Interview mit Jackson Kuhn vom EV Landshut

Kuhn 3 (Interview) Jackson Kuhn wurde am 26.12.1992 im kanadischen Parry Sound, Ontario geboren. Hier erlernte er auch im Alter von 3 Jahren das Schlittschuhlaufen und Eishockeyspielen. Nach seinem High-School-Abschluss begann er sein Studium der Bewegungswissenschaft an der Liberty University im US-amerikanischen Lynchburg, Virginia und spielte dort mit den Liberty Flames in der ACHA Division I und Division II.

 

Danach begab sich Jackson für den Rest der angebrochenen Saison auf seine erste Europareise zum finnischen Zweitligisten Et-Po 72. Dort absolvierte er elf Spiele und erzielte dabei sechs Tore und vier Assists. Sein Weg führte den 23-Jährigen Verteidiger anschließend nach Deutschland, wo er bei den Kassel Huskies, den Löwen Frankfurt und schließlich beim EV Landshut vorstellig wurde.

 

Beim niederbayrischen Neu-Oberligisten erhielt Jackson einen Einjahresvertrag. Da sein Vater in Offenbach geboren wurde, bekam er zudem einen deutschen Pass. In der abgelaufenen Hauptrunde der Oberliga Süd sammelte Jackson Kuhn acht Scorerpunkte (2 Tore/6 Assists) und 28 Strafminuten in 33 Spielen.

 



 

eishockey-online.com Reporter Manuel Kulzer hat sich mit dem sympathischen Deutsch-Kanadier in Landshut zum Interview getroffen.

 

 

Jackson, du bist vor etwa 6 Monaten nach Landshut gekommen. Wie gut hast du dich mittlerweile in der Stadt und im Team eingelebt?

 

Jackson Kuhn: Mittlerweile sehr gut. Aber am Anfang war es echt schwierig. Ich war es zuvor gewohnt in Teams mit mehr Englischsprachlern zu spielen und bei der schwierigen Lage des Vereins zu Beginn der Saison, gab es für Alle zunächst einmal wichtigere Dinge zu klären, als „den Neuen“ kennenzulernen. Aber als wir dann merkten, dass wir besser als Team zusammenwachsen müssen, passte alles.

 


 

Zu Beginn der Saison gab es, nach den Vorfällen im Sommer, noch viele Unsicherheiten und kritische Stimmen über die finanzielle Situation und Überlebensfähigkeit des EVL. Wie sehr hast du dich mit diesem Thema auseinandergesetzt bevor du nach Landshut gekommen bist und den Vertrag unterschrieben hast?

 

Jackson Kuhn:  Ich habe mich darüber natürlich immer wieder mit meinem Agenten unterhalten und es hätte auch die Möglichkeit gegeben zunächst wieder in Amerika zu spielen. Aber hier kann ich viel mehr über das Leben als Eishockeyspieler und über die Business-Seite von Eishockey lernen. Außerdem hat es mich auch gereizt, bei einem Verein zu spielen der eine klare Mission hat und meinen Teil dazu beizutragen. Insgesamt habe ich in Landshut einfach viele Lerneffekte für mich gesehen.


 

 

Der EV Landshut ist einer der deutschen Traditionsvereine. Viele deutsche Eishockeylegenden haben hier angefangen, gespielt und Meisterschaften gewonnen. Wie bewusst ist so eine Vereinsgeschichte einem jungen Spieler, der das erste Mal in Deutschland spielt und wie viel bekommt man darüber von Trainern und Teamkollegen mit auf den Weg gegeben?

 

 

Jackson Kuhn: Ich glaube den meisten Spielern ist so etwas eher nicht bewusst. Aber ich kenne Dave Chalk. Er lebt in meinem Heimatort und hat in den 80er Jahren hier beim EVL sogar mit Bernie Englbrecht zusammen gespielt. Außerdem sind meine Großeltern aus Offenbach und da ist ja nicht so weit von Landshut entfernt. Daher habe ich den Verein schon gekannt. Aber die Trainer, Mannschaftskameraden und auch einfach Leute, die man trifft, erzählen einem da schon noch viel mehr. Ich war dann doch überrascht, wie viele der deutschen Top-Spieler hier aktiv waren.


 

 

Ist dies auch eine besondere Motivation für dich?

