DEL Fan Playoffs: Straubing Tigers ringen die DEG nieder und ziehen erstmal ins DEL Finale ein – Augsburg der Gegner im Derby


(DEL/Straubing) (Hermann Graßl) Der diesjährige Halbfinalgegner, der sich klar und überraschend deutlich gegen den Berliner Seriensieger durchgesetzt hat, hieß Düsseldorf. Die DEG sollte der erwartet schwere Gegner werden, schon die Partien in der Hauptrunde verliefen denkbar knapp, die Tigers mussten sich sogar einmal zuhause geschlagen geben, und auch dieses Mal versprach diese Serie etwas Außergewöhnliches zu werden. Die DEG tankte sicherlich zusätzliches Selbstvertrauen gegen die Hauptstadt, was durchaus ein Faktor werden könnte, je länger die Serie dauern würde.

 

 

 

Die Tigers erinnerten sich an die beiden Heimspiele gegen die DEG: beide Matches waren extrem eng und ein Torfestival war aufgrund dieser Erfahrungen definitiv nicht zu erwarten. Ihr erstes Spiel mussten die Niederbayern sogar punktlos mit 2:3 an Düsseldorf abgeben trotz ihrer Comeback Qualitäten nach einem 0:2 Rückstand. Diese Niederlage zählte zu den ganz wenigen Dämpfern am heimischen Pulverturm, sollte aber den Tigers Warnung genug sein, um hier mit der nötigen Einstellung zu Werke zu gehen.


Eine gewisse Grundanspannung merkte man den Tigers an, was ja grundsätzlich nicht schlecht war, wenn man mit einem Quantum Lampenfieber auf seinen Auftritt wartet. Bei der Vorstellung der Starting Six konnte man auch in den Gesichtern der DEG ihren Respekt vor dieser einzigartigen Atmosphäre rauslesen.


Die Straubinger Spieler flitzten im Rahmen der üblichen Einlaufshow voller Tatendrang aus dem aufgeblasenen Tigerkopf und waren bereit für ihre Heimpremiere bei einer Best of Seven Halbfinalserie in der DEL.


Von verhaltenem Beginn war keine Rede in den ersten Minuten von Drittel eins. Beide Mannschaften agierten zügig nach vorne, sicherten aber gleichzeitig mit Bedacht ihre eigene Verteidigungszone ab. Allzu schnell wollte kein Team gleich mal in Rückstand geraten. Außerdem war die DEG bekannt für ihre hervorragende Defensivarbeit, was sich auch an ihren wenigen Gegentreffern von nur 116 in der Hauptrunde niederschlug. Auf der anderen Seite wiesen die Tigers den zweitbesten Sturm der Liga mit satten 175 Toren auf.


Es war keine Überraschung, dass die Defensivabteilungen beider Mannschaften im ersten Drittel den Ton angaben. Chancen konnten kaum verzeichnet werden, zu sicher und stabil erwiesen sich deren Verteidigungszonen. Wie aus dem Nichts heraus, erarbeiteten sich im wahrsten Sinne des Wortes die Rheinländer jedoch binnen 90 Sekunden eine 2:0 Führung, die für die Fans unglaubwürdig erschien. Dieser Spielstand nach dem ersten Spielabschnitt war objektiv nicht verdient, aber an den Fakten konnte nicht gerüttelt werden.


Konnte Tom Pokel die richtigen Worte wählen in seiner Kabinenansprache? Er war bekannt für knappe, klare Ansagen und Statements, die normalerweise auch bald Früchte tragen würden.


Die Protagonisten um Sandro Schönberger kamen entschlossen aus der Kabine und versuchten möglichst schnell den Anschluss herzustellen, um das Spiel wieder spannend zu gestalten. Sie erarbeiteten sich auch gleich einige gute Gelegenheiten, doch Mathias Niederberger, Goalie des Jahres, konnte noch Schlimmeres für seine Vorderleute verhindern. Bei einer etwas unübersichtlichen Situation vor seinem Gehäuse war aber auch er machtlos, als Felix Schütz einen Abpraller gedankenschnell verwertete.

 



 

Nun wurden die Straubinger Fans noch lauter als sie eh schon waren und sie verwandelten den Pulverturm in eine uneinnehmbare Festung, so hoch stieg die Dezibel Zahl in der Halle an.


