Interview mit dem besten Deutschen Linksaußen des 20. Jahrhunderts - Dieter Hegen

(Interview) Dieter Hegen wurde in Kaufbeuren geboren und spielte bereits im Alter von 17 Jahren in der Saison 1979/1980 bei seinem Heimatverein ESV Kaufbeuren in der 2. Bundesliga und war mit 60 Toren und 64 Vorlagen in nur 42 Spielen maßgeblich am Aufstieg des ESVK in die 1. Bundesliga beteiligt. Bereits in seinem ersten Jahr (18) im Eishockeyoberhaus wurde er mit 54 Treffern zum Torschützenkönig.

 

Dadurch wurde die NHL auf Ihn aufmerksam und so wurde er im NHL Entry Draft 1981 von den Montreal Canadiens in der 3. Runde an 46. Stelle gezogen.

 

Nach insgesamt sechs Jahren bei seinem Heimatverein wechselte der Linksaussen 1986 zum Kölner EC, mit dem er auf Anhieb seine erste von insgesamt 7 deutschen Meisterschaften gewinnen konnte. In Köln spielte er erstmals mit Gerd Truntschka zusammen, das Duo sollte fortan das Beste in der deutschen Eishockeygeschichte werden.

 

Im Jahr 1989 wechselte er gemeinsam mit Truntschka zum Ligakonkurenten der Düsseldorfer EG wo er mit Stars wie Peter-John Lee, Chris Valentine, Uli Himer, Mike Schmit und Helmut de Raaf zusammenspielte und in den Jahren 1990, 1991, 1992 drei Mal in Folge die deutsche Meisterschaft gewann.

 

Seine nächste Station führte Dieter Hegen an die Isar zum EC Hedos München, wo er ebenfalls wieder mit Gerd Truntschka zusammen auf Torejagt ging. Im ersten Jahr in München scheiterte man allerdings an seinem Ex-Club der Düsseldorfer EG, doch im daurauffolgenden Jahr (1993/1994) wurde die DEG im Finale bezwungen und so kam sein sechster Meistertitel zu Stande.

 

Nach dem Titelgewinn in München beendete Gerd Truntschka seine Karriere, doch Dieter Hegen zog es nach dem Aus der Maddogs München (DEL Nachfolgeverein) zurück an den Rhein nach Düsseldorf, wo er weitere drei Jahre verweilte und im Jahr 1996 zum letzten Mal deutscher Meister wurde. Die DEG zog sich aus der DEL zurück und so wechselte er zu den Starbulls Rosenheim. Nach weniger erfolgreichen zwei Jahren ging er zurück zum ESV Kaufbeuren und beendet dort im Jahr 2002 seine aktive Karriere.

 

Für die Deutsche Eishockey Nationalmannschaft bestritt Dieter Hegen 290 Länderspiele in denen er 111 Tore erzielte, er nahm an insgesamt 5 Olympischen Spielen und 12 Weltmeisterschaften teil. Er wurde zum besten Deutschen Linksaußen des 20. Jahrhunderts gewählt und am 23.10.2010 in die IIHF Hall of Fame in Toronto aufgenommen.

 

Nach seiner aktiven Karriere war es als Trainer (2002) des EV Duisburg in der zweiten Bundesliga tätig und führte die Füchse im Jahr 2005 in die DEL. im Jahr 2007 wurde er entlassen, doch die Interrimslösungen (Fritzmeier, Draisaitl, Lang) konnten den Füchsen Duisburg nicht weiterhelfen und so feierte er in der Saison 2008/2009 sein Comeback hinter der Bande in Duisburg. Nach nur vier Monaten trat Dieter HEgen zusammen mit der gesamten sportlichen Leitung der Füchse zurück.

 

Im Juni 2013 übernahm Dieter Hegen die Position des Cheftrainers beim ESV Kaufbeuren, wo er später durch Uli Egen abgelöst wurde. Danach war er noch bis Ende 2014 als sportlicher Leiter in Kaufbeuren tätig.

 



 

eishockey-online.com hat sich mit dem IIHF Hall of Famer Dieter Hegen zum Interview getroffen.

 

Herr Hegen, vorab möchte ich mich für das Interview bedanken, es ist uns eine Ehre den besten Linksaußen des 20. Jahrhunderts als Interviewpartner zu haben. Wie geht es Ihnen und was machen Sie gerade?



Dieter Hegen: Überhaupt kein Problem, das mache ich doch gern. Mir geht es ganz gut und ich bin momentan auf der Suche nach etwas Geeignetem im Eishockey. Bisher gab es zwar schon das ein oder andere Angebot, da war aber noch nicht das richtige für mich dabei.

 

 


Vor kurzen haben Sie die Fans beim Winterderby im Alumni-Game wieder auf dem Eis sehen dürfen. Wie war das Spiel/Event für Sie?


Dieter Hegen: Das war genauso wie letztes Jahr in der DEL ein rießen Event, es war alles sehr gut organisiert und es macht immer Spaß mal wieder gegen die alten Jungs zu spielen.

 



Letztes Jahr fand in Landshut auch ein Spiel der Legenden statt. Warum war die Nummer 23 nicht mit dabei?



Dieter Hegen: An diesem Tag war ich leider bereits andersweitig verhindert. Die Einladung kam etwas spät und so konnte ich nicht mitspielen. Ich wäre natürlich gerne dabei gewesen, vor allem gegen die Russen zu spielen ist immer eine besondere Angelegenheit.

