Interview mit Teal Fowler (eishockey-24)

Am 14. September starten die Adler Mannheim mit einem Auswärtsspiel beim ERC Ingolstadt in die neue DEL-Saison – zwei Tage später steht dann das erste Heimspiel gegen die Eisbären Berlin an. Ausgerechnet gegen das Team, gegen das man in der vergangenen Saison bereits gefühlter DEL-Meister war, als man in der heimischen Arena bereits 5-2 gegen die Eisbären geführt hatte um am Ende doch noch mit 6-5 nach Verlängerung zu verlieren.

Die Kollegen von eishockey-24 haben heute Teal Fowler im Gespräch, der uns im Rahmen unserer Serie “10 Fragen an…” einen Ausblick auf die kommende Saison gibt, einen Einblick in das Gefühlsleben der Adler nach der Finalniederlage und zu möglichen Neuverpflichtungen im Kontext eines möglichen NHL-Lockouts.

Und wer weiß, vielleicht erfüllt sich Teal Fowler ja irgendwann doch noch den Traum, eine Saison bei den Buffalo Sabres als Coach hinter der Bande zu stehen?






(Foto Mannheimer Adler)





Eishockey-24.de: In der European Trophy läuft es grad nicht wirklich optimal für die Adler – Zwei Siegen nach Penalty-Schießen stehen vier Niederlagen gegenüber. Seid ihr trotzdem zufrieden mit der Saisonvorbereitung?


Teal Fowler: Natürlich haben wir uns mehr erhofft und erwartet – Ziel war, in das Endturnier zu kommen. Dass wir jetzt da stehen wo wir stehen – dafür gibt es keine Ausreden. Auch nicht, dass wir einige Verletzte und eine schwere Gruppe hatten. Allerdings konnten wir dennoch über die gesamte Vorbereitung eine positive Trendentwicklung beobachten.

Eishockey-24.de: Steckt doch noch etwas Enttäuschung in den Knochen der Spieler – immerhin hatte man den DEL-Titel in der letzten Saison faktisch schon in der Tasche?

Teal Fowler: Die Enttäuschung begleitet uns natürlich immer noch, aber wir versuchen, diese in einen positiven Effekt umzusetzen und zur Motivation zu nutzen. Das Ganze war natürlich sehr bitter, aber vor der Saison hätten wir uns vermutlich gefreut, ein Spiel 5 gegen Berlin zu haben. Nichts desto trotz war die Art und Weise, wie wir verloren haben echt hart – wir hatten zuhause faktisch eine Hand auf dem Pokal. Aber das ist Sport. Aber in anderen Sportarten passiert das auch – Bayern München ist ein gutes Beispiel. Es ist jetzt an uns, das Ganze positiv für uns zu nutzen.

Eishockey-24.de: Die Adler mussten nach der vergangenen Saison Chris Lee zu Färjestads ziehen lassen – mit Doug Janik kommt jetzt ein Spieler, der auf dem Papier und nach Einschätzung von Experten ein ganz anderer Spielertyp als Lee ist. Welche Erwartungen habt ihr an Janik?

Teal Fowler: Chris Lee hat 2011/12 die mit Abstand beste Saison seiner Karriere gespielt. Einen Chris Lee auf dem Markt zu finden und ihn direkt zu ersetzen war daher nicht machbar. Wir haben lange gesucht und gewartet – letztenendes kam für uns nur Doug Janik in Frage. Natürlich kann man die beiden nicht vergleichen. Unsere Erwartung an Doug ist, dass er seine Erfahrung in Nordamerika mit nach Europa bringt. Doug ist ein Spieler, der lange in Detroit war – das lässt viele Rückschlüsse auf seinen Charakter zu. Spielerisch ist er mit und ohne der Scheibe stark und sowohl bei 5 gegen 5 als auch im Powerplay und Penalty-Killing einsetzbar.

Eishockey-24.de: Wohin führt der Weg der Neuverpflichtungen Mirko Höfflin und Dominik Bittner? Mannheim oder Heilbronn?

Teal Fowler: Wir sind froh, die beiden unter Vertrag zu haben. Beide sind sehr spät in der Planung zu uns gekommen – damals war es schon Mitte Mai. Vorher war nicht klar, ob die beiden in Nordamerika bleiben oder nicht. Als es möglich war, haben wir sie natürlich gerne unter Vertrag genommen. Sie spielen eine sehr gute Vorbereitung.