Von nun an warfen die Tigers alles, was sie aufzubieten hatten an Offensivpower, in die Waagschale und ließen nicht locker in ihren Bemühungen, den nun schon längst fälligen Ausgleich zu markieren. Schließlich wurden sie belohnt und trafen in Person von Max Renner, der eigentlich nicht durch seine Sturmqualitäten auffällt; umso schöner, wenn ein waschechter Bajuware für den Jubel sorgt.


Mit diesem Remis ging es in die zweite Pause und die Spannung war auf den Rängen zum Greifen nahe. So ausgeglichen wie die vier Begegnungen in der Hauptrunde erwies sich auch dieses Einstiegsmatch. Wir waren alle gespannt, wer den entscheidenden Pfeil im Köcher hatte für Game 1. Der Schlussabschnitt war geprägt von Taktik und gut durchdachten strategischen Spielzügen. Das Geschehen spielte sich - nicht verwunderlich - meistens in der neutralen Zone ab, denn jeder lauerte auf den einen Fehler des anderen, der womöglich spielentscheidend war.


Es knisterte richtig in den beiden Fanlagern, wobei die Tigers Fangemeinde unaufhörlich ihre Lieblinge von der ersten bis zur letzten Minute unterstützten. Hier zeigten sich die Straubinger wieder mal als die besten Fans aus Niederbayern, die weder aufhören noch aufgeben. Kreativ konzipierte Transparente und abwechslungsreiche Gesänge erfüllten das komplette Stadion. Dies beeindruckte auch die Gäste vom Rhein.


In den letzten 5 Minuten fanden dann die Tigers ein wenig besser ihren Spielfluss wieder und hatten in der 59. Minute tatsächlich noch das Quäntchen Glück auf ihrer Seite, als ein von der blauen Linie nicht allzu scharf abgefeuerter Schuss von Sandro Schönberger irgendwie, zig mal abgefälscht den Weg hinter Niederberger fand. Sehr glücklich aber mit dem letzten Willen auch erzwungen. Somit war die 1:0 Serienführung hergestellt.


Der ISS Dome war im zweiten Match bis auf den letzten Platz gefüllt, die heimischen Fans überraschten mit außergewöhnlichen Choreografien auf beiden Seiten hinter dem Tor. Das Stadion war farbenprächtig eingehüllt, es erinnerte mich ein wenig an das Winter Game am 20.1.2019 im Rhein Ruhr Stadion in Köln vor knapp 50.000 Zuschauern, dessen Rahmenprogramm unter dem Motto gloria victori sit – ("Ehre dem Sieger") stand. Mit den heute kreierten Bannern und Transparenten brauchten sich die Düsseldorfer Jecken nicht verstecken und zauberten ein ähnliches Gänsehaut erzeugendes Ambiente in die Halle.


Das erste Ausrufezeichen setzten dieses Mal die Tigers mit einem sehenswerten Solo ihres filigranen Technikers Antoine Laganière, der sich wie an Slalomstangen der Düsseldorfer Verteidigungslinie durchtankte und mit einem Schlenzer an der Fanghandseite von Niederberger unhaltbar abschloss.


Nun ließ der Underdog aus Niederbayern nicht locker sondern versuchte sofort nachzulegen, um mit einem komfortableren Vorsprung in die erste Pause zu gehen. Und tatsächlich schafften sie es auch in Person ihres immer besser in Fahrt kommenden Jeremy Williams, den zweiten Treffer zu markieren. Mit einem seiner bekannten Hämmer aus dem Winkel bezwang er Niederberger erneut, der auch hier chancenlos war.

 


(Foto Birgit Häfner)


 

Die Maßgabe für das zweite Drittel war ganz klar, nicht vom Matchplan abzuweichen sondern genauso offensiv nach vorne zu agieren und die DEG immer wieder zu nerven mit geschicktem Forechecking und Puck Eroberungen in den Rundungen, dort wo oft Spiele entschieden werden.

 

Diese Strategie funktionierte ganz gut und ließ die Düsseldorfer Minute für Minute verzweifeln und auch zu untypischen Provokationen hinreißen, welche die Tigers sogleich mit ihrem dritten Tor ausnutzten. TJ Mulock war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und staubte in seiner unnachahmlichen Art trocken ab. Für den Düsseldorfer Goalie war nun der Arbeitstag beendet, hatte er schon lange nicht mehr 3 Buden am Stück eingeschenkt bekommen. Das war auch für ihn des Guten zu viel und er räumte seinen Platz für seinen heutigen Backup Henrik Hane.


