DEL – Mannheims Jochen Hecht: Der überraschte Rekordhalter

Mannheim(DEL-Mannheim) Es ist der 5. Januar 2016. Im Spiel der Adler bei den Thomas Sabo Ice Tigers läuft die 45. Spielminute. Ein Pass von Jochen Hecht wird von einem Nürnberger Schläger noch leicht abgefälscht und landet so bei Christoph Ullmann, der zum zwischenzeitlichen 3:3 trifft. Jochen dreht ab und bejubelt seinen Scorerpunkt, wie er es zuvor bereits 309 Mal in der DEL getan hat. Wenige Tage später sitzt er entspannt in der Kabine der SAP Arena und weiß gar nicht, warum dieser Assist in Nürnberg etwas Besonderes sein soll.

 

Aber fangen wir ganz am Anfang von Jochens Erfolgsgeschichte an. Die beginnt, als er gerade fünf Jahre alt ist. Die DEL heißt noch 1. Bundesliga, die Adler Mannheim noch MERC. „Im Friedrichspark war Tag der offenen Tür und meine Eltern sind mit mir hingegangen. Sie haben mir Schlittschuhe angezogen und dann ging es los“, beschreibt er seinen ersten Tag auf Kufen. Er schließt sich dem MERC an, der zu diesem Zeitpunkt Spieler in seiner Altersklasse sucht. Durch sämtliche Nachwuchsmannschaften führt ihn sein Weg schnurstracks zu den Profis.

 

Es ist der 16. September 1994. Die 1. Bundesliga heißt fortan DEL, der MERC Adler Mannheim. Für Jochens Debüt hätte es keinen schöneren Rahmen geben können. Der Friedrichspark platzt aus allen Nähten, 7.500 Zuschauer wollen am 1. Spieltag das Derby gegen die Frankfurt Lions sehen. 22 Minuten und 26 Sekunden sind gespielt, als Jochen seinen ersten Scorerpunkt sammelt. Er bereitet das zwischenzeitliche 3:0 durch Alexander Serikow vor. Neun Tage später erzielt er gegen die Eisbären Berlin seinen ersten DEL-Treffer. Zu diesem Zeitpunkt ist er 17 Jahre, drei Monate und vier Tage alt und damit bis heute der drittjüngste Torschütze der Mannheimer Eishockey-Geschichte.

 

Die DEL ist eine Nummer zu klein

Vier Jahre und zwei Meisterschaften später ist klar, dass die Liga längst eine Nummer zu klein für den mittlerweile 21-Jährigen ist. 142 Punkte in 215 Spielen, eine beeindruckende Quote. Bereits 1995 haben ihn die St. Louis Blues in der zweiten Runde an 49. Stelle gedraftet, 1998 ist es dann soweit: Er geht nach Nordamerika. Die Blues stecken ihn vorerst in ihr AHL-Farmteam, die Worcester IceCats. In den Playoffs wird er schließlich hochgezogen. Mit zwei Toren in fünf Spielen hinterlässt er einen bleibenden Eindruck und spielt die folgenden zwei Jahre für die Blues in der NHL.

 

Nach einem weiteren Jahr im Trikot der Edmonton Oilers verschlägt es ihn schließlich 2002 nach Buffalo. Bei den Sabres erlebt er seine erfolgreichste Zeit in der besten Liga der Welt. Er glänzt mit Spielverständnis, Scheibenbeherrschung und Passsicherheit, spielt auch in Über- und Unterzahl und kommt in 892 Einsätzen auf starke 495 Punkte. Nach zehn Spielzeiten ist aber Schluss, es zieht ihn mit seiner Familie zurück in die Heimat. „Ich bin Mannheimer, meine Eltern wohnen in Mannheim. Die Adler haben immer eine gute Mannschaft. Es macht keinen Sinn, woanders hin zu gehen“, ist für Jochen der Begriff „Heimat“ untrennbar mit Mannheim und den Adlern verknüpft.