Klar ist aber auch, dass für uns das Modell 2. Eishockey Bundesliga ohne Förderlizenz-Regelung extrem problematisch ist. Wir in Mannheim sind sehr enttäuscht, dass es keine Möglichkeit gab, eine Vereinbarung mit der ESBG bzw. der 2. Bundesliga zu treffen. Es war in der Vergangenheit immer ein guter Weg und eine gute Chance für einen jungen Spieler, sich in Liga 2 weiter zu entwickeln und Spielpraxis zu bekommen – leider geht das jetzt nicht mehr.

Eishockey-24.de: Der Name Jochen Hecht fällt immer wieder, wenn es um potenzielle Neuverpflichtungen geht. Hinzu kommen neuerdings Namen wie Dennis Seidenberg oder Marcel Goc – spekuliert man in Mannheim insgeheim mit einem Lockout in der NHL? Und sind die genannten Spieler ein Thema?

Teal Fowler: Momentan ist keine Bewegung in der Sache mit Jochen Hecht – einer der Gründe ist genau der, dass es gerade in der NHL möglicherweise auf einen Lockout hinausläuft. Man muss sich nur anschauen, dass auch große Namen wie Shane Doan oder Roberto Luongo keinen Vertrag haben – das zeigt, dass viele warten, was Inhalt möglicher neuer Vereinbarungen innerhalb der NHL wird. Wenn Jochen Hecht nicht mehr NHL spielt, gibt es natürlich begründete Hoffnungen, dass er zu uns kommt.

Und ja – wenn es einen Lockout gibt, dann müssen wir natürlich schauen, ob wir jemanden holen. Deutsche Spieler hätten da natürlich Priorität – und Dennis Seidenberg und Marcel Goc sind natürlich echte Top-Spieler. Hinzu kommt, dass wir dann zwei Brüderpärchen hätten, was das Ganze noch wesentlich attraktiver macht. Wenn wir noch jemanden holen, bedeutet das aber auch, dass ein anderer nicht mehr regelmäßig bei uns spielen kann. Das betrifft dann möglicherweise einen jüngeren Spieler oder “Ausländer”, gerade deswegen müssen wir natürlich genau prüfen, ob und wenn ja welche Verpflichtungen auch nachhaltig Sinn machen.





Eishockey-24.de: Mit Dennis Endras wurde ein neuer Goalie geholt – als Nachfolger von Freddy Brathwaite trifft Endras auf hohe Erwartungen. Zum Teil wird bereits jetzt Stimmung gegen Endras gemacht – viele sähen lieber Felix Brückmann im Tor der Adler. Ist Endras die klare Nummer 1 und als solche gesetzt – oder wird Brückmann im Sinne einer Rotation seine Chancen bekommen?

Teal Fowler: Sehen wir es mal als Vorteil: Wir haben vielleicht das stärkste Torhüter-Duo der DEL. Es sind sehr viele Faktoren in die Entscheidung eingeflossen, als wir Dennis geholt haben. Leider werden Spieler nicht mehr jünger – nichts desto trotz hat Freddy seine besten Spiele am Ende der letzten Saison gebracht. Mit Dennis Endras hatten wir eine großartige Chance, einen Spieler mit großem Potenzial zu gewinnen.

Die Leistung von Felix Brückmann in der vergangenen Saison hat viele überrascht – uns wurde zu Beginn der letzten Saison ja noch vorgeworfen, dass wir hinter einem älteren Goalie keinen starken Backup haben. Dann war Freddy verletzt und Felix brachte eine herausragende Leistung. Felix hat unter Druck großartig gespielt.

Dennis Endras hat mit der Nationalmannschaft ein schweres Jahr vor sich – dafür brauchen wir einen starken Felix Brückmann. Berlin hat es vorgemacht, wie man mit 2 Torhütern mit einem Rotationsprinzip in die Saison gegangen ist – und am Ende der Saison war Rob Zepp in Topform. So wünschen wir das auch von unseren beiden Goalies.

Eishockey-24.de: Am 14. September geht die DEL-Saison los – was dominiert? Vorfreude? Das Gefühl, dass es diese Saison mit dem Titel einfach klappen muss? Was sind die Ziele für 2012/2013?

