Interview mit dem deutschen NHL Torhüter der Washington Capitals Philipp Grubauer

(Interview) Philipp Grubauer ist seit drei Jahren beim NHL Club den Washington Capitals im Kader und hat bislang 23 NHL Spiele bestritten. Seit dieser Saison ist er mit einem 2-Jahresvertrag ausgestattet und als fester Backup Goalie Hinter Braden Holtby aktiv. 

Seine Eishockeykarriere begann der in Rosenheim geborene 24jährige bei den Starbulls, wo er bereits im Alter von nur 16 Jahren fünf Spiele in der Oberliga absolviere. Nach der Saison 2007/2008 wechselte er in die Ontario Hockey League (OHL) zu den Belleville Bulls. Im ersten Jahr konnte er sich in der zweiten Hälfte der Saison gegen Mike Murphy durchsetzen und war bereits in der nächsten Saison Stammtorhüter, bevor er zu den Windsor Spitfires getraded wurde. 

Mit den Spitfire gewann Philipp Grubauer den Memorial Cup 2010 und hatte die beste Fangquote des Turniers vorzuweisen. Durch seine starken Leistungen wurde er beim NHL Entry Draft 2010 von den Washington Capitals in der vierten Runde an 112. Position ausgewählt. Danach wechselte er von den Windsor Spitfires in einem Tauschgeschäft zum Ligakonkurrenten Kinston und unterschrieb bei den Washington Capitals einen Entry Level Contract für 3 Jahre. Nach 38 Spielen musste er aufgrund des Pfeiffer-Drüsenfiebers den Rest der Saison passieren und kehrte für die Behandlung nach Deutschland zum Nationalmannschaftsarzt zurück. 

Ein halbes Jahr später konnte Philipp Graubauer wieder zurück nach Amerika kehren und nahm am Trainingscamp der Capitals teil. Nach der Krankheit wurde er zu den South Carolina Stingrays, dem Farmteam der Washington Capitals, in die ECHL transferiert, damit er wieder zur alten Form gelangen konnte. Bei den Stingrays wurde er in das ECHL All-Rookie Team gewählt und im November 2011 als bester ECHL Torhüter des Monats ausgezeichnet.


Nach dieser Saison spielte er fast zu gleichen Teilen bei den Reading Royals (ECHL) und den Hershey Bears (AHL), beide Farmteam der Washington Capitals. Im Februar 2013 wurde er zum ersten Mal in den NHL Kader der Caps berufen. Am 27. Februar 2013 durfte er sein NHL Debüt (25 Minuten) gegen die Philadelphia Flyers ohne Gegentor feiern. Bereits zwei Tage später stand er gegen die New York Islanders von Beginn an auf dem Eis und wehrte bei der 2:5 Niederlage 40 Schüsse ab. 

Die Saison 2013/2014 war er hinter Holtby und Neuwirth der etatmäßige Dritte Goalie und spielte überwiegend in der AHL bei den Hershey Bears. Im April 2015 war Philipp Graubauer der erste gebürtige deutsche Torhüter der von Beginn an eine NHL Playoffpartie absolvierte (New York Islanders). Nach dieser Saison unterschrieb er einen 2-Jahresvertrag.

 

International war Philipp Grubauer in den Nachwuchs Nationalmannschaften (U17, U18, U20) bei einigen Weltmeisterschaften im Tor und debütierte 2014 bei der A-Nationalmannschaft. Er war auch bei der Weltmeisterschaft 2014 dabei und absolvierte dabei zwei Spiele.

 



 

 

Wir haben mit dem deutschen NHL Torhüter der Washington Capitals Philipp Grubauer ein Interview geführt.

 

Philipp, Du spielst jetzt seit über 7 Jahren in den USA. Bist Du in Amerika heimisch geworden oder fehlt Dir dann doch die bayerische Heimat?

 

Philipp Grubauer: Heimisch werden ist in Amerika gar nicht so einfach. Ich bin in den letzten Jahren sehr viel rumgekommen, South Carolina, Reading, Hershey und Washington. Auf jeden Fall ist und bleibt  Bayern meine Heimat.

 

 

 

Gibt es etwas was Du aus Bayern vermisst?

 

Philipp Grubauer: „A gescheiter Schweinebraten, oder an Leberkäs und des bayerische Bier“.

 

 

 

Du hast in den letzten Jahren einige Einsätze in der NHL gehabt und bist dieses Jahr als Backup Goalie hinter Braden Holtby eingeplant, wie siehst Du die Situation?


Philipp Grubauer:
Das ist für mich eine neue Rolle, denn in den letzten Jahren habe ich die meiste Zeit nur zugeschaut oder in der AHL gespielt und jetzt bin ich zum ersten Mal richtig fest dabei. Einen Plan gibt es nicht, denn der Eishockeysport ist so schnelllebig, da kann sehr viel passieren.  Durch diese neue Situation kann ich sehr viel lernen,  intensiv trainieren und mich in meinem Spiel verbessern. Es gibt auch noch weitere Torhüter die nachrücken möchten, dadurch muss man auch immer im Training und im Spiel gute Leistungen bringen.

 

 

 

Wie erfährst Du wann Du zum Einsatz kommst?


