Interview mit Nationaltorhüter Felix Brückmann von den Grizzlys Wolfsburg

Felix Brueckmann 2016

 

(Interview) (MJ Matthias) Felix Brückmann spielt seit dem Jahr 2014 für die Grizzlys Wolfsburg und konnte letztes Jahr in Wolfsburg die Vizemeisterschaft der (DEL) feiern. Er begann seine Karriere in Freiburg und anschliessend bei den Jungadler Mannheim, mit denen er 2008 die DNL Meisterschaft holte. Von 2008 - 2011 gehörte er als 3. Torhüter zum DEL Team der Mannheimer Adler wurde aber in der DEL2 bei den Heilbronner Falken eingesetzt. Sein Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse folgte für den gebürtigen Breisacher in der Saison 2011/2012. In diesem Jahr wurde er zum Rookie des Jahres (DEL) gewählt.

Für die Adler Mannheim absolvierte der Linksfänger 33 DEL Spiele / Fangquote .939 (2011-2014), bevor er im Jahr 2014 zu den Grizzlys nach Wolfsburg wechselte und in seinem ersten Jahr in Wolfsburg mit der besten Fangquote (.928) der DEL ausgezeichnet wurde.

 

 

International durchlief Felix Brückmann die U18 und U20 Nationalmannschaft und konnte bei der WM 2010 den Aufstieg in die Top Division erreichen. Für die Herren Nationalmannschaft nahm er an der Weltmeisterschaft 2016 teil und bestritt bislang 22 Länderspiele.  

 

eishockey-online.com Reporter Martina & Jörg Matthias hatten in Wolfsburg die Gelegenheit den Nationaltorhüter vor das Mikrofon zu bekommen.  

 



 

Felix, Sie sind von einem der größten Vereine mit Multifunktionsarena zu dem sehr viel kleineren Standort Wolfsburg mit kleinerer Halle gewechselt. Was hat sie dazu bewogen und ist im Spiel die Hallengröße / Zuschauerzahl ein Faktor?


Felix Brückmann: Der Wechsel von Mannheim nach Wolfsburg kam zustande, weil es in Mannheim schnell klar war, dass man mit Dennis Endras als Nr. 1 weiterarbeiten wollte. Für mich stellte sich die Frage, dies zu akzeptieren und somit auf der Bank zu bleiben, oder ob ich selber die Herausforderung suche, in einem anderen Verein Spielpraxis zu sammeln. Charlie (Fliegauf) und Pavel (Gross) haben sich sehr um mich bemüht. Als der Kontakt mit Wolfsburg da war, habe ich mich früh in der Saison entschieden, nach Wolfsburg zu wechseln.

 

Es ist richtig, dass Wolfsburg ein kleiner Verein ist. Man hat kurze Wege, es ist sehr familiär und ich sehe da keinen Nachteil drin. Ich habe meinen Vertrag hier frühzeitig verlängert und kann mir auch gut vorstellen, darüber hinaus noch einige Jahre in Wolfsburg zu spielen. Der Wechsel hatte nur sportliche Gründe. Auch hier im kleinen Verein haben wir tolle Fans. Da zählt für mich nicht die Quantität oder die Hallengrösse.

 

 

 


Letztes Jahr ist Ihnen mit den Grizzlys die Vizemeisterschaft gelungen. Ist das im Nachhinein ein Erfolg oder eher eine Niederlage?


Felix Brückmann: Darauf zurückblickend ist es definitiv ein Erfolg. Wir sind gegen eine sehr gute Münchner Mannschaft ausgeschieden und waren nah dran. Die Serie ist 4:0 ausgegangen, aber es war viel enger als das Ergebnis es uns sagt. Bis ins Finale zu kommen und so viele Mannschaften hinter uns zu lassen, ist definitiv ein Erfolg gewesen.

 

 

 

Der Start in diese Saison lief für die Grizzlys Wolfsburg sehr gut, nach der Länderspielpause ging es bergab. Haben Sie dafür eine Erklärung und besorgt Sie das?