Teal Fowler: Wir freuen uns auf jeden Fall – Spieler, Offizielle, das Umfeld. Der August und ist immer ein langer Monat mit viel Training. Das erste Wochenende bringt mit Ingolstadt und Berlin gleich zwei starke Gegner. Aber: Wir verstecken uns nicht oder haben Sorgen – im Gegenteil. Wir finden es gut, dass wir sofort auf 100% sein müssen.

In Mannheim ist der Druck immer der Gleiche – man erwartet von uns unterschwellig immer den Titel. Wir wollen uns auf die tägliche Arbeit konzentrieren. Nicht zu fokussiert auf ein großes Ziel, sondern konstant zu werden und von Spiel zu Spiel denken. Wir haben letzte Saison viele Spiele aus der Hand gegeben, die wir eigentlich gewinnen mussten. Der Weg Richtung Playoffs und in Richtung Heimrecht fängt am 14. September an. Straubing, München, Wolfsburg – da haben wir klar geführt und dann doch noch verloren, das darf nicht mehr passieren. Der Punktunterschied der letzten 4 war am Ende der letzten Saison so klein, da zählt jedes Spiel, jeder Punkt.

Eishockey-24.de: Ingolstadt ist der erste Gegner in der neuen DEL-Saison – da kommen Erinnerungen hoch an ein ganz besonders Spiel zwischen beiden Teams am 30. Dezember 2011. Was wir uns fragen: Gibt Harold Kreis eigentlich vor dem Spiel Anweisungen, ob und inwiefern man das Spiel auf die Schiedsrichter anpassen muss? Oder zieht man sein Spiel „ohne Rücksicht auf Verluste“ durch – wie es idealerweise eigentlich immer möglich sein sollte – egal welcher Schiri ein Spiel leitet?

Teal Fowler: Wir sind nicht so fokussiert darauf wer pfeift – für uns ist wichtig, dass wir nicht unseren Fokus verlieren im Verlauf des Spiels, egal was oder wie wer pfeift. Man kann sehr schnell ein DEL-Spiel verlieren durch Undiszipliniertheiten und Konzentrationsschwächen. Beim Spiel gegen Ingolstadt haben wir es richtig gemacht, Gas gegeben und selbst die Tore geschossen. Die Schiedsrichter haben da keinen Einfluss gehabt – aber natürlich unsere großartigen Fans.


Eishockey-24.de: Am 16. September gibt es dann gleich die Chance, ein klein wenig Revanche gegen die Eisbären Berlin zu nehmen. Können wir uns auf ein knallhartes Match einstellen?

Teal Fowler: Jedes Spiel gegen die Eisbären ist was Besonderes – von der Coaching- und Managementseite sehen wir das als eines der Spiele, wo wir die Mannschaft nicht motivieren müssen, das machen die Jungs selbst. Das ist Berlin. Ich bin mir sicher, dass sich auch diesmal beide Teams zu einer Topleistung hochstacheln – und am Ende gewinnen die Fans. Die sehen dann ein Topspiel zweier Topmannschaften. Für uns ist es das erste Heimspiel – das ist dann noch eine zusätzliche Motivation. Wenn wir nicht übermotiviert sind, haben wir eine ganz gute Chance auf den Sieg.

Eishockey-24.de: Zum Abschluss eine persönliche Frage – in Ihrer Karriere als Trainer und Co-Trainer standen Sie in Iserlohn, Krefeld und Mannheim auf der Bank hinter den „Jungs“ und waren unmittelbarer für die sportliche Ausrichtung verantwortlich als jetzt als Sportmanager. Vermissen Sie den Job als Coach – und gibt es Vereine, die Sie gerne mal coachen würden?

Teal Fowler: Das Coachen wird man immer irgendwie vermissen. Ich habe den Vorteil, dass mein Sohn Eishockey spielt – jetzt kann ich ihn coachen. Ob das gut oder schlecht ist, weiß nicht (lacht). Es war für mich ein sehr guter Übergang vom Spieler erstmal zum Coach zu werden. Natürlich ist Coach ein ganz schwerer Job, man ist immer stark unter Druck. Wenn ich aber mal träumen darf, wäre ich gerne mal für eine Saison Coach bei den Buffalo Sabres. In der besten Eishockeyliga der Welt. Allein für die Erfahrungen, die ich dann sammeln könnte. Aber eine Saison NHL reicht mir dann auch. Ich bin sehr glücklich in Mannheim und konzentriere mich hier voll auf meine Aufgaben als Sportmanager.


Wir bedanken uns bei den Kollegen von eishockey-24 für die Bereitstellung des Interview





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