 

Jackson Kuhn: Ich denke schon. Man weiß, dass einem hier Menschen zusehen, die schon etwas erreicht haben und dass man von Leuten betreut wird, die offensichtlich Ahnung von Eishockey haben. Aber am Anfang kann das vielleicht sogar etwas hinderlich sein, weil man nicht genau weiß was von einem Spieler aus Amerika hier in Deutschland erwartet wird. Man denkt dann selbst mehr darüber nach was diese Personen über einen denken. Ich habe aber schnell gemerkt, dass sie einfach nur alles tun, um einem zu helfen und weiter zu bringen.

 

 



 

 

Zum Thema Motivation: Wie motivierst du dich vor einem Spiel? Hast du besondere Rituale bevor du aufs Eis gehst?

 

Jackson Kuhn: Ich habe eine vier bis fünf-stündige Vorbereitungsphase vor einem Spiel, die immer gleich verläuft. Mir geht es dabei um die mentale Seite. Wir trainieren das ganze Jahr, also ist der Körper physisch bereit loszulegen. Aber gerade in einer neuen Mannschaft ist es wichtig sich klar zu machen, was seine Aufgaben sind und was das Team heute von einem braucht, um zu gewinnen. Mich selbst zu motivieren heißt für mich, meinen Fokus auf das Team zu legen und nicht auf mich als Einzelspieler. Das treibt mich an.


 

Du bist ja ein sehr gläubiger Mensch. Hilft dir das beim Eishockeyspielen?

 

Jackson Kuhn: Absolut. Mein Glaube hilft mir Hindernisse und Probleme viel schneller zu überwinden. Ich tausche mich auch regelmäßig mit anderen gläubigen Sportlern aus, zum Beispiel mit Sam Klassen von den Hamburg Freezers. Zu hören wie sie eine Herausforderung bereits gemeistert haben, hilft einem selbst auch dabei. Außerdem nimmt einem der Glaube den Druck von den Schultern, weil man weiß man ist genau da, wo Gott es vorgesehen hat. Man bekommt einfach noch eine andere Perspektive auf seinen Job als Eishockeyspieler.


 

 

Wie muss man sich die Stimmung in der Kabine vor einem Spiel vorstellen? Ist es eher angespannt oder werden viele Späße gemacht?

 

Jackson Kuhn: Wir sind da eine eher lockere und lustige Truppe. Jeder weiß vorher schon genau was er zu tun hat, es bricht also keine Panik aus. Wir versuchen mit kleinen Späßen einfach sicherzustellen, dass jeder gut drauf ist und bereit für das Spiel.


 

 

Laufen dabei eine bestimmte Art von Musik oder besondere Lieder?

 

Jackson Kuhn: Das kommt immer darauf an, von wessen Handy die Musik abgespielt wird. Bei Kyle Doyle zum Beispiel läuft viel Rock, bei Peter Abstreiter eher Club-Musik. Als junger Spieler überlässt man sowas aber lieber den „Veteranen“. Ich sitze in der Umkleide direkt neben der Musik und schaue mir an, wie sich jeder über die Playlist des anderen beschwert (lacht).


 

 

Ihr habt in Landshut sehr treue und aktive Fans. Sie bereiten oft größere Choreografien vor und unterstützen euch lautstark. Wie viel bekommt man davon als Spieler auf dem Eis überhaupt mit?

 

Jackson Kuhn: Man bekommt das auf jeden Fall mit. Ich war da erst einmal überrascht, weil das ganz anders ist als zu Hause in Amerika. Gerade wenn die eigenen Fans bei einem Auswärtsspiel lauter sind als die der Heimmannschaft treibt einen das nochmal richtig an. Das ist eine richtig coole Erfahrung für mich. Man hört auch den Applaus, zum Beispiel nach einem guten Check, wundert sich aber auch, wenn dieser ausbleibt.


 

 

Vor einigen Wochen haben eure Anhänger eine Spendenaktion gestartet, mit dem ehrgeizigen Ziel 50.000€ zu sammeln, um dem Verein zusätzlich finanziell zu helfen. Bis heute sind dabei etwa 20.000€ zusammengekommen (Stand 02.03.2016). Ist es für dich ein zusätzlicher Ansporn zu sehen, dass den Fans der EVL so sehr am Herzen liegt?

