Interview mit Ex-DEL Rekordspieler Andreas Renz (Eisenrenz)

(Interview) Andreas Renz wurde in Schwenningen geboren und begann seine Karriere beim Schwenninger ERC, wo er die Jugendabteilung durchlief und zu einem der besten deutschen Verteidiger reifte. Im Jahr 1994 gab er sein Debüt in der DEL (Deutschen Eishockey Liga) für die Schwenninger Wild Wings, bei denen er von Anfang an als junger Verteidiger einen Stammplatz hatte. Bei der B-Weltmeisterschaft 1999 bestritt er sein erstes Turnier für die A-Nationalmannschaft und konnte ein Jahr später (2000) mit dem DEB Team wieder in die A-Gruppe aufsteigen.


Im Jahr 2001 wechselte Andreas Renz zu den Kölner Haien und wurde 2002 Deutscher Meister. Ein Jahr später verlor er mit den Kölner Haien die Finalserie gegen die Krefeld Pinguine (ua. Robert Müller, Christian Ehrhoff). Einen weiteren Erfolg erreichte der "Eisenrenz" 2004 durch den Gewinn des DEB Pokals.


Zur Saison 2010/2011 unterzeichnete Andreas Renz einen Vertrag bei den Kassel Huskies, welcher jedoch wegen der unsicheren Zukunft der Huskies wieder aufgelöst wurde und so wechselte er in den Schwarzwald zu den Schwenningen Wild Wings in die 2. Bundesliga (DEL2). Im Laufe der Saison 2011/2012 erlitt Andreas Renz eine schwere Augenverletzung im Training, dadurch konnte seine Sehkraft auf einem Auge nicht mehr vollständig hergestellt werden und nach der Saison beendete er seine Karriere.


International nahm Andreas Renz an 10 Weltmeisterschaften, 2 Olympischen Spielen (2002,2006) und dem World Cup of Hockey 2004 teil. Er bestritt dabei 181 Länderspiele und erzielte 4 Tore und 8 Assists und zählt damit zu den Rekordnationalspielern in Deutschland.



Bis zu seinem Wechsel zu den Schwenningen Wild Wings war er mit 892 Spielen alleiniger DEL-Rekordspieler und wurde später von Mirko Lüdemann (16.2.2011) überholt. Nach seiner Karriere war er ein Jahr als Co-Trainer in Schwenningen aktiv, bevor er nach einer Auszeit als Eishockeyexperte für den TV Sender ServusTV zurück ins Rampenlicht rückte.

 



 

eishockey-online.com hat sich mit dem Ex-DEL Rekordspieler und aktuellem Eishockeyexperten bei ServusTV Andreas Renz unterhalten.

 

 

Andreas, Du bist seit dieser Saison neu bei ServusTV als Eishockeyexperte tätig. Wie gefällt Dir diese Aufgabe und was machst Du sonst noch?


Andreas Renz:
Das ist für mich ein riesen Job, ich liebe Eishockey und es macht sehr viel Spaß bei ServusTV dabei zu sein. Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt und die Crew ist einfach super. Ich habe bei ServusTV einen Jahresvertrag und bin für verschiedene Spiele/Übertragungen eingeteilt. Ansonsten bin ich im Bereich des Sport Consulting tätig. Dort werden Sportler in allen Lebenslagen beraten, bei Verletzungen, Rehamaßnahmen etc. Diese Arbeit mit den verschiedensten Personen macht mir sehr viel Spaß und in diesem Bereich sehe ich auch meine Zukunft, wobei ich vielleicht auch mal wieder als Trainer tätig sein könnte, das wird sich zeigen.

 

 

Wie läuft Deine Arbeit bei ServusTV ab?


Andreas Renz:
Es ist gigantisch, welcher große Aufwand hinter den Übertragungen steckt, damit die Fans die Livebilder in dieser Qualität sehen können. Bei den Sendungen am Sonntag sind wir mit ca. 70 Mann von ServusTV vor Ort und diese zählt zu den größten Produktionen Europas. Wir haben jeden Mittwoch ein Briefing, wo alle Experten und Kommentatoren zugeschaltet sind, dabei wird über die kommende Sendung gesprochen. Am Spieltag treffen wir uns dann 3 Stunden vor Spielbeginn und gehen nochmals alles durch bevor es dann auch schon losgeht. Vor kurzem war ich in unserem Übertragungswagen und hatte das Gefühl, als ob ich in einem Raumschiff wäre. So viele Schalter, Lichter, Technik, einfach unvorstellbar.

 



Wie kam das Engagement bei ServusTV zu Stande?