Mit dieser Aktion wollte der Coach der DEG ein Zeichen setzen, es musste nicht gleich ein Faustkampf auf dem Eis sein, der oft die eigene Mannschaft wachrüttelt und neue Energie frei macht. Und er behielt Recht in seinem Vorgehen, denn plötzlich explodierten die Mannen um Barta und zeigten sich wie verwandelt auf dem Eis. Sie brannten nun ein Sturm Feuerwerk vor dem Kasten von Zatkoff ab, im Gleichklang verloren die Tigers komplett den Faden.

Jeder Spielzug der DEG war nun clever ausgedacht, die Scheibenführung sensationell sicher und die Interaktionen innerhalb der Sturmreihen famos.


Logische Folge war das schnelle erste Tor durch Maxi Kammerer, der schon gegen Ende der Hauptrunde immer konstanter und treffsicherer wurde. Nun wackelte die Defensive der Straubinger bedenklich, teilweise wurden sie schwindelig gespielt von Adam, Flaake und Gardiner. Der verdiente Anschlusstreffer war nur eine Frage der Zeit, die den Düsseldorfer natürlich langsam davon lief. Dem Urgestein Alexander Sulzer war es vorbehalten, das Spiel wieder spannend zu gestalten. Es war sein erstes Playoff Tor. 


Nun galt es für Tom Pokel, die passenden Worte zu finden, um sein Team wieder mit dem vorgegebenen Game Plan vertraut zu machen, der doch so häufig schon in dieser Saison funktioniert hatte. Er muss wohl seine Akteure angestachelt haben, da sie von der ersten Sekunde an wieder ihre Lauffreude und Disziplin zurückgefunden hatten.

 

Es entwickelte sich nun ein Match auf Augenhöhe, es war auf Messers Schneide. Düsseldorf rannte weiter an, verbissene Zweikämpfe fanden an der Bande statt, keiner wollte zu viel Eis preisgeben. Die Tigers hatten auch die Uhr im Fokus, setzten aber die nötigen Prioritäten für sinnvoll nach vorne getragene Angriffe. Düsseldorfs Backup Goalie Hane war im zweiten Drittel fast beschäftigungslos, das musste sich aus Sicht der Niederbayern nun ändern.


Kurz vor Schluss versetzten die Tigers im Rahmen eines ihrer seltenen Powerplays der DEG den „Todesstoß“ und markierten ihren vierten Treffer an diesem Abend. Der noch Straubinger Stefan Loibl netzte mit einem famosen Handgelenksschuss ein und dämpfte die Hoffnungen der DEG. Für die heimischen Fans war damit die Messe gelesen, denn das Team von Harold Kreis fand kein probates Gegenmittel mehr, um genügend Widerstand zu leisten. Außerdem rannte die Uhr gnadenlos herunter zu Gunsten der Gäste, die sich nun nur noch auf das unbedingt Nötige konzentrierten.

 




Die Geschichte von Spiel # 3 in Straubing ist schnell erzählt: Heute schien der Pulverturm zu beben, er wankte ohnehin schon Stunden vor der Begegnung vor allem mit der 2.0 Serienführung im Rücken. Die Fans waren aus dem Häuschen und verstärkten den Lärmpegel nochmals um etliche Dezibel.

 

Dies beeindruckte die Gäste anfangs ebenfalls, die etwas von der Rolle waren in den ersten 5 Minuten und etliche Leichtsinnsfehler machten, die man von ihnen gar nicht gewohnt war. Folgerichtig zogen die Tigers mit ihrem ersten Tor durch Tim Brunnhuber der DEG den Zahn im ersten Drittel. Die Düsseldorfer schafften es einfach nicht, ihr gewohntes Spiel den Hausherren aufzudrängen. Harry Kreis hatte sicherlich Redebedarf beim „Pausentee“.


Die DEG besann sich nun wieder auf ihre Tugenden, sprich kompakte Defensivarbeit gepaart mit überfallartigen Angriffswellen. Diese Strategie wurde bald in den gewünschten Erfolg umgemünzt; binnen 25 Sekunden schafften es die Gäste das Match zu drehen und an sich zu reißen. Von diesem Doppelschlag erholten sich die Tigers nicht mehr so richtig im Laufe der Begegnung. Der Rückstand nach zwei Dritteln war nicht eingeplant.