Felix Brückmann:  Es ist natürlich nicht erfreulich, wir hatten einen guten Saisonstart und uns im oberen Tabellendrittel festgesetzt. Es ist schwierig, dafür eine Erklärung zu finden, aber wenn man gute Erfolge früh in der Saison erzielt und als Vizemeister startet, sind die anderen Mannschaften gewarnt und wissen, da kommt eine gute Mannschaft und sie machen es uns auch nicht leicht. Die letzten Spiele waren sehr eng. Wir wollen jedes Spiel gewinnen und gehen auch mit dieser Einstellung rein. Aber man kann nicht jedes Spiel gewinnen. Wir sind jetzt aber wieder auf dem Weg zurück in die Spur.

 

 


Eine Leserfrage von Hardy D. - Wie sehen Sie die Entwicklung des Vereins, seit Sie bei den Grizzlys Wolfsburg sind? Hauptsächlich im Bezug auf Fans, Mitspieler und Vereinsführung.

 


Felix Brückmann:  Es hat sich sehr viel getan. Was einem sofort ins Auge fällt ist das neue Logo. Da ist Bewegung reingekommen. Der Verein ist bemüht neue Wege einzuschlagen und modern an die Sache heranzugehen. Sportlich und strukturell sind die Grizzlys gut eingestellt. Ich sehe die Entwicklung sehr positiv.

 

 

 

Ihr Vertrag bei den Grizzlys Wolfsburg läuft noch bis 2018. Glauben Sie, dass Ihnen und Ihrer Mannschaft bis dahin der ganz große Wurf/Meisterschaft gelingt?

 

Felix Brückmann: (lacht auf) - Wir arbeiten da täglich dran, das ist von allen das große Ziel. Aber es ist wahnsinnig schwierig, weil es in der Liga so viele gute Mannschaften gibt. Jeder Sportler möchte das schaffen. Wir versuchen, uns eine gute Ausgangslage zu schaffen und in den Playoffs ist alles möglich.

 

 

 

In letzter Zeit stehen Sie im Tor. Gibt es in Wolfsburg eine klare Nr. 1? Es sieht von außen betrachtet fast nicht so aus.  Ist das ein Vorteil, oder eher Druck einen ähnlich guten Nebenmann zu haben?


Felix Brückmann: Ich sehe das als Vorteil und Herausforderung. Es gibt bei uns keine klare Nr.1 und Pavel entscheidet 1 Tag vor dem Spiel, wer letztendlich spielt. Man muss sich jedes Mal neu beweisen und im Training Vollgas geben. Man kann sich nie zu sicher sein oder es sich zu bequem machen. Ich verstehe mich mit Basti (Vogl) sehr gut. Wir geben beide Vollgas, aber man muss das große Ganze, das Team, nicht aus den Augen verlieren. Es ist zwar schwer zu akzeptieren, wenn man mal mehrere Spiele nicht spielt. Aber ich weiß, dass ich immer wieder die Gelegenheit bekomme mich zu zeigen.  Für das Team ist es gut, zwei gute Torhüter zu haben. Ich sehe darin nur Vorteile. Bin ja noch jung und habe Potenzial.

 

 

 

Als Goalie wird man in den Statistiken an der Fangquote gemessen. Hat man die immer im Hinterkopf. Vergleicht man sich darüber mit den anderen, oder ist das nebensächlich?


Felix Brückmann: Ich weiß, dass da viel drauf geschaut wird und Torhüter oftmals über ihre Statistik bewertet werden. Die sind sehr hilfreich, aber oft täuschen sie auch. Es kommt darauf an, wie die Schussqualität ist und von welchen Positionen geschossen wird. Bei Spielen mit 30 Schüssen und viel freier Sicht ist es leicht, die Quote hochzuhalten. Bei Spielen mit 14-15 Schüssen und dabei noch 5 Hochkarätige, die man hält, sieht es dann schon anders aus. Ich finde, es wird zu sehr auf die Statistik geschaut. Nur weil ein Torwart keine perfekte Statistik hat, heißt das nicht, dass man ein guter oder schlechter Torwart ist. Vielleicht ist das Ganze zu überbewertet.