Andreas Renz:
Nach meiner Karriere habe ich erst ein Jahr als Coach in Schwenningen gearbeitet und dann gab es eine Anfrage als "Aushilfe" von ServusTV. Ich habe das dann zweimal ausprobiert und so ist der Kontakt zu ServusTV immer wieder dagewesen. Vor dieser Saison kam dann die erneute Anfrage, ob ich mir nicht vorstellen könnte, als ServusTV Eishockeyexperte das ganze Jahr zu arbeiten. ServusTV ist ein ganz innovativer Sender, die wollen verschiedene Eishockeytypen als Experten haben, denen ist es absolut egal ob Du lange Haare oder Bart hast, einen Dialekt sprichst, vielmehr zählt einfach der Charakter und natürlich auch die Erfahrung als Eishockeyspieler.

 




Gab es keine Möglichkeit weiterhin als Trainer, Co-Trainer zu arbeiten? Bei einem anderen Verein?


Andreas Renz:
Ja es gab schon relativ viele Anfragen von Vereinen, auch jetzt noch bekomme ich immer wieder Angebote, aber für mich kommt das aus familiären Gründen nicht in Frage, da ich bei einem Engagement als Trainer, leider viel zuwenig Zeit für meine Kinder hätte und deswegen habe ich mich auch für die anderen Tätigkeiten entschieden, die mir sehr viel Spaß machen und bei denen auch noch genügend Zeit bleibt. Es war auch nach meiner Trainertätigkeit so, dass ich erstmal eine kleine Auszeit gebraucht habe um nach so einer langen Karriere etwas Abstand vom Eishockey zu bekommen. Das hat mir sehr gut getan und jetzt bin ich wieder voll dabei und habe sehr viel Freude.

 

 


Welches Team ist für Dich in dieser Saison die Überraschungsmannschaft und welches bislang eine Enttäuschung?


Andreas Renz:
Iserlohn spielt bislang eine sehr gute Saison. Ich habe einige Spiele gesehen und die Art und Weise wie sie spielen, die Technik, die Laufbereitschaft, das fällt schon richtig auf. Es stimmt momentan einfach alles, auch die Konstanz über die bisherige Saison. Man muss natürlich abwarten, ob Iserlohn den Schwung auch in die Playoffs mitnehmen kann und wie sie sich dann präsentieren, denn darauf kommt es im Eishockey an. Eine gute Saison bringt im Prinzip nicht viel, wenn es in den Playoffs nicht nach oben geht.


Enttäuschend sind für mich so Teams wie beispielsweise Köln oder München, da muss man sich von deren Kader/Potenzial einfach mehr erwarten.





 


Deine Favoriten auf den Titel?

Andreas Renz:
Das ist schwierig, aktuell würde ich Berlin, Iserlohn sagen, aber die Playoffs haben ihre eigenen Regeln und da wird es dann sicherlich wie jedes Jahr spannend werden.




Du hast nach einer Augenverletzung Deine Karriere beendet. Wie geht es Dir damit heute? (Folgen). Hättest Du ohne diese Verletzung noch länger gespielt (siehe Mirko Lüdemann)?


Andreas Renz: Ja es gibt leider Spätfolgen, denn auf dem einen Auge beträgt die Sehkraft nur noch 20%, damit komme ich aber im Berufs- und Privatleben gut zu Recht, nur für den Sport war diese Verletzung zu schlimm. Das Karriereaus war sehr bitter, denn ich war zu diesem Zeitpunkt sehr fit und hatte auch versucht mit einem Gitter zu spielen, aber es hat sich nach meiner Rückkehr so schwierig gestaltet, dass ich mich dazu entschliessen musste aufzuhören. Es war kein einfaches Jahr, aber auch solche negativen Erfahrungen gehören zum Sport dazu und damit wächst man persönlich auch.




Wann, bzw. wie kamst Du zu dem Spitznamen  „Eisenrenz“?


Andreas Renz: Das kam damals in Köln durch die Boulevardpresse, weil ich ein Spieler war, der fast kein Spiel verpasst hatte. So wie heute Patrick Köppchen (Ingolstadt) habe ich über Jahre mit jeder Verletzung durchgespielt und fast nie gefehlt. Mirko Lüdemann hat zwar meinen Rekord dann gebrochen, hat dafür aber mehr Zeit gebraucht als ich. Ich habe mich immer optimal auf jedes Spiel und jede Saison vorbereitet und immer versucht 100% zu geben und meine Spielweise (hart, aber fair) hat dann auch noch zu dem Spitznamen "Eisenrenz" beigetragen.

 



5 Kurzfragen an Andreas Renz



Lieblingsgericht? Pasta, Spaghetti Aglio e Olio
Heimat? Wo mein Herz zu Hause ist.
Unangenehmster Gegenspieler? Rene Corbet (Mannheim)
Dein Rat an junge Eishockeyspieler? Leidenschaft, Einsatzwillen, immer 100% dahinterstehen was man tut.
Was kannst Du überhaupt nicht leiden? Unehrlichkeit.

 

 


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