Irgendwie schienen die Tigers an diesem Tag auch ein wenig neben der Spur zu sein, die Frische fehlte, was sich auch in der fahrigen und unkonzentrierten Spielweise im letzten Drittel niederschlug. Diese Performance passt

 

so gar nicht zu den bisherigen Heimspielen, welche die Tigers so traumwandlerisch sicher oft für sich entschieden. Letztlich hatten die Straubinger trotz des knappen Spielstandes nicht den Hauch einer Chance und verloren am Ende mit 1:2. Da aber die Höhe der Niederlage keine Rolle spielte, ging es hauptsächlich darum, unnötige Verletzungen soweit möglich zu vermeiden, um dann den nächsten Kampf im Rheinland möglichst vollzählig bestreiten zu können.


Eigentlich ist ja gar nichts passiert, die Tigers behaupteten immer noch eine Serienführung von 2:1, die sie in Düsseldorf weiter ausbauen wollten. So lautete ihr Plan, nun mussten nur noch Taten folgen.


Daheim galt es nun für die DEG, an die gezeigten Leistungen in Straubing anzuknüpfen und den Rückstand schließlich wettzumachen: diese Begegnung kristallisierte sich als echte Schlacht im ISS Dome heraus, es wurde mit allen Mitteln bis an die Grenze des Erlaubten und manchmal auch darüber hinaus gekämpft. Das erfahrene Schiedsrichtergespann war zu jeder Sekunde des Spiels gefordert, zum einen das nötige Fingerspitzengefühl in so einem hochklassigen Match zu zeigen und andererseits die Akteure für sehr rüde Fouls auch standesgemäß zu bestrafen. Man sah, was auf dem Spiel stand und genauso wurde auf dem Eis agiert.


Auf diese Weise sammelten beide Teams fleißig Strafminuten und dezimierten sich in schöner Regelmäßigkeit. Hier machte sich das schon über die gesamte Hauptrunde bockstarke Unterzahlspiel der Tigers bezahlt, was on top sogar mit einem Shorthander durch Ziegler versüßt wurde. Beide Sünderbänke waren fast durchgehend immer mit mindestens einem Spieler besetzt, es gab zahlreiche Disziplinarstrafen und auch eine Spieldauerstrafe für einen Akteur der DEG. Diese numerische Überlegenheit nutzten die Tigers mit ihrem gefestigten Powerplay gnadenlos aus und freuten sich über eine 2:0 Führung nach zwei Spielabschnitten.


Sollte dieser Vorsprung dieses Mal ausreichen? Im letzten Drittel mussten beide Mannschaften ihrer unruhigen Spielweise Tribut zollen und es wurde zusehends zerfahrener, die Tigers knüpften fast nahtlos an ihre letzte Performance zuhause an, was die Fans ziemlich verwunderte. Plötzlich funktionierten die Mechanismen nicht mehr wie am Schnürchen, Leichtsinnsfehler schlichen sich ein, was dem Gegner natürlich in die Karten spielte. Harry Kreis erkannte die Zeichen der Zeit und gab seiner Top Formation noch mehr Eiszeit; diese Reihe sollte es nun richten.


Barta & Co. marschierten plötzlich und ließen sich scheinbar nicht mehr von der sonst unüberwindbaren Tigers Wand aufhalten. In einer doppelten Überzahl - T.J. Mulock und Chase Balisy mussten fast zeitgleich auf die Sünderbank - holten die Düsseldorfer das Maximale heraus und gestalten nun die Partie ausgeglichen.


Die Kräfte bei den Tigers schwanden nun zum Entsetzen der Fans auch noch sichtlich, erwies sich die lange Reise doch als zu beschwerlich? Ausreden ließ Tom Pokel nicht zu, das entsprach nicht seiner Philosophie. Es bahnte sich nun das an, was eigentlich niemand glaubte: in der Schlussminute bekam die DEG zurecht einen Penalty zugesprochen, als Flaake sich durchtankte und nur durch eine Umklammerung am sicheren Tor gehindert wurde. Diese riesen Gelegenheit wollten die Hausherren unbedingt nutzen und in Person ihres Kapitäns gelang es wirklich, den Siegestreffer zu markieren. Barta ließ Zatkoff nicht den Hauch einer Chance.

