ein 2-Wege-Vertrag bedeutet, dass ich zwei unterschiedliche Bezahlungen habe und sowohl in der NHL als auch der AHL eingesetzt werden kann. Je nach Personalsituation im NHL Kader, kann ich jederzeit in diesen berufen. Die Entscheidung habe ich von meinem Agenten erfahren. Es war in der Vergangenheit schon öfter der Fall, dass die Option des Vertrages für mich im Raum stand, ich habe mich jedoch nie damit beschäftigt. Am nächsten Tag rief mein Agent mich an und hat mir mitgeteilt, dass nun ein Angebot vorliegt. Am folgenden Tag wurde die Nachricht dann bekannt gegeben.

 

 


In Teilen von lokalen Medien wird Ihre Unterschrift als Zeichen zur Beförderung verstanden. Würde sich mit einem Einsatz in der NHL der große Lebenstraum schon erfüllen? Oder gibt es noch höhere Ziele?


Der große Traum ist natürlich der Gewinn des Stanley Cups. Ich persönlich gehe Schritt für Schritt. Ich habe einen AHL Vertrag unterschrieben vor zwei Jahren, dieses Jahr wieder und nun habe ich einen weiteren Schritt mit dem NHL Vertrag getan. Der nächste Schritt könnte jetzt sein, dass ich in der NHL spiele und mich im NHL Kader etabliere.

 

 


Was würden Sie als größten Unterschied zwischen Deutschland und Nordamerika in Bezug auf Eishockey nennen?


Hier ist alles viel größer. Wenn man hier sagt, man spielt Eishockey ist das vergleichbar mit einem Fußballer in Deutschland. Einer der größten Unterschiede ist sicherlich die Fankultur. Ich vergleiche es immer mit einem Kinobesuch in Deutschland. Hier sitzen die Leute in den Rängen und essen Popcorn oder Chips, während in Deutschland gesungen wird. Trotzdem sind hier alle enorm Eishockeyverrückt, jeder schaut, spielt oder interessiert sich für den Sport. Im Spiel an sich; die Eisfläche ist kleiner und es wird mehr gecheckt. Der Sport ist noch eine Stufe intensiver.

 

 


Verfolgen Sie die DEL weiterhin?


Ja klar. Ich schaue regelmäßig die Tabelle an, die Highlights und verfolge auch die DNL. Auch auf meinen Heimatverein Kaufbeuren schaue ich regelmäßig.

 

 


Als junger deutscher Spieler der früh nach Übersee gegangen ist. Wie ist Ihre Meinung zum Thema Nachwuchsarbeit in Deutschland?


Zu Zeiten meines Abiturs spielte das Eishockey aus schulischer Sicht keinerlei Rolle. Ich musste alles separat regeln und schauen, dass ich alles unter einen Hut bekomme. In Kanada ist alles besser geregelt. Mit 16 Jahren verlässt man hier idR das zu Hause und kommt bei einer Gastfamilie unter. Die Schule steht in ständigem Kontakt mit der Juniorenliga. Natürlich muss man seine schulischen Leistungen bringen, doch wenn alles aufeinander abgestimmt ist, ist es für die Spieler leichte, da weniger Druck ausgeübt wird.

 

 


Ist die Nationalmannschaft langfristig eine Option? Wo liegen Ihre kurzfristigen Prioritäten?


Eine Option ist es immer. Man möchte immer für seine Nationalmannschaft spielen. Seit der U-16 habe ich gespielt und es hat mir immer Spaß bereitet und ich war immer froh dabei gewesen zu sein. Seit der U-20 WM vor zwei Jahren habe ich aber meine Prioritäten auf Nordamerika gelegt. Wenn ich gut spiele, dann kommt der Rest von selbst.

 

 


Als letzte Frage: Was vermissen Sie aus Deutschland besonders?


Was mir persönlich, speziell im Eishockey, fehlt sind die Fans. Die Fankultur ist nicht zu vergleichen. Das Stadion ist zwar voll, jedoch ist es relativ leise. Beim Thema Essen, Salami sieht man hier eher selten und auch das Frühstück ist anders.

 

 

Herr Eisenschmid – vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview!



(Foto imago/eishockey-online.com)


Weitere Interviews finden Sie hier...

 

 

 

transfer banner klein

 

eishockey bilder banner klein

IIHF WM 2017

Aktuelle Interviews

frederik tiffels Cp 2017
28. April. 2017

5 Fragen an Nationalspieler Frederik Tiffels - Ein College Boy auf dem Weg zur Weltmeisterschaft

(Interview) (Christian Diepold) Die Vorbereitung auf die Eishockey Weltmeisterschaft 2017 in Köln/Paris befindet sich in der letzten Phase, es sind… mehr dazu...
kornelli julianIMG 5156
18. April. 2017

Interview mit dem Nachwuchstalent von den Tölzer Löwen Julian Kornelli

(Interview) PM/Kürzel (Autor) Mit seinem Traumtor beim dritten Halbfinale (2017) gegen den ERC Sonthofen in der Verlängerung war Julian Kornelli… mehr dazu...
jenny harss 2017 wm
17. April. 2017

Interview mit Nationaltorhüterin Jenny Harss, die 2017 WM Geschichte geschrieben hat

(Interview) (Christian Diepold) Die deutsche Eishockey Nationalmannschaft der Frauen erreichte bei der Eishockey WM 2017 in Plymouth (USA)… mehr dazu...

News Champions Hockey League

eishockey-online.com Shop

eol shop 300 254

Tabelle Fraueneishockey Bundesliga

Eishockey News Fraueneishockey

Gäste online

Aktuell sind 503 Gäste online