Interview mit Bremerhavens Bronson Maschmeyer ...habe deutsche Wurzeln!

maschmeyer bremerhaven 2016

 

(Interview) (Ivo Jaschick) Bronson Maschmeyer wurde am 29. April 1991 im kanadischen Bruderheim/Alberta geboren. Wie (fast) alle Kanadier fing er in seinem Heimatort an, auf Schlittschuhen der schwarzen Hartgummi-scheibe nach zu jagen – mit Erfolg. Der mit 175 cm eher kleine Eishockeyspieler setzt mit seiner Schnelligkeit und seinem guten Auge für die Situation seine Fähigkeiten in der Defensive ein, ob-wohl er auch in der Offensive viele Akzente setzen kann.

 

Mit dem Liganeuling Fischtown Pinguins rockt er die DEL. Nach dem jüngsten Erfolg seines Teams in Krefeld, hatte eishockey-online.com Reporter Ivo Jaschick die Gelegenheit, sich mit dem Verteidiger zu unterhalten.

 


Bronson Maschmeyer, Ihr Nachname klingt ziemlich deutsch – haben Sie deutsche Wurzeln?


Richtig! Mein Ururgroßvater wanderte von Deutschland über New York und Nebraska nach Kanada aus.  Wir wohnen auch in einer großen deutsch-stämmigen Gemeinde, im kanadischen Bruderheim in Alberta. Wo genau meine Vorfahren herkommen? Ich habe das im Internet gefunden – aber da müsste ich jetzt nachsehen!

 

 


Wo machten Sie Ihre ersten Erfahrungen mit dem wunderschönen Eishockeysport?


Ich fing bei den Bruderheim Bruins an, und spielte dann in Fort Saskatchewan, Alberta, da ich dort bessere sportliche Entwicklungschancen sah. 2008 wechselte ich dann in die Western Hockey Lea-gue (WHL) zu den Vancouver Giants und Kamloops Blazers. Ab 2012 habe ich an der Universität in St. Francis studiert und in dieser Zeit verteidigte ich in der dortigen Universitäts-Mannschaft, die in der Canadian Interuniversity Sport Liga (CIS) antritt. Und jetzt bin ich hier!

 

 


Sie haben noch vier Geschwister – zwei Schwestern und zwei Brüder! Spielen die auch Eishockey oder sind im Eiskunstlauf tätig?


In meiner Familie gibt es kein Eiskunstlaufen! Meine ältere Schwester hatte mal einen Versuch gestartet, doch schon sehr bald hat sie sich dann für den richtigen Sport entschieden! Mein jünge-rer Bruder hat bis zum Juniorenalter Eishockey gespielt und hat sich dann für den Beruf des Piloten entschieden! Ja, dadurch kann ich ziemlich preiswert durch die Welt reisen! (lacht)

 

 


Sie haben sich dann für die Position eines Verteidigers entschieden?


Ja, manchmal! (lacht)

 




Ihrer Reaktion entnehme ich, dass Sie eher kein >stay-at-home-defender< sind, oder wie würden Sie Ihren Spielstil beschreiben?


Ich habe die Rolle eines Verteidigers über die meiste Zeit meiner frühen Eishockeyzeit innegehabt. Aber ich liebe auch die Offensive und so versuche ich beide Aspekte zu verbinden – ich bin keines-falls einer, der nur hinten steht! Da ich auch nicht allzu groß gewachsen bin und relativ schnell auf den Schlittschuhen bin, kann ich beides gut kombinieren!

 

 


Wie ist Ihr erster Eindruck von Deutschland, von Bremerhaven und vor allem der DEL?


Ich finde es hier großartig! Es ist schon ein gewaltiger Sprung für mich gewesen. Ich komme aus dem Universitätshockey, aus der CIS – es ist zwar die stärkste Universitätsliga in Canada, aber es ist doch schon etwas anderes, wenn man hier in dieser guten, sehr stark besetzten Liga gegen ge-standene Männer spielt! Jeden Tag lerne ich etwas dazu – es ist eine tolle Erfahrung, die ich hier mache! Vor einigen Jahren wurde mir bewusst, dass Deutschland eine Möglichkeit für mich wäre – nun habe ich es gemacht und es ist einfach großartig!