Philipp Grubauer:
Das wird von Spiel zu Spiel von den Trainern entschieden, da gibt es keine Absprachen auch keinen Plan und das wird mir ganz kurzfristig mitgeteilt wann ich spielen darf.

 

 

 

Mit Braden Holtby hast Du ein richtiges Kaliber vor Dir. Wie sieht es aus, kommst Du an dem in der Zukunft vorbei?

 

Philipp Grubauer: Natürlich ist das Ziel von jedem Torhüter dass er die Nummer 1 wird und auch spielt und deswegen tue ich alles dafür, dass ich so stark werde wie es nur geht.  Einfach ist es sicherlich nicht mit so einem Top Torhüter vor der Nase, aber in der NHL geht das oft sehr schnell und dann ist man vorne dran.

 

 

 

Gibt es für Dich einen Zeitplan in der NHL?


Philipp Grubauer:
Nein ich habe mir keinen Zeitplan gesetzt.  In Washington habe ich einen 2-Jahresvertrag und ich befinde mich im ersten Jahr. Bislang hat es auch viel Zeit und Aufwand für mich gekostet da hinzukommen wo ich jetzt bin, daher schaue ich nur von Spiel zu Spiel bzw. von Saison zu Saison. Wenn dann irgendwann in der NHL nichts mehr geht, dann bleibt mir ja immer noch die Möglichkeit nach Europa, Deutschland Schweiz oder Russland zu kommen, aber darüber mache ich mir jetzt überhaupt keine Gedanken, jetzt ist nur wichtig, dass ich fest in der NHL verbleibe.

 

 

 

Wie sieht so eine normale Trainingswoche bei Dir aus?


Philipp Grubauer:
Das kommt natürlich immer auf den Spielplan drauf an. Wir Torhüter haben immer 25 Minuten vor jedem normalen Training mit unserem Torwarttrainer Mitch Corner (hat auch Dominik Hasek trainiert) unsere speziellen Einheiten, egal ob Spieltag oder nicht. Sonst sieht die Woche wie folgt aus:

 

Montag: Training und anschließend Flug nach Detroit.

 

Dienstag:Training und Spiel in Detroit und anschließend Flug nach Philadelphia


Mittwoch:Training in Philadelphia


Donnerstag:Training und Spiel in Philadelphia, anschließend Rückflug nach Washington.


Freitag:Training und Spiel in Washington (Home).


Vormittags sind die Trainingseinheiten immer so gegen 10 Uhr und wir Torhüter sind dann um 9:30 auf dem Eis. So gegen 11:30 gibt es dann eine Besprechung. Danach gibt es Mittagessen und einen kurzen „Mittagschlaf“ / „Mittagsruhe“ bevor es dann zum Spiel geht. Wir fliegen auch immer einen Tag vorher zu den Spielen, auch wenn das Ziel nur 1-2 Stunden entfernt ist, daher gibt es hier keine Busfahrten mehr.

 



 

 

Von Dir gibt es einen „Bobble-Head“, eine besondere Sache, das hat nicht jeder Spieler. Wie kam es dazu?


Philipp Grubauer: Ja das stimmt, der Bobble Head stammt aus Hershey. Wie und warum das so war, kann ich nicht beantworten. Ich weiß nur so viel, dass oft ein Captain, ein Goalie oder ein Publikumsliebling genommen wurde. In Washington gibt es von mir keinen, aber was nicht ist kann ja noch werden (schmunzelt).

 

 

 

Verfolgst Du das Geschehen in der DEL bzw. bei der Nationalmannschaft?


Philipp Grubauer:
Das ist schwierig, weil wir so einen engen Spiel- und Terminplan haben, aber wenn es die Zeit erlaubt, dann schaue ich schon sehr gerne auf die DEL und die Nationalmannschaft. Mich freut es auch ganz besonders, dass das DEB Team mit Marco Sturm den Deutschlandcup zu seinem Einstand gewinnen konnte. Meine Glückwünsche an das ganze Team.

 

 


Die Torhütermasken sind ja ganz etwas Besonderes, wie ist das bei Dir?


Philipp Grubauer:
Mein Topmann aus Schweden Dave Art macht unglaubliche Masken und da lasse ich alle meine Stücke machen. Wenn man die Maske von weitem so anschaut, dann sieht die eigentlich recht einfach aus, je näher man aber hinkommt umso mehr Details kann man erkennen, das ist faszinierend wie er das so hinbekommt. Ich gebe dem Künstler hier freie Hand, nur die Bayerische und die deutsche Flagge muss hinten drauf.

 


5 Kurzfragen an Philipp Grubauer:

 

Lieblingsessen? Wiener Schnitzel, aber nur mit Preiselbeeren
Lieblingsgetränk? Almdudler
Der härteste Gegenspieler (Stürmer)? Sehr viele, z.B. Martin St. Louis
Heimat? Bayern, Berge, Familie, bayerische Kultur
Was hättest Du anstatt Eishockey gemacht? Tennis, Fußball

 

 

Vielen Dank Philipp Grubauer, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast, wir wünschen Dir alles Gute und dass wir uns bald wieder bei der Nationalmannschaft sehen.

 

 

 


 

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