 

Die Tigers wirkten leer, was man ihren Gesichtern unschwer ablesen konnte und sie waren entsprechend niedergeschlagen. Sie hatten eine 2:0 Serienführung, heute wieder einen komfortablen Vorsprung, aber am Ende des Tages setzte sich wohl die Playoff Erfahrung der Rheinländer durch, die nun ihrerseits mit breiter Brust an den Pulverturm reisten.

 



 



Die Straubinger Fangemeinde war sehr angespannt in der Erwartung des hartnäckigen Gegners aus Düsseldorf. Irgendwie schien die gewohnte Leichtigkeit etwas verflogen zu sein, sah man sich nun sprichwörtlich an die Wand bzw. Bande gedrückt zu werden von der DEG. Sicherlich eine völlig neue Situation und Erfahrung für den Coaching Staff der Tigers, die sich in den letzten beiden Tagen definitiv einiges einfallen lassen mussten, um das Ruder doch noch herumzureißen und letztlich nicht etwas überraschend im Halbfinale schon auszuscheiden.


Schaffte es Tom Pokel doch noch die passende Mixtur für den nötigen Zaubertrank bereitzustellen oder konnte Harry Kreis als „alter Hase“ mit einem lachenden Auge wieder die Heimreise antreten?


Die DEG zeigte ein brutal wirkungsvolles Auswärtsspiel und war drauf und dran, ihr zweites Match nacheinander in unserem Wohnzimmer für sich zu entscheiden. Durfte das wirklich passieren? Wie konnten die Tigers dies noch verhindern?


Mit ihrer fantastischen Defensivarbeit ließen die Düsseldorfer die Tigers des Öfteren schier verzweifeln. Es gab durchaus zahlreiche ausgezeichnete Einschussmöglichkeiten für die Straubinger, doch irgendwie war am Ende immer noch ein Stock Ende dran oder das Gestänge rettete Niederberger mehrfach vor einem Treffer. Es war zum Mäuse melken, wir waren schon der Verzweiflung nahe, mussten aber schließlich anerkennen, dass in so einem Playoff Halbfinale nur ein einziges Törchen den entscheidenden Unterschied ausmachen kann.

 

Und so war es, als Buzas den goldenen Treffer im dritten Drittel verbuchte. Dabei sah die Verteidigung der Tigers wahrlich nicht gut aus; wie durch Slalomstangen konnte sich der Stürmer durchtanken, das war viel zu leicht, das erkannte auch Tom Pokel. Seiner Miene konnte man den verständlichen Ärger über die verpassten Gelegenheiten deutlich entnehmen.


Ok, Mund abwischen und schauen, im Rheinland sofort wieder die Machtverhältnisse zurechtrücken, damit der Traum der Tigers doch noch weitergehen würde.


In der Höhle des ISS Dome mussten die Tigers nun Geschichte schreiben und den so wichtigen Serienausgleich herstellen, um schließlich ein richtiges Endspiel um den Einzug ins Finale zu erwirken.


Ein Sonderzug von 700 überzeugten Fans begleitete die Protagonisten; mit dieser Unterstützung im Rücken sollte nichts schief gehen an diesem Abend. So schworen sich die Fans stimmungsvoll auf ein atemberaubendes Match ein und waren guter Dinge getreu dem langjährigen Motto „Auf geht’s Tigers, kämpfen und siegen“.

 



 

Genauso konzentriert betraten die Tigers das Eis im ausverkauften Dome. Sie wollten sich nicht nochmals abfieseln lassen und eine weitere Niederlage abholen, das wäre des Guten zu viel gewesen, vor allem wenn man die starke Leistung der Tigers in der Hauptrunde Revue passieren ließ.


Die Mannen um Sandro Schönberger waren von der ersten Sekunde an voll da und legten los wie die Feuerwehr, so wie sie dies eigentlich stets zuhause praktizieren. Die DEG war wohl von dieser Vorgehensweise etwas überrascht und hatten eminente Probleme, ihren Game Plan umzusetzen. Dieses Mal durften sich die Tigers über etliche Powerplay Situationen freuen, denn die Düsseldorfer gingen etwas zu beherzt zu Werke. Gleich die erste Überzahl konnten die Tigers mit einem soliden Kombinationsspiel nutzen und die Führung erzielen durch Williams, der nun endlich wieder mal traf. Das war Gold wert und vor allem für die Psyche gut. Nach einem weiteren aber erfolglos verlaufenden Powerplay waren Connolly und sein kongenialer Sturmpartner Jeremy wieder zur Stelle und setzten noch einen drauf mit dem zweiten Tor des Abends.