 



 

 

Wer ist Ihr Goalievorbild?


Felix Brückmann: Ich schaue da doch mehr nach Nordamerika.  Da sind es aktuell Carey Price, Braden Holtby, die absoluten Topgoalies, wo man sich noch etwas abschaut. Als kleines Kind war es der Freiburger Goalie Rostislav ,,Hugo“ Haas. Später in meiner Zeit bei den Adlern Mannheim war es  Freddy Brathwaite, von dem ich viel gelernt habe.

 

 


In welchem Alter haben Sie angefangen Eishockey zu spielen und war gleich klar, dass Sie ins Tor gehen?


Felix Brückmann: Ich habe mit ca. 5-6 Jahren in der Laufschule angefangen, wie eigentlich jedes Kind und kam dann in die Mannschaft. Hab dann aber schnell wieder aufgehört, weil mir das als Spieler nicht so viel Spaß gemacht hat. Ich habe aber einen älteren Bruder, der damals mit Simon Danner im Nachwuchs spielte. Eines Tages spielten die beiden vor der Tür Street Hockey und es war eine Torhüterausrüstung über und sie sagten, stell dich mal ins Tor. Das hat mir so viel Spaß gemacht und ich hab das dann gleich auf dem Eis ausprobiert und seitdem bin ich Torwart.

 

 

 

Stammen Sie aus einer Sportlerfamilie?


Felix Brückmann: Die Eltern sind sportlich, aber kein Elternteil hat Eishockey gespielt. Mein großer Bruder ist durch einen Freund zum Eishockey gekommen und mein jüngerer Bruder und ich durch meinen älteren Bruder.

 

 

 

Eine Leserfrage von Jens H. aus Wolfsburg: Gibt es Nebensportarten, die für Goalies hilfreich sind, wie z.B. Squash oder Tennis oder andere Mannschaftsballsportarten?


Felix Brückmann: Alles, was mit Hand-Auge-Koordination zu tun hat, ist hilfreich. Ich spiele im Sommer gern mit den Jungs Fußball. Tennis spiele ich auch ganz gern. Zum Ausgleich hilft alles, was Spaß macht.

 

 

 

Bei den letzten beiden Spielen gab es ja nicht so viel zu tun für Sie. Wie hält man da die Konzentration hoch?


Felix Brückmann: Das sind die Spiele, die für Torhüter am schwierigsten sind. Wenn man viele Schüsse aufs Tor bekommt ist man beschäftigt und im Spiel drin. Ich persönlich zerlege das Spiel in 6x10 Minuten und kann so die Konzentration über 10 Minuten unterbrochen durch Powerbreaks und Pause gut hochhalten. Und dann nach dem Motto: Schuss, nächster Schuss, nächster Schuss gehe ich in das Spiel.

 

 

 

Was halten Sie von Goaliefights? Könnte Ihnen das auch passieren? Oder konkret: Wie stehen Sie zu der Unbeherrschtheit eines Jochen Reimer im Spiel Nürnberg/München? Haben Sie das im nachhinein mitbekommen? Die Grizzlys standen ja zeitgleich in Bremerhaven auf dem Eis.

 

Felix Brückmann: (muss lachen) - Das ist, glaube ich, an allen Eishockeyinteressierten nicht vorbeigegangen. Wir haben es bei den Highlights im Bus gesehen. Jochen ist eigentlich ein lieber Mensch und nicht aus der Ruhe zu bringen. Deswegen kann ich das schwer beurteilen und möchte dazu auch nicht viel sagen. Für mich persönlich glaube ich: Ich werde nie in meiner Karriere einen Fight haben. Da müsste schon sehr viel passieren, aber man weiß nie…

 

 

 

Sie sind auch Nationaltorhüter. Ist das eine Doppelbelastung und gibt es einen Unterschied im Spiel als Nationaltorhüter zum Vereinstorhüter? Dazu passt die Frage von der Leserin Kathrin D. aus Wathlingen. Sie fragt: Ist es egal ob Schweden, Schweiz und Co. auf dem Eis sind, oder Berlin, München und Co.?


