Interview mit Tino Boos (von hockey-news.info)

Tino Boos wechselt nach 18 Jahren zurück zu seinem Heimatverein nach Düsseldorf, wo er seine seine Karriere begann und in der Saison 1992/1993, welche auch seine erste Profisaison war gleich die Deutsche Meisterschaft gewinnen konnte. Nachdem er mit der Gründung der DEL (Deutschen Eishockey Liga) in Düsseldorf nur noch wenige Einsätze bekam wechselte er zu den Kassel Huskies, wo er unter Hans Zach schnell einen Stammplatz hatte.

Im Jahr 2000 folgte der Wechsel zu den Kölner Haien bei denen er ganze sieben Jahre lang auf Torejagd ging und im Jahr 2002 die Deutsche Meisterschaft an den Rhein holte, ein Jahr später folgte auch der Gewinn des DEB-Pokals. Zur Saison 2007/2008 wechselte Tino Boos zum Ligakonkurrenten Hannover Scorpions wo er in der Saison 2009/2010 unter Hans Zach seine zweite Meisterschaft in der DEL gewinnen konnte.

Uwe Krupp holte den 100-fachen Ex-Nationalspieler für eine Saison zurück nach Köln und hätte den fleissigen mittlerweile 38jährigen gerne behalten, doch es kam der Wechsel nach Düsseldorf zustande.




Unser Partner von hockey-news.info hat mit Tino Boos ein nettes Interview geführt.

Dein Vater war Eishockeyspieler, hat sogar bei Olympia 76 die Bronze-Medaille gewonnen. War Dein Weg dadurch vorgezeichnet ebenfalls Eishockeyspieler zu werden?

Ja, das war er mit Sicherheit. Das hat sich zwangsläufig so ergeben. Ich sehe das an meinem Sohn, der bereits verrückt nach Eishockey ist. Er hat ständig einen Schläger oder Puck in der Hand. So war es bei mir auch.


Du hast eine mehr als bemerkenswerte Karriere in der DEL absolviert, hast über 900 Mal in der DEL gespielt, zwei Meisterschaften gefeiert. Welche war schöner? Kölner EC oder Hannover Scorpions?

Das waren zwei völlig unterschiedliche Meisterschaften. Beim Titel mit dem KEC war ich 26. Da hat man den Erfolg, in den noch recht jungen Jahren, nicht so realisieren können. Es war eine schöne Meisterschaft. Mit Hannover jedoch ebenso. Ich war älter, der Druck war wesentlich größer. Dann, als Kapitän in eigener Halle die Meisterschaft klar zu machen, war einfach wunderbar. Keine Meisterschaft war allerdings wichtiger, beide sind gleich zu bewerten.


Nun kehrst Du nach 18 Jahren zur DEG zurück. Wie emotional ist die Rückkehr für Dich?

Es ist ein schönes Gefühl wieder in Düsseldorf zu sein, wenngleich sich alles geändert hat in den letzten 18 Jahren. Aber es ist auch ein völlig anderes Gefühl als in den 90igern. Ein anderes Stadion, als die gute alte Brehmstraße, spielen wir jetzt im ISS Dome. Man wird erkannt, spricht mich an. Das macht vieles leichter, als wenn man irgendwo ganz neu hinkommt.


Das Eisstadion an der Brehmstraße ist Geschichte, der ISS Dome ist nun die Spielstätte der DEG. Spielt da Wehmut mit oder müssen diese komfortablen Arenen einfach sein heute?

Nein, es müssen nicht unbedingt diese großen neuen Arenen sein. Es ist zwar schön in einer  modernen Kabine zu sitzen, aber die normalen Eisstadien mit modernen Standards reichen völlig aus. Das Eisstadion an der Brehmstraße ist mittlerweile nicht mehr tragbar und so ist der Umzug in den Dome einfach die logische Konsequenz. Zumal mittlerweile alle Anfangsprobleme ausgeräumt wurden.


Nachdem der Ligabetrieb für die DEG gesichert ist - wie sind die Ambitionen der? neuen? DEG? Ist der Kader stark genug um an den Play Offs zu kratzen?

Grundsätzlich kann das jedes Team schaffen. Wir haben mit dem Kader die Möglichkeiten eine gute Saison zu spielen - in Richtung Pre Playoffs sollten wir auf jeden Fall denken.