Mit diesem Vorsprung hatte es den heimischen Fans auch etwas die Stimme verschlagen und die Tigers kontrollierten endlich mal wieder eine Partie gegen diesen sehr unangenehmen Gegner. Dies war höchste Zeit und die Tigers wirbelten weiter munter auf dem Eis, dass es der DEG fast schon schwindelig zu werden schien.


Verdiente Belohnung war das 3:0 durch einen Distanzschuss von Marcel Brandt mitten ins Düsseldorfer Herz. War das schon die Vorentscheidung? Die Fans waren noch unschlüssig, zumal es ja bis dato schon öfters solche scheinbar klaren Vorsprünge gab, die dann urplötzlich nichts mehr wert waren am bitteren Ende.


Harry Kreis motivierte seine Jungs für den Schlussabschnitt, um doch noch was Zählbares auf die Anzeige zu bringen und den Strohhalm am Leben zu erhalten für eine Aufholjagd.


Seine Kabinenansprache hatte wohl Wirkung gezeigt, denn nun waren es die Hausherren, die die Kraftverhältnisse auf dem Eis zu ihren Gunsten rückten. Mehrere Angriffswellen brauchte es noch, bevor das erste Mal die Jubelgesänge im weiten Rund des ISS Dome zu vernehmen waren. Wer sonst als Jerome Flaake hätte hier das Signal zum Dagegenhalten setzen können?


Nun war es wieder eine Partie auf Augenhöhe und der zweite Treffer ließ nicht allzu lange auf sich warten; dieses Tor musste aber noch einen schier unendlich lange dauernden Videobeweis bemühen, der das Publikum gleich zweimal in Ekstase versetzte.  Nun wankte auch wieder die Tigers Wand bedenklich, nur gut, dass die Minuten verronnen und den Hausherren nicht mehr viel Zeit bleib für den zu diesem Zeitpunkt durchaus nicht unverdienten Ausgleich.


Der alte Fuchs Harry Kreis nahm dann zwei Minuten vor Schluss seinen Keeper vom Eis. Was blieb ihm anderes übrig, er musste volles Risiko gehen und alles auf eine Karte setzen. Hier machte er aber die Rechnung ohne die Tigers, die auf diesen Schachzug bestens vorbereitet waren und ihrerseits ihr Heil in der Offensive suchten, genauso wie es Tom Pokel von seinen Mannen gefordert hat.


Und so kam es wie es kommen musste - in einem der wenigen Entlastungsangriffe fasste sich Stefan Loibl ein Herz und übte sich in einem Alleingang, nur noch einen Verteidiger vor sich, den er geschickt tunnelte, um dann seelenruhig die Scheibe über die Linie zu stupsen. Freude pur war nun angesagt bei den mitgereisten Fans, die nicht mehr zu bremsen waren. Tatsächlich haben die Tigers es geschafft, die Serie erneut an den Pulverturm zu führen, um dort die ultimative Schlacht dieser beiden Giganten zu erleben.


Die Tigers hatten nun wirklich ihren eigenen Matchpuck und konnten die Serie am heimischen Pulverturm beenden. Dort nahmen sich die Tigers wohl so Einiges vor und hatten mit ihrem Coach ein Videostudium ihres souveränen 4:1 Auswärtserfolges in der Hauptrunde betrieben. Mehr als dieses Replay war seitens Tom Pokel gar nicht nötig, um seine Protagonisten auf den Punkt für diese finale Begegnung einzuschwören.


Es war interessant, welches Spielkonzept und welche Philosophie sich letztlich durchsetzen würden. Hurra Eishockey von den Tigers oder Defensiv Format bei der DEG.


Den Tigers war schon ein wenig die Nervosität anzumerken, doch Tom Pokel hatte im Vorfeld optimale Vorbereitung geleistet. Er behielt die erfolgsverwöhnten Sturmreihen bei, er mischte nichts mehr durcheinander oder machte irgendwelche Experimente; getreu dem Motto „never change a winning team“ beließ er alles beim Alten.


Trotzdem experimentierte Tom Pokel, der „alte Taktik Fuchs“, doch noch filigran an seiner Reihenzusammenstellung, was sich auszahlen sollte. Mit Stefan Loibl, dem bald Neu-Adler, an der Seite von Connolly und Williams schien Pokel das Rezept gefunden zu haben, mit dem er die DEG aushebeln würde. Er hatte seinen Akteuren wohl einen ganz besonderen Zaubertrunk in der nötigen Pause verabreicht.