Felix Brückmann: Es ist schon etwas Besonderes, für die Nationalmannschaft zu spielen. Wenn dann vor dem Spiel die Nationalhymne kommt, ist es schon ein anderes Gefühl. Die internationalen Spiele sind etwas anderes. Das Tempo ist deutlich höher. Es ist alles genauer. Man kann sich keine Fehler erlauben, denn das wird meistens mit einem Gegentor bestraft. Grundsätzlich bereite ich mich auf die Spiele gleich vor, egal ob es in der Vorbereitung gegen Crimmitschau oder beim Deutschland-Cup gegen die Slowakei oder gegen Bremerhaven oder Köln geht. Ich nehme auch jedes Spiel gleich ernst. Aber vom Gefühl und von der Aufregung vor dem Spiel ist es schon ein Unterschied.

 

 



 

 

 

Gibt es  Lieblingsgegner und  Angstgegner?


Felix Brückmann: Das ist eine schwierige Frage. Ich mache mir da wenig Gedanken. Von außen betrachtet gibt es das mit Sicherheit. Ich spiele gegen jeden Gegner gleich gern und freue mich auf jedes Spiel.

 

 

 

Und bei der eigenen Mannschaft, denkt man darüber nach, welche Reihe vor einem auf dem Eis ist, oder ist das egal?


Felix Brückmann: Das geht nicht an mir vorbei. Es ist schon wichtig, welche Spieler auf dem Eis sind. Für mich sind es mehr die Verteidiger wegen der Kommunikation. Ich weiß schon, wer auf dem Eis steht.

 

 


Was halten Sie davon, dass die Ausländerlizenzen nicht erhöht werden?


Felix Brückmann: Das ist der richtige Schritt. Wir deutschen Spieler waren alle einer Meinung. Es wäre sonst ein ziemlicher Rückschritt für das deutsche Eishockey gewesen. Ich kann auch die Eigner verstehen, 11 Ausländer bezahlen und nur 9 spielen. Aus rein sportlicher Sicht ist es die richtige Entscheidung.

 

 

 

Sie sind noch sehr jung. Welche sportlichen und welche persönlichen Ziele haben Sie?


Felix Brückmann: Ich möchte versuchen, jeden Tag besser zu werden. Das ist, was mir Pavel die letzten Jahre mit auf den Weg gegeben hat. Gar nicht groß nachdenken, was in ferner Zukunft passiert. Im Hier und Jetzt leben, jeden Tag die Zeit auf dem Eis und auch außerhalb zu nutzen, um sich weiterzuentwickeln. Und natürlich möchte ein jeder Sportler auch gewinnen.

 

 

 

Eine Fangfrage zum Schluss: Sind Sie auch Fußballfan und wenn ja, von welcher Mannschaft? Achtung eishockey-online wird überregional gelesen!


Felix Brückmann: Damit habe ich kein Problem. Ich komm aus Freiburg und drücke dem SC Freiburg die Daumen und verfolge auch die Spiele. Meine Familie hat Dauerkarten. Mein Cousin ist im Fanclub und mein Opa geht mit 91 Jahren noch zu fast jedem Heimspiel. Das war keine Fangfrage, das war leicht.

 

 

 


Wir sind jetzt  am Ende, ich hätte aber gern noch 5 Kurzantworten:

 


Berge oder Meer? Gern in den Bergen, aber gerne auch am Meer.

Gemüse oder Steak? Steak

Bauernhof oder Penthouse? Bauernhof

Hund oder Katze? Hund

Van oder Sportwagen? Ich fahre einen Club GTI, das kann sich aber in der Zukunft ändern

 

 

Herzlichen Dank Felix Brückmann und viel Erfolg Ihnen und Ihrer Mannschaft.



(Foto Britta Koglin)


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