 



 

Ein Assist nach 20 Sekunden

Es ist der 13. September 2013. Während zweier Lockouts stand er zwar wieder für die Adler auf dem Eis, an diesem Abend aber ist er endgültig zurück. Nordamerika ist Vergangenheit, Mannheim seine Gegenwart und Zukunft. Wie in seinem ersten Spiel 19 Jahre zuvor geht es mit einem Derby los. Diesmal Schwenningen statt Frankfurt, SAP Arena statt Friedrichspark, 13.600 Zuschauer statt 7.500. 20 Sekunden sind gespielt, da dreht Jochen das erste Mal nach seiner Rückkehr jubelnd ab. Er hat das 1:0 durch Christoph Ullmann vorbereitet.

 

Der Kreis schließt sich, ist man an dieser Stelle versucht, festzustellen. Aber so einfach lassen sich die vielen Jahre, die Jochen in Nordamerika verbrachte, dann doch nicht in einen Satz quetschen. Mit 21 Jahren zog er aus Mannheim fort, mit 36 kehrte er zurück. Diese Zeit, sie hat nicht nur den Menschen, sondern auch den Eishockeyspieler Jochen Hecht maßgeblich geprägt. „Als junger Spieler war ich sehr emotional“, sagt er und schiebt nach kurzer Pause mit einem Schmunzeln hinterher: „Gut, heute bin ich das teilweise auch noch.“

 

Routine und Erfahrung

Über 1.000 Profispiele hat er mittlerweile bestritten, sein Spiel hat sich verändert. „Als junger Spieler rennt man häufig hinterher, obwohl weniger manchmal mehr und vor allem cleverer wäre. Erfahrung spielt eine wichtige Rolle, weil man in der Lage ist, ein Spiel zu lesen. Ich will jetzt nicht sagen, dass man nur das Nötigste macht“, muss er lachen, aber „man löst viele Situationen einfach effektiver. Mit einer gewissen Routine und Erfahrung macht man sich das Leben auf dem Eis um einiges leichter.“

 

Es ist der 22. April 2015. Die Adler Mannheim sind zum siebten Mal Deutscher Meister. Jochen ist zum dritten Mal Deutscher Meister. In den Playoffs wächst er über sich hinaus. Er steuert 15 Punkte in 15 Spielen zum Titelgewinn bei und wird zum besten Assistenten und zum MVP der Finalserie gewählt. Das Geheimnis hinter seiner Leistungsexplosion? Erfahrung. „Wenn man auf seine Karriere zurückschaut, dann merkt man, dass man die Chance auf die Meisterschaft nicht so oft bekommt. Als junger Spieler denkt man sich: ‚dann eben nächstes Jahr‘. Als älterer Spieler muss man aber die Chance ergreifen, wenn man sie hat.“

 

Ein Punkt für die Geschichtsbücher

Es ist der 5. Januar 2016. Im Spiel der Adler bei den Thomas Sabo Ice Tigers läuft die 45. Spielminute. Ein Pass von Jochen Hecht wird von einem Nürnberger Schläger noch leicht abgefälscht und landet so bei Christoph Ullmann, der zum zwischenzeitlichen 3:3 trifft. Jochen dreht ab und bejubelt seinen Scorerpunkt, wie er es zuvor bereits 309 Mal in der DEL getan hat. Wenige Tage später sitzt er entspannt in der Kabine der SAP Arena und weiß gar nicht, warum dieser Assist in Nürnberg etwas Besonderes sein soll.

 

Es war einer für die Geschichtsbücher. Mit 310 Karrierepunkten hat er den bisher führenden Dave Tomlinson in der ewigen Bestenliste der Adler überholt. Jochen ist der beste Scorer in der Mannheimer Eishockey-Geschichte. „Okay“, ist er überrascht, als er mit dieser Statistik konfrontiert wird. „Nein“, er hatte sie überhaupt nicht auf dem Schirm. „Ich wüsste auch gar nicht, wo ich die nachschlagen kann“, platzt es lachend aus ihm heraus. Dann bricht sein Lachen so abrupt ab, wie es ausbrach. Er lässt die Zahl auf sich wirken. 310 Punkte. „Ich bin stolz darauf, so etwas erreicht zu haben und für Mannheim so erfolgreich sein zu können“, sagt er. Mannheim ist ebenso stolz auf seinen überraschten Rekordhalter.

 

 

 

 


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