Die Tigers waren hungrig und schnürten die Gäste regelgerecht ein, stürmten mit gut vorgetragenen Angriffen ins Düsseldorfer Verteidigungsdrittel und nahmen ihnen mit einem Doppelschlag binnen 2 Minuten den Wind aus den Segeln. Im Publikum nahm die ekstatische Stimmung ihren Höhepunkt ob dieser beiden so extrem wichtigen Tore, die von Felix Schütz und Mike Connolly erzielt wurden.


Von dieser Woge der Begeisterung mitgetragen setzten die Tigers weitere Nadelstiche und bauten ihre bis dato hochverdiente Führung weiter aus. Ein 5:0 gegen die so defensivstarke Truppe aus Düsseldorf sprach Bände und so ein Spielstand musste in der Historie beider Teams lange recherchiert werden. In die Torschützenliste durften sich dieses Mal Filin, Balisy und Schopper eintragen.


Im Mitteldrittel passierte wenig und im Schlussabschnitt verwalteten die Niederbayern ihren Vorsprung geschickt.

Im letzten Drittel war die #13 der Tigers, Stefan Loibl noch hochmotiviert bis in seine Haarspitzen und wollte es auch seinen Eltern zeigen, die zum ersten Mal das Match mit verfolgten. Er nahm Anfang des Schlussabschnitts seinen ganzen Mut zusammen und wollte mit einer Einzelaktion ein Zaubertor erzielen. Der Puck schien wie mit Geisterhand an seinem Schläger zu kleben. Stefan verwandelte stilsicher durch die neutrale Zone, ließ Ebner, Nowak und Co. sehr „alt aussehen“ und zauberte die Scheibe mit einem genialen Rückhandschlenzer in den Winkel.


Trotz des deutlichen 6:0 Spielstandes blieb Niederberger in seinem Kasten, zusammen mit seinen Teamkollegen musste er diese Schmach über sich ergehen lassen. So mancher heimischer Fan fühlte sich erinnert an ein ebenfalls denkwürdiges Match gegen die DEG in den Anfangsjahren der DEL Zugehörigkeit der Straubinger, als man tags zuvor noch den Trainer feuerte, um dann mit einem glanzvollen 7:1 die Düsseldorfer aus der eigenen Halle zu schießen.

 



Gewisse Parallelen waren durchaus zu verzeichnen an diesem Nachmittag, nicht nur wegen des fast identischen Spielstandes sondern auch aufgrund der heutigen Dominanz der Straubinger.


Völlig verdient zogen die Tigers mit diesem 4:3 Serienerfolg erstmal in das DEL Finale ein, auch wenn sie über die komplette Distanz gehen mussten. Hoffentlich würden sich diese ungeplanten Überstunden nicht rächen, wenn es nun im Finale gegen den bayerischen Rivalen aus der Fuggerstadt geht. Die Augsburger deklassierten nach ihrem Husarenstreich gegen München nun auch den amtierenden Meister aus Mannheim mit 4:1.


Das obligatorische Shake Hand auf dem Eis fand natürlich auch statt und ging in der allgemeinen Begeisterung fast unter. Tom Pokel und sein Coaching Staff erwiesen sich als faire Sieger und zollten Harry Kreis und seiner DEG den nötigen Respekt für deren Leistung über die gesamte Saison. In der Pressekonferenz hielten sich beide Trainer nicht zurück mit anerkennenden Worten, was die Ausgeglichenheit dieser herausragenden Halbfinalserie sogar noch untermauerte.


Straubing hatte zweifellos Großes geleistet, sie waren ihrem Traum vom ersten DEL Titel nun ganz nah gekommen. Nun mussten sie ihn „nur“ noch vergolden.


Ganz Straubing stand Kopf und war völlig beseelt ob dieses einmaligen noch nie dagewesenen Erfolges. Der standesgemäße Autokorso ließ nicht lange auf sich warten. Die Innenstadt war mit zig Tausend Fans zugepflastert und die Lieder der Fans hallten durch die Stadt. Erinnerungen an 2012 kamen zurecht auf!


Die Mission „unfinished Business” konnte weitergehen – Finale, wir kommen!

 

 

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