 

Jackson Kuhn: Das ist überwältigend. So etwas erwartest du einfach nicht. Aber es beweist das Landshut eine absolute Eishockey-Stadt ist und das die Fans hier wirklich mit an Bord sind. Wenn du ihre Liebe für den Sport und den Verein siehst, motiviert dich das natürlich noch mehr. Man erkennt das man die Pflicht hat seine Leistung zu bringen und nicht nur für sich selbst spielt sondern für eine ganze Stadt. Das weckt einen schon auf. So wie die Fans sich zusätzlich ins Zeug legen, machst du das auch.


 

Nach anfänglichen sportlichen Problemen habt ihr euch noch das Playoff-Heimrecht erkämpft. Wie weit denkst du könnt ihr jetzt kommen?

 

 

Jackson Kuhn: Es ist ja kein Geheimnis, dass die Oberliga Süd eine sehr starke Liga ist. Und auf dem Papier können wir uns sicherlich auch mit vielen DEL2-Clubs messen. Also glaube ich, dass bei uns sehr viel potentielle Energie da ist. Ich sehe daher keine Limits für uns, wenn wir über 60 Minuten unser bestes Eishockey spielen. Gerade die Playoffs kitzeln in jedem noch einmal ein bisschen mehr heraus. Und wir haben Talent, Schnelligkeit, Härte und Erfahrung. Was Bernie jetzt noch geschafft hat, ist diese einzelnen Elemente zusammen und in eine Richtung zu bringen. Wenn ich bei einem anderen Verein spielen würde möchte ich also nicht unbedingt gegen Landshut ran müssen.

 

 

Auch dir gegenüber gab es zunächst skeptische Stimmen, jetzt hast du dir aber das Vertrauen vieler Skeptiker erarbeitet und bist eine feste Stütze in eurer Abwehr geworden. Wo denkst du hast du dich sportlich noch am besten weiterentwickelt?

 

 

Jackson Kuhn: Selbstvertrauen. Einfach das Selbstvertrauen. Am Anfang hab ich mir zu viele Gedanken gemacht und wusste nicht genau was man von mir erwartet. Dann kam auch noch meine Verletzung genau in der Phase als sich die Chemie der Mannschaft auf dem Eis entwickelte. Also konnte ich da auch nicht dabei sein. Und die skeptischen Stimmen die man hört oder liest nagen dann natürlich auch noch an einem. Aber der Verein hat an mich geglaubt und mir Zeit gegeben und ich habe mich darauf konzentriert, das zu tun was ich kann. Dabei hat mir Bernie sehr geholfen, weil er mir ganz klar gesagt hat, was er von mir erwartet und was meine Aufgaben sind. Das hat er auch für die gesamte Mannschaft getan. Er hat uns ein klares Ziel vorgegeben – unter die ersten Vier zu kommen. Darauf konnten wir dann Spiel für Spiel hinarbeiten und haben es am Ende geschafft.

 

 

Hast du dir schon Gedanken über die nächste Saison gemacht? Würdest du gerne weiter in Landshut spielen?

 

Jackson Kuhn: Ja, auf jeden Fall mache ich mir darüber schon Gedanken. Es gibt auch Interesse von verschiedenen Clubs. Aber wie gesagt, ich bin gerne Teil von etwas, das sich weiterentwickelt, das vorwärts geht. Und ich arbeite gerne mit Leuten zusammen, die ein wirkliches Verständnis für Eishockey haben, seien es die Trainer oder die Geschäftsleitung. Wenn mich etwas hier hält ist es nicht das Geld oder das ich irgendwo hinziehen möchte wo es schöner ist, denn ich glaube es gibt kaum einen schöneren Ort als Landshut. Es ist ein Teil der Reise des Vereins zu sein und die fantastischen Leute hier um den EVL. Aber es ist natürlich noch absolut nichts sicher.

 

 

 

Zum Abschluss noch 5 Kurzfragen:

 

Lieblingsessen: Schweinebraten

Lieblingsgetränk: Augustiner Hell

Hobbys: Autos und alles mit einem Motor, Longboard fahren, Gitarre spielen, lange Spaziergänge am Strand, Kabinenfeste und Beef Jerky machen (lacht)

Was kannst du überhaupt nicht leiden: Jammern und Spieler die Schwalben machen

Sportliche Vorbilder: Bobby Orr, Steve Nash, Andre Agassi und Wayne Gretzky


 


 

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