 



Viele ehemalige Profis sieht man als Eishockeyexperten bei ServusTV. Gab es da auch einen Kontakt oder ist so eine Tätigkeit nichts für Sie?



Dieter Hegen: So eine Anfrage kam bislang noch nicht, deswegen habe ich mich damit auch nicht beschäftigt. Natürlich wäre das auch eine Möglichkeit, dann müsste es halt auch passen, wenn ich wieder in einem Club beschäftigt bin, dann wird das ja auch nicht gehen.

 



Was sagen Sie zu dem neuen Bundestrainer Marco Sturm?



Dieter Hegen: Ich denke, daß man hat mit Marco ein sehr gutes Aushängeschild für die Nationalmannschaft gefunden hat und beim Deutschlandcup konnte er einen guten Einstand feiern. Es ist jetzt natürlich die Weltmeisterschaft abzuwarten, aber durch seine Erfahrung und durch ein gut aufgestelltes Trainerteam wird er die Mannschaft sicherlich gut einstellen.


Er weiß ja aus der eigenen Karriere wie die Weltmeisterschaften ablaufen, da er ja auch ein paar gespielt hat. Eines darf man aber nicht vergessen, der Nationaltrainer kann nur mit dem Spielerpotential arbeiten, das ihm zur Verfügung steht und ich denke, dass gerade Marco einen sehr guten und wichtigen Draht zu unseren Profis hat, so dass hoffentlich auch vielen zur WM kommen möchten.

 

Es muss sich die Einstellung zur Nationalmannschaft wieder verbessern, jeder der den Bundesadler trägt, muss das mit Stolz tun und gerne zur Nationalmannschaft / WM fahren, denn nur so kann er dem Team 100%ig helfen. Für uns war das zu meiner Zeit wirklich etwas ganz Besonderes und unsere Trainer hatten immer die Qual der Wahl wen sie mitnehmen möchten und daß sollte sich auch wieder ändern.

 





7 Meistertitel (mit drei verschiedenen Clubs), 5 Olympische Spiele, 290 Länderspiele, Mitglied der IIHF Hall of Fame. Das kann man in Deutschland nicht übertreffen. Wenn Sie sich die heutigen deutschen Nationalspieler anschauen, ist da einer dabei der auch ein „Hegen“ werden könnte?


Dieter Hegen: Natürlich hofft man immer, dass wir mehr gute Spieler hervorbringen, die uns International weiterbringen. Momentan haben wir ja in der NHL ein paar wirklich gute junge Spieler wie Tobias Rieder oder Tom Kühnhackl. Unsere Deutschen Torhüter sind ja gewohnt stark, das war noch nie das Problem in Deutschland, aber so soll es weitergehen, daß unser Nachwuchs über die nationalen Grenzen hinaus entwickeln kann.

 

 

 

Wie wird man so stark wie Sie es waren? Welche Ratschläge können Sie den jungen Spielern geben?



Dieter Hegen: Geheimnis gibt es keines, entweder hat man das Talent Torjäger zu sein oder nicht. Das kann man sich nur schwer antrainieren.

 

Wir hatten damals in Bayern aber auch eine ganz andere Einstellung zum Eishockey als die Jugend von heute. Für uns gab es ähnlich wie beim Fußball, eigentlich so etwas wie Straßen Eishockey.


Fast jede freie Minute wurde mit Eishockey verbracht, ob im Hof oder auf dem zugefrorenen See oder Teich. Heute haben die jungen Spieler viel mehr Hobbys und gehen lange nicht so viel dem Eishockey hinterher wie wir damals. Wenn man nur 3 Stunden in der Woche trainiert, dann ist das zu wenig. Da würde ich mir schon wünschen, daß hier mehr getan wird, nur das bringt unseren Sport nach vorne.

 

Die Vergangenheit hat ja auch gezeigt, daß die besten deutschen Eishockeyspieler aus Bayern kamen.

 

 

 

Wäre die Nationalmannschaft für Sie als Trainer auch eine Angelegenheit?



Dieter Hegen: Natürlich wäre das etwas, aber da gab es bislang keine Anfrage und deswegen müssen Sie da andere Leute fragen. Ich könnte mir so etwas sehr gut vorstellen, es könnte ja auch im Nachwuchs sein.

 

 

 

 

Welche Länderspiele sind besonders in Ihrer Erinnerung (es waren ja mit 290 sehr viele)?



Dieter Hegen: Es waren sehr viele, aber das Spiel in Albertville gegen Kanada, wo der Penalty von Peter Draisaitl, der auf der Linie liegen geblieben wird ist natürlich besonders in Erinnerung.

 

 

 



Bitte stellen Sie die Starting Six Ihres eigenen All-Star-Teams zusammen (aus Ihrer aktiven Zeit)



Dieter Hegen:
23 Hegen (LF), 17 Truntschka Gerd (C), 21 Kummer (RF), 4 Kießling (D), 25 Hiemer (D), 1 de Raaf (GK)

 

 

 

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft, wieder Trainer oder sportliche Leiter?



Dieter Hegen: Das wird die Zukunft zeigen, wenn ich mir das aussuchen könnte, dann würde ich aber den sportlichen Leiter wählen, das hat mir in den letzten Jahren am meisten Spaß gemacht.

 

 


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