 

 


Was halten Sie von den hiesigen Zuschauern, Fans?  - Ich denke, dass diese für Sie eine ganz neue Erfahrung sind!


(fängt an zu schwärmen) Sie sind unglaublich! Mir wurde schon einiges gesagt, wie anders es ist – aber was ich hier erlebe, ist einfach mit Worten kaum zu beschreiben! Um ehrlich zu sein, in mei-nen ersten Spielen hier, stand ich fast ein wenig unter Schock – aber im positiven Sinn! Normaler-weise kann ich auf dem Eis hören, wenn ein Mannschaftskamerad den Puck haben möchte oder etwas anderes zuruft! Hier muss ich/man alles mehr intuitiv machen, da es so laut ist, dass man noch nicht einmal sein eigenes Wort versteht. Das war anfangs so, mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und ich weiß diesen Lärmpegel zu kanalisieren – aber, ehrlich, so etwas kannte ich nicht! Die Fankultur hier in der DEL ist etwas ganz Spezielles, egal in welcher Halle man spielt, die Fans stehen hinter der Heimmannschaft. Auch meine Eltern, die letzte Woche über den Atlantik kamen, sind vollkommen begeistert von der Atmosphäre in den Arenen.

 

 


Wie kam eigentlich der Kontakt zu Ihren Pinguinen zustande?


Mein Agent wollte eigentlich etwas für meinen Bruder suchen. Er meldete sich bei einigen Teams und hat darauf hingewiesen, dass wir auch deutsche Vorfahren haben. Ja, und Bremerhaven, allen voran Alfred (Prey, Manager) hat sich am intensivsten um mich bemüht und so wurde mir die Ent-scheidung sehr leicht gemacht.

 

 


Und Sie sind mit Ihrer Entscheidung zufrieden?


Ja! Ich war noch nie auf der anderen Seite des Atlantiks! Es war schon eine große Umstellung für mich, aber nach ein paar Wochen fühlst du dich wie zu Hause! Bremerhaven ist eine tolle Stadt, die Fans sind großartig und unterstützen einen, wo sie nur können. Ich fühle mich dort sicher und bin froh, dass mir diese Möglichkeit geboten wird, diese Erfahrungen, die meine Verlobte und ich nie missen möchten, machen zu können.

 

 


Kommen wir auf das heutige Spiel zu sprechen – mit welchen Erwartungen kamen Sie nach Krefeld?


Es war, wie für die meisten in meinem Team eine neue Halle. Wir wussten, dass sie schön ist und uns eine gute, sehr talentierte Mannschaft hier erwartet. Wir hatten uns darauf vorbereitet, dass es sehr schwer wird für uns. Diese Erwartung hat sich voll bestätigt. Auswärts ist es immer beson-ders schwer und auch diese Partie hätte andersherum ausgehen können. Einige Male ist der Puck heute so gesprungen, dass wir einen Vorteil hatten – aber Krefeld hat schon ein gutes Team!

 

 


Sie haben als Neuling bisher überrascht, viele Punkte auch dort geholt, wo es die wenigsten er-wartet haben – haben Sie dafür eine Erklärung?


Dafür gibt es eigentlich keine Erklärung – vielleicht die, dass wir im Tor sehr gut besetzt sind. Der Torwart ist eine sehr wichtige, falls nicht die wichtigste Person, im Eishockey. Heute hat Jerry (Ge-rald Kuhn) wieder gezeigt, was er kann! Er war ein wichtiger Faktor in unserem Sieg! Er hat gehal-ten, was zu halten war – und mehr! Es waren einige Monster-Saves dabei! Aber auch wir, der Rest der Mannschaft lernt jeden Tag dazu, wir versuchen unser Spiel so einfach wie möglich zu halten. Die Teams in der DEL sind sehr gut und erfahren, während wir aus der DEL2 kommen. Wir arbeiten halt täglich hart daran, um dieses Manko auszugleichen.

 


Vielen Dank für dieses Gespräch!

 

(Foto Birgit Häfner)


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