In der NHL droht ein Ausfall des Ligabetriebs. Auch die DEL wird evtl. Ziel vieler guter Akteure sein. Siehst Du das eher kritisch oder würdest Du Dich über? prominenten? Zuwachs aus Übersee freuen?

Zunächst hoffe ich einfach, dass man sich in der NHL doch noch einig wird. Wenn die Saison dann tatsächlich ausfällt, glaube ich nicht, dass so viele Spieler einen Platz in der DEL bekommen werden. Nahezu alle Teams haben das Ausländerkontingent erschöpft. Allerdings wäre es schön, dann die deutschen NHL-Spieler hier zu sehen. Das wäre dann wiederum positiv.




Hattest Du selbst mal Ambitionen in die USA zu wechseln?

Es war leider irgendwie nicht die passende Zeit für mich. Nach der 10.Klasse wurde ich Profi, hätte nicht aufs College gehen können.


Du wurdest 2007 nach 100 Länderspielen quasi Opfer der Verjüngungskur durch Uwe Krupp in der Nationalmannschaft. In der abgelaufenen Saison war er Dein Trainer in Köln. Gab es da Probleme, oder konntet Ihr Euch gut in die Augen sehen?

Absolut. Uwe Krupp ist damals offen und ehrlich mit mir umgegangen. Er hat klar gesagt, dass ich nicht zu den ersten vier Mittelstürmern gehören würde. Ein Jahr später sollte ich dann wieder in den Kader berufen werden, doch habe ich dann abgesagt. Aber keinesfalls aus Trotz. Mein Sohn war zwischenzeitlich auf der Welt. Zudem hat man seinem Körper dann auch einfach mal eine Auszeit gönnen wollen. In Köln gab es zwischen Uwe Krupp und mir keinerlei Reibungspunkte.


Es heißt immer, es spielen zu viele Spieler aus anderen Ländern in der DEL. Die würden dann den jungen deutschen Spielern in der Entwicklung im Weg stehen. Teilst Du die Meinung?

Wenn man sich zurückerinnert. Zu meiner Anfangszeit durften irgendwann drei statt zwei Ausländer eingesetzt werden. Da war das Geschrei schon groß. Dann wurde die Liga zunächst  für europäische Spieler geöffnet, dann für alle. Mittlerweile sind wir da aber über den Berg. Zu Spitzenzeiten standen 20 Ausländer im DEL-Kader. Mittlerweile werden die Kontingente immer begrenzter und die jungen deutschen Spieler können sich entwickeln. Ich sehe das nicht mehr so dramatisch.


Du bist mit 37 im Herbst der Karriere angekommen. Wie schwer fällt Dir die Aufbauarbeit für die Saison im Sommer?


Nun, die Vorbereitung fällt schon schwerer, als noch vor einigen Jahren. Das Spiel wird immer schneller, immer intensiver. Aber das Training mit Christian Brittig, unserem Trainer, ist dem angepasst und ich fühle mich fit. In den letzten zwei Jahren hatte ich Verletzungen, wovon ich nun verschont bleiben möchte. Aber es ist tatsächlich so, dass man es in den Knochen immer mehr spürt. Zumal das Eishockey schon ein harter Sport ist.


Konkrete Ziele nach der Spielerkarriere?

Ich genieße die Zeit als Spieler in vollen Zügen, daher denke ich nur begrenzt an die Zeit danach. Dem Sport werde ich sicherlich verbunden bleiben, denn das ist das, was ich wirklich kann. Ich werde auf keinen Fall eine Kneipe aufmachen oder Handyverträge verkaufen.


Was würdest Du einem jungen Spieler raten, was ist das Wichtigste, was ein Spieler mitbringen muss, um so lange auf so hohem Niveau spielen zu können wie Du?

Das gibt es viele Dinge. Eine Grundvoraussetzung ist eine dem Profisport angepasste Einstellung. Ich habe das Training nie als Arbeit gesehen und bin gerne zum Spiel und auch zum Training gefahren. Wichtig ist das man bei der Sache ist, ein Ziel vor Augen hat, Spaß an Eishockey hat und das man auf die Leute Drumherum hört. Egal ob Trainer oder Mitspieler, zuhören und umsetzen ist ganz wichtig. Natürlich gehört auch ein wenig Glück dazu, beispielsweise von Verletzungen verschont zu bleiben.



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